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Jobbik-Wahlkampf auf dem Nationalfeiertag

18. März 2010

Der Nationalfeiertag am 15. März wurde in Budapest wie üblich nach Parteien getrennt begangen. Auf der Veranstaltung der ultrarechten Partei Jobbik  im Stadtzentrum waren mehrere zehntausend Menschen.

Kleiner Blog/Pressespiegel:
Accusations of the Israeli occupation of Hungary
Hungarian Spectrum: Jobbik speeches on March 15
Pester Lloyd: Gefleddertes Erbe- Nationalistische Dominanz am Nationalfeiertag in Ungarn

Ein Video hier, man sieht, dass es sehr viele Leute waren.

Ich habe mir mal die Reden angeschaut, die dort gehalten wurden (im Wortlaut auf barikad.hu); für den Volltext fehlt mir gerade die Zeit, aber ein paar Perlen habe ich Euch herausgepickt.

Parteivorsitzender Gábor Vona:
(barikad.hu/node/49064)

Jobbik rechnet damit, die Wahlen zu gewinnen, und dann wird abgerechnet:


„Jobbik bereitet sich nicht auf Platz drei, auch nicht auf Platz zwei der Wahlen vor. Nein. (…) Wir wollen siegen, und wir werden auch siegen! (…) Wir werden Ungarn in Ordnung bringen. Alles und Jeder wird auf seinen angemessenen Platz kommen. Manche werden Gerechtigkeit bekommen, manche Arbeit, manche Hilfe und Chancen, und manche auch eine Gefängniszelle. Jeder nach seinen Verdiensten.


Al
le anderen Parteien handeln für „fremde“ Interessen:

Jede einzelne der im Parlament vertretenen Parteien ist Diener der EU, des multinationalen und globalen Kapitals. Ohne deren Wissen und Erlaubnis können sie keinen Finger rühren. Sie haben das Land kaputt gemacht. Manche durch aktiven Verrat an der Nation, manche durch feige Passivität. Einzig und allein Jobbik ist ausschließlich dem ungarischen Volk verpflichtet.

Jobbik Wahlsieg = Einparteienstaat?

Sie schlottern vor Angst vor uns. (…) Während sie das Geld, die Medien, die Macht, die Geheimdienste, das Militär, die internationale Unterstützung, all das auf ihrer Seite haben. Und trotzdem haben sie Angst. Warum? Weil wir wiederum die Wahrheit haben. Sie wissen und spüren, daß wenn Jobbik ins Parlament einzieht und siegt, nicht bedeutet, daß es im Parlament eine Partei mehr gibt, sondern daß es dort in einigen Monaten vier Parteien weniger geben wird. Daß das ganze Kartenhaus, das sie sich zwanzig Jahre lang aus billigen Lügen gebaut haben, zusammenstürzen und jede einzelne von ihnen unter sich begraben wird.

(…)


Jobbik Wahlsieg = Ungarn gegen den Rest der Welt:

(Sie wollen eine Gesetzesänderung, um es Ausländern unmöglich zu machen, in Ungarn Land zu kaufen):
„Und daß die EU deswegen böse wird? Das interessiert mich nicht. In diesen letzten zwanzig Jahren ging es denen immer darum, was wird Brüssel sagen, was wird Washington sagen, Tel Aviv oder Moskau? Uns interessiert nur eines: Was wird Ungarn und das ungarische Volk (wörtlich „ungarische Menschen“, völkisch konnotiert) sagen?

(…)

Die Miklós Horthys der Zukunft stehen schon bereit:


(Die ungarische Jugend)
: Echte junge Magyaren mit feurigem Blick (Tüzes tekintetű, igaz, magyar fiatalok)
(…)  die Ferenc Rákóczis,  Sándor Petőfis und Miklós Horthys der Zukunft. Viele sagen, daß wir schon sehr lange darauf gewartet haben. Das ist wahr. Aber so sind wir eben immer gewesen, haben erduldet, erduldet und erduldet, statt auf den Tisch zu hauen. Aber wenn wir einmal auf den Tisch gehauen haben, hat es die Welt immer zum Beben gebracht. Am 11. April müssen wir wieder auf den Tisch hauen. Und die Welt wird erbeben.

