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Ultrarechte Wahlkampfsplitter

14. März 2010

Sowas bringt in Ungarn Wählerstimmen:

Titelseite der aktuellen Printausgabe des Jobbik-Organs Barikád:

„Budapest, erwache! Ist es das, was ihr wollt?“

(Jobbik ist diese ultrarechte Partei, die immer behauptet, dass sie keine Nazis sind.)

Ein Lesetip: Karl Pfeifer in der Jungle World über Antisemitismus im ungarischen Wahlkampf.

Edit 16.3.: Die Kommentare beachten! Karl Pfeifer diskutiert seinen Artikel mit einem Leser.

23 Kommentare leave one →
  1. Mike permalink
    14. März 2010 16:14

    Um Himmels Willen, Pusztarnger, den Artikel von Pfeifer ab ich auch gelesen. Bezüglich Fidesz wimmelt es mal wieder von Unterstellungen und Verdrehungen, wohin man blickt. 🙂

    Pfeifer macht es sich zu einfach. Szaniszló und Bayer werden mit Fidesz („massiver Antisemitismus“) gleichgesetzt, die Jobbik zu einer Jugendorganisation des Fidesz erklärt und dann ganz beiläufig erwähnt, die ungarische Rechte rege sich ganz zu Unrecht über eine „launische“ Bemerkung über „Investitionen in Ungarn“ auf. Investitionen in Ungarn?? Peres hatte damals gesagt, Israel „kaufe Manhattan, Ungarn, Rumänien um Polen auf, da man überall so gute Kontakte habe“…

    Diese Bemerkungen waren – gerade für einen Nobelpreisträger – mehr als unglücklich und haben den ungarischen Juden keinen Gefallen getan. Dass Pfeifer den Wortlaut verschweigt, belegt das Motiv des Artikels: Propaganda.

    Hier übrigens ein Beleg für das Geschichtsverständnis der Linken: http://www.youtube.com/watch?v=p08MyBD6j5w&feature=related

    • pusztaranger permalink
      15. März 2010 11:53

      Dass Pfeifer den Wortlaut verschweigt, belegt das Motiv des Artikels: Propaganda.

      Jetzt mal ganz neutral gefragt, warum werden Leute wie Szaniszló und Bayer nicht vom Sender/ aus der Redaktion genommen? Wenn Sie finden, dass Herr Pfeifer übertreibt, wie soll man das sonst verstehen? Erklären Sie’s uns?

  2. Karl Pfeifer permalink
    15. März 2010 07:00

    Also Fidesz ist eine völkische Partei und Zsolt Bayer bekam nachdem er einen vulgären antisemitischen Artikel
    im Magyar Hirlap publiziert hatte von Viktor Orbán eine Torte. Und das wurde von TV Anstalten gezeigt. Nun greift Bayer seine Turul-Kameraden an und das macht er – so schaut das aus – im Auftrag.
    Ich nehme an Mike, dass Sie nicht Hebräisch können. Ich aber kann es, und Peres hat bei einer Konferenz eine dort witzig klingende Bemerkung über Ungarn und Polen gemacht. Doch während im Polen das nicht zum Anlass genommen wird, zu behaupten Israel (oder „die Juden“) möchten das Land erobern, wiederholen das paranoide Ungarn (ich vermute Mike Sie gehören dazu).
    Mit dieser Masche ist auch Csurka 1992 gekommen, der eine ganze Broschüre herausgab, mit den Adressen aller jüdischen Institutionen und israelischer Firmen in Ungarn.
    Und noch etwas Mike. Der Antisemitismus in Ungarn ist tief verwurzelt. Siehe auch meine Glosse in élet és irodalom http://www.es.hu/index.php?view=doc;20045
    Sie Mike behaupten also, dass jüdische Ungarn oder ungarische Juden wegen der Bemerkung eines Präsidenten eines anderen Landes leiden könnten, was ja wieder ein antisemitisches Konstrukt ist. Der Antisemitismus hat wirklich nichts mit konkreten Juden in Ungarn zu tun.

    • pusztaranger permalink
      15. März 2010 11:41

      Hallo Herr Pfeifer, freut mich sehr, dass Sie auch da sind!

