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Roma-Organisationen fordern rassistischen FIDESZ-Bürgermeister zum Rücktritt auf

8. September 2009

 

Während die ungarischen Medien mit dem Budapester Gay Pride am Samstag beschäftigt waren, fand gestern relativ unbeachtet eine andere Demonstration im nordostungarischen Städtchen Edelény statt.

 

Etwa 400-500 Roma haben dort vor dem Rathaus gegen den FIDESZ-Abgeordneten und Edelényer Bürgermeister Oszkár Molnár demonstriert, eine Entschuldigung und seinen Rücktritt gefordert. 

Der Bürgermeister hatte auf einer Gemeinderatssitzung behauptet, dass die Romafrauen seiner Gegend ihre ungeborenen Kinder schädigen, um doppeltes Kindergeld abzukassieren.

 

molnaroszkar

 

Ein Mitschnitt dieser Sitzung tauchte vor einigen Tagen im Internet auf. 

 

 

(Video von der Demo, mit dem Ausschnitt der Gemeinderatssitzung am Anfang; gedreht vonder Roma-Nachrichtenagentur Cicsero, einer kleinen NGO in Nordostungarn.)

 

Wörtlich sagt der Bürgermeister:

 

“In den mehrheitlich von Zigeunern (sic) bewohnten Dörfern, zum Beispiel in Lak und Szendrôlád, werden von den Frauen während der Schwangerschaft absichtlich Medikamente eingenommen, damit die Kinder geistig behindert (wörtlich: verrückt) zur Welt kommen, weil so doppeltes Kindergeld abgerufen werden kann.” (…) “Dem bin ich nachgegangen, und es ist wahr: Schwangere Frauen schlagen sich mit Gummihämmern auf den Bauch, um behinderte Kinder zu bekommen.”

 

Oszkár Molnár steht zu seinen Behauptungen. Beweise hat er keine, er beruft sich auf einen ortsansässigen Arzt und eine Hebamme. 

 

Die Bürgermeisterin von Szendrôlád, Frau István Joó und die örtlichen Hebammen weisen diese Behauptungen scharf zurück. In ihrem Dorf leben über 700 Kinder; erhöhtes Kindergeld beziehen jedoch nur etwa ein Dutzend, und ihre Anzahl hat sich in den letzten Jahren nicht erhöht.

 

Laut Pierre Daher, dem Arzt von Szendrôlád, leben dort in der Tat mehrere kranke Kinder; die Ursache dafür sei jedoch in ihren schlechten Lebensbedingungen zu suchen.

 

Romaorganisationen entsetzt, erstatten Anzeige

 

Mit seiner Äußerung hat der Bürgermeister nicht nur die Roma seines Wahlbezirks verletzt,  sondern die Demokratie und den Rechtsstaat, so Ágnes Daróczi von der  Romaorganisation Phralipe auf der Demonstration.

 

Ein Vertreter der Roma-Landesselbstverwaltung OCÖ sagte auf einer Pressekonferenz, so etwas habe man in Ungarn seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr gehört; ein Politiker, der 2009 in Ungarn so etwas sagt, sei für ein öffentliches Amt ungeeignet.

 

Minderheitenvertreter von Szendrôlád wollen gegen Oszkár Molnár Anzeige erstatten.

 

László Teleki, Beauftragter des Ministerpräsidenten  für Romafragen, sagte: “Wegen seiner verallgemeinernden, gegen die Roma hetzenden und ihre Ausgrenzung vorantreibenden Äußerungen fordere ich Oszkár Molnár auf, sich mindestens zu entschuldigen,  und wenn er sich als Demokraten sieht, wird er die entsprechenden Konzequenzen ziehen.”

 

Oszkár Molnár hat nicht vor, zurückzutreten. Hinter der Demonstration und der Negativpresse vermutet er “politische Manipulation”.

 

FIDESZ distanziert sich nicht

 

FIDESZ hat sich bislang nicht von Oszkár Molnár distanziert. Bertalan Havasi, der Pressesprecher von FIDESZ, sagte der ungarischen Nachrichtenagentur MTI, seine Partei betrachte die Äußerungen des Edelényer Bürgermeisters “als lokale Angelegenheit”, und wolle sich nicht einmischen.

 

Man erinnere sich: Nächstes Jahr sind in Ungarn Wahlen, es wird einen Regierungswechsel geben, dann sind FIDESZ dran.

 

 

Quellen: 

Naplo OnlineIndexZalai Hirlap, Borsod Online, IndexNépszabadságFejer Megyei Hirlap

 

Oszkár Molnárs Abgeordneteninformation und Kontakt hier.

