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Star Wars á la Jobbik

3. November 2009

Auf der Großkundgebung von Jobbik am Nationalfeiertag 23. Oktober in Budapest wurde als Auftakt für die Wahlkampagne 2010 ein Wahlkampfspot gezeigt. Er kommt daher wie ein Spielfilmtrailer, apokalyptischer Hollywood-SciFi, Auftakt zum letzten Gefecht, zur Schlacht des Guten gegen das Böse. Jobbik kommt, siegt und räumt auf.

Die Partei hat sich das Video auf die Website gestellt, und auf den anderen ultrarechten Portalen wurde seine professionelle Mache gelobt.

Ein paar Tage später war es dann von Youtube verschwunden. Nun steht dort (z.B.hier):

„Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Warner Music Group nicht mehr verfügbar.“

Sie haben sich nämlich die Musik aus einem Hollywoodfilm (Requiem for a Dream) geklaut.

Zu dumm auch!

Gefundenes Fressen für die ultrarechte Medienguerilla: Skandal, das Video wurde wegen seiner politischen Inhalte zensiert! Die judeobolschewistische Weltverschwörung wieder in Aktion und so weiter, kann man sich bei den Kommentaren auf Youtube nachlesen. Inzwischen laden treue Jobbikfans das Video dort nämlich unter anderen Titeln wieder hoch, zum Teil verändert, zum Teil genau so, und Youtube reagiert auch vereinzelt und hat offenbar auch schon einige Nutzerkonten komplett geleert.

Von der offiziellen Jobbik-Website ist das Video natürlich schlagartig verschwunden, und vom Parteivorstand hört man jetzt auf einmal, dass es sich dabei gar nicht um ein offizielles Video gehandelt habe. Den Film hätte nicht die Partei, sondern Sympathisanten gemacht, und er sei vor und nach der Veranstaltung am 23. Oktober lediglich als „Füllmaterial“ gezeigt worden, so Jobbik-Vize Elôd Novák.

Schon klar, Elôd.

Wer war eigentlich rechtlich verantwortlich für diese Veranstaltung am 23. 10., und damit auch für die dort gezeigten Medien, egal wer sie gemacht hat?

Zweimal öffentlich gezeigt vor 5000 Leuten, vielleicht sollte man Warner mal einen Tip geben, wohin sie die Rechnung schicken können:

Jobbik Magyarországért Mozgalom

H-1113 Budapest, Villányi út 20/a

Tel: 0036 1 365 14 88

Nebenbei bemerkt ist Jobbik-Vize Novák einer der anonymen Macher der Neonaziseite kuruc.info, wie ich immer wieder bei ultrarechten Bloggern lese, die ihn nicht mögen. Zumindest hat er das bisher nirgendwo dementiert.

Zurück zum Video: Inzwischen ist es auf eine ungarische Seite umgezogen, offenbar hat man dort keine Copyright-Bedenken. (Konnte ich nicht einbetten, drum hier auch auf youtube, solang sie’s noch nicht löschen.)

(Edit 12.11.: Auf videa.hu haben sie’s inzwischen auch gelöscht.)

Willkommen im „nicht offiziellen“ ungarischen Wahlkampf 2010:

Sprechertext:

Während die ehrlichen Menschen unter dem Sklavenjoch stöhnen, ist das Regime von Korruption und Verrat durchsetzt (Hier sehen wir ungarische PolitikerInnen von Regierung und Opposition). Kriminelle Horden halten die Provinz in Angst und Schrecken (Bilder von einer Roma-Demo). Auf den, der sich nicht unterwirft, wartet Terror (Bilder von dem verhafteten Rechtsextremen György Budaházy, Polizeieinsätze gegen die Ultrarechten). Die Herrschaft der Kräfte der Finsternis scheint endlos (Polizeieinsatz bei den ultrarechten Krawallen 2006)

Doch dann erscheint die Neue Kraft, um die Hoffnung zurückzugeben und die schönere Zukunft zu bringen! (Gardeaufmarsch etc.)

Letzter Satz von der EU-Abgeordneten Krisztina Morvai: „Wir erheben den Kopf und nehmen uns unser Land zurück.“


Glossar:

„Neue Kraft“ = Wahlslogan von Jobbik bei den EU-Wahlen

„Schönere Zukunft“ = Gruß der verbotenen Ungarischen Garde.

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