  3. Mike permalink
    15. März 2010 20:46

    Hallo Herr Pfeifer,

    auf den Blödsinn mit der Torte gehe ich nicht ein, kann ja nicht Ihr Ernst sein…

    Meine Bitte an Sie, Herr Pfeifer, ist Nehmen Sie sich ein wenig zurück. Sie kennen mich nicht, und wissen daher auch nicht, ob ich „paranoid“ bin. Derartige Beleidigungen höre ich mich ungern an von Menschen, die mit Ihrem Artikel einen ganz bestimmten Zweck verfolgen und auch nicht davor zurückschecken, ihn auf frei erfundener Tatsachen aufzubauen.

    1. Jobbik war und ist keine Jugendorganisation des Fidesz. Meines Erachtens heißt die Jugendorganisation des Fidesz „Fidelitas“.
    2. Woher nehmen Sie die geistige Hocherkenntnis, der Fidesz sei für Auswüchse von Szaniszló und Bayer verantwortlich? Jedenfalls nehmen sie diese beiden Personen als Beleg für Fidesz´schen Antisemitismus. Bringen Sie doch Beispiele aktiver Fidesz-Politiker, wenn Sie eine ganze Volkspartei in eine Ecke drängen (und bitte nicht den Bürgermeister von Edelény, der ist geflogen).
    3. Warum verschweigen Sie die Tatsache, dass Fidesz nicht mit dem Gesetz gegen Holocaustleuggnung (ich befürworte die Strafbareit) an sich ein Problem hatte, sondern ZUSÄTZLICH die Leugnung kommunistischer Verbrechen bestrafen wollte (ich befürworte die Strafbarkeit auch hier)?

    Und nun zu Ihrem Versuch, mich in die antisemitische Ecke zu rücken (ich bin in Anbetracht meiner eigenen Familiengeschichte etwas empfindlich, mit Csurkas und anderen Rechtsradikalen in einem Absatz genannt zu werden): Schauen Sie doch mal meine Anmerkungen in einem anderen Thread hier zu einer gewissen „Stechmücke“ an, bevor Sie mir Verfolgungswahn vorwerfen oder in die Nähe des Antisemitismus rücken. Offenbar sind Sie zu sehr in Ihren Feindbildern verhaftet?

    Ich kenne das Problem mit Antisemitismus in Ungarn. Und ich verharmlose gar nichts. Nur frage ich mich – und damit habe ich Sie in Anbetracht Ihrer Amok-Reaktionen wohl auch getroffen – warum Sie die Bemerkungen von Herrn Peres verteidigen. Er hat meiner Meinung nach völlig daneben gegriffen, Ende aus. Das ist keinerlei Grund für Antisemitismus, aber man darf auch als israelischer Staatspräsident nachdenken, bevor man etwas sagt.

    Ich lasse mich gerne von Ihnen belehren, wenn Herr Peres etwas anderes gsagt haben sollte, als auf youtube übersetzt wurde. Also, was genau ar so „lustig“?

  4. Mike permalink
    15. März 2010 20:48

    Sorry für die Tippfehler 🙂

  5. Karl Pfeifer permalink
    15. März 2010 21:55

    Sie unterstellen mir Propaganda gegen Fidesz zu machen.
    Und sie versuchen zu vertuschen und zu verharmlosen, dass Zsolt Bayer ein paar Tage nach dem er einen antisemitischen Artikel in Magyar Hirlap veröffentlichte, öffentlich vor dem Fernsehen von seinem Freund Viktor Orban ein Stück Kuchen erhielt.
    Und zu dem Bürgermeister von Edelény sagte Orbán zunächst, das sei eine lokale Angelegenheit, obwohl dieser Kerl Fideszabgeordneter im Parlament ist, dann sagte er es sei eine peinliche Sache. Doch wenn in seiner Partei ein ungehobelter Politiker kruden Rassismus, Antisemitismus und Homophobie propagiert, dann sollte das doch etwas mehr als peinlich sein. Orbán nominierte ihn nicht, nachdem einige seiner Berater mit ihren Rücktritt gedroht hatten. Ausgeschlossen wurde der Rassist nicht aus Fidesz.
    Und Zsolt Bayer bestätigte doch erst diese Tage welche Hilfe Vona und Morvai von Fideszpolitikern erhalten haben.
    Und ich habe zum Beispiel 2008 geschrieben:
    „Zu einem weiteren Eklat kam es Anfang Oktober. Da hielt der stellvertretende Sprecher des ungarischen Parlaments, Sándor Lezsák von der konservativen Oppositionspartei Fidesz, eine Rede bei der Enthüllung einer Statue des 1927 ver­storbenen katholischen Bischofs Ottokár Pro­hászka und verteidigte ihn gegen den »geistigen Terror«, der in Ungarn derzeit angeblich herrscht. Der antisemitische Ideologe Prohászka war nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem einer der Initiatoren des Numerus-Clausus-Gesetzes, das die Anzahl der Juden an den Universitäten einschränkte und damit die Emanzipation der Juden zum Teil aufhob. Mit dem Gesetz habe Prohászka nur »die kosmopolitisch-parasitäre Schicht« zurückdrängen wollen, erklärte Lezsák nun.