 

 

“FIDESZ läuft Jobbik nach”

 

 

Dass zwei FIDESZ-Politiker innerhalb einer Woche durch “radikale” Äußerungen Schlagzeilen machen, sieht das jobbiknahe ultrarechte Portal barikad.hu als Anzeichen dafür, dass FIDESZ versucht, keine Wählerstimmen von Jobbik-Symphatisanten zu verlieren.

 

Die FIDESZ-Abgeordnete Ilona Ékes, Mitglied des Ausschusses für Menschrenrechte und Minderheiten im ungarischen Parlament, hatte sich letzte Woche dafür ausgesprochen, den Budapester Gay Pride zu verbieten, und Homosexualität als Geisteskrankheit bezeichnet. 

FIDESZ hat sich auch von diesen Äußerungen nicht distanziert; die Abgeordnete habe nur ihre Privatmeinung geäußert.

Mehr dazu hier.

 

 

Edit 21.9.2009: Wie es seither weiterging

 

Regierungspartei MSZP fordert schon die ganze Zeit, dass Molnár aus allen politischen Ämtern zurücktritt.

 

 

Die grüne Partei, LMP (noch neu, nicht im Parlament vertreten), hat FIDESZ um Stellungnahme gebeten, aber keine bekommen.

 

Die christlich-konservative Partei MDF hat ebenfalls den Eindruck, dass Fidesz seine ultrarechten Wähler nicht vergraulen will.

 

 

Passieren wird: Natürlich nichts.

Und Fidesz schweigt weiter.

 

Aber die Frauen von Lak und Szendrõlád lassen das nicht auf sich sitzen – über 300 haben gegen Oszkár Molnár Anzeige wegen Verleumdung und Beleidigung erstattet (aus Szendrõlád 245, aus Lak 115). Auch der Vorsitzende der Romaselbstverwaltung des Komitats Borsod-Abaúj-Zemplén hat Anzeige erstattet. 

Da der Bürgermeister auch Parlamentsabgeordneter ist, ist die Budapester Staatsanwalt zuständig.

 

Man kann ihnen nur viel Glück wünschen.

 

 

Edit: Edelény ist Partnergemeinde von Bad Sobernheim (D) und  Worb (CH). 

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16 Kommentare leave one →
  1. Mike permalink
    17. September 2009 17:26

    Ich war über die Äußerungen des Bürgermeisters ziemlich entsetzt. Nach dem Moto “audiatur et altera pars” möchte ich aber einige Punkte ansprechen, damit der deutschsprachige Leser ein vollständiges Bild von diesem Vorfall haben:

    1. Der Beitrag auf youtube und der o.g. deutsche Textauszug gibt den Inhalt der Sitzung nur unvollständig wieder: Vor der oben zitierten Aussage des Bürgermeisters (der BM erteilte das Wort für Fragen) meldete sich eine Abgeordnete des Gemeinderates zu Wort (Anmerkung: eine ethnische Rom) und führte aus:

    “Ich möchte mich zu Wort melden, weil ich immer wieder von Zigeunerkriminalität höre. Nun, meiner Meinung nach gibt es Zigeunerkriminalität, aber woher wissen Sie denn in einem konkreten Fall, ob der Täter ein Zigeuner (so die Abgeordnete) oder ein Ungar (“Magyar”) ist? Auf Basis welcher Daten diese Unterscheidung getroffen wird, weiß ich nicht.
    Etwas anderes: Ich möchte niemanden angreifen, aber die Nicht-Zigeuner begehen viel schwerwiegendere Straftaten als die Zigeuner. Denn – bitte hören Sie mir zu, Frau Abgeordnete – die Straftaten, welche üblicher Weise von Zigeunern begangen werden, sind Diebstähle geringwertiger Sachen. Die Nichtzigeuner – man könnte auch von “Großkopferten” sprechen – stehlen Milliarden (Anm.: Forintbeträge). Stiehlt ein Zigeuner ein Fahrrad, wird er sofort ins Gefängnis gesteckt, auch wenn das Fahrrad keine 5000 Forint (Anm: 20 EUR) wert ist. Die Großkopferten stehlen Milliarden, kommen sie dafür ins Gefängnis? Nein.
    Hinzu kommt auch, dass bei den Roma keine Straftaten wie z.B. Kindstötung bekannt sind. Ja, sie bringen zehn Kinder zur Welt, aber sie schenken Ihnen das Leben, ganz egal wie, bringen sie aber nicht um. Bei den Magyaren ist es leider nicht so. Die bringen ihre Kinder um, und zwar auf jede nur erdenkliche Weise. Also: Wer begeht die schwereren Verbrechen? Zigeuner oder Nicht-Zigeuner? Danke schön für die Aufmerksamkeit!”

