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Krisztina Morvais offener Brief an die US-Botschafterin in Budapest

17. April 2010

Die Welt hat die Woche ein Interview mit Krisztina Morvai, Jobbiks EU-Abgeordneter und Kandidatin für das Amt der Staatspräsidentin gebracht, und der Satz

Jobbik hat auch jüdische Mitglieder

ist den eigenen Leuten sauer aufgestossen. Auf kuruc.info ist man gar nicht begeistert, und Heti Valasz titelt deswegen schon „Spaltet sich Jobbik? Kuruc.info greift Morvai an“.

Diese Art von Glaubwürdigkeitsstrategie nach aussen funktioniert eben so gar nicht bei den eigenen Leuten. Mal ganz davon abgesehen, dass es keine ist.

Und hier also das Neuste von der Dame, sie hat nämlich der amerikanischen Botschafterin in Budapest Eleni Tsakopoulos Kounalakis gestern einen offenen Brief geschrieben (siehe auch Hungarian Spectrum), um ihr eine Lektion in Sachen Demokratie zu erteilen.

Bei wem nach dem Welt-Interview der Eindruck entstanden sein sollte, dass es sich bei Morvai irgendwie doch um eine ernstzunehmende Politikerin handelt, die auch auf internationalem Parkett eine gute Figur macht und einfach nur unorthodoxe Meinungen vertritt, soll sich nur mal hier den Tonfall und die Formulierungen reinziehen und weiss Bescheid. Inhaltlich sagt sie gar nichts Neues, in den heimischen Medien und im EU-Parlament tönt sie immer so, aber inzwischen sind Jobbik ins Parlament gewählt, und soviel ich weiss war sie auf dieser diplomatischen Ebene bisher noch nicht so direkt aktiv.

Hier nun also im O-Ton, viel Spass.

Krisztina Morvais offener Brief an die US-Botschafterin in Budapest

(morvaikrisztina.hu, auf kuruc.info ist er auch, Uebersetzung Pusztaranger.)

Sehr geehrte Frau Botschafterin!

Ich habe aus der Zeitung erfahren, dass Sie anlässlich der Parlamentswahlen von den ins ungarische Parlament eingezogenen vier Parteien diejenigen drei besucht haben (FIDESZ, LMP und MSZP), die sie für „demokratische Parteien“ halten. Demzufolge ist es Ihre Auffassung, dass es sich bei der MSZP als der Nachfolgepartei der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, die in der Umsetzung kommunistischer Theorie und Praxis weltweit fuer den Tod von 110 Millionen Menschen verantwortlich ist, um eine demokratische Partei handelt, während Jobbik, Bewegung für ein besseres Ungarn – deren EU-Abgeordnete ich bin – keine ist. Damit haben Sie gleichzeitig die Opfer des Kommunismus beleidigt sowie all die ueber 850 000 ungarische Menschen (Anm.: voelkisch konnotiert), die Jobbik ihre Stimme gegeben haben.

Sie bescheinigt der Botschafterin eine fehlerhafte Demokratieauffassung und versorgt sie mit Material zu 2006, dem

„blutigen Polizeiterror“, wo die Polizei der sozialistischen Regierung „in eine friedliche Menge von mehreren zehntausend Menschen schiessen liess“. (…) „Der Tradition der kommunistischen Diktatur gemäss liess das Regime viele hundert Menschen von regierungsgesteuerten wildgewordenen Polizisten blutig schlagen, fügte 14 Menschen Augenverletzungen und vielen hundert weiteren schwere Verletzungen zu, verhängte grundlose Inhaftierungen und Folter im Gefaengnis, und eröffnete Schauprozesse in grossem Umfang.“

Man fragt sich doch, wo sind wir nochmal, in China, im Iran…?

Morvai bemängelt desweiteren, dass die amerikanische Diplomatie sich damals rausgehalten hätte,

„so wie Sie (d.h. die Amerikaner) auch seither nicht dagegen protestiert haben, dass die Regierungen Gyurcsány und Bajnai in den letzten Jahren die Menschenrechte der Ungarn laufend und brutal mit Füssen getreten haben, unsere Meinungsfreiheit, unser Versammlungsrecht, unsere Redefreiheit. Sie haben nicht beanstandet, dass die Demonstranten, die auf der Strasse gegen die Ausbeutung und den Ausverkauf des Landes, die Verarmung der Menschen, das Hungern von Hunderttausenden von Kindern protestierten, zu Dutzenden von Malen mit israelischen Wasserwerfern gejagt wurden, ihnen aus unmittelbarer Tränengas ins Gesicht gesprüht wurde, sie willkuerlich inhaftiert wurden, (…) Sie bewerten eine Partei als demokratisch, die acht Jahre lang alle demokratischen Werte mit Füssen getreten hat, die Freiheit, die Menschenrechte, die Menschenwürde.

(…)

Wie man weiss, stören Sie sich an der zur Zeit der Augenausschiessungen (szemkilövetések idején, das ist so eine feste Wendung bei Jobbik & Co) zu Selbstverteidigungszwecken gegründeten unbewaffneten Ungarischen Garde, doch Sie stören sich nicht an (…) der ‚einheitlichen Europäischen Armee‘, die gerade ohne jede demokratische Legitimierung aufgebaut wird, die schnelle Einsatztruppe der EU?

Um die EU-Truppen ging es auch auf ihrer Rede am Nationalfeiertag am 15. Maerz, als neuen Feind, gegen die das Land notfalls mit Waffengewalt verteidigt werden muss, siehe mein Post.

Tja, mal sehen was das noch wird mit der schöneren Zukunft.

Edit 19.4.2010: Zur Erinnerung, hier kann man sich die „israelischen“ Wasserwerfer nochmal in Aktion gegen „gute ungarische Patrioten“ ansehen (2006).

Update 20.4.2010:

Heute gab es im Internet eine erste Reaktion auf Morvais Brief, von Richard Field,  der sich als amerikanischer Staatsbuerger angesprochen fuehlte. Der Geschaeftsmann ist der Hauptsponsor der neuen gruenen Partei LMP. Auf Englisch als Leserbrief beim Budapest Business Journal, die Nepszabadsag bringt die ungarische Version hier, momentan der meistgelesene Artikel der Onlineausgabe.