    Solche Worte sagen einiges über den Umgang der Fidesz mit ungarischen Rechtsextremisten aus. In einigen Stadt- und Gemeinderäten gibt es Wahlbündnisse zwischen der Fidesz und der rechtsextremen Jobbik-Partei.
    Quelle
    http://jungle-world.com/artikel/2008/52/32357.html

    Mike meinen Sie auch, dass Ottokár Prohászka kein Antisemit war? Prohászka hat sein antisemitisches Pamphlet vom deutschvölkischen Hammer Verlag in Hamburg 1920 publiziert und auf dem Titelblatt ist schon das Hakenkreuz zu sehen.

    Heute charakterisiere ich die Fidesz nicht mehr als konservative sondern als eine völkische Partei, deren Politiker wie Lezsák und Kövér schon mal einen expliziten oder impliziten antisemitischen Spruch machen.

    Ihre persönliche Befindlichkeit Herr oder Frau Mike interessiert mich nicht, auch nicht Ihre Abstammung, all das tut nichts zur Sache.

    Und wer wirklich glaubt, Israel oder „die Juden“ wollten, könnten Ungarn erobern, der oder die wird von mir als paranoid charakterisiert. Und da helfen auch keine Hinweise auf die Familie.

    Haben Sie Mike schon davon gehört, dass man eine Spruch aus dem Kontext heben kann und genau das ist mit dem Spruch von Peres geschehen. Wer tatsächlich glaubt Ungarn stehe vor einer israelischen Eroberung, der/die sollte sich dringend von einem Psychiater untersuchen lassen.

    Wenn Sie konkretes zu kritisieren haben, dann werde ich das mit Interesse lesen, alles andere ist uninteressant. Und vielleicht noch eine Bemerkung. Sie können meine III/III Papiere im Internet lesen. Ich habe meine Meinung über das Kádárregime geschrieben und habe auch während der letzten 8 Jahre genug über Antisemitismus und Rassismus in Ungarn geschrieben und gesprochen.
    Im übrigen noch eine Ergänzung. Ich schreibe natürlich auch über gegen Roma gerichteten Rassismus.
    Was sagt man über den Fidesz-Abgeordneten und Pfarrer Zoltán Balog, der auch Präsident des „Komitees für die Belange der Minderheiten, der Zivilgesellschaft und der Religion“ ist und immer wieder davor warnt, dass „die ungarische Mehrheit der Roma-Minderheit ausgeliefert“ sein könne?
    Und wenn Zsolt Bayer und Ferenc Szaniszló bei TV Stationen beschäftigt sind, die den Fidesznahen Gábor Széles gehören, dann kann ich ihnen sagen, die antisemitische Hetze die dort und auf Magyar Hirlap betrieben wird, geschieht nicht gegen den Willen von Fidesz.
    Kommen Sie mir bitte nicht mit dem alten deutschen Spruch „Wenn das der Führer wüßte“ Orban und seine Helfer wissen genau was sie tun. Ich denke für den Moment reicht es.

  6. Karl Pfeifer permalink
    16. März 2010 08:56

    auch ich bitte um Entschuldigung, denn ich schrieb in großer Eile und schaute mir das nicht mehr an. Da gibt es einige Rechtsschreibfehler.

  7. Mike permalink
    16. März 2010 10:59

    Lieber Herr Pfeifer,

    ich bin nicht naiv genug, um zu glauben, Ihre über Jahrzehnte des antifaschistischen Kampfes geprägte Meinung ändern zu können.