    Als Antwort auf diese Bemerkung der Abgeordneten sprach Herr Molnár die oben sinngemäß wiedergegebene Passage aus. Er bezog sich ausdrücklich auf “wenige, bedauernswerte Fälle”.

    2. Die Aussage des Bürgermeisters wurde von den meisten Roma verurteilt, es gab jedoch auch Roma-Vertreter (z.B. Lonczi Tibor), die dem BM Recht gaben. Lonczi versteht die Aussage des BM Molnár nicht so, als würde Molnár “alle Zigeuner über einen amm scheren, sondern nur einen Teil von ihnen” (ungarisch: “nem veszi egy kalapp alá a cigányokat, hanem sajnos egy bizonyos részét”). Lonczi weist ausdrücklich darauf hin, dass es – wenn auch sehr wenige – Fälle gibt, in denen Eltern trinken, Rauchen und bewusst fruchtschädigende Medikamente einnehmen. Er selbst habe derartige Dinge erlebt. Auch weist Lonczi auf Fälle von familieninternen Beziehungen hin.
    Lonczi führt aus, dass es im ureigenen Interesse der Roma-Gemeinden wäre, derartige Handlungen zu verurteilen und sich nicht in falsch verstandener Solidarität mit diesen Menschen zu verbrüdern. Lonczi sagt sinngemäß, dass es nicht sein könne, das 10% der Roma ein negatives Licht auf über 90% der anständigen Roma zu werfen und von dies von der Roma-Mehrheit akzeptiert werde. Als Ursache für die desolate Lage der Roma bezeichnet er den Wegfall der Hilfsarbeiterjobs und den schlechten Ausbildungsgrad.

    3. Die Aussage des BM wurde bereits vor einigen Jahren in einem Buch eines “linken Vordenkers und Kádáristen” so geäußert. Ein Presse-Echo gab es damals nicht.

    4. Der Blog-Beitrag stammt vom 04.09.2009. Die Gemeinderatssitzung fand drei Monate zuvor (am 24.6.09) statt. Zu diesem Zeitpunkt fand der Inhalt der Sitzung, obwohl er vom lokalen TV übertragen wurde, weder innerhalb noch außerhalb der Gemeinde ein Echo.

    Ich gebe hierzu keinen weiteren Kommentar ab, möchte jedoch nur die von Pusztaranger nicht eingestellten Zusatzinfos ergänzen.

    • pusztaranger permalink
      22. September 2009 09:48

      Danke, Mike. Sie legen sich ganz schön ins Zeug für diesen “Deppen, den keiner kennt und keiner kennen will” (Ihr Zitat). Ich finde nicht, dass diese Zusatzinfos irgend einen Unterschied machen, aber das können die LeserInnen selbst entscheiden.

  2. Mike permalink
    17. September 2009 17:33

    Nachtrag: Das oben 3. erwähnte Buch heißt “Érik a vihar” (würde ich mit “Der Sturm kommt auf” übersetzen). Der Verfasser, György Moldova (u.a. Inhaber des Kossuth-Preises), berichtet über die Situation in der Umgebung der Nordostungarischen Stadt Miskolc. Die Passage befindet sich auf Seite 213.

    Erschienen im Jahr 2009. “Vor einigen Jahren” stimmt also nicht, sorry hierfür.

  3. Mike permalink
    23. September 2009 09:31

    Ich bleibe dabei. Ein Depp.

    Das rechtfertigt aber nicht Ihre Vorgehensweise, den Lesern stets nur halbe Infos zu geben. Auf Ihre Bestürzung über den Kommentar der Roma-Abgeordneten über die “kindermordenden Ungarn” wartet Ihre Leserschaft vergeblich.

    Der Ungarn würde sagen: “Kettös mérce”.

  4. pusztaranger permalink
    24. September 2009 16:11

    Das rechtfertigt aber nicht Ihre Vorgehensweise, den Lesern stets nur halbe Infos zu geben. Auf Ihre Bestürzung über den Kommentar der Roma-Abgeordneten über die „kindermordenden Ungarn“ wartet Ihre Leserschaft vergeblich.

    Der Ungarn würde sagen: „Kettös mérce“.

