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Erste Demo gegen die Fidesz-Regierung am 2.11.: Rechtes Blatt ruft schon zur „Säuberung“ auf

1. November 2010

Eine Gruppe von Oppositionsparteien und Bürgerbewegungen unter dem Dach der „Ungarischen Demokratischen Charta“ hat für Dienstag, den 2. November zu einer Demonstration „zur Verteidigung des Verfassungsgerichtes“ aufgerufen.

Weiterlesen im Pester Lloyd.

Die Demonstration beginnt morgen um 17.00 Uhr bei der Statue von Imre Nagy (Bp. V., Vértanúk tere, Nähe Kossuth Lajos Tér (Quelle). Die grüne Partei LMP demonstriert einen Tag später, am Mi., 3. November, 17:00 Uhr, vor dem Verfassungsgericht, 1015 Budapest, Donáti utca 35. (Quelle)

Man darf gespannt sein, wie diese erste Demonstration gegen die neue Fidesz-Regierung morgen abläuft – ob es Gegendemonstranten gibt, ob die sich friedlich gebärden, und wie die Polizei sich verhält. Im rechtsextremen Magyar Demokrata, dem „Lieblingsblatt“ von Viktor Orbán (s.u.), wird jedenfalls schon mobil gemacht. Chefredakteur András Bencsik:

„Wissen wir etwa nicht, daß wenn man darüber eine Volksabstimmung abhalten könnte, die überwältigende Mehrheit der  Bevölkerung dafür stimmen würde, Gyurcsány und seine Bande vor ein Erschießungskommando zu stellen? (sortűz elé állítsák) (…) Bitte sehr, Gyurcsány organisiert bereits eine Demonstration auf die Budapester Straßen. Und wir lassen uns das gefallen? Warum ist er noch nicht im Gefängnis, wo er hingehört? Er, der Polizisten auf friedliche Bürger gehetzt hat, der traut sich jetzt, wegen einem voreiligen Satz auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren? Darf er das? Müssen wir uns das gefallen lassen? (…) Ungarn muß gesäubert werden.(…) Kommt lieber, und verjagen wir Gyurcsány von der Straße!“

(Übersetzung pusztaranger)
Etwas Hintergrund aus dem Spiegel vom April:

„Viktor Orbán ist unser Lieblingspolitiker, und wir sind sein Lieblingsblatt“, sagt András Bencsik, Chefredakteur der Wochenzeitung „Magyar Demokrata“ – ein Mann, der unter der zukünftigen Regierung zu den mächtigen Publizisten im Land aufsteigen dürfte.

Er zählte zu den Vätern der paramilitärischen Ungarischen Garde, die 2008 gerichtlich verboten und dann als Neue Ungarische Garde wiedergegründet wurde. Ob die schwarze Uniform der Jobbik-Truppe nicht an die SS erinnere, an die Pfeilkreuzler gar? „Ein Witz“, sagt Bencsik: „Auch Schornsteinfeger tragen Schwarz.“ Dass Orbán, Vizevorsitzender der christdemokratischen Europäischen Volkspartei, die Nähe von Männern wie Bencsik nicht scheut, irritiert auch wertkonservative Ungarn.

Auf den Jobbik-nahen rechtsextremen Portalen habe ich diesbezüglich noch nichts gefunden.

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4 Kommentare leave one →
  1. Hampi permalink
    2. November 2010 15:05

    Was soll diese aufmüpfige Art der „Gruppe von Oppositionsparteien und Bürgerbewegungen“
    Diese haben ganz klar versagt, das Volk ausgebeutet, sich auf deren Kosten unrechtmässig bereichert und dieses zur totalen Frustration und Wut provoziert.
    Beweise gibt es viele, nicht zuletzt ist hinter diesem Verhalten möglicherweise die Ursache zur unglaublichen Umweltkatastrophe zu suchen.
    Der politische Erdrutsch musste voraussehbar sein. Die Sozialisten haben dies auch voraus gesehen, kassierten jedoch bis zu bitten Ende.
    Dass die neue Einparteienregierung sehr gefährlich sein kann, ist ebenfalls voaussehbar, aber welche Alternative hatten die Magyaren?
    Das demokratische System muss erst noch entwickelt werden, das braucht Zeit. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
    Hoffentlich überteiben die Fidesz nicht allzusehr, sodass die Ausenandersetzungen nicht zum Bürgerkrieg ausarten.
    Ein besorgter Ausländer aus der Schweiz mit unbeschränkter Aufenhaltbewilligung in Ungarn.

    • pusztaranger permalink
      2. November 2010 21:13

      „Das demokratische System muss erst noch entwickelt werden, das braucht Zeit. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.“

      Ich hatte bisher den Eindruck, dass Orbán & Co ihre „Entwicklung“ des demokratischen Systems doch recht flott betreiben.

      „Hoffentlich überteiben die Fidesz nicht allzusehr, sodass die Auseinandersetzungen nicht zum Bürgerkrieg ausarten.“

      Sie sagen es.

  2. Anatol permalink
    4. November 2010 19:57

    lesenswert…..Der Stand der Dinge von Péter Nádas
    http://www.n-ost.de/cms/images/stories/n-ost_Nadas_2010-10-07.pdf

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  1. Neue Verfassung: Rechtskontinuität mit Horthy-Regierung « Pusztaranger

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