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“An die Künstler in Europa und der ganzen Welt” – Petition von Ádám Fischer und Künstlerkollegen

12. Januar 2011

Die Welt: EU-Ratsvorsitz -”Rassismus ist in Ungarn salonfähig”:

Zu Jahresbeginn hat Ungarn den halbjährlichen Vorsitz der Europäischen Union übernommen. Premier Viktor Orban steht in der Kritik. Seit Amtsantritt im Mai 2010 untergräbt er nach Meinung der Kritiker ständig demokratische Prinzipien. Auch die Kunst bleibt von staatlicher Einmischung nicht unberührt, weshalb der ungarische Dirigent Ádám Fischer im vergangenen Oktober seinen Posten als Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper aufgab. An diesem Dienstag, dem 11. Januar 2011, will Fischer in Brüssel eine mit Künstlerkollegen wie András Schiff und György Konrad verfasste Petition vorstellen, die sich gegen Ausgrenzung und Rassismus in Europa ausspricht. (…)

(Update: Ádám Fischer im Deutschlandradio, Interview  vom 11. Januar.)

(Update 16.1.: FAZ: Gespräch mit dem Pianisten András Schiff: In Ungarn fehlt es an mutigen Stimmen – unbedingt lesenswert.)

Aus verläßlicher Quelle habe ich eben Folgendes bekommen:

An die Künstler in Europa und der ganzen Welt

Wir freiheitsliebenden Künstler beobachten mit größter Sorge, in welchem Ausmaß Ausgrenzung, Aggression gegen Minderheiten und Intoleranz heute in Ungarn und in Europa auf dem Vormarsch sind. Viele von uns haben lange geglaubt, dass diese Phänomene für immer der Vergangenheit angehören und ein für alle mal ihre Salonfähigkeit eingebüßt haben.

Stattdessen müssen wir mit Bestürzung sehen, dass diese furchtbaren Ideen sogar innerhalb der Europäischen Union an Boden gewinnen und immer stärker werden. Wir müssen auch feststellen, dass Ungarn, das Land, das seit einigen Tagen die EU repräsentiert, leider auch in dieser Hinsicht zu den Vorreitern gehört. Das Alltagsleben Ungarns ist in erschreckendem Maße infiziert mit Rassismus gegen Roma, mit Homophopie und Antisemitismus. Gleichzeitig wird die Freiheit der Medien, der Kunst und der Kulturschaffenden, also die Freiheit derer, die am wirksamsten solchen Tendenzen entgegentreten könnten, immer stärker eingeschränkt. Ungarn hat während der EU-Präsidentschaft eine besondere Verantwortung, überall in Europa, aber in erster Linie zu Hause, deutlicher und vor allem viel wirkungsvoller als bisher gegen Ausgrenzung aufzutreten und sich für die Bewahrung der moralischen Grundwerte Europas einzusetzen.

Wir müssen aber auch uns bewusst sein, dass wir, freiheitsliebende und humanistisch eingestellte Künstler, die die Unantastbarkeit der Würde des Menschen wirklich ernst nehmen, diese Aufgabe nicht allein den Regierungen überlassen können. Es ist unser aller Verpflichtung dafür zu kämpfen, dass die Geister, die gerufen wurden, wieder verschwinden. Diese Ideologien sind tödliches Gift für unsere Demokratien. Jeder soll nachdenken, wie er helfen kann, unsere freiheitlichen Gesellschaften zu schützen. Wir müssen die Ideale der europäischen Gemeinschaft viel aktiver verteidigen, weil sie in Gefahr sind! Die großartige Idee eines weltoffenen, friedlichen und geeinten Europas muss auch für kommende Generationen erhalten bleiben. Und die Ereignisse im heutigen Ungarn führen uns vor Augen, wie leicht wir das, was für uns wichtig ist, verlieren können.

Januar 2011

ANDRÁS SCHIFF, Pianist ÁDÁM FISCHER, Dirigent

András ADORJÁN, Flötist, Béla TARR, Filmregisseur, Ágnes HELLER, Philosophin, Géza KOMORÓCZY, Historiker, Schriftsteller, Lászlo RAJK, Architekt, Miklós JANCSÓ, Filmregisseur

Daniel Barenboim schließt sich an:

Wachsende Intoleranz und Rassismus lasten heutzutage schwer auf unserem Gewissen. Daher unterstütze ich aus vollem Herzen Andras Schiff, der bereits Angriffen ausgesetzt war, und Adam Fischer, die gemeinsam einen Aufruf an alle Künstler in der Europäischen Union, Ungarn und anderswo gemacht haben, aktiv dagegen vorzugehen.

