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Sport und Politik: Hunnia KSK, ein „national gesinnter“ Handballverein

17. September 2009

 

Die Frauenhandballmannschaft des im Sommer neu gegründeten Sportclubs Hunnia KSK spielt bereits erfolgreich in der ersten ungarischen Liga. Nun wies vor einigen Tagen die liberale Tageszeitung Népszabadság darauf hin, dass Symbole und Slogan dieses als „erster patriotischer Handballverein“ beworbenen Teams große Nähe zur ultrarechten Partei Jobbik erkennen lassen: Das Logo ist ein Handball in rot-weiß-grün (ungarische Nationalfarben), darauf ein Löwenkopf (ähnelt dem auf den Westen der verbotenen Ungarischen Garde), und unter dem Ball steht in Runenschrift „Die neue Kraft“ (az új erô – der Wahlkampfslogan von Jobbik bei den EU-Wahlen im Juni).

 

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Die Spielerinnen tragen zwei Trikots, schwarz-weiß (ähnelt der Uniform der Ungarischen Garde) und rot-weiß (ähnelt der Árpádenflagge, dem Erkennungszeichen der Neonazis.) Bei den Spielen sind auf der Zuschauertribüne Banner mit Großungarn zu sehen.

 

 

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(Bild von der Vereinsseite)

 

Über Hunnia schreiben besonders die ultrarechten Portale. 

 

Und der als GmbH geführte Verein gehört zu 45% Zsolt Tömör-Tones, dem Vorstand des Sportkabinetts von Jobbik.

 

Für mich ist das alles eindeutig, hinter dem Verein steht ganz klar die ultrarechte Szene.

 

Was sagt der Geschäftsführer zu den Vorwürfen?

 

In einem Interview mit TV2 behauptet der Geschäftsführer von Hunnia, Zoltán Miltényi, mit politischen Parteien nicht in Verbindung zu stehen, und kein Geld von ihnen zu bekommen. Als Privatperson stehe ihm die „Jobbik-Identität“ nahe, aber er sei kein Parteimitglied. Diese Symbole hätten nichts mit politischen Parteien zu tun, es seien nationale Symbole, die seine individuelle Werteordnung ausdrücken.

 

Was sagt der ungarische Handballverband?

 

Im Regelwerk des ungarischen Handballverbands steht unter anderem: Der Verband betreibt keine politischen Aktivitäten, ist parteienunabhängig, gewährt Parteien keine materielle Zuwendungen und empfängt auch von ihnen keine. 

Gestern wurde Zoltán Miltényi deswegen zum Vorsitzenden des ungarischen Handballverbandes László Sinka gebeten, um die Sachlage zu klären.

 

Noch hat der ungarische Handballverband kein Pressestatement herausgegeben, aber gestern Abend waren beide in der Sendung Kontra im Klubradio zu Gast.

 

Zoltán Miltényi erklärte, mit dem Slogan sollte lediglich ausgedrückt werden, dass ein neues Team eine neue Ebene in den Handballsport bringen will. Antisemitismus gäbe es keinen beim Spiel, und auch weder davor noch danach. Dass nationale Gesinnung mit Antisemitismus einherginge, sei ein weit verbreiteter Irrtum.

 

Der Vorsitzende des Handballverbandes erklärte, wenn auch das Logo an eine politische Partei erinnere, wurde doch vom Handballverband bei der Ausstellung der Betriebserlaubnis nicht überprüft, was den Fans angesichts von Logo und Slogan in den Sinn käme. Er sagte aber auch, dass jeder einzelne Klub dazu verpflichtet sei, auch nur den Anschein politischer Beeinflussung zu vermeiden. Bislang entspräche Hunnia den Vorschriften des ungarischen Handballverbandes.

 

Was sagen die Ultrarechten?

 

Die ultrarechten Portale sind empört über die „Verleumdungskampagne“ der Népszabadság. Barikad.hu, übrigens ein Sponsor von Hunnia, wettert

 

Nur weil es ein paar (…) Kommunisten nicht gefällt, dass (…) ein Club offen seine Weltanschauung auch in seiner Symbolik vertritt, und dass einer der Eigentümer von Hunnia so mutig ist, 2009 in Ungarn, dieser angeblich so lebendigen und blühenden Demokratie, das Sportkabinett der zweitstärksten Partei zu führen. (…) Die Stimmungsmache ist vergebens, diese Zeiten sind schon vorbei. (…)

 

 

Man sieht, dass es in Ungarn offensichtlich immer schwieriger wird, etwas gegen solche ultrarechten Tendenzen zu unternehmen. Sie suchen sich Räume und Betätigungsfelder außerhalb der Politik – so ist laut Miltényi Hunnia bereits im Kontakt mit Schulen für die Nachwuchsförderung. 

Aber die einzige Partei, die für dieses ultrarechte Lager bei den nächsten Parlamentswahlen wählbar ist, ist eben Jobbik.

Und darum geht’s hier letztlich.

 

 

TV2  machte eine SMS-Umfrage:

Im Team von welcher Partei würden Sie spielen?

Ergebnis: MSZP 18%

FIDESZ 35%

Jobbik 47%.

 

Edit 4.10.: Wegen der Negativpresse sind Hunnias wichtigste Sponsoren abgesprungen, so dass sie nicht sicher sind, ob sie weitermachen können; sie haben deswegen einen Unterstützungsaufruf an die Fans gestartet. handball.hu

 

 

 

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