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Illegales Nazikino in Budapest – mit Update

31. Mai 2010

Der Budapester Neonazi-Verlag „Brüder Gede“ (Gede Testvérek Bt, Sándor und Tibor Gede) hat für den 16./17. Juni eine Vorführung der Nazi-Propagandafilme „Der Ewige Jude“ und „Sieg im Westen“ in Budapest angekündigt. (kitartas.mozgalom.org/cikk.php?f=4&t=872)

Das sind genau dieselben Veranstalter, die 2007/2008 mehrfach „Jud Süß“ in Budapest gezeigt haben. Der Rechtsinhaber, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, ist damals zusammen mit dem Auswärtigen Amt dagegen vorgegangen, s. Spiegel.

In Deutschland wurde Anzeige erstattet, aber für die Strafverfolgung sind die ungarischen Behörden zuständig, und passiert ist da offenbar nicht viel: Laut Verlagsprogramm hatten die Brüder Gede den Film zumindest noch 2009 auf DVD im Angebot.

Und nun soll das Nazikino also weitergehen, „wegen großer Nachfrage unbedingt reservieren,“ steht da; der Veranstaltungsort wird noch geheim gehalten, und der Eintritt von 1000 HUF ist als Solibeitrag deklariert, weil kommerzielle Vorführungen ja verboten sind.

Im Ankündigungstext wird damit geworben, daß „Der ewige Jude“ ein „erschreckend wirklichkeitsgetreuer und aufklärender berühmter deutscher Dokumentarfilm“ sei, der „die Juden“ so zeige, „wie sie wirklich sind“ – übelste antisemitische Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhaß, das ganze Programm, wie es in Deutschland verboten ist und wovon einem das Kotzen kommt.

Ich habe mal nachgeschaut, was die Brüder sonst noch so haben, was für deutsche Behörden von Interesse sein könnte – über andere Portale vertreiben sie unter Anderem nach wie vor „Mein Kampf“, und Olympia I und II von Leni Riefenstahl auf DVD.

Rechtsinhaber von „Der Ewige Jude“ und „Sieg im Westen“ ist das Bundesarchiv, für den Vertrieb zuständig ist Transit Film München. Ich habe mich mal erkundigt, bisher wußte man dort noch nichts davon.

Mal sehen, was passiert, und wo und wie in Ungarn darüber berichtet wird – gerade im aktuellen innenpolitischen Klima wäre es wichtig, von deutscher Seite aus ein klares Zeichen zu setzen.

Edit 2.6.: Siehe auch Dokumentationsarchiv.

Update 12.6.:

Jobbik-Ortsgruppe bewirbt die Veranstaltung

Seither wird die Veranstaltung auf diversen ultrarechten Portalen beworben, unter anderem auch auf der Seite der Jobbik-Ortsgruppe von Eger.

Irgendwelche Folgen? Bisher keine.

SZDSZ-Politiker protestieren

Drei Budapester Kommunalpolitiker der (mittlerweile bedeutungslosen) liberalen Partei SZDSZ haben sich in einem offenen Brief an den Innenminister gewandt, die Aufführung zu verbieten, siehe Parteiseite. Liest sich sehr löblich, aber passieren wird deshalb wohl nicht viel.

Update 15.6.: Antifa Hungary bringt es heute auch.

Update 17.6.:  Na wer sagt’s denn, geht doch! Ich zitiere aus Gregor Mayers Facebook-Seite:

Die ungarische Polizei ist in Budapest gegen eine Vorführung des NS-Hetzfilms „Der ewige Jude“ (1940, Fritz Hippler) eingeschritten. Die Beamten erschienen, als die Veranstaltung gestern Abend bereits in Gang war, brachen sie ab und schickten die Leute nach Hause, berichtet die Budapester Tageszeitung „Népszava“. Organ…isatoren waren die Gebrüder Gede, die in Budapest einen richtiggehenden Nazi-Buchladen betreiben, mit den internationalen (übersetzten) und ungarischen „Klassikern“ im Sortiment. Bereits im Sommer 2008 hatten sie das antisemitische Nazi-Machwerk „Jud Süß“ (1940) öffentlich gezeigt. Die Staatsanwaltschaft sah damal keinen Grund zum Einschreiten, und so geschah nichts, um jenes Nazi-Happening zu unterbinden. Damals war noch die sozialistisch-liberale Regierung am Ruder, die Staatsanwaltschaft war damals wie heute eher dem FIDESZ zugeneigt. Doch die wurde gestern offenbar gar nicht erst groß gefragt. Der neue FIDESZ-Innenminister Sándor Pintér gilt als jemand, der nicht lange fackelt, wenn seine Oberen etwas von ihm erwarten. Anders als die Vorgänger vor zwei Jahren kann er sich allerdings auch auf ein inzwischen noch von den Links-Liberalen beschlossenes Gesetz stützen, das die Herabminderung der Verbrechen des Nationalsozialismus unter Strafe stellt.

Edit 19.6.: Hier auch der Link zum Artikel der Népszava (ungarisch, bei der ungarischen Antifaschistischen Liga).

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3 Kommentare leave one →
  1. Mike permalink
    19. Juni 2010 10:18

    Schau einer an. Kaum ist der böse böse Fidesz an der Macht, hört die Politik auf zu heulen und zu lamentieren, sondern geht aktiv gegen solches Gesocks vor.

    Dass im Jahr 2008 nichts passiert ist, ist nach der Lesart Mayers natürlich nicht die Verantwortung der damaligen Führung, sondern der (nach Mayer Fidesz-unterwanderten) Staatsanwaltschaft. Klar. Denn der jetzt plötzlich aktive Kampf gegen rechts darf natürlich nicht positiv bewertet werden. Fassen wir also zusammen: Fidesz ist, wenn es nach Mayer, dem Mann mit dem schönsten Strickpulli ganz Österreichs geht, also an allem schuld :-). Wo bekommt dieser Mensch nur seine Infos her?

    • pusztaranger permalink
      19. Juni 2010 11:54

      Hallo Mike,

      der Link steht doch da, wieso sagen Sie ihm nicht direkt, wie Ihnen sein Strickpulli gefällt?

      Machen Sie sich mal nützlich, was würden Sie diesem Kommentator antworten (bei „About“):

      Do you think Hungary will adopt the Euro in 2014? Is there much discussion about this among the political parties? I can’t find information about this. It is hard to imagine Hungary on the Euro.

      • Mike permalink
        19. Juni 2010 13:09

        Sehr gerne!

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