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Jobbik sauer auf FPÖ, Morvai auf Jobsuche?

8. Juli 2011

Die Nachricht von Jobbik-MEP Krisztina Morvais Beitritt als „unabhängige“ Abgeordnete zur neuen EU-weiten Rechtspartei „Europäische Allianz für Freiheit“ (EAF), verbunden mit FPÖ-Chef Heinz Christian Straches Äußerung, daß er nicht mit der rechtsradikalen ungarischen Jobbik-Partei zusammenarbeiten wolle, da ihre Positionen „nicht dem freiheitlichen Geist entsprächen“, hat bei Jobbik Irritationen ausgelöst.

Jobbik: Beleidigung, Klärungsbedarf mit FPÖ

Straches Äußerung habe Jobbik völlig unerwartet getroffen, so Jobbik-Chef Gábor Vona am 5. Juli im Interview mit dem rechsextremen EchoTV.

Zwar hätte Jobbik und die FPÖ kein offizielles Bündnis geschlossen, aber man habe bislang ein freundschaftliches Verhältnis zur FPÖ gehabt und miteinander informelle Gespräche auf höchster Ebene geführt. Beim Konzept des „Europa der Nationen“ könne man kooperieren; daß die FPÖ mit „ungarnfeindlichen“ Parteien wie der Slowakischen Nationalpartei zusammenarbeitet, sei mit Jobbik allerdings unvereinbar.

Ähnlich äußerte sich auch Jobbik-Vize und Vizefraktionsvorsitzender Zoltán Balczó (bis 2010 Jobbik- EU-Abgeordneter) am 5.7. im regierungsnahen HírTV. Krisztina Morvai habe zunächst nur Beobachterstatus, und es bestehe Klärungsbedarf, sowohl intern mit Krisztina Morvai als auch mit der FPÖ. Letzteres soll in den nächsten Tagen per offenem Brief kommuniziert werden. Wenn es außer dem Euroskeptizismus keine anderen Gemeinsamkeiten gäbe, so Balczó, müsse man das Verhältnis zur FPÖ überdenken.

Sowohl Vona als auch Balczó werten Straches Äußerung als beleidigend und verletzend. Er hatte Jobbik als Extremisten bezeichnet.

Vorgeschichte:

FPÖ kooperiert mit Jobbiks Feinden

Die FPÖ hat Bündnisse mit der Slowakischen Nationalpartei und der serbischen SNS geschlossen.

Damit hat sie zwei Partner, die eine Kooperation mit Jobbik unmöglich machen. Aber Krisztina Morvai, die im Gegensatz zu ihren Jobbik-Kollegen weiß, wie internationale Kommunikation und politische Vernetzung funktioniert,  läßt sich diese Chance nicht entgehen, und macht auf „unabhängig“.

Morvai ist „unabhängig“ – nach allen Seiten

Die rechtsextremen Portale sind noch unschlüssig, ob Morvais Beitritt als „Verrat“ oder als „kluger politischer Schachzug“ einzuschätzen ist. Das Hetzportal kuruc.info hat sie um Stellungnahme gebeten; sie antwortete per offenem Brief („Ich bleibe auch weiterhin unabhängige Abgeordnete!“), der auch auf ihrer Webseite zu lesen ist  (eine englische Übersetzung bei Hungarian Ambiance.) Dort beruhigt sie ihre Wähler, sei in keine Fraktion eingetreten, bleibe unabhängig und nur ihrem Gewissen verpflichtet. Daß sie in eine EP-Fraktion eingetreten wäre, bzw. daß sie ein parteipolitisches Bündnis mit der FPÖ geschlossen habe, entspräche nicht den Tatsachen. Hier handle es sich lediglich um ein loses euroskeptisches Bündnis, und sobald man ihr dort etwas abverlange, was nicht den vereinbarten Zielen entspräche, werde sie die Beziehung zu diesem Bündnis selbstverständlich beenden.

Als die Sache bei den ungarischen Rechtsextremen News machte, war Morvai in Frankreich und speiste mit ihren dortigen Freunden Schwein am Spieß:

Krisztina Morvai bei der Front National

Letzten Samstag war Morvai in der Bretagne, um zusammen mit Bruno Gollnisch „das Europa der Nationen zu feiern“. Laut seiner Webseite scheint man ganz begeistert von ihr zu sein. Und sie wird nicht etwa als „unabhängig“, sondern klar als Jobbik-Abgeordnete gehandelt.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Jobbik-KollegInnen ist Krisztina Morvai hochintelligent, spricht Englisch, weiß, wie Kommunikation mit internationalen Partnern funktioniert, und hat Erfahrung bei der politischen Arbeit in internationalen Zusammenhängen:

Morvai arbeitete für das europäische Menschenrechtskomitee und war von 2003 bis 2006 bei den Vereinten Nationen Mitglied im Sachverständigenausschuss zur Beseitigung von Diskriminierung gegenüber Frauen. (…) Sie war für eine MSZP-SZDSZ-Regierung als Expertin für Völkerrecht tätig. (wiki)

Für die meisten Jobbik-Mitglieder, Wähler und Sympathisanten endet die Welt an den Grenzen von Großungarn, und die Außenwelt hat sich gegen die Magyaren verschworen. Wer international aktiv wird, tritt damit quasi automatisch in die „jüdische Weltverschwörung“ ein oder geht das Risiko ein, von ihr korrumpiert zu werden. Ich meine, Jobbik und ihre Wähler sind zu beschränkt, um Morvais Potential als international player  zu begreifen, und sie wiederum dürfte mit Jobbik langfristig unterfordert sein. Darum scheint sie sich frühzeitig nach einem neuen Tätigkeitsbereich im internationalen Umfeld umzuschauen. Wenn ihr EP-Mandat ausläuft, dürften sich für sie lukrative Jobs in der internationalen Liga finden – etwa als „Menschenrechtsanwältin“ für die EU-Rechtsextremen.

Update 11.7.2011: Inzwischen sagte Krisztina Morvai im ungarischen Fernsehen, daß sie nach Straches Äußerung über Jobbik aus der Allianz austreten wird, wenn Jobbik und FPÖ diesen Konflikt  nicht klären können.

Auch betont sie nach wie vor, daß es sich bei der EAF nicht um eine Partei handle, sondern nur um ein loses Bündnis von Euroskeptikern. Webseite der EAF:

The EAF is one of eleven ‚European Political Parties at a European Level‘ and is partially funded by the European Parliament.

2 Kommentare leave one →
  1. Karl Pfeifer permalink
    11. Juli 2011 15:29

    Eine „feine“ ungarische Dame
    http://www.haaretz.com/news/hungarian-jews-should-stick-to-playing-with-their-circumcised-tails-1.277483

    • pusztaranger permalink
      11. Juli 2011 16:55

      Dame ist gut. Mehr zu ihr auf diesem Blog: https://pusztaranger.wordpress.com/category/krisztina-morvai/

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