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Jobbiks braune Truppen, und Besuch von der FPÖ

28. Januar 2010

Laut Jobbiks Wahlprogramm (auf jobbik.hu) haben sie mit ihrer verbotenen Parteimiliz, der Ungarischen Garde, noch viel vor. Bisher durften die nur Miliz spielen, aber wenn Jobbik an die Macht kommen, dürfen sie richtig mitmischen und die ungarischen Streitkräfte ergänzen:

Die Mitglieder der Ungarischen Garde haben bewiesen, daß sie selbst in den schwersten Situationen fähig und bereit sind, ihr Vaterland zu schützen. Auf die vereidigten Gardisten, die eine wichtige Ressource (érték) für das Land sind, warten in Zukunft auf jeden Fall wichtige Aufgaben, ob in der Gendarmerie, den Reservetruppen oder sonstigen zivilen Organisationen.

Wir werden von Staats wegen eine Reservetruppe aufstellen, die Ungarische Nationalgarde, als ständige Unterstützung für die Armee und um den Nachschub zu stellen, sowie für den Schutz wichtiger Objekte im Kernland. (Wahlprogramm S. 71f)

Hier zur Erinnerung ein paar Kostproben aus den offiziellen „Zielsetzungen“ der Ungarischen Garde (www.magyargardamozgalom.hu/celkituzesek – eigentlich nichts Neues, aber hier nochmal kompakt). Die wollen unter anderem:

Edit 29.1.: Korrektur: Die Ungarische Garde hat sich im Herbst 2008 in zwei Flügel aufgespalten, in den Jobbik-nahen Flügel und den „Ôrzô“-(Hüter, Wächter)-Flügel – ich danke Karl Pfeifer für den Hinweis. Der Jobbik-nahe Flügel ist weniger offen antisemitisch, Jobbik will ja ins Parlament gewählt werden; der Ôrzô“-Flügel ist explizit antisemitisch. Was ich Euch hier übersetzt habe, sind die Zielsetzungen der letztgenannten Gruppe, die sich von Jobbik abgrenzt, weil die ihnen nicht radikal genug sind. Die beiden Flügel laufen als getrennte Organisationen, und im Unterschied zur Jobbik-nahen Garde ist dieser extreme Flügel nicht gerichtlich verboten. Für Außenstehende ist zwischen den beiden Flügeln praktisch kein Unterschied zu sehen, und auf dem „Tag der Ehre“ (siehe mein Post) marschieren beide Flügel gemeinsam mit.)

  • Die Revision der Grenzen von 1920

„Das Friedensdiktat von Trianon ist für uns unakzeptabel, wir wollen seine Revidierung und die Vereinigung der ungarischen Nation in einem Vaterland aktiv vorantreiben.“

  • Austritt aus NATO und EU

„Wir verurteilen die Teilnahme an internationalen Bündnissen, die gegen die Interessen unserer Nation handeln; wir befürworten den Austritt aus den von der internationalen zionistischen Oligarchie (sic) beherrschten Finanz- und Bündnissystemen, insbesondere der NATO und der EU.“

  • „Rassenschutz“ und Rassenverfolgung

„Aufgrund der Lehre der heiligen ungarischen Krone wollen wir: (…) den im Land der heiligen ungarischen Krone lebenden nationenbildenden Völkern Rassenschutz (fajvédelem) bieten, und den Zuzug von Rassen, die nicht über eine Werteordnung verfügen und lediglich aus wirtschaftlichen Gründen kommen, verhindern. Gleichzeitig stellen wir uns den Rassen, die in Eroberungsabsicht kommen, entgegen. (Anm: Damit ist vor allem Israel gemeint, dh die Mär von der zionistischen Weltverschwörung). Wir betrachten sie als unsere Feinde, und im Kampf gegen sie halten wir alle Mittel für gerechtfertigt.“ (Számunkra ok ellenségeink, akikkel szemben a küzdelem minden formáját megengedhetonek tartjuk.)