    “Kettös mérce” heißt so viel wie Doppelstandard, unterschiedlicher Maßstab. Der Begriff wird auf den ungarischen ultrarechten Portalen viel verwendet, als argumentative Waffe gegen die Regierung / die “jüdischen” Medien, wenn diese “als Totschlagargument gegen die aufrechten Patrioten die rassistische bzw. antisemitische Karte ausspielen”, die doch nur aussprechen, was sich sonst keiner traut. So sehen die von Jobbik & Co. das jedenfalls. Wer rassistische Gewalt benennt, spielt die rassistische Karte / ist ein Agent der sozialistischen Regierung / der jüdischen Weltverschwörung, und was immer den Roma angetan wird – “die Roma sind doch viel schlimmer”. Das wird abgeleiert bis zum geht-nicht-mehr. Wer sich auf ungarischen Mainstreamportalen wie Index.hu oder der Népszabadság irgendwie positiv als oder für oder über Roma äußert, oder sich dort als jüdisch oder schwul outet, wird sofort von einer Welle an Hasskommentaren überrollt und übelst rassistisch beschimpft, mir bleibt da jedes Mal die Spucke weg.

    Jawohl, ich bin parteiisch – mir passt das nicht, verdammt noch mal.

    Wenn ich Roma wäre, hätte ich in Ungarn inzwischen tagtäglich das Gefühl, dass die Gesellschaft mich per se schon als Untermenschen definiert, in meinem eigenen Land. Dieses Klima verbreiten die Rechten. Roma haben keine gesellschaftliche Lobby, nicht wirklich – es wird immer ÜBER sie geredet, aber nie wirklich MIT ihnen. Roma-PolitikerInnen wie Viktória Mohácsi sind für die rechte Seite “unglaubwürdig, weil sie eine Agenda haben”. Gerade so, als ob Krisztina Morvai & Co keine hätten.

    Morvai sagte, Jobbik seien nicht rassistisch, sie wollen mit den Roma zusammen Alternativen und Beschäftigungsprogramme entwickeln, aber dazu müssten sich die Roma zuerst den Werten der “Mehrheitsgesellschaft” verpflichten, “sie müssen sagen, ja, wir wollen arbeiten, wir sind nicht kriminell”. Das heißt, dass sie als ultrarechte Partei “den Roma” verordnen wollen, sich als ethnische Gruppe zu organisieren. Sorry, aber mir fallen da die Judenräte in den Ghettos ein. Denn gleichzeitig bleibt der einzelne Roma / politische Romavertreter für sie immer Verkörperung des rechten Rassenstereotyps, “der Roma” trägt die Beweislast, dass er / die Roma generell nicht kriminell sind, und wenn da 100 Roma stehen und einer davon sich strafbar gemacht hat, heißt es für die Ultrarechten trotzdem noch “Romakriminalität”. Bzw. wenn es heisst, “wir generalisieren nicht, es gibt auch Ausnahmen”, fällt mir wieder nur der deutsche Nazi ein, der seinen jüdischen Gemüsehändler ganz OK findet, aber deportiert wird trotzdem.

    Man kann auf lokaler Ebene Zusammenarbeit versuchen, wo die Leute zusammenwohnen und sich kennen, aber was Jobbik & Co verbreiten, will mir einfach nicht nach gesellschaftlichen Integrationsplänen klingen – Todesstrafe einführen, Totschlag zur Diebstahlsprävention legalisieren etc.

    Soviel mal als Kontext, und nun zu Mike:

    Den Ausschnitt, den Sie übersetzt haben, habe ich mir angeschaut (den brachte EchoTV, ein rechter Sender). Bei mir kam es so an, dass die Vorrednerin ihren Unmut über den Begriff der “Zigeunerkriminalität” ausdrücken wollte, sinngemäß: “Ich bin stinksauer, dass wir hier ständig von “Romakriminalität” reden, es ist doch nicht so, dass die Magyaren überhaupt keine Verbrechen begehen.” Ich weiß nicht, wer die Frau ist, aber was sie auch gesagt und wie sie sich auch ausgedrückt hat, sie ist nicht der Bürgermeister, verdammt nochmal. Der konterte sinngemäß, “dazu sage ich nur, die Roma sind noch viel schlimmer”, und dann bringt er den Hammer, damit die Frau endlich die Klappe hält. Er hätte auch anders reagieren können. Es ist sein Job, auch die Roma in seinem Dorf zu vertreten, statt solchen Müll von sich zu geben. Dass der Mitschnitt erst Monate später öffentlich wurde, ist schlimm genug.

