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Pfeilkreuzleraufmarsch zum Gedenktag

26. Oktober 2010

Rechts von Jobbik ist noch Platz, und wenn die Ungarische Garde verboten ist, rücken eben andere Volksgenossen nach: Unbeachtet von den ungarischen Medien hat am 23.Oktober die neonazistische „Pax Hungarica Bewegung“ zusammen mit den Hatvannégy Vármegye Ifjúsági Mozgalom (64 Gespanschaften), Véderő (Wehrkraft) und der Betyársereg (siehe mein Post) am Budapester Corvin-Kino, einem der zentralen Orte des Gedenkens an den Ungarnaufstand 1956, eine Gedenkveranstaltung abgehalten, in einem Aufzug, wie man ihn sonst von der verbotenen Ungarischen Garde gewöhnt war: Mit den Flaggen und Uniformen, die klar an die Pfeilkreuzler erinnern. Diese Organisationen arbeiten teils mit Jobbik zusammen, teils ist die Partei ihnen nicht radikal genug.

Hier im Original:

In den Redebeiträgen hieß es unter anderem, die Geschichte sei immer der „Kampf der Rassen“ gewesen und sei es heute noch, „wir müssen uns auch in der Zukunft schützen, denn die jüdischen Eroberer werden kommen, und zwar mit moderner Kriegstechnik.“ Die Teilnehmer wurden gebeten, „sich diesem Kampf nicht nur symbolisch, sondern auch aktiv/tätlich anzuschließen.“ (Zsolt Tyirityán von Betyársereg).
All das nachzulesen auf der Veranstalterseite: kitartas.mozgalom.org/friss-hirek/megemlekezes-corvin-kozben-osszefoglalo (will ich nicht verlinken).

Nach der Machtübernahme der Pfeilkreuzler im Oktober 1944 wurden von den Pfeilkreuzlern zehntausende ungarische Juden am Ufer der Donau erschossen. Bis März 1945 sollen 50.000 Juden von der Nazi-Partei ermordet worden sein. Durch die Unterstützung der deutschen Behörden bei Erfassung, Sammlung und Deportierung der ungarischen Juden in deutsche Konzentrationslager tragen die Pfeilkreuzler nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum Mitverantwortung für den Tod von rund 500.000 weiteren ungarischen Bürgern jüdischer Abstammung. (Wikipedia)

(Edit 31.10.2010: Bitte dazu die Kommentare von Karl Pfeifer beachten!)

Auf der Veranstaltersite kitartas.hu findet sich übelste antisemitische Hetze, so auch eine Fotosammlung von „jüdischen“ Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (in Anführungszeichen, denn für die ist jeder „jüdisch“, der ihnen nicht passt), von denen die Heimat „gereinigt“ werden soll.
kitartas.mozgalom.org/publikaciok/zsido-arckepcsarnok-befejezo-resz-videoval

Die Verbreitung und Verwendung von Nazisymbolen (Pfeilkreuz, Hakenkreuz, SS-Runen) ist in Ungarn verboten.

In der ungarischen Presse ist diese Veranstaltung bisher nicht aufgetaucht, noch wurde nachgefragt, warum solche Veranstaltungen genehmigt werden.

Bilder: kitartas.mozgalom.org/hirek/kepek-pax-hungarica-mozgalom-megemlekezeserol

12 Kommentare leave one →
  1. Peter permalink
    27. Oktober 2010 12:05

    Das Problem beginnt wirklich schon oder spätestens beim Wegschauen, sei es ein bewusstes oder unbewusstes. Dass Medien sich nicht damit auseinandersetzen, ja es ihnen nicht einmal eine nüchterne Meldung wert ist, ist an sich schon bedenklich.

    Und dass es eben auch sonst kaum eine bis keine Reaktion aus der Gesellschaft gibt. Das Problem beginnt spätestens bei einer nicht vollzogenen oder nicht angemessen vollzogenen Aufarbeitung der eigenen Geschichte, von mangelhaftem Schulunterricht ganz zu schweigen. Antisemitismus und Romafeindlichkeit schwingen bei so manch normalem, braven Bürger zumindest unterschwellig mit. Oft genug wird nicht einmal mehr ein Blatt vor den Mund genommen. Und hier ist durchaus auch der gebildetere Teil der Bevölkerung gemeint, der es eigentlich „besser wissen“ müsste. Zumindest indirekt werden dann auch solche Veranstaltungen geduldet.

