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Gábor Vona bei HVG: Israel will Ungarn kolonisieren

21. April 2010

… aber Antisemiten und Neonazis sind sie keine.

Am Sonntag hat HVG ein Interview mit Jobbik-Vorsitzendem Gábor Vona gemacht.  Eigentlich sagt er da  nichts Neues, aber diesmal eben nicht auf irgendeiner obskuren ultrarechten Website, HVG  entspricht in etwa dem Spiegel.

Ein paar Auszüge, Übersetzung Pusztaranger.

Zum Thema „Israel will Ungarn kolonisieren“:

hvg.hu: (…) Sie haben es so ausgedrückt, daß Fidesz und MSZP die Menschen irreführen. Doch schon aus Ihrer Antwort wird deutlich, daß Sie voreingenommen sind: Sie reden von israelischen Aufkäufen, von der Zigeunerfrage. Genau wegen solcher Äußerungen und der ständigen Betonung einer „jüdischen Kolonialisierung“ wurde Ihre Partei von den westlichen Medien beurteilt (…). Warum baut Jobbik auf die schlimmsten menschlichen Impulse, warum nährt sie beispielsweise die Vorurteile gegenüber Juden?

Gábor Vona : Wir bauen nicht auf die schlechten menschlichen Impulse, und haben auch nicht vor, die Vorurteile gegenüber Juden zu verstärken. Wir haben nicht von jüdischer, sondern israelischer Kolonialisierung gesprochen. Das ist kein Antisemitismus, sondern Sorge um das ungarische Volk (magyarságféltés –  wem eine bessere Übersetzung einfällt, bitte melden.) Und es ist Präsident Perez gewesen, der die Kolonialisierung durch Israel angesprochen hat – oder wie soll man seine Worte sonst interpretieren, als er vom „Aufkauf“ Ungarns sprach? Ich und viele andere halten es für wichtig, darüber eine offene Diskussion zu führen, schon allein darum, um in dieser Hinsicht die Gemüter zu beruhigen. Ich habe das Gefühl, daß sich hinter der Ausbreitung des israelischen Kapitals nicht nur geschäftliche Interessen verbergen, sondern knallharte Politik. Unter Kolonialisierung verstehen wir im Grunde genommen, immer größeren Einfluß auf Ungarn zu gewinnen, mit dem Hintergrund, daß die Situation und Rolle Israels im Nahen Osten instabil ist. Darum müssen sie andere Möglichkeiten, andere Länder suchen, für den Fall, daß ihre Situation unhaltbar wird.

hvg.hu: Das verstehe ich nicht. Die Wortwahl von Präsident Perez war in der Tat unbedacht, aber deshalb hat er damals auch  gesagt, daß sie nicht nur Ungarn, sondern auch Polen, Rumänien und Manhattan „aufkaufen“. Diese Länder haben dieser Rede genau die Bedeutung zugeschrieben, die sie verdient. Ich glaube nicht, daß Sie das nicht wissen, damit hetzen Sie nur die Leute auf. Und warum tun Ihnen die israelischen Investitionen so weh? Fakt ist, daß israelische Firmen zahlreiche Einkaufszentren und Wohnsiedlungen gebaut haben, aber wenn dabei alles mit rechten Dingen zuging, worin unterscheiden sie sich dann von anderen Investitionen? Und wenn nicht, muß von Gesetzes Wegen gegen sie vorgegangen werden. Aber das ist keine Judenfrage, oder Israelfrage. Sie haben doch sicher von den illegalen Machenschaften spanischer Firmen in Páty und beim Balatonring gehört. Und was meinen Sie damit, daß Israels Situation instabil werden wird?