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41 Kommentare leave one →
  1. Mike permalink
    17. April 2010 10:59

    Hallo Pusztarager,

    meine Meinung zu Morvai kennen Sie. Bedauerlicher Weise hat sie in Sachen 2006 und dem brutalen Auftreten der Polizei auch gegen friedliche regierungskritische Demonstranten nicht ganz Unrecht.

    Selbst Amnesty International – der man wohl kaum Sympathie mit Jobbik vorwerfen wird – hat das Vorgehen kritisiert. Es gab viele Verletzte, Fernsehsender brachten Aufnahmen, auf denen vermummte Polizisten ohne Dienstnummer schlicht und einfach grundlos auf herumstehende Passanten einprügelten. Einfach mal vorbeigehen und reintreten.

    Verfahren gegegen Polizisten scheiterten meist daran, dass man sie wegen fehlender Identifizierbarkeit nicht zur Rechenschaft ziehen konnte. Das war einer Demokratie nicht würdig.

    Hier eine Kostprobe:

    Es gab Ausschreitungen von Rechtsextremen, gegen die vorgegangen werden musste. Das soll hier keinesfalls bestritten werden. Nur dazu ist, denke ich, längst alles gesagt.

    Weshalb aber musste die am Astoria abgehaltene Fidesz-Demonstration mit Tränengas beschossen und mit berittener Polizei aufgelöst werden. Es ist keine Morvai-Propaganda, wenn sie sagt, dass dort auch ganze Familien mit Kindern aufhielten, nur um dann Tränengas abzukriegen. Vor allem: Warum um alles in der Welt trieb die Polizei die auf dem Deák-tér randalierenden Rechtsextremen genau in Richtung Fidesz-Kundgebung? Dass es so war, konnte ich damals mit eigenen Augen sehen (ich habe übrigens weder einen Panzer kurzgeschlossen, noch Steine geworfen, Ria-Ria-Hungaria gebrüllt, war auch nicht Teilnehmer der Fidesz-Kundgebung. Allerdings war ich – kommend von der Ausstellung vor dem Terror-Haus – in der Nähe des Deák-Platzes und konnte live miterleben, wie die Polizei „brilliert“ hat).

    Verletzt wurde u.a. auch der Parlamentsabgeordnete Máriusz Révész. Der sich dann übrigens von der Menschenrechtspartei SZDSZ im Parlament für seinen eingebundenen Kopf auslachan lassen musste. Aber wer war gleich nochmal SZDSZ? 🙂

    Die Sache mit 2006 ist wirklich sehr komplex. Die Hooligans haben den Streit sicher angefangen. Nur erwartet man von einer Polizei in einer Demokratie, dass sie nicht wie die VoPo drauf losknüppelt.

    Ganz zu schweigen von verifizierten Berichten, wie mit den Leuten auf den Polizeirevieren umgegangen wurde.

    Beste Grüße
    Mike

  2. Karl Pfeifer permalink
    17. April 2010 12:39

    Mike, ich gratuliere Ihnen aufrichtig zu Ihrem Beitrag, höchste Zeit, dass die USA von einer echten ungarischen Lady über Demokratie und die Abscheulichkeit der ungarischen Polizei belehrt wird, denn es ist ja bekannt, dass echte ungarische Intellektuelle wie Krisztina Morvai die Weisheit nicht mit dem kleinen Kaffeelöffel, sonder mit großem Schöpflöffel genommen hat.
    Aber bald, wenn die zu allen (Schand)Taten bereiten Polizeigewerkschafter der Jobbiknahen Polizeigewerkschaft das Sagen haben werden, wird die Polizei keine Gewalt mehr anwenden, wenn wieder mal Nazirabauken (ich weiß ich sollte sie lieber Pfeilkreuzler nennen aber Nazi ist kürzer) das Gebäude des Ungarischen Fernsehens in Brand stecken, Autos abfackeln usw.
    Ungarn hat ja dank dieser von den Sozialisten geduldeten paramilitärischen Einheiten wie Ungarische Garde und Nationale Wache einen Ruf in Amerika errungen. Das US-State Department warnte am 12. Mai 2009 Ungarnbesucher:

    „Die Welle der rassistischen oder ethnisch begründeten Gewalt, die man mit Osteuropa assoziiert, scheint nicht gegen Besucher von Ungarn gerichtet. Eine kleine aber lautstarke Gruppe, die sich Magyar Gárda (Ungarische Garde) nennt, hat dank ihrer radikalen nationalistischen Botschaft der Intoleranz gegenüber Juden, Roma und Homosexuellen Zuspruch erhalten. Ihre Befürwortung von Gewalt und ihre Symbolik erinnern an das faschistische Regime der 1940er Jahre. [der „Pfeilkreuzler“, ung. Nyílások, die vom 15.10.1944 bis zur Befreiung herrschten; Anm. K.P.] Obwohl die Gruppe nicht unverhohlen antiamerikanisch ist, sollten Amerikaner, die Ungarn bereisen beachten, dass diese Gruppe sich Menschen auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe und sexueller Orientierung zum Ziel nimmt. Konfrontationen mit der Gruppe und ihren Mitgliedern sollten vermieden werden.“

    Da kann man nur gratulieren, solch gute ungarische Patrioten, die dafür sorgen wollen, dass weniger Touristen ins Land kommen, solch eine intelligente Lady wie Krisztina Morvai, die der amerikanischen Botschafterin Nachhilfeunterricht in Demokratie gibt.

    Ein richtiges Glück für die USA, dass Jobbik nicht die Mehrheit hat, denn dann könnte sie ja, wie die supergescheiten Horthyleute, den Vereinten Staaten den Krieg erklären. Wo kommt man dahin, wenn die Botschafterin nicht Herrn Vona, Pörzse, Novak und nicht zuletzt Krisztina Morvai ihre Hochachtung bezeugt.

    Aber noch ist Jobbik nicht verloren, sie haben sogar jüdische Mitglieder. Die Österreicher sagen drauf, da legst di nieder.