    Ich sehe das Hauptproblem in Ungarn an einem fehlenden Dialog und an einer beiderseits vorhandenen Verleugnungshaltung: Ich teile die Sichtweise von Krisztián Ungváry, der in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ einen (m.E.) guten Artikel mit dem Titel „Belastete Orte der Erinnerung“ geschrieben hat. Die selektiven Wahrnehmung der ungarischen Geschichte von rechts UND links gibt er gut wider, als Beispiel nennt er das „terror háza“.

    Das Problem mit der sachlichen Auseinandersetzung sehe ich infolge dessen gerade darin, dass eine solche durch permantentes Köpfe-Aneinanderstoßen von „Rechten“ und „Antifa“ verhindert wird. Jeder zeigt auf die Verantwortung und die Fehler der anderen. Und ich denke noch immer, dass bei der Berichterstattung über Ungarn im Ausland die Sichtweise der Népszava dominiert. Sie vertreten keine objektive Linie, da Sie immerzu auf eine Seite einschlagen und dieandere schonen. Ursachenforschung ist jedoch Teil der Problemlösung.

    Ich selbst habe die Regierungszeit des Fidesz von 1998-2002 kritisch verfolgt, vieles an Orbán gefällt mir nicht. Bayer Zsolt mag ich auch nicht (u.a. wegen seiner Primitivität). Der Umstand, dass die Antifaschisten von MSZP-SZDSZ in den vergangenen Jahren ein Chaos verursacht haben, bin ich allerdings nicht bereit, nur wegen ihrer linken Haltung zu akzeptieren. Auch die „Gárda“ wurde in der Zeit von MSZP/SZDSZ gegründet und marschiert munter herum, ist dasder Opposition anzulasten?

    Vorwürfe und Hinweise auf die Mitverantwortung der Regierung am Rechtsruck, die fehlende öffentliche Sicherheit in den östlichen Komitaten, die beispiellose Korruption (u.a.BKV) und die Verlogenheit in ökonomischen Belangen (von Sozialisten kann man wirklich nicht sprechen…), habe ich in Ihrem Artikel nicht gelesen. Genau das würde zu einer problemösungsorientierten Debatte führen können. Ob Michael Frank, Christian Schmidt-Häuer, Frau Marszovszky und Sie an dieser Debatte ein Interesse haben, sei dahingestellt.

    Ihre Ausführungen zu Ottokár Prohászka kann leider ich nicht nachvollziehen, ich kenne den Herrn nicht, lese auch keine antisemitischen Pamphlete, da mir davon schlecht wird. Ich bin auch ehrlich gesagt nicht mit dem Brennglas unterwegs, um Antisemitismus zu finden.

    Übrigens: Von „Barikád“ halten wir beide das Gleiche.

    Auch Lezsák sagt mir nichts. Ich weiß nur, dass ich Antisemitismus verurteile und mich stets (auch in Ungarn) gegen die Mär von der „jüdischen Weltverschwörung“ wende. Gerade weil ich die Story vom „Ungarn aufkaufenden Israel“ nicht glaube und auch nicht mehr hören kann (den gleichen Vorwurf könnte man auch den Bayern machen…), war ich über Peres´ Wortwahl sehr erstaunt. Ich kann mir nämlich bildlich vorstellen, was passiert wäre, wenn sich Frau Merkel oder Herr Köhler vor den DIHK gestellt und z.B. behauptet hätten, Deutschland würde Polen aufkaufen. Mir geht es um die „Seele“ der Menschen. Hat nichts mit bestimmten Ländern zu tun. Auf die Befindlichkeiten eines anderen Landes Rücksicht zu nehmen, entspricht guter diplomatischer Tradition, oder anders: HÖFLICHKEIT.

    Der Zeitpunkt von Peres´ Äußerung war übrigens (wohl ohne dass er es wissen konnte) sehr unglücklich, weil etwa zur gleichen Zeit eine israelische Investorengruppe (ich betone: es geht nicht um „die Juden“ oder „die Israelis“, sondern um einzelne Personen…) unter rechtlich mehr als fragwürdigen Umständen in der Ortschaft Sukoró ein riesiges Casinoprojekt gestartet und mit Hilfe einzelner Regierungsmitglieder „durchgeboxt“ hat. Die Einzelheiten können Sie dem Internet entnehmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt meines Wissens noch.

    Das rechtfertigt wiederum keinen Antisemitismus, birgt aber Sprengstoff, übrigens genauso wie die jetzt in der Diskussion stehenden Projekte der spanischen Grupo Milton in Páty und Sávoly, bei denen sowohl die Regierung als auch Fidesz verstrickt zu sein scheint.