    Der wichtigste Effekt dieser Geschichte, von dem man (ich auch) viel zu wenig mitbekommt, ist, dass die Leute sich das nicht gefallen lassen, eine Demo organisiert und Anzeige erstattet haben. Das heißt, dass sie Kontakt zu NGOs bekommen haben, die ihnen den nötigen Rechtsbeistand organisiert haben. Hier werden mehrere hundert Leute auf dem Land ansprechbar für zivilgesellschaftliches Engagement für ihre Minderheitenrechte. Und das ist positiv.

    Na, mal so viel hierzu.

  5. Mike permalink
    25. September 2009 16:45

    Bemerkenswert. Bei Ihnen ist alles rechtsradikal, sogar der Hinweis auf unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe, die Sie hier fortwährend anlegen.

    Nicht nur, dass Sie die Roma-Abgeordnete in Schutz nehmen, sondern Sie machen genau das, was einen Großteilder Ungarn – nein, nicht nur die “Jobbik”-Anhänger – verärgert. Offenbar kann man sich über die Mehrheitsgesellschaft auskotzen und diese verleumden, wie man nur will. Da wird ein SZDSZ, eine MSZP, ein Pusztaranger oder wie wir sie auch nennen wollen, nicht mal ansatzweise wütend. Aber wehe, irgendein Trottel in einem Kaff sagt ein falsches Wort: Dann kommt die Kavallerie und macht – irgendwann, wenn es ihr passt – eine riesen Sache draus.

    Ihre Verärgerung über rechtsradikale Äußerungen teile ich. Nur bestimmen eben nicht Sie allein, was rechtsadikal ist. Und irgendwelche Aussagen, wie verfehlt sie auch sein mögen, aus dem Kontext zu reißen, gehört sich nicht.

    Sie sollten Ihren Lesern selbst überlassen, wie sie die Passage im Kontext bewerten. Dazu gehört es aber, die vollständigen Infos bereit zu stellen.

    Für jemanden, der behauptet, Ungarn zu lieben, finden Sie nur wenige positive Worte darüber. Das bedauere ich.

  6. Mike permalink
    25. September 2009 16:56

    Nachtrag:

    “Sie ist nicht der Bürgermeister, verdammt noch mal”…

    “Die Frau” ist Mitglied des Gemeinderates von Edelény. Wenn ich “Mélymagyar” richtig versteht, offenbar selbst Fidesz. Und bitte erklären Sie mir eins: Warum darf ein Abgeordneter des Gemeinderates sagen, was er will. Ein Bürgermeister aber nicht.

    Über eins sind wir uns einig. Beides ist Schwachsinn.

    Ich bin gespannt, wie Ihr persönlicher Feldzug hier weitergeht. Nicht böse sein, wenn ich mich immer wieder mal zu Wort melde. :-) Der Hinweis auf die “rechte Presse” erübrigt sich: Die von Ihnen zitierten “linken” Presseorgane berichten ja nicht umfassend; ist wie im Straßenverkehr: Man muss eben nach rechts und links schauen, bevor man über die Straße geht! Ich lese alles: Außer Népszava.

    • pusztaranger permalink
      28. September 2009 15:14

      nicht nur, dass Sie die Roma-Abgeordnete in Schutz nehmen, sondern Sie machen genau das, was einen Großteilder Ungarn – nein, nicht nur die “Jobbik”-Anhänger – verärgert.

      Ja, und?

      Offenbar kann man sich über die Mehrheitsgesellschaft auskotzen und diese verleumden, wie man nur will. Da wird ein SZDSZ, eine MSZP, ein Pusztaranger oder wie wir sie auch nennen wollen, nicht mal ansatzweise wütend. Aber wehe, irgendein Trottel in einem Kaff sagt ein falsches Wort: Dann kommt die Kavallerie und macht – irgendwann, wenn es ihr passt – eine riesen Sache draus.

      Was Sie Mehrheitsgesellschaft nennen, ist vermutlich Fidesz plus rechter Rand. Und Kavallerie – wäre ja schön, wenn es da eine gäbe, momentan sehe ich deutschsprachig nicht allzu viel.

      ie sollten Ihren Lesern selbst überlassen, wie sie die Passage im Kontext bewerten. Dazu gehört es aber, die vollständigen Infos bereit zu stellen.

      Na die Arbeit nehmen Sie mir ja ab, wie ich sehe.

      Für jemanden, der behauptet, Ungarn zu lieben, finden Sie nur wenige positive Worte darüber. Das bedauere ich.

      Themenvorschläge nehme ich gerne entgegen.