    Es fängt doch schon mit so banalen, kleinen und symbolisch doch hochgradig politischen Dingen an, wie dem Großungarn-Aufkleber auf zahlreichen Autos. In welchem (europäischen) Land trifft man denn auf Vergleichbares?

  2. Karl Pfeifer permalink
    30. Oktober 2010 18:28

    Also da kommt wieder die Geschichte von der Verantwortung der Pfeilkreuzler für die Ermordung von mehr als 500.000 ungarischen Juden. Doch die stimmt nicht. Denn als während des Frühlings von 1944 nach der deutschen Besetzung Ungarns (19.3.1944) binnen ca. sechs-sieben Wochen Hunderttausende nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden, da war dafür Miklós Horthy und die von ihm eingesetzte Regierung verantwortlich. Es war die ungarische Administration, die oft in der Provinz noch gar keinen Befehl aus Budapest bekam, die die Unglücklichen in Ghettos trieb und sie vor der Deportation ausraubte. Und es war die königl. Gendarmerie die oft mit Peitschenhieben( je 80 Menschen in einem Viehwaggon) diese
    ungarischen Staatsbürger in die Waggons trieb.
    Die Pfeilkreuzler kamen erst am 15.10.1944 an die Macht, und haben noch den Tod von einigen zehntausend Menschen zu verantworten.
    Das kann alles bei seriösen Historikern wie Randolph Braham und anderen nachgelesen werden.

    • pusztaranger permalink
      30. Oktober 2010 18:50

      So geht’s, wenn man sich allzu sehr auf Wikipedia verläßt — vielen Dank für die Richtigstellung!

      • Karl Pfeifer permalink
        31. Oktober 2010 10:28

        Diese Beschuldigung ist ganz im Sinne von Fidesz, die versucht, Horthy und sein System reinzuwaschen. Und wenn es in Wikipedia so steht, dann kopieren das massenhaft nicht nur blogger, sondern auch Journalisten.
        Bald wird Ungarn die EU-Präsidentschaft übernehmen, und da werden die Lohnschreiber von Fidesz versuchen den in ihrem Dunstkreis verbreiteten Antisemitismus zu leugnen und alles auf Jobbik zu schieben.
        Doch Fidesznahe Medien wie „Magyar Hirlap“, „Magyar Demokrata“ und „Echo TV“ transportieren unverschämt offenen Antisemitismus.

      • pusztaranger permalink
        31. Oktober 2010 15:32

        „Doch Fidesznahe Medien wie „Magyar Hirlap“, „Magyar Demokrata“ und „Echo TV“ transportieren unverschämt offenen Antisemitismus.“
        Wer Ungarisch kann, hier die neusten Tiraden von Zsolt Bayer im Magyar Hirlap.
        http://www.magyarhirlap.hu/velemeny/combunk_husa.html

  3. fiebertraum permalink
    31. Oktober 2010 00:34

    wirklich erschreckend ist, dass die verbote hier überhaupt nicht exekutiert werden. nicht einmal im ansatz. ich war auch mal dabei, als die polizei einen neonazi perlustrierten, der auf seinem rucksack ein riesiges hakenkreuz aufgemalt hatte. er durft nach untersuchung des rucksackinhalts einfach wieder gehen.

    • pusztaranger permalink
      31. Oktober 2010 15:29

      „wirklich erschreckend ist, dass die verbote hier überhaupt nicht exekutiert werden. nicht einmal im ansatz.“

      Hier ein paar aktuelle Bilder:

      Vereidigung der „Nemzeti Ôrsereg“ in Szabolcs am 16.10.2010

      “Nemzeti Őrsereg” doesn’t associate itself with any political party but the organization keeps good relations with the Hungarian National Guard and Jobbik.“ (Wiki)


      Und hier nochmal die „Nemzeti Ôrsereg“ neulich bei einer Kreuzaufstellung in der Jobbik-Hauptstadt Tiszavasvári, Vereidigung auf eine von Papst Johannes Paul II geweihten Kopie der Ungarischen Krone.

      Und dafür kommen Roma, die sich gegen die Rechten wehren, wegen „rassistischer Gewalt“ in den Knast. Demnächst mehr dazu.

Trackbacks

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