    Wenn ich Ungar wäre, ich bins nicht, dann würde ich doch meinen Landsleuten folgendes sagen: Liebe Mitbürger, als Eure Väter, Groß oder Urgroßväter die Juden aus den Berufen verdrängten, als sie Aladárs wurden, als sie dann die Juden beraubten und sie deportierten, da haben sie einen Profit gemacht. Aber liebe Landsleute, heute wird die Judenhetze in Europa nicht mehr so positiv bewertet und einen Profit könnt ihr auch nur kurzfristig bei Wahlen schlagen.
    Aber es besteht keine Gefahr, dass jemand solches unverblümt ausdrückt. Denn man weiß ja welches Unrecht Ungarn immer wieder geschah ohne dass irgendein Ungar irgendetwas schlechtes gemacht hätte. Und so geht es weiter, mit Antisemitismus, Zigeunerfeindlichkeit, Homophobie und eine gesunde Portion primitiven „Antikapitalismus“ und die Sehnsucht nach einem Übervater a la Kadar. Mahlzeit.

  3. Mike permalink
    17. April 2010 16:09

    Herr Pfeifer,

    ich sagte nicht, dass die USA sich von Morvai belehren lassen müssen. Und ich sagte auch, dass es zweifellos die Rechtsextremen waren, die mit dem „Balhé“ angefangen haben.

    Ich versuche lediglich, mögliche Gründe dafür aufzuzeigen, warum sich Teile der ungarischen Gesellschaft nach 2006 radikalisiert haben.

    Ich zitiere aus dem Bericht von Amnesty:

    „Polizei und Sicherheitskräfte

    Noch immer waren die Polizisten nicht identifiziert worden, die beim Polizeieinsatz im Zuge von Demonstrationen in Budapest im Jahr 2006 für Misshandlungen und exzessive Gewaltanwendung verantwortlich waren. Die Generalstaatsanwaltschaft gab bekannt, dass von 200 gegen die Polizei erstatteten Anzeigen 174 abgewiesen wurden und 24 noch anhängig waren; erst in zwei Fällen hatte man Strafen verhängt.

    * Im Februar 2008 sprach das Hauptstadtgericht Budapest einen Polizisten frei, den man der mutmaßlichen Misshandlung von Ángel Mendoza während dessen Inhaftierung in einer Budapester Polizeidienststelle nach den Demonstrationen im September 2006 angeklagt hatte. Im Juni hob das Berufungsgericht jedoch das Urteil auf und ordnete im Fall des freigesprochenen Beamten eine Neuverhandlung an. Ángel Mendoza wurde von der Menschenrechtsorganisation Ungarisches Helsinki Komitee vertreten. Das Verfahren war Ende des Jahres noch nicht abgeschlossen.

    * Im März 2008 befand das Hauptstadtgericht Budapest zwei Polizisten für schuldig, Imre Török misshandelt zu haben. Die beiden Polizeibeamten wurden zu Bewährungsstrafen von 14 bzw. 16 Monaten verurteilt. Im November reduzierte das Berufungsgericht die Strafe des ersten Polizisten auf neun Monate, bestätigte jedoch das Strafmaß gegen den zweiten, der bereits einmal wegen Misshandlung bei der Ausübung seines Amtes verurteilt worden war. Imre Törok wurde von der Menschenrechtsorganisation Ungarisches Helsinki Komitee vertreten.

  4. Karl Pfeifer permalink
    17. April 2010 18:01

    Keinesfalls möchte ich Gesetzesübertretungen von Polizisten entschuldigen. Aber wenn ein Mob das Haus des Ungarischen Fernsehens anzündet, wenn Autos abgefackelt werden, dann darf man das auch nicht unter den Teppich kehren.
    Die Hauptschuld an diesen Zuständen trägt Fidesz, die Politik mit der Straße machte. Und nun kann es leicht passieren, dass eine Fidesz Regierung das Medikament von Jobbik bekommt, das Fidesz der MSZP Regierung zum Schlucken gab.

  5. Mike permalink
    18. April 2010 10:33

    Niemand hier im Blog hat die gewalttäigen Ausschreitungen unter den Tisch gekehrt. Von der Polizei in einem Rechtsstaat darf man dennoch erwarten, dass sie zwischen radikalen Gewalttätern auf der einen und friedlichen Demonstranten einer angemeldeten öffentlichen Kundgebung bzw. völlig unbeteiligten Passanten auf der anderen Seite differenzieren kann. Letztere müssen sich weder verprügeln oder einsperren, noch von dem jeweiligen politischen Gegner oder sonstwem für ihre erlittenen Verletzungen verhöhnen oder als Rechtsradikaler diffamieren lassen.

    Und ja! Diese Bilder zeigen die abscheuliche Seite einiger Mitglieder der Budapester Polizei:

    Dass sich Morvai als Vertreterin einer antidemokratischen Partei nicht als Moralapostel eignet, muss hier nicht weiter vertieft werden. Es versteht sich von selbst.

  6. Mike permalink
    18. April 2010 10:43

    Zweiter Versuch:

  7. Mike permalink
    18. April 2010 10:44

    Hm, der Link will sich nicht einfügen lassen…

    vielleicht könnte Pusztaranger ihn ja aktivieren? 🙂

    • pusztaranger permalink
      18. April 2010 19:02

      Jetzt muesste der Link funktionieren.
      Mike, wenn ich mir das anschaue geht’s mir dabei genauso wie Ihnen, da sind wir uns einig.

      Mir geht es um sowas hier:

      Man wird sehen, wie die neue Regierung die Ultrarechten in den Griff bekommt.

      • pusztaranger permalink
        18. April 2010 19:06

        Mist, der Link geht wirklich nicht, hab’s ein paar Mal versucht. Cut & paste ist angesagt.

      • Mike permalink
        19. April 2010 09:46

        Vollkommen d´accord!

  8. Karl Pfeifer permalink
    18. April 2010 17:35

    Nun werden wir sehen, wie Fidesz die öffentliche Sicherheit garantiert, ob es ihr gelingt die paramilitärischen Einheiten ausnahmslos aufzulösen, die
    Neonazi in die Schranken zu weisen. Die MSZP ist gescheitert, nun hat Fidezz die Chance zu zeigen, wie sie das besser machen.
    Abwarten und Tee trinken ist die Devise.

    • pusztaranger permalink
      18. April 2010 19:09

      Ganz Ihrer Meinung. Sie nehmen mir hier jede Menge Arbeit ab, vielen Dank!

