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Streifenskandale

29. September 2009

 

Die Árpádenflagge und Bilder von Großungarn und dem Turul sieht man in Ungarn überall, verboten sind sie nicht. 

 

In zwei Fällen haben jetzt Schulleiter ihren Schülern das Tragen dieser Symbole in der Schule untersagt bzw. sie deswegen verwarnt.

 

Der eine Schuleiter aus Székesfehérvár begründete das Verbot einer Mütze damit, dass diese Symbole in den letzten Jahren politische Bedeutung angenommen haben, und die Schule ein weltanschaulich neutraler Ort zu sein hat.

 

fmhsapka

(Bild von fmh.hu – keine Ahnung, ob es die betreffende Mütze ist oder nur eine Illustration – vorne auf dem Schild ist Großungarn, seitlich die Árpádenstreifen. )

 

Die Eltern des Zweitklässlers haben ihr Kind deswegen prompt von der Schule genommen, und der Jobbik-Abgeordnete im Gemeinderat hat eine Untersuchung gegen den Schulleiter eingeleitet, der ebenfalls im Gemeinderat sitzt. 

(Quellen: Borsod Onlinefmh, barikad, kuruc)

 

Der zweite Fall: Ein schon älterer Schüler in Budapest wurde von seinem Schulleiter mündlich wegen seinem T-Shirt verwarnt; darauf schrieb er anonym an das ultrarechte Portal kuruc.info und veröffentlichte dort Namen, Foto und Kontaktinformationen seines Schulleiters, der seither in antisemitischen Hassmails ertrinkt.

Die linksliberale Népszava bringt heute einen Artikel darüber, siehe unten.

 

Dann hat auch ein Fußballclub der 2. Liga seinen Fans nach Randale verboten, die rot-weiß gestreifte Árpádenflagge mit ins Stadion zu bringen. Auf den ultrarechten Portalen herrscht große Entrüstung.

 

Lauter kleine Einzelfälle – ändern wird sich dadurch vermutlich nicht wirklich was, aber immerhin. 

 

 

*

 

„Du Gaskammerflüchtling! Verschwinde nach Israel!“

Rassistischer Angriff auf einen Schulleiter

Népszava, 29.9.2009, Übersetzung Pusztaranger

 

(…) „Du Gaskammerflüchtling! Verschwinde nach Israel!“, „Du stinkender Jude! Benimmt man sich so gegenüber den Kindern des Wirtsvolkes?“ Solche und ähnliche Emails bekommt schon seit Tagen der Leiter einer Schule im Budapester Bezirk Zugló. Und zwar seit auf Kuruc.info ein Leserbrief mit dem Titel „Jüdischer Schulleiter terrorisiert national gesinnte Schüler“ erschien.

In diesem Brief auf dem extremistischen Portal beschwert sich der Verfasser, der laut eigenen Angaben seit zwei Jahren die Schule in Zugló besucht: „Ich liebe mein Vaterland, und das sieht man auch an meiner Kleidung. Letztes Jahr war das kein Problem, aber dieses Jahr sprach mich der Direktor schon in der zweiten Woche auf dem Gang an und sagte, dass ich das T-Shirt, das ich anhatte, in der Schule nicht mehr tragen darf. Das T-Shirt war schwarz, mit dem Bild von Großungarn darauf und einem Turulvogel, also keine verbotenen Symbole. Übrigens heißt der Direktor … (hier steht der Name – die Redaktion), es ist allgemein bekannt, dass er Jude ist, und auch noch stolz darauf… und Antimagyar ist er auch noch.“ … „es nervt mich tierisch, dass er mich sich nur deshalb vorknöpft, weil ich mein Vaterland liebe. Natürlich werde ich meine Garderobe nicht für einen Juden auswechseln… jetzt, wo es kälter wird, kommt auch meine Bomberjacke aus dem Schrank. Ich bin neugierig, wann ihm der Aufnäher mit der Arpadenflagge und Großungarn ins Auge sticht… leider habe ich nicht mehr Informationen über den Direktor, aber falls zufällig irgendwer seine Privatadresse hat und sie uns mitteilen könnte, könnten ihn eventuell ein paar Leute besuchen und ihm erklären, was es für Folgen hat, wenn er so weitermacht.“ Unterschrift: Ein Leser.

Es folgt der Name des Schulleiters, ein Foto, Telefonnummer und Emailadresse. 

 

Wir haben den Schulleiter aufgesucht, der uns sagte, dass er vor  Erschütterung kaum noch Worte findet. Zuerst wollte er uns diesen Artikel ausreden. „Um mich habe ich keine Angst, nicht einmal um meinen Namen,“ sagte er. „um den Ruf der Schule mache ich mir Sorgen!“ Der Mann, der seit 1976 Lehrer und seit 13 Jahren Schulleiter ist, sagt, so etwas sei ihm in seiner Laufbahn noch nie untergekommen. Es wird eine Weile dauern, all diesen Schmutz zu verarbeiten, den er da bekommt. Für ihn ist die Sache auch deshalb unbegreiflich, weil er lange Vorstand eines Kuratoriums war, das für die Bildung der Ungarn in den angrenzenden Ländern Milliarden zur Verfügung stellte, Schulen in der Ukraine und Siebenbürgen gründete. Diejenigen, die ihm Emails schicken, in denen gefragt wird, ob er als Lampenschirm enden möchte, sind sich über seinen Werdegang offenbar überhaupt nicht im Klaren. (…)

 

Laut der Népszava hat die Polizei Ermittlungen eingeleitet, prüft aber derzeit noch, ob überhaupt  ein Straftatsbestand vorliegt.

 

*

 

Und noch ein Bild von der Budapester Gardevereidigung am 15. März, das hier gut passt.

 

fn

 

 Quelle: Fn.hu

 

 

 

 

 

One Comment leave one →
  1. 30. September 2009 18:18

    wie gut dass mein kind nicht in diese schule geht! der schulleiter tut mir leid, er hat nur so gehandelt, wie er es in seiner bisheriger laufbahn getan hat, nehme ich an…und bisher ist nichts dergleichen passiert!
    klar wollen manche jugendliche durch kleidung auffallen, rebellieren. manchmal wissen sie gar nicht was hinter den symbolen steckt.
    leider werden die kinder und jugendlichen von den rechten parteien systematisch rekrutiert und für ihre ziele missbraucht.
    auch im sport wo politik nichts zu suchen hat, sind die rechten auf dem vormarsch, da kann man leicht und schnell „stimmung“ erzeugen. arme echte sportfans!
    schade, dass es in ungarn schon soweit ist!

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