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Képíró-Kriegsverbrecherprozess: Davidsterne verboten

19. Juli 2011

Presseschau zum Prozess:

*

Bei dem Verhandlungstermin am 5. Mai hatte es vor dem Gericht eine Demo gegeben, die Teilnehmer trugen gelbe Davidsterne und Transparente wie „Kriegsverbrechen verjähren nicht“.

(NOL)

(Origo)

Richter Béla Varga ordnete an, die Davidsterne im Gerichtssaal abzunehmen:

„Bitte nehmen Sie die Davidsterne ab. Stecken Sie sie in die Tasche. Sie sollen hier bei der Verhandlung nicht zu sehen sein. Im Gerichtsgebäude können Sie so etwas nicht tragen.“ (Video ab 0:57)

Bei der nächsten Verhandlung Ende Mai waren Mitglieder der rechtsextremen Organisation 64 Burgkomitate (HVIM) in ihren Einheits-T-Shirts gekommen.

Mit diesen hatte der Richter kein Problem, da sie für ihn keine politische Aussage darstellen:

Reporter: Entschuldigen Sie, Herr Richter, ich wollte Sie fragen – der Saal ist heute voller Mitglieder von HVIM, haben Sie damit kein Problem?
Varga: Nein. Die Verhandlung ist öffentlich, hier kann jeder rein, nur Ordnungsstörungen soll es nicht geben.
Reporter: Letztes Mal ließen Sie die Davidsterne abnehmen.
Varga: Ja, denn dabei handelt es sich schon um eine politische Aussage und Stellungnahme, das gehört nicht hier her. Wenn sie auf dem Erzsébet körut (bildete die Begrenzung des Ghettos) mit so einem Stern flanieren, sehe ich das mit Freude,  aber in den Gerichtssaal kommt mir keiner mit so einem Stern. So wie wir auch dem Onkel (dem alten Herrn, Képíró) das Transparent abgenommen haben.
Reporter: Also drückt dieses T-Shirt nichts für Sie aus?
Varga: In der Stadt kann man alles tragen, aber nicht hier im Gerichtssaal.
Reporter: Ich meine das T-Shirt an sich, von HVIM.
Varga: Das stört mich nicht sonderlich.
(Quelle: ATV)

Hier die Urteilsverkündung im N1-NaziTV (1:00), donnernder Applaus bei 1:18.

Keine politische Aussage. Ist der Mann so ahnungslos?

HVIM, die Jobbik nahestehen, sind sehr aktiv und können zu größeren Anlässen Tausende von Mitgliedern und Sympathisanten mobilisieren. So am 4. Juni zur rechtsextremen Demo zum Trianon-Gedenktag, siehe Pester Lloyd: Trianon-Gedenktag in Ungarn in der Hand von Radikalen:

In einem „Gedenkmarsch“ für die abgetrennten ungarischen Staatsgebiete aufgrund des „Gewaltfriedens“ von Trianon 1920 vereinigten sich im wesentlichen rechtsradikale Gruppen, an vorderster Front marschierte die revanchistische „Jugendbewegung der 64 Komitate“ neben Anhängern der Partei Jobbik. Die Árpád-Flaggen, das von den faschistischen Pfeilkreuzlern geenterte Symbol der alten ungarischen Dynastie dominierten die Szene. Am Heldenplatz marschierten die Demonstranten unter Rufen wie „Gerechtigkeit für Ungarn“, aber auch mit antisemtischen und rassistischen Parolen zu den Botschaften von Serbien, der Slowakei und Rumänien.(…)

Sprechchor vor der Botschaft: „Nieder mit Trianon“

Am 18. Juni „demonstrierten“ HVIM gegen den Budapest Pride, siehe mein Post:

Rechtsextreme Gegendemonstration: „Den Strick für die Schwulen“

Angemeldet wurde die Gegendemonstration – direkt auf der Marschroute des Pride – von der rechtsextremen Organisation HVIM (64 Burgkomitate), deren Ehrenvorsitzender der Jobbik-Abgeordnete Gyula György Zagyva ist.
Die „Gegendemonstranten“ skandierten „dreckige Schwulensäue“ und „dreckige Juden“, und hielten Plakate mit der sinngemäßen Aussage „Den Strick für die Schwulen“ hoch. Legitimiert wurde das von der Anwesenheit des Jobbik-Abgeordneten Zagyva; die Polizei schritt nicht dagegen ein.

