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Ungarische Außenpolitik á la Jobbik: Ab nach Kasachstan!

1. Oktober 2009

 

Die ultrarechte ungarische Partei Jobbik ist kein Fan der EU und des Westens, und deshalb schauen sie sich derzeit im Osten nach neuen Verbündeten um, den Brüdervölkern in den Steppen Zentralasiens, wo Attila und die Hunnen herkamen. 

Kein Witz.

In Brüssel hat sich einer der drei EU-Abgeordneten von Jobbik, Csanád Szegedi, mit dem kasachischen Botschafter in Belgien getroffen, um erste Kontakte herzustellen. 

Hier haben wir ihn im kuruc-Interview. O-Ton, Übersetzung Pusztaranger.

Ich habe Tränen gelacht.

 

Der EU- und NATO-Botschafter von Kasachstan: Wir sind Verwandte, Jobbik hat bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist 

 

Csanád Szegedi, EP-Abgeordneter von Jobbik,  empfing am Dienstag in seinem Brüsseler Büro Yerik Utembayev, den Botschafter der Republik Kasachstan in Belgien.

 

Szegedi_Csanad-kazah_nagykovet2

Bild: kuruc.info.

 

Utembayev, der auch die Funktion des kasachischen EU- und NATO-Botschafters erfüllt, hob bei dem Treffen hervor, dass Jobbik dem ungarischen Volkes bereits bewiesen hat, dass mit ihnen zu rechnen ist – einem  Volk, das man in Kasachstan als Brudervolk (wörtlich: verwandtes Volk) betrachtet – worauf auch die künftige Zusammenarbeit aufgebaut sein wird.

Csanád Szegedi, der EP-Abgeordnete von Jobbik und zweiter Vorsitzender der Partei, hat dem kasachischen Diplomaten versichert, dass Jobbik im Auftrag der ungarischen Wähler möglicherweise schon bald die Chance bekommt, eine Außenpolitik aufzubauen, die feste Bündnisse zwischen Ungarn und seinen Brudervölkern (wörtlich: verwandten Nationen)  schaffen kann, so auch Kasachstan.

Der Brüsselkorrespondent von Kuruc.info hat Csanád Szegedi befragt.

 

Das heutige Treffen mit Herrn Botschafter Yerik Utembayev läßt den Eindruck entstehen, dass Jobbik immer weniger als extremistische Partei eingeschätzt wird. Gibt es so einen positiven Wandel?

Die Vorsitzenden der multinationalen Parteien* (sic! Glossar s.u.) in Ungarn würden sich vor Wut die Haare raufen, wenn sie wüssten, wie viele Verbündete und Wohlgesonnene Jobbik auf dem internationalen Parkett hat. Es gibt immer mehr Leute, die in Jobbik keine extremistische Partei, sondern eine gesunde nationale Kraft sehen, die potentiell im Stande ist, das Land zu regieren. Der Herr Botschafter hat Jobbik ausdrücklich zu den bisherigen fachlichen Aktivitäten gratuliert, die er als sehr kreativ, dynamisch und zukunftsweisend bezeichnet hat. Es ist mir eine besondere Freude, dass Jobbiks erstes offizielles Treffen mit einem Botschafter mit dem kasachischen Botschafter stattfand.

 

Warum ist Kasachstan für Jobbik wichtig, außer den  angenommenen Verwandtschaftsbeziehungen? Welcher konkrete Nutzen kann uns eine kasachisch-ungarische Zusammenarbeit bringen?

Unsere Verwandtschaft mit den Kasachen ist nicht nur angenommen, sondern bewiesen. Unter der Leitung des Anthropologen András Zsolt Bíró (…) wurde diese Verwandtschaft dieses Jahr auch genetisch bewiesen. Für Ungarn ist von außergewöhnlicher Wichtigkeit, dass es zu einem allumfassenden, vollständigen Wandel im Denken kommt, der sich auch bis in die Außenpolitik auswirken muss. Wir haben genug davon, ein Land der Diener (kiszolgáló ország) zu sein, ein Anhängsel der USA, und als EU-Mitglied nur gerade so geduldet. Anstelle der bisherigen, schlechten und demütigenden Richtung müssen wir eine neue, erfolgreiche Richtung suchen. In Zentralasien werden die Ungarn als Brüder (testvér, Geschwister) gesehen, und bei den Kasachen ist das besonders der Fall. Warum sollen wir immer anderen nachlaufen, wenn wir doch Bündnisse als Gleichrangige schließen können? Jobbik wird diese Epoche beenden, in der nur der Profit an erster Stelle steht. Viel wichtiger ist die höhere seelische Freude, aufs Neue ein Bündnis mit unseren Verwandten, unseren Brüdern schließen zu können. (…) dieses ungarisch-kasachische Bündnis wird die neue Grundlage des Bündnisses zwischen Europa und Zentralasien bilden. 

 

Sie sind das einzige Mitglied der EU-Parlamentskommission mit unabhängigem Status (Euphemismus für fraktionslos), die die Beziehungen mit Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan, Tadschikistan  und der Mongolei pflegt und ausbaut. Welche konkreten Ziele sehen Sie hier für Ungarn?

Zum einen hat es eine sehr erhebende seelische Wirkung, denn in den vergangenen Jahrhunderten haben wir uns daran gewöhnt, dass wir von feindlichen Völkern umgeben sind. Wir wurden aufgerieben zwischen einem großen slawischen und germanischen (sic) Meer, was unsere inneren Feinde* immer grausam ausgenutzt haben. Jetzt ist der historische Augenblick gekommen, den natürlichen Bund, den unsere Ahnen, die Skythen, Hunnen und Avaren bildeten, im 21. Jahrhundert neu zu schließen. Ein neuer, großer turanischer* Bund ist hier im Entstehen, und es wird sich stärkend auf das ungarische Nationalbewußtsein auswirken, dass wir nicht alleine sind. Das wird uns Selbstvertrauen geben. Außerdem  entwickelt sich die Wirtschaft des zentralasiatischen Raumes gerade außergewöhnlich dynamisch. Kasachstan ist eines der größten Länder der Welt, 27 Mal so groß wie Rumpfungarn*. Unser Land eignet sich hervorragend dafür, das Tor für Zentralasien nach Europa, und für Europa nach Zentralasien zu bilden. Hier bieten sich unendliche Möglichkeiten für die Wirtschaft. 

 

Wie sind Sie mit dem Herrn Botschafter verblieben?

Dieses Treffen diente der Kontaktaufnahme, und es wird sehr schnell, innerhalb einer Woche eine Fortsetzung geben. Sie vertrauen sehr auf den Erfolg von Jobbik, denn diesen sehen sie als Vorbedingung (zálog) unserer (…) Zusammenarbeit. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass Kasachstan trotz der chinesischen und russischen Hegemonie seine nationale Identität bewahrt hat. Es ist ein wunderbares Gefühl, dabei zu sein, wenn zwei Brüder nach langer Zeit des Leidens wieder zueinander finden.

 

 

Glossar:


„Multinationale Parteien“ : Laut Jobbik-Doktrin haben korrupte sozialistische und liberale  ungarische Politiker das Land an multinationale Firmen ausverkauft und zu Grunde gerichtet. Das Gegensatzpaar „Multinational“ versus „National“ ist auch eine Chiffre des antisemitischen Diskurses. Ungarische „Juden“ sind „vaterlandslos“ bzw. haben noch Israel, die „Ungarn“ dagegen haben „nur dieses eine Vaterland“; die liberale Partei SZDSZ gilt für Ultrarechts als „Judenpartei“, inzwischen ist bei ihnen die neoliberale Wirtschaftsordnung „jüdisch“. „Israel / das internationale Finanzjudentum kauft über korrupte sozialistische und liberale (=“jüdische“) Politiker Ungarn auf und lässt es ausbluten.“ Das schwingt hier an Bedeutung mit.

Aber sie behaupten immer ganz entrüstet, dass sie keine Nazis seien.

„Innere Feinde“: Auch eine Chiffre des antisemitischen Diskurses.

„Rumpfungarn“: Das heutige Ungarn wird von Ultrarechts gern als „Kleinungarn“ oder „Rumpfungarn“ bezeichnet. Im Gegensatz dazu Großungarn, mit den Grenzen von vor 1919. Sie hätten gerne die damals abgetrennten Teile wieder.

„Turanisch“: Dazu habe ich das gefunden. 

 

Hier mehr zur Geschichtsrevision von Jobbik (auf Englisch).

 

Democracy Web zu Kasachstan. Da wundert einen auch nicht, warum die für Jobbik so attraktiv sind.

 

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3 Kommentare leave one →
  1. shirokuma permalink
    5. Oktober 2009 14:11

    „Ultrarechts als „Judenpartei“, inzwischen ist bei ihnen die neoliberale Wirtschaftsordnung „jüdisch“. „Israel / das internationale Finanzjudentum kauft über korrupte sozialistische und liberale (=“jüdische“) Politiker Ungarn auf und lässt es ausbluten“

    Mensch DAS IST DIE WAHRHEIT. Unsere Pharma komplett in jüdische Hände (TEVA, Richter GEDEON etc), Presse wie in deutschland auch meeeehrheitlich . Inmobilienmarkt, Lebensmittelindustrie. Handel TESCO ETC, und wenn jemand daran zweifeln würde ,

    Hier kann mit einegene AUGE SEHEN und mit eigene OHREN HÖREN wie der President von Israel alles vor alle öffentlichkeit in hotel TEL AVIV HILTON das zugibt.

    de talán ezt is ki tudod magyarázni.

    (amugy van egy jó barátom ,aki a Perez családbol származik)

    • pusztaranger permalink
      6. Oktober 2009 06:49

      Ich hab mir den Perez angeschaut; wie gut die Übersetzung ist, kann ich nicht beurteilen; dann habe ich gegoogelt und gesehen, dass diese Episode 2007 auf internationalen ultrarechten Portalen rauf- und runterzitiert wird, und daß das außer denen niemand ernst genommen hat, schon gar nicht Manhattan und Polen, die er ja auch genannt hat; die einzigen, die bei sowas gleich zur israelischen Botschaft rennen und demonstrieren, sind ultrarechte Ungarn, die darin einen handfesten Beweis für die jüdische Weltverschwörung sehen. Die israelische Botschaft hat damals auch schnell reagiert und eine Presseerklärung rausgegeben http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=1070&Itemid=26
      Mir sieht das so aus, dass Perez in einer Runde von Businessleuten ausdrücken wollte, dass israelische Unternehmen im Ausland sehr erfolgreich sind; die Formulierung war natürlich nicht gut gewählt.

      Die Entrüstung bei den ungarischen Ultrarechten schlägt immer hohe Wellen, sobald irgendwo von israelischen Investoren die Rede ist, aber was ist mit den deutschen, französischen, amerikanischen Investoren? Ich sehe auch, wie die Multis über Ungarn drübergewalzt sind, besonders auf dem Land, und Betriebe und Existenzen kaputtgemacht wurden, aber Kapitalismus- und Globalisierungskritik geht auch anders. Das alles auf „die Juden“ zu schieben, ist zu einfach gedacht.

      na részemrôl kimagyaraztam.

  2. 5. Oktober 2009 20:16

    die genetischen „beweise“ und „turulische verwandschaften“ sind wirklich ein witz. jeder nur halbwegs gebildete mensch kann nur darüber lachen! traurig ist nur dass manche das wirklich glauben…aber anscheinend brauchen sie diese große „seelische freude“, weshalb auch immer.

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