    • Stechmücke permalink
      20. April 2010 07:48

      Sie meinen also, dass Orban die Garde gemeint hat, als er den Leuten eine Verbesserung der öffentlichen Sicherheit sprach?
      Aber ja doch, war doch die ausufernde Kriminalität der MAGYAR GARDA eines der Hauptthemen im Wahlkampf, da die Gardisten in manchen Gegenden die Landbevölkerung mit Einbrüchen, Erpressung und nicht selten auch mit Morden terrorisiert haben. Böse Magyar Garda!

      • pusztaranger permalink
        20. April 2010 12:38

        Sie meinen also, dass Orban die Garde gemeint hat, als er den Leuten eine Verbesserung der öffentlichen Sicherheit sprach?

        Er sagte

        paramilitärischen Einheiten ausnahmslos aufzulösen

        Was ist daran unklar?

  9. Karl Pfeifer permalink
    18. April 2010 19:19

    @pusztaranger@ da kann man nur auf das Beste hoffen und auf das Schechteste vorbereitet sein. Da ich von Fidesz nichts erwarte, kann mich Fidesz auch nicht enttäuschen. Aber ich habe so das Gefühl – mag sein, dass ich mich irre – dass viele Fidesz Wähler sehr von ihrer Partei enttäuscht sein werden. Denn all das Geschwätz über die nationale Auferstehung, all die Berufung auf die heilige St.Stephanskrone wird nicht die Lebensbedingungen vieler Menschen positiv ändern und dann kommen die Mühen der Ebene und Viktor Orbán und seine Wirtschaftsfachleute werden zeigen müssen, ob sie besser sind als die jetzige Regierungsmannschaft und da habe ich so meine Zweifel.
    Hoffentlich irre ich mich, und alles wird so wie es sich die Fidesz-Wähler wünschen. Doch wenn sie scheitern, wer wird dann dafür die Verantwortung tragen?

  10. Laszlo permalink
    19. April 2010 08:30

    Liebe Jungs!

    Die deutschsprachige Medien vermitteln vieles falsch, zumindest abgefälscht. Von mir aus könnt Ihr alles erfahren, was ist wahr, was ist manupuliert, und vor allem, was ist gelogen.

    Bin Ungar, habe an ziemlich alles teilgenommen das möglich war. Ich habe live alles erlebt von 2006 bis heute.

    Falls Ihr Fragen an mich stellen wollt, könnt Ihr jetzt machen.

    • pusztaranger permalink*
      19. April 2010 09:08

      Dir ist aber schon aufgefallen, dass ich hier vor allem Jobbik & Co im O-Ton uebersetze?

  11. Karl Pfeifer permalink
    19. April 2010 11:36

    @Pusztaranger@ das meint eben László, Jobbik lügt und hetzt und darüber berichten die meisten deutschsprachigen Medien, die anstatt zu lügen und zu hetzen, nur Jobbik zitieren.
    Und tatsächlich, die Zitate sprechen ja für sich. Da muss man gar nicht viel kommentieren.

  12. Laszlo permalink
    20. April 2010 08:30

    Nein, lieber Karl, ich meine nicht die Jobbik & Co. lügt, sondern eher die Berichterstatter. Um die Sache zu verstehen, soll man wissen, dass es in einigen Regionen Ungarns den Leute wirtschaftlich sehr schlecht geht. Hunderttausende hungern, viele, vor allem Romas, können nur durch Kriminalität überleben. Die Situation in einigen östlichen Regionen ist wie ein „kalter Bürgerkrieg“. Die Leute wollen nichts anderes, nur ein Ende von diesem Horror. Jobbik bietet eine Lösung dieses Problems, zuerst den Schutz der Leute von der Kriminalität durch die „Magyar Gárda“, andernfalls durch Schaffung von Arbeitsplätze das Elend zu lindern.

    Die sozialistische Regierung unter Medgyessy/Gyurcsány/Bajnai hat hichts, aber gar nichts getan, sogar die Lage mehr in Richtung Eskalation gesteuert.

    Es werden fast täglich Ungaren durch Romas (umgekehrt nicht, oder sehr selten) umgebracht, meist alte Leute, die sich nicht währen können. Raubüberfälle sind an der Tagesordnung.

    Kein Land wurde sowas dulden, Deutschland am wenigsten.

    Jedoch wenn Leuete sich wehren wollen, werden sie sofort als Nazis, Faschisten, usw. abgestempelt. Die Lüge die in westlichen Medien verbreitet wird stinkt bis zum Himmel. Das Traurige dabei ist nur, dass die Leute das alles abkaufen.

    Eine weitere traurige Geschichte ist, dass 2008 und 2009 mehrere Romas umgebracht wurden. Nachdem die Täter gefasst wurden, hat sich herausgestellt, es handelt sich um Berufskiller, 1 davon in Israel, 2 davon in Russland bei der SpezNas ausgebildet wurden. Alles deutet darauf hin, dass die Auftraggeber in der Nahe der Regierung sitzen. Deswegen musste der damalige Innenminister Draskovics gehen, der Ministerpräsident Bajnai hat ihn gefeuert, bevor die ganze Sache hochkam.

    Man wollte ja die Morde an Romas der Jobbik unterjubeln, es ist wohl nicht gelungen. Deswegen hört man heute fast gar nichts mehr darüber.

    Die Frage jetzt an Euch: eigentlich wer sind die Faschisten, Rassisten? Die Jobbik, oder die Regiereung selbst, die das eigene Volk bekämpft?

    • Stechmücke permalink
      20. April 2010 12:04

      Zitat
      „Kein Land wurde so etwas dulden,Deutschland am wenigsten“

      Muahaha! Du bist offenbar über die deutschen Verhältnisse nicht ganz richtig informiert. In Deutschland hast du mit Migrationshintergrund ebenfalls einen Freibrief für alles, Gerechtigkeit wird der Political Correctness einfach geopfert. Es sind gar nicht sowenige Deutsche, die Ungarn um Jobbik beneiden.

      Dass es sich bei denjenigen, welche verdächtigt werden, die Roma abgeknallt zu haben, um gedungene Berufskiller handelt,glaube ich nicht.
      Bitte nicht alles ernst nehmen was kuruc.info und Nemzetör schreiben. Die Mörder jedoch mit Jobbik und der Magyar Garda in Zusammenhang zu bringen ist aber genauso dumm.

      • pusztaranger permalink
        20. April 2010 12:27

        Laszlo, Stechmücke, was ist Eure Prognose für die nächste Zeit? Wie seid Ihr mit dem Wahlergebnis zufrieden, was wünscht Ihr Euch von der neuen Regierung und von Jobbik im Parlament?