Für August planen HVIM etwas Ähnliches, nur eine Nummer größer: Sie wollen das Sziget Festival entern, siehe Der Standard: Rechtsradikale planen Demo am Sziget-Festival.

Mehr zu HVIM siehe hier auf diesem Blog.

4 Kommentare leave one →
  1. Karl Pfeifer permalink
    20. Juli 2011 06:26

    Dieser Richter wird sicher Karriere machen, denn die Davidsterne stören ihn, das sind seiner Meinung nach politische Abzeichen, das Abzeichen der Jobbiknahen „64 Komitate“, die eine Revision der Grenzen herbeiführen wollen, sind aber laut Richter Varga nicht politisch, die stören ihn nicht.
    Mich wundert das alles nicht mehr.
    „Laut Szegedi lebt fast eine Million unserer Verwandten in Zentralasien, die für die Ungarn außer der kulturellen Begegnung auch einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten können. Als westliche Bastei des zu schaffenden Bündnis der turanischen Völker kann auch die Revision [der in den Friedensverträgen von Trianon und Paris festgelegten Grenzen K.P.] veritable Realität werden – betonte der Vizepräsident von Jobbik“
    Das erschien am 16. Juli im Budapester Naziblatt „barikád“
    Irgendwie erinnert das alles an die verworrenen „Ideen“ des Ferenc Szálasi, den man in Budapest nach dem Krieg hängte. All das ist Wahnsinn, hat aber Methode.
    Bereits während der Gyurcsány Regierung kamen 2004 Schulbücher auf dem Markt, die ausdrücklich der Ideologie des Pfeilkreuzlertums verpflichtet sind. Das ungarische Nazitum konnte also schon vor den Wahlen 2010 einen Teil der Schuljugend vergiften.
    Eine detaillierte Beschreibung kann man auf http://vilagszabadsag.hu/index.php?f=784
    finden.

    • pusztaranger permalink
      21. Juli 2011 17:32

      „Laut Szegedi lebt fast eine Million unserer Verwandten in Zentralasien, die für die Ungarn außer der kulturellen Begegnung auch einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten können.“
      Mit der Türkei und Iran sind sie groß am Verhandeln, der Jobbik-Stadtrat von Tiszavasvári hat eine Städtepartnerschaft mit Osmaniye/Türkei geschlossen, und der neue Jobbik-Bürgermeister von Gyöngyöspata sagte neulich im Interview, daß sie mit türkischen und iranischen Investoren verhandeln – „nur mit Investoren, deren Ziel nicht ist, Ungarn und Gyöngyöspata zu kolonisieren“ (=jüdische Weltverschwörung).

      „Dieser Richter wird sicher Karriere machen, denn die Davidsterne stören ihn, das sind seiner Meinung nach politische Abzeichen, das Abzeichen der Jobbiknahen „64 Komitate“, die eine Revision der Grenzen herbeiführen wollen, sind aber laut Richter Varga nicht politisch, die stören ihn nicht.“

      Zuroff dazu (wusste ich auch nicht):

      Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Urteil und der derzeitigen politischen Lage in Ungarn?
      Schwer zu sagen, aber möglich wäre es. Es ist vielleicht nicht unwichtig zu erwähnen, dass der Richter kürzlich im Mittelpunkt einer politischen Auseinandersetzung gestanden hat. Er hat einen Prozess gegen mehrere Personen geleitet, die während des sozialistischen Regimes Führer des ungarischen Geheimdienstes waren. Die regierende Partei hätte sie gern im Gefängnis gesehen, doch er weigerte sich. Das Urteil zugunsten von Kepiro könnte man als Wiedergutmachung interpretieren.
      Quelle: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/10876

  2. singa permalink
    1. August 2011 21:49

    diese homepage ist ungefähr genauso nützlich wie ein pickel am ARSCH von einem rotationseuropäer!

    • pusztaranger permalink
      4. August 2011 09:43

      Danke, du mich auch, und treib nur weiter meine Zugriffszahlen in die Höhe.

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