Gábor Vona : Wenn es den USA nicht gelingt, die Weltkrise niederzukämpfen, kann Israels globale amerikanische Unterstützung mit Waffen und Geld schlagartig auf ein so niedriges Niveau fallen, daß Israel sich gegen die angrenzenden Länder, das „arabische Meer“, nicht mehr selbst verteidigen kann.

hvg.hu: Um die israelisch-amerikanischen Beziehungen brauchen Sie sich nicht zu sorgen. Israels Wirtschaft ist stabil, und hoffentlich wird sich die Krise im Nahen Osten über kurz oder lang friedlich lösen. Und nicht wahr, Sie denken doch nicht im Ernst, daß Israel sich Ungarn oder irgendein anderes europäisches Land schon als „neue Heimat“ ausgesucht hat?

Gábor Vona : Ein Journalist eines Internetportals hat mir in einem Interview gesagt, daß das eine Verschwörungstheorie sei.  Worauf ich sagte, kann sein, daß er Recht hat, aber es ist auch möglich, daß ich Recht habe. Wenn ich auch in fünfzig Jahren noch nicht Recht habe, bin ich bereit, mich dieser Meinung anzuschließen. Es wäre niemandem recht, wenn Massen von Israelis nach Ungarn einwandern würden, genausowenig, wie wenn es Tschechen, Dänen oder Südafrikaner wären.

(Es wird gefragt, ob er das Titelbild von Barikad mit Bischof Gellert und der Menorah (siehe mein Post) für völlig normal und akzeptabel hält?)

Gábor Vona : Die Titelseite hatte symbolische Bedeutung, provokativ sollte sie sein, das war das Ziel. Auch die Titel von HVG sind in der Regel provokativ, und das ist ja auch in Ordnung so. Damit, daß der heilige Bischof Gellért eine Menorah in der Hand hatte, wollten wir niemanden verletzen, nur haben wir das Gefühl, daß die Präsenz der israelischen Aufkäufer größer ist, als was noch als normal zu bezeichnen wäre. Wenn es statt israelischen Aufkäufern viele arabischen Aufkäufer geben würde, hätte Bischof Gellért einen Halbmond in der Hand gehabt, wenn es Franzosen wären, einen Hahn. Man müßte den Mut haben, über die Gründe und Hintergründe ehrlich zu sprechen.

(Es wird über ihre Beziehungen zum Neonaziportal Kuruc.info gefragt.)

Gábor Vona : Auch wenn in der Presse das Gegenteil geglaubt wird, kuruc.info ist ein von Jobbik völlig unabhängiges Nachrichtenportal. (…) Wir halten kuruc.info für eine wichtige Ergänzung in der Medienlandschaft, weil dort viele Themen aufgegriffen werden, unabhängig von Stil und Aufmachung, die außer auf dieser Seite nirgends Presseöffentlichkeit bekommen würden. (…)

Anmerkung Pusztaranger: Auf diesem üblen Hetzportal kann man sich aktuell auch einen Artikel zu Hitlers Geburtstag ansehen.

(Edit 25.4.: Der Journalist Gregor Mayer fasst es am 20.4. auf der Facebook-Group zu seinem Buch „Aufmarsch – die rechte Gefahr aus Osteuropa“ so zusammen:

„kuruc.info, das inoffizielle Web-Portal der Jobbik, feiert heute Führers Geburtstag. Adolf Hitler, ist da u.a. zu lesen, habe „als Politiker seinem Volk und seinem Land gedient und als Mensch ein Beispiel gegeben“. Der Holocaust sei „mit keinem Wort wahr“. Hingegen würden die „unwissenden Massen, die die Geschichte nicht kennen, nur das ‚wissen‘, was die kommunistische und jüdische Progaganda seit Jahrzehnten verbreitet“. Die Jobbik bekennt sich offiziell nicht zum kuruc.info, ihr Propaganda-Chef Elöd Novák erklärte allerdings neulich im TV 2, es handle sich um eine „gute, interessante und eine Lücke schließende“ Web-Seite.“

Edit Ende, zurueck zum Interview):

(…) Előd Novák (Jobbik) ist nicht Redakteur von kuruc.info.  Ich bin mir darüber im Klaren, daß uns die meisten Medien regelmäßig als Neonazis titulieren, aber wir sind keine. Das ist das denkbar schlimmste Stigma (bélyeg), das man einem Politiker verpassen kann; aber in der letzten Zeit ist das schon Tradition geworden: Wer rechts ist, oder national gesinnt, bekommt regelmäßig dieses Label.  (…)


In der Gardeuniform ins Parlament?

(Es wird gefragt, ob er wirklich am ersten Tag im Parlament in der Uniform der verbotenen Ungarischen Garde aufmarschieren will?)

Gábor Vona : (…) Ich werde die Weste tragen, was nicht verboten ist, das zählt nicht als Gardeuniform. Die schwarze Weste mit dem Arpadenlogo tragen übrigens viele Leute, unabhängig davon, ob sie Gardisten sind oder nicht. Bei der Neugründung der Neuen Ungarischen Garde habe ich die Weste auch getragen, um damit meine Solidarität auszudrücken, und ich werde sie auch an meinem ersten Arbeitstag im Parlament anziehen, aber ich werde keinen Gardistenschal und keine Mütze tragern. Ich habe versprochen, die Weste zu tragen, und werde es einhalten, was auch immer es für Konsequenzen hat.
(…) (Ende der Interviewauszuege)

In der Nepszabadsag wird heute erörtert, welche rechtliche Handhabe es eigentlich gegen einen Abgeordneten in Gardeuniform gibt, und das Ergebnis ist, eigentlich keine, der hat Abgeordnetenimmunität. Zirkus ist vorprogrammiert, die kommen garantiert alle so.

Aber noch etwas wirklich Positives zum Schluss:

Am Sonntag gab es in Budapest einen riesigen Holocaust-Gedenkmarsch, rund zehntausend Leute waren da. Wenn man bedenkt, wie wenig Leute sich in Budapest bisher gegen rechts mobilisieren ließen, ist das überwältigend. Mehr dazu bei Hungarian Spectrum und beim Pester Lloyd:

Die für ungarische Verhältnisse sehr hohe Teilnehmerzahl von um die 10.000 wird auch als Protest gegen den Einzug der rechtsextremen Partei Jobbik in ungarische Parlament gewertet.

(Bild von Hungarian Spectrum)

2 Kommentare leave one →
  1. Karl Pfeifer permalink
    21. April 2010 14:47

    Also wenn die Jobbik Abgeordneten in Uniform ins Parlament kommen, und das vom Fernsehen gezeigt wird, kann man das auch als Negativwerbung gegen Ungarn verstehen.
    Bereits vor einem Jahr warnte das USA Außenministerium
    Das US-State Department warnte am 12. Mai 2009 Ungarnbesucher:

    „Die Welle der rassistischen oder ethnisch begründeten Gewalt, die man mit Osteuropa assoziiert, scheint nicht gegen Besucher von Ungarn gerichtet. Eine kleine aber lautstarke Gruppe, die sich Magyar Gárda (Ungarische Garde) nennt, hat dank ihrer radikalen nationalistischen Botschaft der Intoleranz gegenüber Juden, Roma und Homosexuellen Zuspruch erhalten. Ihre Befürwortung von Gewalt und ihre Symbolik erinnern an das faschistische Regime der 1940er Jahre. [der „Pfeilkreuzler“, ung. Nyílások, die vom 15.10.1944 bis zur Befreiung herrschten; Anm. KP] Obwohl die Gruppe nicht unverhohlen antiamerikanisch ist, sollten Amerikaner, die Ungarn bereisen beachten, dass diese Gruppe sich Menschen auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe und sexueller Orientierung zum Ziel nimmt. Konfrontationen mit der Gruppe und ihren Mitgliedern sollten vermieden werden.“

    Tatsächlich war dieser Marsch der Lebenden ein Ausdruck dafür, dass es auch Ungarn gibt, die bereit sind klar auszusprechen, dass Jobbik eine neopfeilkreuzlerische Bewegung ist, die mit dem Hass gegen Roma und Juden glaubt die Macht in Ungarn ergreifen zu können.

    Keine Frage, wenn Fidesz die feige Politik der MSZP gegenüber Jobbik fortsetzt, kann es passieren, dass sich Ungarn international isoliert.

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