    Zu Ihrem „Wenn der Führer das wüßte“ erspare ich mir wieder einen Kommentar. Wie gesagt, Ihr Weltbild werde ich – schon in Anbetracht Ihr eigenen leidvollen Geschichte – nicht ändern. Das weiß und respektiere ich.

  8. Mike permalink
    16. März 2010 11:11

    Nachtrag: Leider haben Sie nichts mehr dazu gesagt, wie genau man die Äußerungen von Herrn Peres aus dem Zusammenhang gerissen habe. Da Sie ausführten, er wäre falsch wiedergegeben worden – könnten Sie den Irrtum an dieser Stelle aufklären?

  9. Mike permalink
    16. März 2010 16:43

    Schaut, es geht auch ohne grundnegativen Unterton 🙂

    http://oe1.orf.at/inforadio/120241.html?filter=

  10. Karl Pfeifer permalink
    16. März 2010 17:24

    Diskussionen mit Ignoranten lohnen nicht.
    Indem Sie erklären Sie wissen nicht wer Sándor Lezsák der stellvertretende Sprecher des ungarischen Parlaments und führender Politiker der Fidesz ist und dass sie nicht wissen wer Bischof Ottokár Prohászka war, einer der wichtigsten Ideologen des ungarischen Antisemitismus zeigen Sie, dass Sie punkto Ungarn ein Ignorant sind.

    Ihr Befinden und ihre langatmigen Erklärungen darüber wen Sie mögen und wen Sie nicht mögen interessieren mich nicht und ich gehe gan nicht darauf ein.
    Man muss schon eine Portion Chuzpe haben, um zu behaupten, man müsse mit dem Brenngglas in Ungarn den Antisemitismus suchen. Und noch etwas kommen Sie mir nicht mit meiner „leidvollen Geschichte“, und mit ihrem Verständnis dafür. Mich ehrt es wenn Sie mich mit Michael Frank und M. Marsovszky u.a. nennen (Sie hätten ja auch R. Olt von der FAZ erwähnen können, der ja auch über dieses Thema einiges geschrieben hat). Die haben keine „leidvolle Geschichte“ sondern sind Nichtjuden, die den in Ungarn um sich greifenden Antisemitismus, Antiziganismus und Homophobie ähnlich sehen wie ich, der ich Jude bin.
    Und jetzt schlage ich Ende der Diskussion vor.

  11. Mike permalink
    16. März 2010 18:58

    Ist wohl besser so. An Ihr hohes Ross reiche ich nicht heran. Schönen Abend!

  12. Melanie permalink
    17. März 2010 09:36

    Hallo, lieber Mike,
    Antisemitismus ist, wenn man nach der jüdischen Abstammung eines Menschen fragt. Wen interessiert das? Wären Sie auch so empört, wenn der Ministerpräsident eines anderen Landes einen ähnlichen Satz sagen würde, wie Peres? Oder meinetwegen der Papst? Überlegen Sie sich’s, ob Sie auch nach einem solchen Satz vom Papst ähnlich reagieren würden. Der Vatikan ist doch auch reich genug und macht Geschäfte. Wenn er so herumblödeln würde, würden wir uns auch so erschrecken und sagen, die Katholiken wollen unser Land aufkaufen?
    Peres hat gewitzelt, lacht auch dabei (http://www.youtube.com/watch?v=JL4Cu-K17vE). Es ist weder ungeschickt, was er sagt, noch schlimm, sondern menschlich. Er lobt die eigene Wirtschaft.
    Was ist daran? Warum ist man in Ungarn gleich aus dem Häuschen und empört sich nunmehr seit Jahren, die Juden würden das Land aufkaufen?
    Ist das nicht Paranoia, wenn ein solcher Satz ein ganzes Land so aufwühlt? Da ist doch nicht Peres Schuld, sondern diejenigen, die deshalb nach Vergeltung an den Juden schreien.
    Oder Sukoro: Wenn da irgend etwas Strafrechtliches passiert oder passierte, dann deshalb, weil es solche Menschen gibt, die bestimmte Gesetze hintergehen. Aber doch nicht deshalb, WEIL sie Juden sind!

  13. Mike permalink
    17. März 2010 11:15

    Hallo Melanie,

    ich freue mich, dass Sie zu einer Diskussion bereit sind.

    Nun, ob Sie es glauben mögen oder nicht: JA, ich würde mich genau so darüber aufregen! Beispielsweise rege ich mich derzeit genau so über die Geschehnisse um die spanische Grupo Milton auf, die in Páty und Sávoly unter mehr als fragwürdigen Umständen Großprojekte durchzieht. Googeln sie mal.

    Ihre Bewertung von Peres´ Äußerungen teile ich nicht. Angebliche Irrtümer und Fehlinterpretationen werden hier zwar behauptet, aber nicht erläutert. Ich teile die Meinung von Herrn Papp, der in der HVG -bei allerKritikan der Reaktion in Ungarn – schrieb, ein Staatschef müsse seine Wort besser wählen,um aus ihnen keinen Bumerang werden zu lassen. Und dabei bleibe ich. Die Aussage zu verschweigen und sich dann in einemArtikel über die Reaktion auszulassen, ist Halbinformation. Und wenn es eine – wie Siesagen „lustige“ Bemerkung war – kann man sie seinen Lesern auch mitteilen.

    Darf ich Ihre Frage umdrehen? Was würde Polen (zu Recht) sagen, wenn Merkel die Worte von Peres gegenüber Polen genutzt hätte? Auf die Aufmacher in polnischen Zeitunge wäre ich gespannt.

    Ich betone nochmals: Es geht hier um „hohe Politik“ und die Reaktion von Menschen darauf. Um Höflichkeit, darum, nicht in dieser Überheblichkeit über ein anderes Land zu sprechen. Was die Rechtsextremen daraus machen, ist falsch. Aber das die das ausmelken, kann doch hier keinen verwundern.

    „Oder Sukoro: Wenn da irgend etwas Strafrechtliches passiert oder passierte, dann deshalb, weil es solche Menschen gibt, die bestimmte Gesetze hintergehen. Aber doch nicht deshalb, WEIL sie Juden sind!“

    –> Genau so sehe ich das auch, vgl. die Grupo Milton. Wie ich oben bereits schrieb, bei Sukoro geht es nicht um „die Juden“. Gleichwohl war der Zeitpunkt und die Art der Äußerung von Shimon Peres mehr als unglücklich.

    In Ungarn ist man wegen ALLEN ausländischen Investoren „aus dem Häuschen“, und zwar deshalb, weil 80% der Börsenkapitalisierung in ausländischer Hand ist und die Förderung von Direktinvestitionen ausländischer Konzerne von MSZP/SZDSZ deutlich höher war als inländischer Unternehmen. Diese (teilweise aus wirtschaftlicher Not notwendigen) „Sünden“ der Regierungen Horn und Medgygessy/Gyurcsány rächen sich jetzt: Konzerne verlassen Ungarn wieder, die Subventionen sind bezahlt und die Leute stehen auf der Straße. Stabiles Wachstum ist so nicht möglich. Der Anteil von Ausländern (v.a. Deutsche, Franzosen, Italiener) an strategischen Zweigen wie der Energieversorgung ist sehr hoch. Die Angst rührt von dieser großen Abhängigkeit her. Und noch einmal: Das hat mit „Juden“ gar nichts zu tun.

    Dass wir die Worte eines Staatschefs unterschiedlich bewerten, ist unser beider gutes Recht. Nur müssen weder Sie noch ich mich dafür beschimpfen lassen. Wer die wirtschaftliche Situation bei dem jetzt bevorstehenden Rechtsruck außer Acht lässt, auf den fällt sein Vorwurf der Ignoranz zurück.

    Warten wir die Wahl ab.Und bitte nicht traurig sein,wenn Ungarn danach nicht in einer Diktatur versinkt. Den Artikel von Ungváry in APuZ empfehle ich übrigens wirklich zur Lektüre.

    Schöne Grüße

  14. Mike permalink
    17. März 2010 11:16

    Meine Space-Taste spinnt:-(

  15. Melanie permalink
    17. März 2010 16:10

    Na gut, dann braucht man doch in Zukunft die Abstammung von irgend welchen Personen gar nicht erst zu erwähnen und schon sind wir einander näher :).

