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Jobbik gegen Respekt für alle

6. August 2009

 

Vor einigen Wochen startete die ungarische Initiative „Respekt für alle!“  (wörtlich „Würde für alle“) eine Unterschriftenliste, um ein Zeichen gegen die ultrarechten Jobbik im EU-Parlament zu setzen (die Idee dazu haben sie wohl aus England):

 Nicht in meinem Namen! 

Die „Jobbik“-Partei kann drei Abgeordnete ins EU-Parlament entsenden. Aber Krisztina Morvai, Zoltán Balczó und Csanád Szegedi repräsentieren mich als europäische Staatsbürger/in nicht!

Unterschreib auch du: Sie sprechen nicht in deinem Namen! Protestieren wir gegen Hass und Ausgrenzung. Zeige, was du von „Jobbik“ hältst!

 

nemazennevemben

 

Es geht hier nicht darum, die Wahl anzuzweifeln, sondern nur darum, sichtbar zu machen, dass es in Ungarn auch Leute gibt, die über den Erfolg der Ultrarechten hellauf entsetzt sind. Einige der Initiatoren kenne ich noch persönlich aus meinen Unizeiten, das sind tolle engagierte Leute. Und was wohl am Wichtigsten ist: Hier geht es nicht um die üblichen parteipolitischen Grabenkämpfe, sondern um echtes ziviles Engagement, das Unterstützung verdient. Bislang haben sie über 14700 Unterschriften, und ich freue mich über jede einzelne.

 

Jobbik passt das natürlich überhaupt nicht, heute haben sie eine Gegenaktion gestartet. Ihr elektronisches Hausblatt barikad.hu ruft auf: 

Demonstrieren wir Stärke auch im Internet, lasst uns beweisen, dass wir innerhalb einiger Tage viel mehr Unterschriften zusammenkriegen!“

 

Und das größte ultrarechte Newsportal kuruc.info dazu: 

 „In zwei Monaten war die jüdische Initiative Respekt für Alle (MMM) selbst mit riesiger Medienunterstützung nicht in der Lage, im Internet mehr als 15000 (Phantom)unterschriften zu sammeln, mit dem Ziel, sich öffentlich von Jobbiks drei EU-Abgeordneten und ihrer Politik zu distanzieren (…) Jetzt hier die Gegenreaktion der Jobbik: Zeigen wir auch im Internet, dass wir mehr sind!“

 

Und das, noch bevor das letzte Opfer der Anschlagserie gegen Roma (mein Bericht) unter der Erde ist, ihr Begräbnis ist morgen.

Schon in ein paar Tagen werden sie „Respekt für alle“ vermutlich um Längen überholt haben.

 

(Edit 8.8.: Die Gegenaktion wurde am 5.8. gestartet und hat „Nicht in meinem Namen“ innerhalb von zwei Tagen überholt, s.u.)

 

Alles, was die Ultrarechten derzeit machen, läuft unter „Stärke demonstrieren“. Das werden sie zum Beispiel auch am 15.8. bei einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch (Edit 10.9.: s.auch hier) und am 5.9. beim Budapester Gay Pride, wo wieder mit schweren Ausschreitungen zu rechnen ist. Jobbik hat schon klar gemacht, dass sie diese legale, angemeldete Demonstration mit allen Mitteln bekämpfen will.

 

Auf „Nicht in meinem Namen“ werden mittlerweile auch EU-BürgerInnen in 20 Sprachen zur Unterschrift ermutigt – vielleicht hat der eine oder andere Leser jetzt ja auch Lust bekommen.

 

Hier der detailliertere Aufruf der Initiative „Respekt für Alle“: 

(Übersetzung pusztaranger)

 

WIR GEHÖREN ZUSAMMEN!!

 

 Wir sind allesamt verantwortlich dafür, was heute in Ungarn passiert. Verantwortlich dafür, wie das Los unserer Roma-Minderheit, die ihrer Zugehörigkeit zur Gesellschaft, ihrer Würde als Mensch und Staatsbürger beraubt wird, sich weiter entwickelt. Mittlerweile sind gewalttätige Übergriffe und Diskriminierung unserer stigmatisierten Mitbürger an der Tagesordnung, man kann sogar sagen, dass sie immer mehr zur Norm werden. Wir entschuldigen uns für die Gehässigkeiten und jeden Übergriff, die unsere Roma-Mitbürger in unserem Land erleiden mussten.