  7. Mike permalink
    28. September 2009 19:34

    @ pusztaranger:

    “Was Sie Mehrheitsgesellschaft nennen, ist vermutlich Fidesz plus rechter Rand. Und Kavallerie – wäre ja schön, wenn es da eine gäbe, momentan sehe ich deutschsprachig nicht allzu viel.”

    Wieder eine Unterstellung. Warum versuchen Sie nicht, meine Anmerkungen ohne Ihre ideologische Brille zu lesen? Die Verärgerung der Mehrheitsgesellschaft habe ich bei Gesprächen mit Ungarn als Tatsache empfunden. Ist Ihnen egal, ok. Sei es drum. Allerdings scheint Ihnen nicht bekannt zu sein, dass es Vorurteile gegenüber Roma (neben den Jobbik-Anhängern) insbesondere bei den MSZP-Wählern gibt. (Ja, und?) Und was ein Wunder: Die Jobbik-Wähler sind großteils “Überläufer” von der MSZP. (Ja, und?) Die MSZP-Anhänger waren es übrigens, die Viktor Orbán z.B. als “Orsó Viktor” oder “Gyözike” bezeichnet haben (wenn Sie sich in Ungarn wirklich gut auskennen, wissen Sie, was man mit solchen Ausdrücken sagen will). Ja, und? Der Beauftragte der jetzigen Regierung für Roma-Fragen (MSZP, d.h. links) äußerte sich neulich dahingehend, dass man die eigenen Wähler durch zu viel Roma-freundliche Politik nicht vergraulen dürfe – übrigens ohne das grandiose Presse-Echo. Sagen Sie da immer noch “Ja, und?” Toll…und machen Ihren Lesern vor dem Fidesz Angst? :-)

    Zur “Kavallerie”:
    Machen Sie doch bitte Ihre Augen auf Die auflagenstärksten ungarischen Zeitungen (Népszava, Népszabadság), die größten Magazine (u.a. 168 óra), dazu Magyar TV, tv2, ATV, RTL Klub, dann die Berichterstattung in der deutschen ZEIT, der SZ und der Welt). Das nenne ich eine eindruckvolle Pressemacht, die einhellig der jetzigen Regierung nahesteht.

    Es gibt in Ungarn genau 2 “rechte” Fernsehsender in Ungarn, die größtenteils in Kabel-Abos enthalten sind und von einem Großteil der Bevölkerung nicht empfangen werden können. Dazu kommen zwei (“lesbare”) konservative oder “rechte” Tageszeitungen mit geringer Auflage (Magyar Hírlap und Magyar Nemzet). Und zwei Wochenmagazine (Demokrata und Heti Válasz). Die ungarische Presse ist, wie auch die westliche Presseberichterstattung, einhellig linksliberal. Das einmal zu konstatieren, brächte uns weiter. Kuruc.info und barikad.hu zähle ich übrigens nicht zur seriösen Presse, sondern zur Schmutzpropaganda.

    Meinen Sie unter diesen Umständen wirklich, Sie seien mit Ihren Inhalten hier “Trendsetter” und wären auf Unterstützung angewiesen? Ich bedauere, Sie schwimmen im Mainstream mit. Sie mögen Ihre redlichen Motive haben (auch bei bewussten Weglassungen), die zu hinterfragen mir nicht zusteht. Wäre aber schön, mehr von Ihnen zu erfahren: Welche Regierung (und warum) wünschen Sie sich denn nächstes Jahr?

    Jedenfalls wäre die Diskussion fruchtbarer, wenn Sie von Ihrem hohen moralischen Ross herunterstiegen und nicht jeden kritischen Kommentar hier in die rechte Ecke stellen würden.

    • pusztaranger permalink
      28. September 2009 20:54

      Mike, Ihr Engagement in Ehren, aber wenn ich Ihnen jetzt wieder antworte, geht das ewig so weiter, und einigen werden wir uns trotzdem nie. Ich schlage vor, Sie machen Ihren eigenen Ungarn- Blog auf und posten mir den Link, ich werde gerne kommentieren.

  8. Mike permalink
    8. November 2009 09:15

    Hallo Pusztaranger,

    hier noch einmal eine “Rückblende” auf die in diesem Thread besprochenen Äußerungen von Molnár:

    Wir halten fest: Die ungarischen linksliberalen MEdien haben Molnár in der Luft zerrissen, MSZP-Abgeordnete eingeladen und diese über den rassistischen Fidesz schwadronieren lassen.