  • Ein neues Judengesetz einführen (das war mir zum Beispiel neu):

„Wir befürworten die Verabschiedung eines neuen Numerus Clausus-Gesetzes, dessen Aufgabe es ist, die gegen die Interessen der Nation handelnden Gruppen aus der Macht zu drängen.“

  • Bildungsferne (=Roma) sollen nicht wählen dürfen

„Wir befürworten ein neues Wahlgesetz, laut dem die Wahlberechtigung zumindest an einen Grundschulabschluss geknüpft ist.“

  • Multis enteignen

„Unternehmen und Banken in ausländischer Hand sollen ohne Entschädigung in den Besitz der Nation übergehen, das derzeitige Bankensystem und die Börse sollen aufgelöst werden.“

(In der Menüleiste steht ihr Spendenkonto – nicht etwa bei der ungarischen Sparkasse OTP, sondern beim ungarischen Ableger der Volksbank, 100% in ausländischer Hand.)

Wem das noch nicht reicht, kann sich an anderer Stelle dieser Seite (www.magyargardamozgalom.hu/node/630) ein Himmler-Zitat anschauen, und was danach kommt, ist übelste Holocaustleugnung, das erspare ich euch.

Die Ungarische Garde ist in letzter Instanz gerichtlich verboten, wie man weiß. Bei der großen Eröffnungsveranstaltung von Jobbiks Wahlkampagne am 16.1.2010 waren jede Menge Gardisten da, und die Veranstaltung wurde von Jobbiks „Gendarmerie“ gesichert.

Bild: hirszerzo. Bildergalerie hier.

FPÖ und Jobbik: „Auf gute Zusammenarbeit“

Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Johannes Hübner war als Gastredner auf dem Wahlkampfauftakt, offenbar hat die FPÖ inzwischen keine Skrupel mehr, mit Jobbik aufzutreten. In der Zusammenfassung der Jobbik-Ortsgruppe Kecel heißt es:

(…) Es ging weiter mit dem Singen der Nationalhymne. Nach dem Grußwort von Gábor Szabó begrüßte der Abgeordnete der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Johannes Hübner die Versammelten auf ungarisch (!), später sprach er natürlich auf deutsch weiter. In seiner Ansprache ging es um den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der beiden Parteien,  und er wünschte Jobbik viel Erfolg bei ihrer Arbeit und bei den Wahlen. (…)  (www.kecel.jobbik.hu/?q=beszamolo_a_jobbik_kampanynyito_rendezvenyerol)

Weiterlesen hier: Gleich und Gleich gesellt sich gern; Der Standard; news.at, die Presse.

3 Kommentare leave one →
  1. r.marie permalink
    30. Januar 2010 10:37

    aufschlussreich:
    http://republikschilda.blogspot.com/2010/01/was-hier-ablauft-ist-durchdachte.html

  2. pusztaranger permalink
    30. September 2010 09:09

    Ich wurde hier als Quelle verlinkt:
    http://www.stopptdierechten.at/2010/09/29/grossungarn-jobbik-und-die-fpo/

    „Was in Österreich weniger bekannt ist: Jobbik und die Ungarische Garde treten ganz offen für Grossungarn ein und wollen die Revision der Verträge von Trianon:

    „Das Friedensdiktat von Trianon ist für uns unakzeptabel, wir wollen seine Revidierung und die Vereinigung der ungarischen Nation in einem Vaterland aktiv vorantreiben.“ (zitiert nach: pusztaranger.wordpress.com).“

    Um genau zu sein: Diese Zitate beziehen sich auf den abgespaltenen Flügel der Ungarischen Garde, wie es auch im Edit zu lesen ist:

    Die Ungarische Garde hat sich im Herbst 2008 in zwei Flügel aufgespalten, in den Jobbik-nahen Flügel und den „Ôrzô“-(Hüter, Wächter)-Flügel – ich danke Karl Pfeifer für den Hinweis. Der Jobbik-nahe Flügel ist weniger offen antisemitisch, Jobbik will ja ins Parlament gewählt werden; der Ôrzô“-Flügel ist explizit antisemitisch. Was ich Euch hier übersetzt habe, sind die Zielsetzungen der letztgenannten Gruppe, die sich von Jobbik abgrenzt, weil die ihnen nicht radikal genug sind. Die beiden Flügel laufen als getrennte Organisationen, und im Unterschied zur Jobbik-nahen Garde ist dieser extreme Flügel nicht gerichtlich verboten. Für Außenstehende ist zwischen den beiden Flügeln praktisch kein Unterschied zu sehen, und auf dem „Tag der Ehre“ (siehe mein Post) marschieren beide Flügel gemeinsam mit.)

Trackbacks

  1. Stoppt die Rechten » Grossungarn, Jobbik und die FPÖ

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