  13. Karl Pfeifer permalink
    20. April 2010 13:54

    Stechmücke, mag schon sein, dass in ihrer Umgebung es Deutsche gibt, die Ungarn um die Ungarische Garde beneiden. Doch kein normaler Deutscher wünscht sich Sturmtruppen, wie schon einmal während der Weimarer Republik.
    In Ungarn hingegen träumen Jobbikanhänger davon, die Grenzen von 1920 zu ändern. Nur wenige Deutsche träumen davon, die Grenzen von 1937 wieder herzustellen, doch von den Grenzen die im Friedensvertrag von Versailles bestimmt wurden redet nicht einmal der extrem rechte Rand. In Österreich hat die FPÖ – die Schwesterpartei von Jobbik – versucht mit der Revision des Friedensvertrages von St.Germain zu mobilisieren. Die Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol/Alto Adige will jedoch davon nichts wissen.
    Bei all dem was in Ungarn schief gelaufen ist, kann ich László und insbesondere Stechmücke versichern, mit der chauvinistischen, antiziganischen und antisemitischen Hetze wird kein Ungar – ausser natürlich den Jobbik-Politikern die ins Parlament gelangen – ein besseres Leben führen.
    Und wie ich schon bemerkte, man muss vollkommen weltfremd sein, wenn man die FAZ oder die NZZ als links qualifiziert.
    Und die Frage die Pusztaranger stellte ist wirklich von Euch zu beantworten. Was macht Jobbik, wenn Fidesz die paramilitärischen Garden auflöst?

    • Stechmücke permalink
      20. April 2010 14:39

      Wie kann man etwas auflösen was bereits aufgelöst ist?

      http://www.focus.de/politik/ausland/urteile-gericht-loest-rechtsextreme-ungarische-garde-auf_aid_413630.html

      und dann gleich nochmal, sozusagen als Bestätigung:

      http://www.pesterlloyd.net/2009_51/51garde/51garde.html

      • pusztaranger permalink
        20. April 2010 15:48

        Wie kann man etwas auflösen was bereits aufgelöst ist?

        Indem man das Verbot konsequent durchsetzt. Da scheint sich gerade was zu tun:
        http://atv.hu/nyito_kiemelesek/20100420_gyorshir_a_rendorseg_szerint_bunos_vademelesi_javaslat_a_gardafokapitany_ellen

      • Sepp Brenica permalink
        20. April 2010 19:44

        Dumm nur dass sogar die Abgeordneten von Jobbik bei ihrer ersten Parlamentssitzung in Gardeuniform aufkreuzen wollen. Was dann? Alle verhaften? 🙂
        Irgendwann wird der ganze Hype um die Garde lächerlich. Zudem ist die Garde im Alltag nicht present. Ich bin jeden Tag in Budapest unterwegs, sehe aber nirgendwo Gardisten rumstehen. Angehörige einer bestimmten ethnischen Minderheit, die sich laufend daneben benehmen sehe ich jedoch fast jeden Tag.

  14. Stechmücke permalink
    20. April 2010 14:16

    Anlässlich solcher Berichte kann man sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen:

    http://www.welt.de/politik/ausland/article7149263/Jobbik-der-un-heimliche-Machtfaktor-in-Ungarn.html

    Aber warten wir ab. Wenn Fidesz seine Versprechen hält und Lebensqualität sowie Lebensstandart steigen, dazu gehört auch, dass jegliche positive Diskriminierung abgeschaft wird, dann wird Jobbik und Garde überflüssig bzw keine Anziehungskraft mehr ausüben. Wenn aber alles beim Alten bleibt,Fidesz in die Fahrwasser der MSZP gerät und die LMP das Volk weiterhin in alter SDSZ Manier bescheisst wird Jobbik wohl die nächste Wahl 2014 gewinnen. Das wird dann nichteinmal mehr peinlich oder sonstwas sein, weil bis dahin auch in anderen europäischen Ländern nationalistische Parteien an der Macht sein werden. Sehr zu Ihrem und Herrn Pfeifers Ärger natürlich.

  15. Karl Pfeifer permalink
    20. April 2010 14:48

    Also zuerst noch zu László, sie scheinen ja einer vulgärmarxistischen Agitation auf den Leim zu gehen, wenn sie für den neopfeilkreuzlerischen Wahlerfolg, die triste ökonomische Lage verantwortlich machen.
    Stechmücke, wieso nationalistisch. Nazistisch oder neopfeilkreuzlerisch hätten Sie schreiben können. Nun ich wünsche Ungarn eine bessere Zukunft ohne Jobbik. Und ich glaube nicht dass die rechtsextremen Parteien in Europa eine Chance haben an der Regierung teilzunehmen, wenn die konservativen Parteien tatsächlich konservativ sind.
    Aber Stechmücke gratulieren tu ich Ihnen dazu, dass Sie als ungarischer Nazionalist bereit sind mit Slota, den rumänischen und den serbischen Nazionalisten zusammenzuarbeiten. Da kommt dann eine Internationale der Nazionalisten zustande und eine echte ungarisch-slowakisch-rumänisch-serbische Volksgemeinschaft.

  16. Stechmücke permalink
    20. April 2010 15:32

    Na-t-ionalist mit „t“. Sicher ist Ihnen ein kleines Versehen unterlaufen.
    Da die sogenannten etablierten konservativen Parteien tatsächlich nicht mehr konservativ sind, geniessen rechtsgerichtete Parteien mehr und mehr Zulauf. Beispiele: BNP, Geert Wilders oder die Pro-Parteien in Deutschland. Nach Jobbiks Wahlerfolg waren viele Leserkommentare in den Foren der Welt,Süddeutschen,FAZ etc alles andere als negativ in Bezug auf Jobbik. Ach ja, und natürlich unterstütze ich auch ein Europa der Völker.

  17. Laszlo permalink
    20. April 2010 15:47

    Stechmücke. Ich nehme meine Infos nicht aus dem kuruc.info. Bin insider. Meine Informationen kommen tw. von der Polizei, tw. von Politiker, die selbst involviert sind. Daher kannst Du glauben was Du willst, ich schreibe keine Meinung, ich habe auch keine Meinung, nur Wissen.