    Das, was Sie über die subventionierten Investoren beschreiben, ist leider allgemein in Europa zu beobachten, bezieht sich nicht nur auf Ungarn und die MSZP und SZDSZ, das wird wohl auch unter Fidesz nicht anders aussehen. Ich weiß wohl, dass Fidesz gerne wirtschaftspatriotisch vorgehen würde (man muss nur das Programm lesen), genau das geht jedoch in Europa schwer bis gar nicht. Die gesamte Verantwortung auf die MSZP und SZDSZ und die marode wirtschaftliche Lage abzuschieben ist auch zu einfach. Gegen die „Ausbeutung“ und den „wilden Kapitalismus“ sollte man doch lieber die demokratische Interessenvertretung mit Hilfe der Gewerkschaften international stärken. Auf diesem Gebiet passiert jedoch leider nichts.

    Diktatur? Na ja. Orban wünscht sich jedenfalls einen Einparteienstaat. Da gibt es, ohne zu leugnen, zumindest Ähnlichkeiten.

    Danke für den Tip mit Ungvary!

    Grüße retour

  16. Mike permalink
    17. März 2010 22:39

    Orbán wünscht sich ein System mit einer „starken Regierung“ und träumt davon, ohne die permanenten Streitereien grundsätzliche Punkte durchsetzen zu können. Was auch immer man davon halten mag.

    Das Fabulieren um ein System ohne starke Opposition kann man wohl unter Wahlkampfgetöse einordnen nach dem Motto: Ich will so stark werden wie möglich, daher unterstützt mich, damit ich keine kleinkarierten Debatten führen muss und Eure Interessen gut durchsetzen kann.

    Ich meine übrigens, 50 % + x für Fidesz sind die Folge und zugleich gerechte Strafe für die letzten 8 Jahre. Allerdings habe ich Zweifel, ob eine 2/3 Mehrheit rechtsstaatlich vorteilhaft ist. Ich bin kein Freund verfassungsändernder Mehrheiten für eine Partei…ist ne Berufskrankheit.

  17. Karl Pfeifer permalink
    18. März 2010 05:45

    György Dalos erhielt einen Preis in Leipzig und gab ein interessantes Interview über den Zustand der Demokratie in Ungarn
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7090

  18. Mike permalink
    18. März 2010 22:09

    Hallo Melanie und Pusztaranger,

    Wäre nicht das Thema „Mitverantwortung der Medien“ für bestimmte Arten von Vorurteilen einen Thread wert?

    Hintergrnd: In Ungarn gibt es zwei große Privatsender, RTL Klub und TV2. Beide übrigens in ausländischer Hand. Was da leider in quotenstarken Sendungen wie „Mónika Show“ und „Joshi Bharat“ dem Zuseher tagtäglich – insbesondere im Bezug auf Roma – präsentiert wird, dürfte jedenfalls nicht hilfreich sein, Vorurteile der Zuseher zu beseitigen. So lange solche Sendungen massenhaft über den Äther gehen, können Intellektuelle in Spartensendern und schlauen Diskussionsrunden lange über Förderungen sprechen. Bei der Masse kommen viel eher diese Bilder an:

    Die Sender sollten sich wirklich mal ihrer Verantwortung bewusst werden. Die gleichen Sender übrigens, die dann in den Abendnachrichten über den Zuwachs von Vorurteilen und Rassismus sprechen. Da passt irgend etwas nicht zusammen…

  19. 20. März 2010 13:38

    alle erklärungsversuche, daß fidesz eine weltoffene partei ist, und alle anschuldigungen, daß man fidesz etwas unterstellt, sind diktatorisch-nationalsozialistisch-kommunistische praxis. fidesz würde am liebsten, so wie jobbik, und ich würde sagen auch die mszp, eine diktatur in ungarn errichten, weil man hier immer noch nicht gelernt hat, daß politiker dem volk zu dienen haben und es NICHT ihre aufgabe ist, zu sagen wie der hase läuft und uns ideologisch zu schulen.
    alle reaktionen auf diesen meinen beitrag sind überflüssig, weil ich nicht mehr gewillt bin zu diskutieren.

  20. Karl Pfeifer permalink
    20. März 2010 18:16

    Clemens vergißt eines, die MSZP hat Ungarn seit 2002 regiert und keine Diktatur eingerichtet.
    Aber da Clemens ex kathedra spricht und sich unfehlbar wähnt, zählen Fakten nicht. Es ist auch purer Unsinn den Nationalsozialismus gleichzusetzen mit dem Kommunismus, aber da Clemens nicht mit uns diskutiert, wird er wohl darauf nicht antworten.

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