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Fidesz-Fäkalantisemit Zsolt Bayer zu Strauss-Kahn

17. Mai 2011

Der antisemitische Publizist und Orbán-Freund Zsolt Bayer ist für LeserInnen dieses Blogs schon ein alter Bekannter. Im Januar sorgten seine antisemitischen Tiraden auch im Ausland für Aufregung:

Die Welt: Nestbeschmutzer im Wald verscharren

NZZ: Verbündete und Verräter – Fidesz-Vertreter bezeichnen Kritiker als Nestbeschmutzer.

Noch im Januar wurde er vom Geschäftsführer der kleinen, nicht im Parlament vertretenen Partei Grüne Linke, Szilard Kalmar, bei der Medienregulierungsbehörde NMHH angezeigt, um auszutesten, wie die Regierung das neue Mediengesetz anzuwenden gedenkt, siehe

Welt: Opposition nutzt Mediengesetz gegen Orbán-Freund

Ebenfalls im Januar wurde Bayer von einem Fidesz-Gremium mit einem wichtigen Kulturpreis ausgezeichnet, siehe mein Post, und

Pester Lloyd: Öffentliche Moral – Ungarische Regierungspartei ehrt Hassprediger, EU schickt Papiertiger

Im Februar kam die Antwort der Medienbehörde:

„Im Hinblick auf Verstöße gegen die sogenannte Medienverfassung oder das Mediengesetz kann ein behördliches Verfahren erst wegen Gesetzesverstößen eingeleitet werden, die nach dem 1. Juli erfolgen.“ Darum könne die NMHH kein Verfahren gegen Bayer einleiten. (Népszabadság, 3.2.2011)

Im März stellte der jüdische Fidesz-MEP Tamás Deutsch Bayer einen Persilschein aus: “Ich möchte eine unzweideutige Botschaft senden an die westeuropäischen und amerikanischen Journalisten, die unermüdlich die Einhaltung der Menschenrechte in Ungarn beobachten: Ja, ich finde gar nichts dabei (wörtlich “ich schäme mich nicht dafür”), mich mit meinem Freund Zsolt Bayer fotografieren zu lassen, weder jetzt noch in der Vergangenheit”. (hirszerzo)

Er erklärte dies am 30. März 2011 anläßlich der Feier zum 23. Jahrestag der Gründung von Fidesz, in der Gegenwart von Ministerpräsident Viktor Orbán (Die Jüdische), wo auch dieses Foto entstand:

Links Orbán, links neben ihm Bayer, Deutsch. Bild: vasnepe.hu

Die Persilscheintaktik durch Alibi-Juden und Alibi-Roma hat übrigens Methode, so hatte auch der neu ernannte Vorsitzende der Roma-Landesselbstverwaltung Flórian Farkas (Fidesz) nach seiner Ernennung im Januar nichts Besseres zu tun, als die Regierung vom Vorwurf des Rassismus und Antisemitismus im In- und EU-Ausland freizusprechen. (Englisch hier, ungarisch siehe c-press/fidesz.hu)

Bis 1. Juli hat Bayer also freie Bahn, und er scheint schwer beschäftigt – die Tage mit dem Fall Strauss-Kahn. Als IWF-Vorsitzender und Jude ist dieser quasi die Verkörperung der „jüdischen Weltverschwörung“ gegen Ungarn, und Zsolt Bayer hat selbstverständlich seine Meinung dazu, verpackt in eine Glosse im Magyar Hírlap mit dem Titel „Oralsex“. Sie verdeutlicht mal wieder sehr schön sein Agitationsniveau:

(Die Sache ist symbolisch, denn): Strauss-Kahn und seine Organisation, der (…) IWF, hat sich vor dem Zimmermädchen schon von der halben Welt einen blasen lassen. Die Welt blies ihm einen für Geld. (…) Strauss-Kahn (…) dachte nach einer Weile, wenn ihm schon die halbe Welt einen lutscht, warum soll ihm ausgerechnet ein Zimmermädchen Widerstand leisten. (…)

Damit könnten wir die Sache eigentlich belassen. (…) Wir könnten uns zufrieden im Sessel zurücklehnen und daran denken, dass sich Strauss-Kahn noch vor knapp einem Jahr von uns einen blasen lassen wollte, und sehr enttäuscht war, weil es nicht geklappt hat

(Anm.: Siehe mein Post Ungarn kontra IWF: „Freiheitskampf“ gegen das „jüdische Finanzkapital“ vom Juli 2010)

Wo hier doch vorher jedermann so entgegenkommend gewesen war. (Lies: Die sozialistische Vorgängerregierung.)

(…) Sehen wir mal, was wir von diesem Strauss-Kahn wissen, außer dass er der Vorsitzende des IWF ist und Oralsex mag. Wir wissen von ihm, dass er in den nächsten Präsidentenwahlen der potentielle Herausforderer des französischen Präsidenten Sarkozy (war). Diese brutale, ekelhafte alte Sau (erőszakos, undorító vén disznó) wäre der Kandidat der Linken gegen Sarkozy gewesen. (…)

Wie wir wissen, hat Sarkozy schon bei den letzten Wahlen Riesenglück gehabt. Erinnern Sie sich noch? Damals brannten die Pariser Vorstädte. Die arabischen und sonstigen farbigen (sic) Einwanderer haben Feuer gelegt, randaliert, Leute zusammengeschlagen und ermordet. Und während die liberale Intelligenz weltweit Blödsinn von sich gab, ist der französischen Mittelschicht im grellen Licht der brennenden Vorstädte klar geworden, dass sie endgültig genug hat von dem multikulturellen Blödsinn, der ihnen von solchen wie Strauss-Kahn (lies: den „Juden“) aus Geschäftsinteressen aufgezwungen wurde. Und während Sarkozys Gegner den bei solchen Gelegenheiten üblichen, politisch korrekten Quatsch von sich gaben, verkündete Sarkozy in keinem Widerspruch duldenden Ton, dass auch er genug hat, und dass er Ordnung schaffen wird. Und die französische Mittelklasse rannte mit feuchten Augen, um ihr Kreuzchen für ihn zu machen. (…)

Alles klar?