    Pusztaranger. Prognose: Es gibt bereits jetzt schon jährlich 100% Zulauf zu den Mitglieder der Jobbik. Ab 2011 ist mit einem noch höheren Wachstum zu rechnen.

    Es ist nicht zu vergessen, die Jobbik hat ein sehr professionelles Management, stehen die besten Denker, Fachleute, Ökonomen, Juristen Ungarns dahinter. Sie baut sich von unten auf, daher demokratisch und beliebt. Nicht einmal das mediale Sperrfeuer konnte ihr was antun.

    Die ständige Lügerei in den Medien hat für Jobbik auch gut getan, die Leute in Ungarn wissen ganz genau, was wahr und was gelogen ist, so laufen viele nur aus purer Trotz zu Jobbik.

    Ich schätze, spätestens 2018 wird sie die Regierung bilden können.

    Karl Pfeifer. Die „Magyar Gárda“ ist weder eine „Sturmgruppe“ noch SA oder sonst was. Sie wurde gegründet nur um Leute zu schützen, und nur für gemeinnützige Zwecke.

    Es existieren sonst ein Haufen paramilitärische Vereine, das ist aber in anderen Länder auch so (Schweiz, Ukraine, Österreich). Das finde ich in dieser Region normal.

    Die Schwesterpartei der Jobbik ist tatsächlich die FPÖ und/oder BZÖ. Haider wurde genau deswegen umgebracht (jetz bitte nicht zweifeln, ich weiss es ganz genau) damit sich die 2 Parteien nicht vereinigen können. Sein Pendant an der ungarischen Seite György Ekrem-Kemal, lebt auch nicht mehr. Er starb danach in Krebs innerhalb von 2 Wochen. Interessant, nicht wahr?

    Antisemitismus. Es sind m. E. auch Antisemiten in der Jobbik. Aber auch in der Fidesz oder in anderen Parteien sind sie auch. (fast „normal“)

    Zigeuner. Ich möchte festlegen, eine Art „Antiziganismus“ wie von Karl erwähnt, existiert in Ungarn nicht. Auch in der heutigen Situation nicht.
    Die Leute haben einfach nur die Schauze voll von Zigeunerbanden und -horden die sie ständig terrorisieren. Jobbik und Magyar Gárda sind der letzte Schrei einer Nation, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlt.

    Ich verstehe nur eins nicht: sind die Menschen in Deutschland so doof, dass sie das nicht sehen?

    Wann begreift Ihr endlich, dass es sich hier nicht um Nazismus, Rassismus, & Co. geht, sonder um das pure Überleben der Ungarn?

  18. Karl Pfeifer permalink
    20. April 2010 19:33

    @László“ hat natürlich tolles Insiderwissen, er will wissen dass es in Österreich legale paramilitärische Organisationen gibt. Bitt um Namen und Adresse wenigstens einer solchen Organisation.
    Und László will auch wissen, dass Haider ermordet wurde.
    Er hat Insiderwissen. Und die Welt ist eine Scheibe und
    an allem sind die Radfahrer schuld.
    Aber es ist gut die paranoide Weltsicht erklärt zu bekommen. Niemand bedroht die Ungarn außer sie sich selbst. Und wer glaubt mit einer nazionalen Bewegung in Europa Staat zu machen irrt. Wer glaubt, dass Jobbik wird sich einigen können mit den slowakischen, den rumänischen und den serbischen Nazionalen, der lebt in einer Traumwelt.
    Wenn Fidesz salonfähig sein will, dann wird es
    a l l e paramilitärische Organisationen auflösen müssen. Und ich habe das Gefühl, dass es die Möglichkeit gibt, dass Fidesz sich für Salonfähigkeit und gegen Jobbik entscheidet. Ich könnte mich irren, dann aber wird auch Fidesz Probleme bekommen.

  19. Mike permalink
    20. April 2010 21:11

    Ah ja! Haider wurde ermordet (László „weiß“ es), Jobbik wird 2018 die Regierung bilden, und die Roma wurden von einem in Israel (wo sonst?) ausgebildeten Berufskiller ermordet.

    Verschwörungstheorien, wo das Auge hinsieht. Da darf natürlich auch Israel nicht fehlen, was? Vom „rózsadombi szerzödés“ können Sie sicher auch berichten, als Insider… 🙂

    Meine Beurteilung sieht anders aus:
    1. Haider ist im Suff gegen eine Mauer gefahren, nachdem er sich mit minderjährigen Lustknaben vergnügt und ordentlich gepichelt hat.
    2. Jobbik wird sich bis 2018 aufgelöst und in alle Winde verstreut haben. Weil Fidesz deutlich härter durchgreifen wird als MSZP/SZDSZ.
    3. Die Roma-Morde wurden – wie es derzeit aussieht – von rechtsadikalen Wahnsinnigen begangen. Ich wünschte mir wirklich, es wäre anders. Und ich gebe offen zu, dass ich anfangs auch an Auseinandersetzungen zwischen Roma geglaubt hatte.

  20. Karl Pfeifer permalink
    21. April 2010 06:13

    @László@ Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet. Denn was Sie hier schreiben ist zitierbar, um zu zeigen, dass zwar die Anführer von Jobbik an Hochschulen/Universitäten studiert haben, ihre Anhänger aber treu zum hinterwäldlerischen Mucsa stehen.
    @Mike@ ich muss mich schon wundern über Sie, wie Frau Haider bestätigt, war ihr Mann nicht homosexuell veranlagt und hat sich nie mit Lustknaben vergnügt.
    Wie können Sie daran nur behaupten, dass Jobbik sich auflöst, wo man doch weiß, nichts ist patriotischer als Jobbik, die Arpadfahnen schwingen, mit faustgroßen Kokarden herumlaufen und doch die besseren Ungarn sind, es ist doch allgemein bekannt, dass Fidesz besser Zsidesz heißt und dass alle linke Ungarn Juden sind. Vona azt javasolta, aki kiváncsi rá hogy ö egy „igazi Magyar“ menjen utána a WC-be és nézze meg. Mivelhogy a Jobbik szerint baloldali nem lehet „igazi Magyar“ logikus, hogy minden baloldali zsidó vagy Roma.
    Natürlich meine ich all das ironisch, denn eine ernsthafte Diskussion mit Leuten die einer paranoiden Weltsicht anhängen, kann man ja nicht führen. Jeder Versuch muss scheitern. Wir gewöhnliche Menschen müssen alles überprüfen. Der Insider bekommt die Weisheit mit Suppen- und Schöpflöffel von den Truthern den Verschwörungstheoretikern verpasst. Er weiß hinter allem stecken die Juden oder der Mossad.
    Nun bin ich überzeugt, dass die meisten Ungarn nicht paranoid sind, und früher oder später keine Sündenböcke mehr brauchen werden und sich nicht mehr von den Stehsätzen wie Ungarn darf nicht Palästina werden u.ä.m. beeindrucken lassen werden.

