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Polizeischutz für Esterházy

3. Juni 2011

Péter Esterházy eröffnete gestern die 82. Buchwoche in Eger. Dazu sind heutzutage schon Bodyguards und Zivilpolizisten nötig, denn rechtsextreme Seiten hatten zum Protest aufgerufen, und einige „Patrioten“ erschienen mit einem Transparent, in etwa „Wir brauchen keinen Kulturdreck“/ „Wir wollen deinen Kulturdreck nicht“. Außerdem verteilten sie Flugblätter, in denen mit „magyarenfeindlichen“ Zitaten aus Esterházys Werken „bewiesen“ wird, daß er „unwürdig“ sei, diese Veranstaltung zu eröffnen.
Es wird von antisemitischen Zwischenrufen berichtet, ansonsten verlief alles friedlich, ohne Pöbeleien oder Ausschreitungen – ungarischer Alltag, gar kein Grund zur Beunruhigung.

Bilder heol.hu

(Quellen: Heol.hu, Index, Origo, Galamus, Hír24, Programm der Buchwoche hier (Ungarisch)

Für die Völkischen, Rechte wie Rechtsextreme, ist Péter Esterházy ein linker Schmierfink und verjudeter Vaterlandsverräter.

Orbán und seine Bewunderer berufen sich darauf, dass es bisher »keinerlei Regelungen« gebe, um »den radikalen und extremistischen Tendenzen in den Medien etwas entgegenzustellen«. (…) Magyar Demokrata, von Orbán zu einem seiner Lieblingsblätter erklärt, rief vor gut einem Jahr zur Vernichtung der Bücher von Péter Eszterházy, György Konrád und Péter Nádas auf: »Sie sind Mörder, ihre Gifte sind aus unserem Organismus auszumerzen.« (Zeit)

Siehe auch hier, hier und hier auf diesem Blog; siehe auch aktuell im Demokrata vom 7.3.2011 (Ungarisch).

3 Kommentare leave one →
  1. Karl Pfeifer permalink
    5. Juni 2011 08:35

    Bereits 2009 wurde in der fidesznahen Wochenzeitschrift wurde ein Artikel gestartet, auf den sich die Skinheads berufen könnten, sollten sie – was ja nicht zu erwarten ist – wegen der Belästigung von Esterházy belangt werden.

    Ádám Pozsonyi: Auf zum Kampf!
    (Magyar Demokrata [Ungarischer Demokrat]. Nr. 43. 2009., p. 40.)
    “Die Errichtung einer Kulturpolizei hätte ich schon seit langem betrieben, jedoch leider, weder ich noch meine Anhänger kamen in Positionen, in denen einer solchen praktischen Empfehlung Geltung verschafft werden konnte.
    Sagen wir es offen: Das geistige Leben Ungarns steht schon seit langen Zeiten unter fremdem Einfluss, aber in einem solchen Ausmaß wurde der noch übrig gebliebene ungarische Gedanke aus der öffentlichen Gesinnung weder in den dunkelsten Jahren des XX. Jahrhundert nicht ausgejätet, wie dies in unseren Tagen geschieht. Da unsere politische und geistige Elite aus Fremden besteht, müssen wir – wie unsere heldenhaften Vorfahren während der Kämpfe gegen die Türken, oder zur Zeit der Landeszerstückelung von Trianon – handeln.
    Bilden wird kleine Hauskommandos. In Gruppen von drei–vier Personen kämmen wir die Bibliotheken durch und entwenden wir, vernichten wir die Geschwürherde der linksliberalen Vaterlandsverräter und ihre Geschmacklosigkeiten. Falls das Herausschmuggeln der Bücher nicht möglich ist, zerreißen wir die Blätter, bekritzeln sie, machen wir den Sudele dieser begünstigten Niemanden, den unsere verräterischen Medien auf allen Ebenen propagieren, für weitere geistige Vergiftung unbrauchbar.
    Unterschätzen wir diese Aufgabe nicht. Das Schicksal der Welt wird auf geistiger Ebene entschieden, und es ist nicht egal, durch was die Seele unserer Jugend vergiftet wird. Was kann sie der nächsten Generationen noch weitergeben.
    „Spiró ist Schorf, Konrád Fluch, wegen Nádas muss ich gleich Kotzen!” Dies sei die Marschmusik der aufzustellenden kleinen Freikorps, die in einen heldenhaften, heiligen Kampf für die Reinigung des ungarischen geistigen Lebens, in die Schlacht ziehen. Wir sollen keine moralischen Hemmungen haben. Diese Leute sind Mörder, ihre Gifte sind aus unserem Organismus auszurotten. Wenn es schon die „ungarische” Regierung, der „ungarische” Schriftstellerverband, der Verband der „ungarischen” Buchhändler dies nicht tun. Nebenbei gesagt: auch sie schalten uns aus, nur haben sie einen wesentlich mächtigeren Hintergrund, handeln wesentlich gemeiner, und sie verheimlichen dies gar nicht.
    Das Ziel ist, dass wenn ein ungarischer Mensch einen Esterházy-Band erblickt, soll er aus seinem Schlaf geweckt in Richtung des Mülleimers blicken, und mit noch halb geöffneten Augen, eventuell das Gähnen unterdrückend, eine Wurfbewegung machen.
    Auf in die Schlacht meine Freunde, zum Kampf, auf zum heiligen Krieg!”

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