Wer die antisemitische Stoßrichtung nicht nachvollziehen kann, sehe sich die Kommentare an. Da heißt es beispielsweise bei 115, „das Mädel würde wahrscheinlich jeden blasen bis zum Anschlag, aber mag keine beschnittenen Schwänze.“ Bei 114 wird Strauss-Kahn als „Mazzefresser“ bezeichnet, und bei 102 in einen Zusammenhang mit Mosche Katzav (wegen Vergewaltigung verurteilt) und Daniel Cohn-Bendit gestellt („was fällt uns zu denen ein?“), der von den regierungsnahen und rechtsextremen ungarischen Medien seit Anfang des Jahres als „Pädophiler“ vorgeführt wird, siehe mein Post. Bei 119 heißt es dann explizit: “Interessant, wie hemmungslos die Söhne des auserwählten Volkes (sic, antisemitischer Topos, siehe auch hier)  sind. Während Cohn – Bendit Kinder missbraucht, erschreckt Strauss-Kahn junge, hübsche Frauen mit seinem beschnittenen Pimmel. (…)”

Alles klar?

Kommentare wie diese sind auf Magyar Hirlap nichts Besonderes und werden auch nicht etwa wegmoderiert, selbst wenn auf der Kommentarseite der Form halber gebeten wird, sich „ehrenrühriger und vulgärer (becsmérlő, trágár) Texte zu enthalten.

Von rechtsextremen Medien ist man diesen Tonfall gewohnt; beim Magyar Hirlap handelt es sich um ein fidesznahes Medium.

*

Hier kann man Zsolt Bayer in Aktion erleben, Anfang März bei einem Vortrag über das Mediengesetz, vor Schülern des Franziskanergymnasiums Esztergom. Der Lehrer Vajk Bánhídi, der im Video zu sehen ist, ist Fidesz-Gemeinderat. Bayer als angegriffener Journalist gibt den Kindern (bei 4.25 ist das Publikum zu sehen, es sind Kinder) den Rat, “bloß den Medien nicht zu glauben”. Der Schuldirektor, Pater János Tokár, zitiert zum Schluss einen Ausspruch Bayers aus dem Demokrata (in dem 2009 zur Bücherverbrennung jüdischer Autoren aufgerufen wurde, siehe hier und hier): Bayer wurde gefragt, mit wem er in die Schlacht ziehen würde, wenn es Krieg geben würde, und die Antwort ist, mit Viktor Orbán. Beendet wird die Veranstaltung mit einem gemeinsamen “Laudeatur Jesus Christus“.

(Das Franziskanergymnasium Esztergom hat eine Schulpartnerschaft mit dem Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg, sowie dem Veit-Höser-Gymnasium Bogen.)

Update 3.6.2011: Der Standard – DSK-Drama in Frankreich – Der Banker und die Zofe zitiert aus diesem Post:

(…) viele freuen sich über seinen Sturz, auch in Europa. Dazu muss man nur den in der regierungsfreundlichen ungarischen Tageszeitung Magyar Hirlap (unter dem Titel “Oralsex”) erschienenen Kommentar des gehässigen Autors Zsolt Bayer lesen, der wegen seiner antisemitischen Ausfälle ebenso bekannt ist wie wegen seiner Freundschaft mit dem konservativen Premierminister Viktor Orbán: “Strauss-Kahn (und seine Organisation, der IWF) hat sich vor dem Zimmermädchen schon von der halben Welt (…) einen blasen lassen (…).” Jetzt, so Bayer, können die Ungarn triumphieren: “Noch vor knapp einem Jahr (als die Regierung Orbán dem IWF den Rücken kehrte) wollte Strauss-Kahn, sich von uns einen blasen lassen und war sehr enttäuscht, weil es nicht geklappt hat.” In den Augen der ungarischen Nationalisten war DSK laut der Webseite der Opposition Pusztaranger ein Agent der “jüdischen Weltverschwörung gegen Ungarn”.

Pusztaranger, die Website der ungarischen Opposition – nein danke, das dann doch nicht. Das ist ein privater Blog aus Deutschland.

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3 Kommentare leave one →
  1. Magdalena Marsovszky Permalink
    17. Mai 2011 14:04

    Gratuliere!

  2. Karl Pfeifer Permalink
    18. Mai 2011 07:55

    Zsolt Bayer bemüht sich seinem Ruf ein “Fäkal-Antisemit” zu sein gerecht zu werden.

    Die Tatsache, dass Katholiken in Ungarn den rassistischen Ideologen Ottokár Prohászka loben und sich mit dem “Fäkal-Antisemiten” gemein machen, sollte den Vatikan alarmieren.

  3. Dénes ERÖS Permalink
    2. Februar 2012 17:13

    Solche Leuten, wie Gy. Konrad,Akos Kertész haben nach ihren letzten Schreiben nix Anderes verdient,was von Bayer erhalten haben.

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