  21. Mike permalink
    21. April 2010 08:13

    @Karl Pfeifer@:

    Ergänzend merke ich an: Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Ungarn den lieben langen Tag Besseres zu tun haben, als sich an Verschwörungstheorien zu laben und Minderheiten zu hassen. Wenn solche Menschen Jobbik wählen, sieht mir das eher nach Protest und Existenzangst aus (ich weiß, darüber kann man streiten).

    DIESE (normalen) Leute gilt es, von der Falschheit der Weltsicht der Jobbik zu überzeugen und in das demokratische Lager einzubinden, ohne sie als per se antidemokratisch zu diffamieren.

    Bei den übrigen (m.E. 2-5%, wie in jedem europäischen Land) ist ohnehin Hopfen und Malz verloren.

    Beste Grüße

    P.S.: Haben Sie den Artikel von Gusztav Megyesi in der „élet és irodalom“ von letzter Woche gelesen? Das, was er über die MSZP schreibt, trifft einiges auf den Punkt… 🙂

  22. Karl Pfeifer permalink
    21. April 2010 10:26

    @Mike@ ich glaube nicht an das Primat der Ökonomie immer und überall. Aber ich akzeptiere, dass man mit marxistischen Argumenten versucht sich selbst und andere zu überzeugen, dass Menschen die eine offen rassistische, antisemitische und homophobe Partei wählen dies lediglich als Protest tun. Da finde ich das heute in galamus publizierte Interview mit Rudolf Ungváry viel zutreffender. Aber ich habe gelernt, dass mit marxistisch argumentierenden Menschen die Diskussion manchmal sehr schwierig sein kann, weil sie derartig am Primat der Ökonomie festhalten.
    Ich stimme Ihnen 100% zu, dass die überwiegende Mehrheit der Ungarn nicht an solches „Insiderwissen“ glauben, dass sie besser leben wollen und für die Schwierigkeiten nicht Roma, Juden, Radfahrer, Ausländer verantwortlich machen.
    Ich habe den Artikel von Kovács gelesen, der ist gut.
    Punkto Kritik an MSZP gehe ich mit Ungváry d’accord.
    Wenn Fidesz zu einer europäischen zivilisierten konservativen Partei wird, habe ich kein Problem mit Fidesz. Genauso wenig wie ich es mit MDF am Anfang hatte. Ich war anwesend bei deren Gründung in Lakitelek.
    Wenn aber weiter solche Sprüche, wie dass die Linken es in ihren Genen haben gegen die Nation anzustürmen, wenn weiter Zsolt Bayer, István Lovas, György Vámos, Ferenc Szaniszló und andere aus diesem Dunstkreis antisemitische Hetze betreiben, dann wird man auch die nötigen Konsequenzen ziehen.
    Ich hoffe auf das Beste, bin aber vorbereitet, wenn Fidesz so weitermacht, wie bisher.

  23. Mike permalink
    21. April 2010 17:08

    Lieber Herr Pfeifer,

    Herr Ungváry macht offenbar gerade den Marsch durch die Presse 🙂 …

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Die-Laender-koennten-ihre-Probleme-in-die-ganze-EU-exportieren/story/15706575

    Aussagen wie „Fidesz hat die Staatsanwaltschaft unterwandert“ kann ich allerdings nur wenig Objektives abgewinnen. Aber der Fragensteller ist ja auch nicht gerade als „Fidesz-Freund“ bekannt.

    „Sanktionen“ sind das letzte, was man jetzt braucht. Wie Péter Nádas in der ZEIT sagte: Wendet Euch nicht ab!

    Auch die Behauptung des Fragestellers Odehnal, andere Länder Mittelosteuropas hätten demokratischere konservative Parteien, kann ich nicht ganz nachvollziehen:

    Was macht z.B. die polnische PiS von Jaroslaw Kaczynski, einem bekennenden Boykotteur Europas in Polen, demokratischer als Fidesz? Oder die slowakische Mitte-Rechtspartei HZDS, die immerhin die derzeitige Koalistion von Robert Fico stützt, an der auch der Rassist, Roma- und Ungarnhasser Slota mit seiner SNS beteiligt ist? Oder Tschiens ODS, die zugegebener Maßen wirtschaftsliberale Positionen als Fidesz vertritt: Sie hatte immerhin einen Vorsitzenden namens Topolanek, der sich nicht nur abwertend über Juden und Homosexuelle geäußert hat

    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/547917/index.do

    sondern in Berlusconis Villa auf Sardinien mit ergigiertem Glied hinter Prostituierten herlief 🙂 … wer also Orbán den Vorwurf macht, er „bewundere Berlusconi“, dem müsste auch dieser Mensch verdächtig vorkommen.

    Und vergessen wir nicht: Tschechien ist das Land, das den Lissaboner Vertrag blockiert hat, um eine Sonderklausel durchzusetzen, die die Benes-Dekrete – einfach gesprochen – über EU-Recht stellt.

    Vielleicht sollte man den Versuch, Fidesz in der Parteienlandschaft als „sooo“ abnormal darzustellen, nicht übertreiben. Nur das derzeitige Ausmaß des Wahlerfolges ist außergewöhnlich. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern.

    Schönen Abend!

