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15. Budapest Pride 2010 – Ausschreitungen schon während des Festivals befürchtet

30. Juni 2010

Wenn das mal gutgeht. Die Ultrarechten rufen dieses Jahr erstmals dazu auf, nicht nur die Parade am 10.7., sondern auch die Veranstaltungsorte des Kulturfestivals anzugreifen. Das inzwischen 15jährige Festival, das auch immer mehr interessiertes Heteropublikum anzieht,  beginnt am Sonntag.
Die Veranstalter sind in ständigem Kontakt mit der Polizei, die bereits zugesagt hat, wirklich alle Veranstaltungsorte zu sichern. Aber nun kollidiert die Eröffnungsveranstaltung des Pride mit der Gardevereidigung, die ganz in der Nähe stattfindet, siehe meinen vorigen Post. Jobbik-Sprecherin Dóra Duró sagte schon, sie wäscht ihre Hände in Unschuld.

Eben gefunden auf Stop.hu (Übersetzung Pusztaranger):

*

„Nicht unsere Verantwortung “ – am Sonntag Zusammenstösse zwischen Gardisten und Schwulen?

Am Wochenende hält die „Ungarische Nationale Garde“ eine Mitgliedervereidigung mit Gedenkveranstaltung auf dem Elisabethenplatz ab, während in nur wenigen hundert Metern Entfernung die Eröffnung des einwöchigen Schwulenfestivals stattfindet. Ist der Zusammenstoß vermeidbar?

Am Sonntag Nachmittag finden in der Hauptstadt in nur wenigen hundert Metern Entfernung zwei Veranstaltungen statt, die beide an sich nicht gefährlich wären (Anm.: gar nicht naiv.), jedoch ist es angeraten, die Teilnehmer im Blick zu haben.

Um 17.00 Uhr hält die „Ungarische Nationale Garde“ eine Mitgliedervereidigung mit Gedenkveranstaltung auf dem Elisabethenplatz ab,  Redner sind Jobbik-Vorsitzender Gábor Vona, sowie Lóránt Hegedűs jr.,  Levente Murányi und Róbert Kiss. Auf der Mitgliedervereidigung wird mit mehreren hundert Gardisten und Jobbik-Mitgliedern gerechnet.

Nicht weit davon entfernt und praktisch zum gleichen Zeitpunkt findet die andere Veranstaltung statt, die Eröffnungs des einwöchigen Schwulenfestivals, die Eröffnungsrede hält Schauspielerin Anna Györgyi. Die Eröffnung beginnt um 18.00 im  Művész Kino, und da der Eröffnungsfilm um 19.15 beginnt, dauert die Veranstaltung den ganzen Abend.

Wie von STOP berichtet, machen die Radikalen schon gegen das Schwulenfestival mobil, richteten auch einen Aufruf an ihre Anhänger, die Veranstaltungen zu stören. Darin wird auch das Művész Kino erwähnt, somit ist nicht ausgeschlossen, daß die Radikalen nach der Gardevereidigung dorthin gehen.

Das ist allein schon deshalb wahrscheinlich, weil das Művész Kino sich nicht weit von der „Nationalen Disko“ von László Toroczkai (landesweit bekannter Rechtsradikaler, Anm.) befindet, einem Stammlokal der Jobbik-Anhänger. Wer also nach der Vereidigung feiern will, wird auf dem Weg am Veranstaltungsort der Schwulen vorbeikommen. Vor Toroczkais Kneipe wurde vor einigen Wochen ein schwuler junger Mann so zusammengeschlagen, daß er einen Nasenbeinbruch erlitt.  (Allerdings muss der Vollständigkeit halber gesagt werden, dass es zu diesem Vorfall außerhalb der Öffnungszeiten des Lokals kam.) (Anm.: So what?) Und dazu kommt noch, dass (Toroczkai, Anm.) der Ehrenvorsitzende der „Jugendbewegung der 64 Burgkomitate“ (Neonazis, Anm.) eben die Tage als Tatverdächtiger der Störung der Schwulenparade von 2008 in die Gyorskocsi utca (Polizei) zitiert wurde.