Wie konnte es so weit kommen, dass unser gesellschaftlicher Zusammenhalt (wörtlich: közösségek, Gemeinschaften, communities) geschwächt oder zerfallen und wir selbst stumm geworden sind, und gewalttätige und skrupellose Menschen den Frieden der Gesellschaft und das Leben von Unschuldigen gefährden können?! Lasst uns aufs Neue das Netz einer Gesellschaft weben, das uns zusammenhält (…) Lasst uns alles dafür tun, dass in unserer Gesetzgebung, unseren Medien, unseren Schulen, am Arbeitsplatz und in unserer Nachbarschaft endlich Gleichbehandlung herrscht und dass sich gleiche Chancen für alle eröffnen.

Wir glauben daran, dass wir alle gemeinsam, Roma und Nicht-Roma, das Land wieder auf die Beine stellen können. Wenn wir uns der ernsten Lage jetzt entgegenstellen, den verstummten, verschwiegenen Dialog (wörtlich: Diskussionen) wieder aufnehmen, unsere gemeinsamen Aufgaben formulieren und breite gesellschaftliche Unterstützung für sie schaffen, dann können wir endlich mit erhobenem Kopf einander, unseren Kindern und Enkelkindern in die Augen sehen. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir, Menschen unterschiedlicher Abstammung, gesellschaftlicher Position und mit unterschiedlichem Weltbild, in vollem Bewusstsein unserer moralischen, materiellen und politischen Verantwortung zeigen: Wir gehören zusammen. Respekt für alle!

 

Die Initiatoren: Margit Feischmidt, Gábor Fleck, Aladár Horváth, László Kalányos, Éva Kovács, Petra Kovács, Angéla Kóczé, Vera Messing, Mária Neményi, Michael Stewart, Júlia Szalai, Péter Szuhay, Zsuzsanna Vidra, Tünde Virág, Violetta Zentai és János Zolnay.

 

Und hier der Text der Gegenaktion:

 

 

azennevemben

 

(man beachte das Staatswappen oben links! Die sind noch nicht ins ungarische Parlament gewählt!)

 

 

IN MEINEM NAMEN!

 

Die Partei Jobbik, Bewegung für ein besseres Ungarn, hat drei Abgeordnete in das Europäische Parlament entsandt, dank der Wählerstimmen von 427 213 Ungarn. (wörtlich „ungarische Menschen“, magyar ember hat einen völkischen Beigeschmack.)

 

 TU AUCH DU ETWAS GEGEN DIE NEGATIVKAMPAGNE!!!

 

Unterschreibe auch du, wenn du einverstanden bist, dass Krisztina Morvai, Zoltán Balczó und Csanád Szegedi dich rechtmäßig im Europäischen Parlament repräsentieren! Zeige, was du von denen hältst, die eine Negativkampagne über diese drei demokratisch gewählten Abgeordneten führen!

 

(Ich habe diese Website als Gegenaktion zur ungarnfeindlichen Seite http://www.nemazennevemben.eu gemacht. Wie du siehst, bekommst du nach deiner Registrierung auf meiner Seite eine Bestätigungsmail, die du als Bestätigung zurückschicken musst. So stelle ich sicher, dass man sich nur mit echten Emailadressen registrieren kann, und auch nur ein einziges Mal. Auf der obengenannten ungarnfeindlichen Seite ist das nicht der Fall, dort kann man sich auch mit nicht existierenden Emailadressen registrieren, somit ist die Anzahl der Unterstützer NICHT REAL!

Sándor Hofbauer, Jobbik, Gyôr) 

 

Sie haben bisher über 1900 Unterschriften.

 

Mal sehen, wie es weitergeht.

 

Update 6.8.2009, 22.00 Uhr (gleicher Tag):


„Nicht in meinem Namen“: 15288 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 10450 Unterschriften.

 

Update 7.8.2009, 20.00 Uhr

 

„Nicht in meinem Namen“: 15546 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 17280 Unterschriften.

 

Update 8.8.2009, 09.00 Uhr

 

„Nicht in meinem Namen“: 15624 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 18854 Unterschriften.

 

Update 9.8.2009, 10.00 Uhr

 

„Nicht in meinem Namen“: 15691 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 21062 Unterschriften.

 

Update 9.8.2009, 22.00 Uhr

 

„Nicht in meinem Namen“: 15731 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 22242 Unterschriften.

 

Update 10.8.2009, 09.30 Uhr

 

„Nicht in meinem Namen“: 15745 Unterschriften,

Jobbik-Gegenaktion: 22564 Unterschriften.

 

Ich kann aufhören zu zählen, die Tendenz ist klar…

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