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Hochkarätige ungarische Wissenschaftskonferenz mit rechtsextremem Referenten

28. November 2010

Nochmal was im Zusammenhang mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA), aus aktuellem Anlass:
Der Protest gegen Paul Lendvais Veranstaltung in Zürich wurde laut einem Teilnehmerbericht auf einer rechtsextremen Seite vom Vorsitzenden der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ), Csaba Kenessey, bei der Polizei angemeldet (Quelle siehe beim Bild unten) und im Vorfeld auch angekündigt:

Journalicious Dots from Switzerland, Christian Bütikofer:

«Volkshetze»: Ungarn wollen Buchpräsentation stören

«Ungarnfeindliche Volkshetze»

Jetzt laufen Ungarn-Schweizer der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ) gegen den Diskussionsabend Sturm. MVSZ-Schweiz-Vertreter Csaba Kenessey schreibt in einer Pressemitteilung, Lendvai sei «seit vielen Jahren als Hetzer gegen das ungarische Volk bekannt.» Darum würde man heute eine «Pressekonferenz» anlässlich der Buchbesprechung abhalten.

Kenessey bezichtigt den «Tages-Anzeiger», er würde seit vielen Jahren «unwahre» und «ungarnfeindliche» Attacken gegen das «freiheitsliebende Volk der Ungarn» reiten. Weiter ereifert er sich, die Zeitung würde seine Leser aggressiv irreführen, die Ungarn verleumden und das Schweizer Volk gegen die Ungarn «aufhetzen». (…)

Der Juden-Vergleich

Kenessey fühlt sich an die «Nazi-Zeit» erinnert und vergleicht das Schicksal der Ungarn mit jenem der Juden: Wie damals, «als für alle Schandtaten die Juden benannt und herangezogen» worden seien, müssten nun die Ungarn als «Übeltäter» für alle «Schandtaten» herhalten: «Das ist eine Verleumdung, eine hetzerische Aktivität, welche bisher in der Schweiz nicht angetroffen wurde.»

(Auch veröffentlicht bei einer Lokalzeitung.)

Kenessey ist einer der „Kronzeugen“ der ungarischen Hetzkampagne gegen das Buch „Aufmarsch – die rechte Gefahr in Osteuropa“ von Gregor Mayer und Bernhard Odehnal, siehe den aufschlußreichen Hintergrundbericht von Gregor Mayer im Verlagsblog.

Nun lese ich eben, daß besagter Csaba Kenessey diese Woche an der Konferenz „Zwanzig Jahre frei in Mitteleuropa“ in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften teilgenommen und dort einen Vortrag gehalten hat. (Anm.: „Mitteleuropa“ – gemeint ist, was man in Deutschland mit „Ostmitteleuropa“ bezeichnet.)

Das war nicht irgendeine Konferenz, sondern eine hochoffizielle Angelegenheit. Ehrengast war Viktor Orbán, und im Programm werden der ungarische Verteidigungsminister, zwei Staatssekretäre, der Budapester Oberbürgermeister und der Vizepräsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften aufgeführt. Laut Veranstalterseite handelt es sich um „die gesellschaftswissenschaftliche Konferenz des Jahrzehnts, mit 30 ausländischen und 50 ungarischen Referenten.“

Ausgerichtet wurde die Konferenz unter anderem vom ungarischen Politologenverband, Central European Political Science Review (CEPSR), und auch der Konrad Adenauer Stiftung (KAS); der Leiter des Auslandsbüros in Ungarn, Hans Kaiser, hielt das Grußwort am zweiten Konferenztag.

Detailliertes Programm hier.

Ich kann nichts zu der Veranstaltung und den Referenten allgemein sagen, ich frage mich nur, unter welchen Gesichtspunkten die Kenessey als Referenten ausgewählt haben.

Seinen Vortrag mit dem Titel „Die Rolle und Wirkung der westlichen Presse bei der Verleumdung Ungarns“ hielt Kenessey in der Sektion „Magyarentum (magyarság), Nationalitäten- und Minderheitenrechte“.

Ein Jobbik-nahes Portal hat die Rede ins Netz gestellt.
(internetfigyelo – punkt – wordpress.com/2010/11/27/a-nyugati-media-szerepe-es-hatasa-magyarorszag-
lejaratasaban-%E2%80%93-kenessey-csaba-tegnapi-eloadasa/)

Der Inhalt, auf den ich nicht weiter eingehen will, deckt sich inhaltlich und rhetorisch im Wesentlichen mit dem, was man von ihm gewohnt ist (siehe Residenzverlag und den oben zitierten Schweizer Blog): Die westlichen Medien sind von ungarischen Altkommunisten unterwandert, die ein falsches Bild von Ungarn verbreiten (Paradebeispiel Paul Lendvai, abgekürzt P.L.), und der Vortrag endet mit der unvermeidlichen Frage, wem die Verleumdung Ungarns „nützt“, d.h. der rhetorischen Frage nach den „Auftraggebern“, die international vernetzt aus dem Hintergrund die Strippen ziehen. Wer nicht weiß, was gemeint ist, wird durch die Kommentare aufgeklärt: Die „Juden“ sind’s, natürlich.

„Wem nützen die Lügen?“ Bild aus dem Teilnehmerbericht von Kenesseys Demo in Zürich
(internetfigyelo – punkt – wordpress.com/2010/11/11/tuntetes-a-magyarsagot-gyalazo-
lendvai-pal-paul-lenday-konyvbemutatojan/)

Und wer mir nicht glaubt, daß genau das gemeint ist, führe sich Kenesseys Artikel „Landnahme Israels in Ungarn“ zu Gemüte, gefunden auf
alles-kaputtmachen – punkt – blogspot.com/2010/04/landnahme-israels-in-ungarn-von-csaba.html,
Google spuckt dazu auch einen Link auf Altermedia aus. Der antisemitische Artikel von 2009 ist eine der kompaktesten deutschen Zusammenfassungen der Jobbik-Doktrin, die ich bisher im Netz gefunden habe. Der ungarische Staat ist vom Mossad unterwandert, Israel will Ungarn kolonisieren und die Ungarn zu „Palästinensern im eigenen Land machen“, „Holocaust am ungarischen Volk“ etcpp., alles klar und unmißverständlich.

*

Zum Weltbund der Ungarn, dem Kenessy in der Schweiz vorsteht, eben gefunden bei Stoppt die Rechten:

Seit 2004 gibt es ein gegenseitiges Unterstützungsabkommen zwischen Sudetendeutschen Landsmannschaften und dem Weltbund der Ungarn. Jenem Weltbund der Ungarn übrigens, der 2004 den in Österreich lebenden Rechtsextremisten und Antisemiten David Duke zu einer Vortragsreihe nach Ungarn eingeladen hat.

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2 Kommentare leave one →
  1. 16. November 2013 21:32

    Mich wundert der ganze Dreck, den so-genannte „Profidemokraten“ maßlos und wahllos verschleudern, überhaupt nicht. Das ungarische Volk hat in 2010 sein Selbstbestimmungsrecht als GRUNDLEGENDES MENSCHENRECHT mutig ausgeübt, das Bewunderung und Respekt verdient, wo auch immer und von wem auch immer dagegen gekläfft wird. ES LEBE DAS FREIHEIT LIEBENDE UNGARISCHE VOLK, das seine Fackel von 1848 und von 1956 mutig weiter trägt.

    • Karl Pfeifer permalink
      21. Dezember 2013 18:34

      Erklären Sie uns doch L. Hauser, wieso es in der Orbán-Regierung ehemalige MSZMP-Mitglieder (ehemalige Kommunisten) gibt?

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