    Anfang November kam nun heraus, dass die MSZP-Parlamentsabgeordnete Éva Szabó (Ehefrau des Ex-Finanzministers János Veres) schon in der MSZP-Zeitschrift “Balközép”, Ausgabe Juni 2008, im Wesentlichen die gleichen Äußerungen (oder: den gleichen Blödsinn) getätigt hat wie Oszkár Molnár.

    Hier der Wortlaut:

    “Ijesztő segélyek…

    Az országunkban kialakult szociális segélyezési rendszer anomáliáiról beszélve egy különös módszert ismertetett Veresné Szabó Éva. A magasabb segélyek érdekében ördögi eszközökre is képesek tudatlan és befolyásolt fiatal anyák. Olyan gyógyszert is képesek beszedni, amelynek következtében súlyosan sérült gyermekek jönnek a világra. A képviselő megfigyelését a jelenlevők elképedve hallgatták, ám néhány honatya elismerte, maga is hallott már hasonló esetről. A jelek szerint a segélyek elosztási elvei ellenérdekeltséget váltottak ki a munkához való viszonyban, és érdekeltséget a minél nagyobb gyereklétszámban, extrém esetben a sérült gyerekek vállalásában is.

    Balközép. 2008. Június 5.oldal”

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Die Äußerungen bleiben m.E. bis zum Beweis, dass sie richtig sind, falsch. ABER: Weshalb fehlt zu Frau Szabó (sie ist ebenfalls Abgeordnete) jede mediale Aufregung? Bis September 2009 gab es meiner Meinung nach keine kritischen Medienbeiträge im ATV, in der Népszava und den “üblichen Verdächtigen”.

    Meiner bescheidenen Auffassung nach spiegelt es eine unfassbare und unerträgliche Scheinheiligkeit der MSZP und der linksorientierten Medien (z.B. ATV) wieder, wenn die Äußerungen von Molár verwendet werden, um Pauschalangriffe gegen den Fidesz zu reiten. Die MSZP versucht mit diesen Kampagnen den Eindruck zu erwecken, es handle sich bei Vorurteilen oder Rassismus nur um Phänomene in Köpfen der “Rechten”.

    Merkwürdig: Die entsprechende Ausgabe der Zeitschrift balközép ist die einzige, die im Internet gelöscht wurde…fast parallel dazu gab es eine Parteitagsveranstaltung der MSZP, in der sich Ferenc Gyurcsány noch einmal (nur) mit Molnár auseinandersetzte.

    Ich denke, Pusztaranger stimmt mir zu, dass dieses Thema zu ernst ist, um es als billiges Wahlkampfthema zu missbrauchen. Mein Appell an den Macher dieses Blogs wäre in diesem Zusammenhang erneut, das Phänomen des Rassismus in Ungarn (es ist ja nach den Aussagen auf der Startseite etwas, was den Macher beunruhigt) nicht nur im Zusammenhang mit einer Partei, sondern als bedauerliches gesellschaftliches Phänomen zu beleuchten. Ich bitte eben um ein wenig mehr Objektivität gegenüber dem Fidesz.

    Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Vertreter der Roma ebenso viele Strafanzeigen wegen Verleumdung gegen Frau Szabó erstatten wie gegen den Idioten Molnár.

    Die Äußerungen im Zusammenhang mit dem “jüdischen Großkapital” sollten allerdings wirklich zum Ausschluss Molnárs führen. Ob es auch hier einen MSZP-Trottel gibt, der Molnár rechts überholt…? :-)

    Viele Grüße
    Mike

    • pusztaranger permalink
      13. November 2009 11:27

      Ich habe nachgesehen, bei Szabo wird das nicht in einen Kontext von ethnischer Zugehörigkeit gestellt. Sie hat das in der Presse geklärt und sich entschuldigt, dh die Spielregeln eingehalten. Dagegen operiert Molnár so, daß für ihn keine Spielregeln gelten, er sagt “die Wahrheit”, und seine Partei steht hinter ihm. Denn, wie im Orbán-Interview deutlich wird, sich von etwas zu distanzieren bedeutet quasi dem politischen Gegner Zugeständnisse zu machen. Sich von untragbaren Inhalten zu distanzieren gehört zur politischen Kultur des Gegners, also tut man es nicht. Das funktioniert vielleicht in Ungarn, aber in Deutschland geht sowas nicht. Nicht bei solchen Sprüchen wie die von Molnár.

      “Mein Appell an den Macher dieses Blogs wäre in diesem Zusammenhang erneut, das Phänomen des Rassismus in Ungarn (es ist ja nach den Aussagen auf der Startseite etwas, was den Macher beunruhigt) nicht nur im Zusammenhang mit einer Partei, sondern als bedauerliches gesellschaftliches Phänomen zu beleuchten.”