  24. Karl Pfeifer permalink
    22. April 2010 07:31

    nein mike, dadurch, dass es auch anderswo Antisemitismus gibt, wird der in Ungarn nicht besser.
    Ich kann mich noch erinnern, im Frühjahr 2000 gab Bundeskanzler Schüssel eine Pressekonferenz am Ballhausplatz. Ich wollte nicht der erste sein, der fragt und war ungefähr der 16. oder 17. und ich stellte die Frage, ob Österreich die richtigen Signale aussendet, wenn der Kabinettchef eines FPÖ-Ministers in deutschen Neonazizeitschriften antisemitische Artikel publiziert. Schüssel antwortete, dass dies kein Thema für eine internationale Pressekonferenz sei. Was ich natürlich akzeptiert hätte, doch er meinte Antisemitismus gibt es auch in anderen Ländern. Ich unterbrach ihn und meinte laut und hörbar: „Herr Bundeskanzler, Sie argumentieren ja wie ein kleiner Ladendieb im Bezirksgericht, der sagt, „Herr Rat wieso strafen Sie mich so streng, wo doch die Großkopfeten mehr stehlen und nicht bestraft werden.“
    (Ich habe das natürlich im Wiener Dialekt gesagt)
    Schüssel, der mich bereits einmal bei einer internationalen Pressekonferenz als ich Haider befragte erlebte, wurde blass und sprach über etwas anderes.
    Kurze Zeit darauf, gab es eine Zusammenkunft von Volksparteichefs in der Abtei Melk, Orbán war auch anwesend und ich wollte Orbán etwas fragen, um es in Hetek zu publizieren. Ich hatte schon das Mikrofon in der Hand, als ich sah, dass Schüssel etwas zu einem Mitarbeiter sagte, der sofort zu mir kam und mir das Mikrofon aus der Hand nahm. Darüber habe ich in Hetek geschrieben.
    Also Mike, Orbán wird Farbe bekennen müssen und es wird nicht so einfach werden wie mit den Kleinlandewirten. Jobbik sind aus anderem Holz geschnitzt.
    Ich bin schon gespannt, wie sich Fidesz benehmen wird, wenn Jobbiks Abgeordnete tatsächlich in der Uniform der vom Gericht verbotenen Ungarischen Garde im Parlament einmarschiert.

  25. Mike permalink
    22. April 2010 08:15

    Gespannt sind wir alle. Wie man der ungarischen Presse entnehmen kann, ist das Thema „Garde-Uniform“ ja schon ein Thema, dass Juristen die Köpfe rauchen lässt. Und wir kennen doch den Spruch:“Zwei Juristen, drei Meinungen“.

    http://nol.hu/belfold/20100421-nincs_parlamenti_oltozkodesi_szabaly

    Ich halte es wie folgt: Man muss sich nicht nur „bekennen“, sondern man muss Jobbik im demokratischen Diskurs „stellen“. Das Verbot der Uniform hat Symbolik, mehr nicht. Die kranken Hirne sind dadurch immer noch im Parlament.

  26. Karl Pfeifer permalink
    22. April 2010 13:21

    @Mike@ und warum denken Sie, dass Fidesz Jobbik im demokratischen Diskurs „stellen“ wird? Schlußendlich gab es doch eine gute jahrelange Zusamenarbeit und der völkische Gedanke verbindet.

  27. Mike permalink
    24. April 2010 07:05

    Lieber Herr Pfeifer,

    leider stehen mir keine „Insiderinfos“ zur VErfügung wie László, aber ich denke, es wird zwingend auf einen solchen DIskurs hinauslaufen. Fidesz dürfte nämlich kein kein Interesse haben, Ungarn vor der EU und vor der Welt lächerlich zu machen, indem man sich von Jobbik auf der Nase herumtanzen lässt. Bei den vielen Vorwürfen, Orbán sei „Antidemokrat“ oder beide Parteien verbinde der „völkische“ Gedanke, gehe ich davon aus, dass sich Fidesz betont verantwortungsvoll geben wird. Ob ich mich irre, wird die Zukunft zeigen.

    Was den Beginn der Debatte angeht (Unruhen 2006), möchte ich noch auf ein interessantes Interview mit SZDSZ-Politiker Gábor Horn auf ATV hinweisen.

    http://atv.hu/video/video-20100419_horn_gabor

    Die Eingeständnisse zum Polizeieinsatz von 2006 und zur falschen Reaktion der „Menschenrechtspartei“ SZDSZ hierauf kommen spät. Aber besser spät als nie.

    Schönes Wochenende!

  28. Karl Pfeifer permalink
    24. April 2010 07:25

    Also SZDSZ ist schon während der neunziger Jahre gescheitert.
    Orbán und Fidesz haben ein Problem. Sie haben – wie auch Zsolt Bayer in senem Brief an Gábor Vona bekanntgab sowohl Vona als auch Morvai gefördert. Und nun ist es nicht sicher, dass sich Jobbik mit der Salamitaktik, die Orban bei der Kleinlandewirtepartei gebraucht hat, in Scheiben schneiden lassen.
    Was also wird Fidesz tun, wenn die Jobbik Abg. in ihren Gardeuniformens ins Parlament marschieren?
    Ich halte es für möglich, dass Fidesz gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen will, einerseits öffentliche Erklärungen gegen Jobbik, andererseits Gesten gegenüber Jobbik, „mit Euren Ideen haben wir ja keine Schwierigkeiten“ aber Ihr schadet der Einheit und der ungarischen Volksgemeinschaft. Jede Geste, die Fidesz macht, um ihr Image im Ausland zu verbessern, wird von Jobbik an den Pranger gestellt, und jede freundliche Geste (wie z.B. die von Tarlós in Budapest) Richtung Jobbik, wird von den bösen „linken“ Journalisten wahrgenommen und berichtet.
    Ich wage zu bezweifeln, ob Jobbik mit halbherzigen, schüchternen Versuchen kleinzukriegen sein wird. Und die Versuche einen Zsolt Bayer gegen seine ehemaligen Busenfreunde bei Jobbik zu mobilisieren, sind vielleicht gut um eigene antisemitische Fideszanhänger bei der Stange zu halten, überzeugen aber keine Jobbik Anhänger, sondern bestärken die eher. Denn nichts ist abstruser, als wenn ein Antisemitismus massiv transportierender Journalist anderen Menschen vorwirft, sie übertreiben den Antisemitismus.
    Ich bin also was Ungarn anlangt Pessimist, hoffe aber sehr, dass ich mich täusche, und Orban den Beweis antreten wird, dass er und seine Partei mit Jobbik fertig werden.

  29. Mike permalink
    24. April 2010 09:39

    Warten wir es ab. Und hoffen wir, dass die Wahl diesmal etwas geordneter abläuft. Sonst wird folgender Witz doch Wahrheit:

    Hogy ment haza az utolsó választó hajnalban?
    A 4-es Metróval.

    🙂

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