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Ungarische Garde mit Riesenaufgebot auf Horthy-Gedenkfeier

16. November 2009

Vor 90 Jahren, am 16. November 1919, ritt Miklós Horthy nach der Niederschlagung der Räterepublik an der Spitze seiner siegreichen Truppen auf  einem weißen Pferd in Budapest ein.

Dieses Jubiläum feierten gestern über 600 Mitglieder der verbotenen Ungarischen Garde auf einer Gedenkveranstaltung an Horthys Grab auf seinem Familienbesitz in Kenderes, veranstaltet von Bürgermeister und Gemeinderat.

Das ultrarechte Spektrum in Ungarn zieht klare Parallelen von Horthys Sieg über die Roten 1919 zu den ungarischen Wahlen 2010. Genau wie Horthy damals wollen Jobbik & Co nächstes Jahr die Roten aus der „Macht“ verjagen und „Ordnung schaffen“. Horthy ist für sie ein

… Staatsmann, der Ungarn nach den Verwüstungen des Weltkrieges, dem (…) roten Terror und Trianon (…) in kaum mehr als fünfzehn Jahren wieder auf die Beine gestellt und zu einer der bedeutendsten wirtschaftlichen und politischen Mächte erhoben hat. (Barikad.hu)

(Eine der bedeutendsten wirtschaftlichen und politischen Mächte? Ich muß gestehen, das war mir neu.)

Der Spiegel über Horthy:

Die Angst vor den Roten, vor der Arbeiterrevolte, ließ Horthy kräftig schüren. Sich selbst präsentierte er stets als Beschützer Ungarns vor revolutionärem Ungemach.

Admiral Horthy (…) ließ zu, dass bewaffnete Offizierskorps und Freischärler Jagd auf Kommunisten und Juden machten. Der Kommunismus war in den Augen Horthys die von den Juden angestrebte Form der Weltherrschaft. Etwa 5000 Menschen fielen dem „weißen Terror“ – so genannt nach der Farbe des Pferdes, mit dem Horthy einst in Budapest eingeritten war – zum Opfer, mehr als 70 000 Horthy-Gegner wurden in Lagern festgesetzt.

Hier noch ein guter Zeit-Artikel anläßlich von Horthys Wiederbestattung 1993. Da heißt es zum Schluß:

Horthy ein Held? Allenfalls ein trauriger. Doch im Mausoleum von Kenderes wird nun – so fürchten ungarische Demokraten – der Horthy-Mythos nicht begraben. Falsche Töne könnten in der Nachbarschaft wie in Ungarn selbst nationalistische Mißverständnisse schüren.

Das war damals. Schaut Euch das Video an, dann seht Ihr die  „nationalistischen Mißverständnisse“ marschieren.

Imre Kertész sagte neulich:

Ungarn im Krieg, Ungarn und der Faschismus, Ungarn und der Sozialismus: Nichts wird aufgearbeitet, alles wird zugeschminkt mit Schönfärberei.

Wo er Recht hat, hat er Recht.

 

MG_Horthy_plakat_20091114

(magyargarda.hu)

3 Kommentare leave one →
  1. aka permalink
    17. November 2009 15:06

    Arme ungarische Garde! Anscheinend braucht sie dringend tote „Helden“ wie Horthy. Die eigenen Leute sind einfach nur machtgeile Polemiker…Wenn man aber mit 600 Leuten aufmarschiert, können sich die kleinen unbedeutenden Existenzen auch endlich machtvoll fühlen…Sie tun mir einfach leid!

  2. 31. Mai 2010 21:32

    Was der Spiegel da schreibt:
    „…Etwa 5000 Menschen fielen dem „weißen Terror“ – so genannt nach der Farbe des Pferdes, mit dem Horthy einst in Budapest eingeritten war – …“ ist historisch bestimmt nicht richtig, weil der „Weisse Terror“ ja bereits 1919 nach Bela Kunst Räterepublik erstmals in Ungarn einsetzte. Woher kommt nun der Name Weisser Terror wirklich. Das würde ich gern wissen, finde aber nirgends was dazu?

Trackbacks

  1. „Krieg“ in Sajóbábony – Verbot der Gardeuniform « Pusztaranger

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