      Ich beleuchte das Phänomen im Zusammenhang mit politischen Parteien, weil gerade das mir Sorgen macht. Wie ich in den letzten 15 Jahren selbst beobachten konnte, sind Rassismus, Antisemitismus, Homophobie in der ungarischen Gesellschaft ständig präsent, viel offener als in Deutschland, aber erst in der polarisierten innenpolitischen Situation der letzten Jahre werden diese Sentiments von politischen Parteien bewußt eingesetzt und immer weiter hochgepusht. MSZP und SZDSZ muß man nicht mögen, aber die arbeiten wenigstens nicht mit solchen Mitteln. Wenn ich den Eindruck hätte, daß die MSZP aktiv populistisch tätig wird, würde ich mich genauso darüber aufregen.

      “Ich bitte eben um ein wenig mehr Objektivität gegenüber dem Fidesz.”

      Meinung und Originaltext sind bei mir klar voneinander abgegrenzt.

  9. Mike permalink
    15. November 2009 08:03

    Moin,

    die Aussagen von Frau Szabó waren offenbar der MSZP peinlich genug, um – in guter postkommunistischer Manier – den Beleg dafür einfach aus dem Internet zu entfernen.

    Ich meine, de MSZP-Wähler wissen auch so, wen sie meint, wenn sie von “ungebildeten” und beeinflussbaren Menschen spricht. Dass sie “die Spielregeln” einhält, trifft daher nur insoweit zu, als sie schlauer war als der Volldepp Molnár.

    Und mit welchen “Mitteln” die MSZP um Wähler kämpft, wissen wir (allerspätestens) seit Balatonöszöd…:-)

  10. Mike permalink
    7. Dezember 2009 18:47

    Hallo,

    so wie es scheint, ist das passiert, was passieren musste: Molnár “die Juden wollen uns kaufen” Oszkár, wird laut Népszabadság u.a. Quellen offenbar in 2010 nicht mehr als Wahlkreiskandidat des Fidesz aufgestellt. Ich hoffe zwei Dinge:
    1. Dass sich das bewahrheitet und
    2. dass dieser weise – ja unvermeidbare – Beschluss des Fidesz hier ebenso wahrgenommen und als positives Zeichen gewertet wird dafür, dass diese Partei eben nicht jeden Weltverschwörungsquatsch in ihren Reihen duldet.

    http://atv.hu/hircentrum/091207_molnar_oszkar_az_ujsagbol_tudta_meg__hogy_nem_inditja_a_fidesz.html

  11. Mike permalink
    16. Dezember 2009 22:27

    Hallo,

    bin zurück aus Ungarn und gebe gerne meinen kleinen Erfahrungsbericht ab.

    Nur vorab: Die obige Nachricht hat sich bestätigt: Der Fidesz stellt einen neuen Kandidaten im Wahlkreis von Oszkár Molnár auf (anscheinend ein Arzt arabischer Herkunft aus Edelény), Molnár ist raus und startet bei der Wahl 2010 als Unabhängiger.

    Ich habe weder Naziaufmärsche, Vertreter der Garde oder angsterfüllte Minderheiten in Budapest erlebt. Ein einziger Neonazi fiel mir auf, er stand alleine bei einem Glühweinstand auf dem Vörösmarty-tér herum. Dass es kein “normaler” Skinhead war, erkannte man lediglich an der “88” Aufschrift auf der Jacke. In Ostdeutschland gibts von diesem Gesocks sicher mehr…

    Zu den Doppelkreuzen: Auf dem Moszkva-tér steht ein solches, versehen mit der Aufschrift “Frohe Weihnachten dem christlichen Ungarn”. Es steht herum, ohne dass ihm besondere Beachtung geschenkt wird. Bin in 4 Tagen ungefähr 10 mal dran vorbei, es gab weder Aufmärsche noch Diskussionen oder gar “Bewacher”. Das Kreuz stand eher verloren herum.

    Fazit: Wachsamkeit verstehe ich gegenüber Rechtsradikalismus immer, die zum Teil kursierenden Horrormeldungen kann ich weder bestätigen noch verstehen. Die Presse in Ungarn ist allerdings voll von Korruptionsaffären beim Flughafen Budapest und dem Nahverkehr (BKV)…beteligt sind linke Politiker…warum man hierzulande nichts davon liest, frage ich mich schon.

    Wünsche einen schönen Abend und schon jetzt erholsame und friedliche Feiertage – wo auch immer Ihr seid!

    Gruß
    Mike

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