Growing intolerance and racism weigh today heavily on our conscience. Therefore, I fully support Andras Schiff, who was already attacked, and Adam Fischer in their appeal to artists in the European Union, Hungary and beyond to actively take a stand against it.

January 2011

Daniel BARENBOIM


Update 15.1.: Tagesanzeiger: Viktor Orbans Freund diffamiert die Juden

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8 Kommentare leave one →
  1. 12. Januar 2011 16:55

    Ein gefundenes Fressen für Herrn Bayer Zsolt. Herr Schiff hat unterzeichnet. Und natürlich auch Frau Heller, die will doch nur vom Geldmissbrauch an der Akademie ablenken…

    Nein, das ist nicht mein Ernst, natürlich nicht! Aber so werden die einschlägigen Reaktionen lauten. Und dem Ungarn auf der Straße wird’s wie immer erstmal schnuppe sein.

    Als passionierter Radiohörer warte ich darauf, dass auch Leute wie Peterfy Bori, die Jungs und Mädels von 30Y, Magashegyi underground, heaven street seven, Balkan fanatics und wie sie alle heißen einen solchen Brief unterschreiben. Denn das weckt die Generation auf, auf die es in Zukunft ankommt, um die gerufenen Geister wieder zu vertreiben. Und in Zeiten des Internets ist es hoffentlich nicht mehr karriereentscheidend, ob der neue Chef von MR2 eine Band dafür aus dem Programm verbannt oder nicht. Den Dixie Chicks hat es in den USA auch nicht langfristig geschadet.

    • pusztakulancs Permalink
      12. Januar 2011 21:40

      Wo waren denn alle die X,Y,Z´s mit ihren Protesten, als es abzusehen war, das das Boot Ungarn an die Wand gefahren wird, als es in den letzten Jahren (vor 2010) bergab ging??
      Komisch, das sie alle jetzt aufwachen, noch dazu aus óperenciás tengeren túl u.ä.
      Könnte es sein, dass doch der Eine oder Andere seine Felle davon schwimmen sieht.
      PK

  2. Hartwig Runge Permalink
    19. Januar 2011 12:16

    Auch ich möchte meine Stimme erheben, auf dass wir klar Schiff machen gegen Rassismus und Intoleranz, gegen geistige Barbarei. Und dass der Aufstand der Fischer gegen St. Orbán, also unser Aufschrei hier konkret gegen das Zerstören des Lebenswerkes von Georg Lukács europaweit wächst und wächst.

    (P.S. – Glamourös und ganz nebenbei: 1968 gewann ich als Sänger Ingo Graf in Budapest ein Internationales Schlagerfestival mit dem Titel „Piroschka“. Ansonsten war / bin ich – Rentner, 72 – langjähriger Kulturensembleleiter / Fachlehrer für Mathematik und Physik und Diplomphilosoph in der DDR.)

    Hartwig Runge, Leipzig, 19. Januar 2011
    Paul-Gruner-Straße 64 in 04107 Leipzig
    Bundesrepublik Deutschland

  3. HK Gruber, Kompionist/Dirigent Permalink
    26. Januar 2011 21:44

    Ich unterstütze die Aktivität von András Schiff & danke ihm dafür. Wir in Österreich haben das alles schon in der ersten Republik & während der Nazi-Zeit erlebt & sind nach wie vor von Rechtsruck bedroht. Gewisse Kräfte vernetzen sich & betreiben die Abschaffung der Demokratie. Die EU sieht zu…………………..

  4. Antinazi Permalink
    23. April 2011 06:56

    Wir haben es allen gesagt! Diese Leute werden auch von einer Österreichischen Partei besucht!
    Die soziale Heimatpartei so wie sie auch bei der NDP heißen soll!
    http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/bildschirmfoto53zna0vihj.png

    Sind sie nicht lieb!
    http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/bildschirmfoto53zna0vihj.png

  5. Antinazi Permalink
    23. April 2011 06:57

    Soziale Heimatpartei NDP
    http://npd-blog.info/category/soziale-heimatpartei/

  6. 26. August 2011 12:41

    The situation in Hungary is grave. Let us hope that they listen to our joint voices. EC

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  1. An die Künstler in Europa und der ganzen Welt – Aufruf des ungarischn Dirigenten Ádám Fischer « Soundstrikeberlin's Blog

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