(…)

Wir wollen, daß Ungarn endlich den Magyaren gehört (…), wir wollen ein Volksurteil (népítéletet) über die letzten zwanzig Jahre, daß der notwendige radikale Wandel geschieht, und zwar niemals wieder im Namen von anderen, Fremden (lies: Juden) oder Politikern, sondern nur und ausschließlich im Namen des ungarischen Volkes. (…) Jobbik steht bereit, Ungarn zu regieren.“


Krisztina Morvai, EU-Abgeordnete und Jobbiks Kandidatin für das Amt des Staatspräsidenten
:
(barikad.hu/node/49105)

Im Prinzip sagt sie Altbekanntes, aber das hier ist mir doch aufgefallen:


Jobbik will eine neue Verfassung per Volksabstimmung:

„Ungarn soll seine ungarische Armee haben, die Soldaten sollen auf die Verfassung schwören  – aber nicht auf das, was heute Verfassung genannt wird, sondern auf das durch die Heilige Krone verkörperte allerhöchste Gesetz (legmagasabb rendű törvényesség), die wahre Verfassungsgrundlage der ungarischen Staatlichkeit  (a magyar államiság valódi alkotmányos alapja), sowie auf Grundprinzipien und Grundgesetze der Verfassung, wie sie im Programm von Jobbik gegeben sind, und die später (d.h. nach einem Wahlsieg) durch eine Volksabstimmung legitimiert werden sollen.“

Ich verstehe das so, daß Jobbik die jetzige Verfassung durch eine Volksabstimmung außer Kraft setzen wollen – wer Übersetzungsfehler entdeckt, korrigiere mich!

Ungarische Streitkräfte gegen die EU-Armee:

„Unsere ungarischen Soldaten sollen nicht ins Ausland! Ungarische Soldaten haben nichts verloren in Afghanistan, auch nicht im Irak; Aufgabe des ungarischen Soldaten ist es, in Ungarn sein eigenes Vaterland zu verteidigen! Ausländische Soldaten, ausländische Streitkräfte haben in Ungarn nichts verloren. Umsonst versucht die EU, eine einheitliche EU-Armee zu schaffen, um dann die gegen das Reich (Die EU wird hier als „Reich“ bezeichnet) rebellierenden Ungarn zu disziplinieren – keinerlei europäischer, amerikanischer, israelischer oder Hottentottenarmee soll es erlaubt sein, einen Fuß nach Ungarn zu setzen.“

*

Es fehlen noch die Reden von Pastor Loránt Hegedüs und Gardekapitän Róbert Kiss, Fortsetzung folgt.

Edit 21.3.: Sorry, wohl eher nicht, aus Zeitgruenden…

5 Kommentare leave one →
  1. Mike permalink
    18. März 2010 19:03

    Die Reden von Loránt Hegedüs…ich empfehle jedem, der hineinstöbert, vorher nichts zu essen 😦

  2. Stechmücke permalink
    18. März 2010 20:03

    und hier die personifizierte Hoffnung aller noch anständig gebliebenen Ungarn und der Schrecken aller Rechtsradikalen:

    🙂

  3. Mike permalink
    21. März 2010 17:15

    Ein interessanter Bericht in „Aspekte“ über Jobbik, beginnt im Video bei ca. 19:50 min.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/996662/Highlights-vom-19.03.10—das-blaue-sofa#/beitrag/video/1000844/aspekte-vom-19-M%C3%A4rz-2010

  4. Mike permalink
    24. März 2010 19:40

    N´Abend!

    Lesenswert, weil ohne die übliche Stimmungsmache…

    http://diepresse.com/home/panorama/welt/548506/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

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