Skip to content

„Unruhe im Lukács-Archiv – ein Politikum im Umfeld der aktuellen Ungarn-Debatten?“

17. Januar 2011

Die Internationale Georg Lukács-Gesellschaft hat sich zu Wort gemeldet (kam über einen Verteiler):

Unruhe im Lukács-Archiv – ein Politikum im Umfeld der aktuellen Ungarn-Debatten? Eine dringliche Anfrage

Die hiesigen Medien berichten in den letzten Tagen von einem Aufruf namhafter Künstler zu den jüngsten Entwicklungen in Ungarn. Der Aufruf ist Ausdruck der Sorgen über das Anwachsen von „Rassismus, Homophobie und Antisemitismus“, von „Ausgrenzung, Aggression gegen Minderheiten und Intoleranz“. Zu Befürchtungen Anlass gebende Entwicklungen gibt es wohl auch im Bereich der Kunst und der Wissenschaften. Die Internationale Georg Lukács-Gesellschaft ist beunruhigt über Berichte, die uns über Vorgänge im Lukács-Archiv erreichen. Es ist die Rede von einem „Amoklauf“ des neuen Leiters des Philosophischen Forschungsinstituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA). Es sind – so hören wir – Entlassungen einer Reihe von Forschern in Aussicht gestellt bzw. bereits vorgenommen worden. Betroffen sind wohl Sándor Ferencz, Pál Horváth, Miklós Mesterházi, Gáspár Miklós Tamás. Dagegen regt sich Widerstand unter den intellektuellen Freunden einer vielfältigen philosophischen Kultur in Ungarn. Eine ungarischsprachige Petition gegen diese Entwicklung ist in kurzer Zeit von mehr als 1900 Personen unterzeichnet worden. Uns erreichen besorgte Anfragen nicht nur aus Ungarn sondern auch aus Deutschland, Griechenland, den Vereinigten Staaten.

Seit vielen Jahren arbeitet die Internationale Georg Lukács-Gesellschaft mit dem Lukács-Archiv in Budapest durchaus erfolgreich zusammen. Das Archiv ist für die wissenschaftliche Pflege und Erschließung des Oeuvres von Georg Lukács von entscheidender, auch internationaler Bedeutung.

Deshalb verfolgen wir die Vorgänge in und um das Archiv mit wachsender Besorgnis. Befürchtet wird, dass es nicht um fachliche Modernisierung geht, sondern dass die Vorgänge einen politischen Hintergrund haben. Es ist zu hoffen, dass Befürchtungen unbegründet sind, es werde die Demontage des unbequemen Lukács-Erbes angestrebt, d.h. auf längere Sicht die Eliminierung des Lukács-Archivs, und mit dem Schlag gegen die Überreste der Budapester Schule die Einschüchterung der linksliberalen Intelligenz.

Wir wenden uns an Herrn Boros, den neuen Archiv-Leiter, und den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften mit der Bitte um Klarstellung. Wir wiederholen: Georg Lukács` Werk bedarf eines funktionsfähigen und gut ausgestatteten Archivs, damit jene Arbeit geleistet werden kann, die die Lebensleistung des bedeutenden philosophischen Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts verdient und die international erwartet wird. Und die ist nur möglich, wenn verdiente und ausgewiesene Forscher ihre Arbeit fortsetzen können.

Dr. Rüdiger Dannemann Prof. Frank Benseler (Internationale Georg Lukács-Gesellschaft)

Essen/ Paderborn 16.1.2011

Update 20.1.2011:  Den Aufruf und Liste der Unterzeichner beim der Freitag/Community.

2 Kommentare leave one →
  1. 18. Januar 2011 23:07

    i fully agree: the situation in hungary re the „other“ (i.e., the jewry, roma, etc.) is appalling and cause to concern all; in 1993 at a conference in targu-mures i organized re post-1989 central european culture i stated in a TV interview that in my view hungary is not ready to join the EU: i hate to be right in this; and the current government’s media law is unacceptable (even if the possible intention is to block the often anti-semitic/roma, essentialist discourse in the media)

    steven totosy de zepetnek ph.d. professor
    http://docs.lib.purdue.edu/clcweblibrary/totosycv
    editor, clcweb: comparative literature and culture
    http://docs.lib.purdue.edu/clcweb/ clcweb@purdue.edu
    series editor, purdue books in comparative cultural studies
    http://docs.lib.purdue.edu/clcweblibrary/seriespurdueccs &
    http://www.thepress.purdue.edu/comparativeculturalstudies.html
    8 sunset road, winchester, ma 01890 usa

    • pusztaranger permalink
      19. Januar 2011 11:11

      Welcome, professor, I’m familiar with who you are and I’m thrilled you found my blog.
      „(even if the possible intention is to block the often anti-semitic/roma, essentialist discourse in the media)“
      trust me, it’s not. Orbán even mentioned this intention in his BILD-interview, but that’s just Fidesz-speak outside Hungary, he won’t use terms such as „antisemitism“ or „racism“ in Hungarian, as they are considered ideological terms of the political left = the political enemy. The Hungarian right wing media are pushing the essentialist discourse of the „nation“ (völkisch), which needs the construction of „the enemy“ as a motor – jews, roma, left-liberals, LGBT etc., and thus are pushing that too – for example in the current media attacks on the „liberal“ philosophers (Agnes Heller & colleagues) at MTA, Zsolt Bayer’s activities etc.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: