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Massenentlassungen in den staatlichen Medien

7. Juli 2011

Gestern haben die Massenentlassungen in den öffentlich-rechtlichen Medien begonnen. Bis Mitte nächster Woche werden 550 Personen entlassen, im Herbst sollen noch einmal 400 folgen.

Hintergründe:

Unter den Entlassenen sind mehrfach preisgekrönte JournalistInnen, auch ein dreifacher Pulitzer-Preisträger.

In den staatlichen Fernsehnachrichten und den Nachrichtensendungen des staatlichen Kossuth Rádió wurden die Massenentlassungen gestern mit keinem Wort erwähnt.

Laut Informationen von Index.hu werden die Entlassungen der Nachrichtenredaktionen (Redakteure, Reporter etc.) vom Chefredakteur der zentralen ungarischen Medienredaktion, Dániel Papp abgewickelt.

Das ist der Journalist, der den manipulierten Beitrag zu Daniel Cohn-Bendit in Budapest zu verantworten hatte, siehe:

Der 32-jährige Papp hat in seiner Laufbahn das ganze Spektrum der völkischen Medienarbeit durchlaufen. Bis 2004 war er medienpolitischer Sprecher von Jobbik, danach arbeitete er beim (heute regierungsnahen) Magyar Hírlap und dem rechtsextremen Echo TV, später war er Pressechef von Fidesz-Kommunalpolitikern. Seit Sommer 2010 ist er beim ungarischen Fernsehen; nach seinem manipulierten Beitrag über Cohn-Bendit im April wurde er zum Chefredakteur der zentralen ungarischen Medienredaktion ernannt.

„Höchste Qualitätsstandards“ und „ausgewogene“ Berichterstattung in den staatlichen Medien wären somit im Sinne der Orbán-Regierung gewährleistet. Auf Facebook wird bereits zum Boykott der staatlichen Medien aufgerufen.

Updates 8.7.2011:

Regierung Orban erfüllt mit Massenkündigung von JournalistInnen schlimmste Erwartungen
die traurige Bestätigung, wie berechtigt die Warnungen vor ihren medienpolitischen Vorgaben waren“, kommentiert der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian die Kündigung von rund 400 JournalistInnen des öffentlich-rechtlichen ungarischen Rundfunks: „Jetzt ist erst recht verstärkte internationale Solidarität gefordert, denn dass mit der Kündigungswelle so lange gewartet wurde, bis die ungarischen EU-Präsidentschaft zu Ende ist, zeigt, dass es Orban und seinen Erfüllungsgehilfen keineswegs gleichgültig ist, wie ihr Handeln im Ausland wirkt“.Der Vorsitzende des Wirtschaftsbereichs ORF und Töchter in der GPA-djp, ORF-Redakteursratsvorsitzender Fritz Wendl weist daraufhin, dass es „natürlich keineswegs ein Zufall ist, dass die ungarische Regierung derart massiv gegen JournalistInnen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgeht. Der Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist immer und überall ein zuverlässiger Gradmesser für den Zustand der Demokratie eines Landes“. (…)

Der Standard: Ungarn: Kahlschlag im Staatsfunk, 8.7.2011

Update 10.7.2011:

Update 12.7.2011: EFJ and SEEMO Alarmed by Massive Dismissals in Hungarian Public Broadcasting:

Today the European Federation of Journalists (EFJ), the European group of the International Federation of Journalists (IFJ), and the Vienna- based South East European Media Organisation (SEEMO) expressed their deep concern over the wave of dismissals that started in Hungarian public broadcasting.

„This looks like a real purge taking place literally days after the end of the EU Presidency of Hungary and as the new media law is now fully effective,“ said EFJ President Arne König. „We are alarmed by the number of jobs concerned and also by the suspicion that some of these lay-offs may be politically motivated“. (…)

Update 13.7.2011:

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