Jobbik-Sprecherin Dóra Dúró antwortete auf unsere Frage, ob es ein Zufall sei, dass die Garde ihre Gedenkveranstaltung eben zum Zeitpunkt des Schwulenfestivals abhält, dass sie ihre Veranstaltungen nicht auf Schwulenveranstaltungen abstimmen und die Eröffnung überhaupt nicht berücksichtigt wurde, sie wusste nicht einmal davon.
(Anm.: Das glaube ich ihr tatsächlich, die Veranstaltung wird als Jahrestag des Verbots der Ungarischen Garde abgehalten, das war am 4.7.2009.)

Auf unsere Frage, ob zu erwarten sei, daß Jobbik-Mitglieder nach der Gardevereidigung zum Művész Kino hinüberspazieren, sagte sie: Sie gehen nicht mit dem Ziel hin, andere Veranstaltungen zu besuchen, sondern um an der festlichen Vereidigung der Ungarischen Nationalen Garde teilzunehmen. Doch sie fügte hinzu: Was die Mitglieder nach dieser Veranstaltung tun und wohin sie gehen, geht die Partei nichts mehr an und ist nicht mehr ihre Verantwortung.
(Anm.: Das läuft auf offene Ermunterung raus, Halali.)

STOP hat bei der Budapester Polizeihauptkommandantur angefragt, von wem die Gardevereidigung genehmigt wurde und warum, besonders im Hinblick darauf, dass es sich bei der Ungarischen Garde um eine per Gerichtsbeschluss aufgelöste Organisation handelt. Bis Redaktionsschluss traf keine Antwort ein. So konnten wir auch nicht in Erfahrung bringen, mit welcher Personalstärke die Polizei sich auf die Veranstaltungen am Sonntag vorbereitet, und wie sie die Sicherung der Veranstaltungen plant.

5 Kommentare leave one →
  1. anonymous amonine permalink
    30. Juni 2010 18:53

    Was wäre, wenn … ?

    – die Schere zwischen arm und reich rasant auseinander driften würde
    – Fidesz alles gleichschalten würde
    – die Verfassung geändert würde und es bei Wahlen heißen würde, the winner takes it all.
    – wesentliche Machtbereiche auf eine Person umgelagert würden (Präsidenten)
    – die Regierung danach schalten und walten lassen kann wie sie es möchte
    – es aber trotzdem keine Lösungen für die Probleme finden würde
    – die Probleme noch weiter zunähmen und sich verstärken würden

    könnte die kleinste Wahrscheinlichkeit bestehen, dass eine Partei namens die Besseren an die Macht gelänge?

    Was könnte diese dann alles machen? Wer würde den Diktator der Besseren kontrollieren?

    Gäbe es dann nur noch Bessere Menschen im Besseren Land der Besseren Partei. Was würde aus den Schlechteren?

    Was wäre, wenn es so wäre?

    – würde Europa tatenlos zusehen
    – würde man sich fragen, ob man gerade ein Dejavu-Erlebnis hätte aus dem Geschichtsunterricht?

    würde, könnte, hätte, wäre, wenn

    Der Anfang ist bereitet! Welche Richtung schlägt man ein?

  2. Mike permalink
    11. Juli 2010 18:23

    Hallo,

    anders als in den vergangenen Jahren der sozialliberalen Regierung, die zwar verbal für die Rechte Schwuler und Lesben eingetreten ist, aber in der Praxis Ausschreitungen nicht verhindert hat, gab es offenbar keine größeren Probleme.

    Die Erwartungen von Pusztaranger scheinen sich – jedenfalls bis Sonntag Abend – nicht bewahrheitet zu haben. Und der PLatz für den SZ-Artikel war doch bestimmt auch schon reserviert…:-)

    Index berichtet hier („Schwulen- und Lesbenparade geht friedlich zu Ende“)

    http://index.hu/belfold/2010/07/10/nagy_a_keszultseg_a_melegfelvonulason/

    Besten Gruß

    • pusztaranger permalink
      13. Juli 2010 09:25

      Hallo Mike,

      die Tage können Sie hier meinen Lagebericht lesen, ich war nämlich dort. Jobbik haben sich dieses Jahr zurückgehalten, um für die Kommunalwahlen im Herbst keine Wähler zu vergraulen, aber ganz so unbeschwert war es dann doch nicht, die saftigen Details demnächst hier.

  3. Mike permalink
    13. Juli 2010 18:15

    Ich bin gespannt…

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