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Das Attentat von Oslo in den völkischen Medien: Zionistischer Terror im kranken Europa

16. August 2011

Jobbik: Attentat von Oslo war zionistischer Terroranschlag

Gábor Vona, Chef der im ungarischen Parlament vertretenen rechtsradikalen Jobbik-Partei, kritisierte das Attentat in Oslo: „Was dort geschah, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und wir hoffen, das dieser Prozess mittels europäischem Zusammenschluss gestoppt werden kann.“ (Die Presse)

Solch beruhigende Töne liest man gern, aber hier hat Die Presse nur die Hälfte mitbekommen:

Jobbik-Parteiorgan Barikád: „Zionistischer Terrorismus: Europas neuer Feind“

Im Artikel dazu heißt es:

7/22. Der europäische Bin Laden ist geboren. Die Hauptfeinde der Demokratie sind nicht mehr die islamistischen Terroristen, sondern die „extremistischen“ und „radikalen“ Haßgruppen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel benannte nach dem Attentat von Norwegen einen neuen Zielpunkt, und die internationale und ungarische Medienwelt folgt sklavisch und greift an, wobei sie die Richtung und den Ausgangspunkt aus den Augen verliert. Nach dem Attentat von Norwegen sagt die ganze Welt dem rechtsextremen Terrorismus den Kampf an, während Europas neuer Feind im zionistischen Terrorismus Gestalt angenommen hat.

(Zu den Unterschieden im Feindbild rechtsextremer Gruppen in Ost- und Westeuropa siehe z.B. Blog The Contrarian Hungarian: Caught in the Web of Hazy Thinking, Hungary’s Jobbik Distances Itself from Norwegian Tragedy.)

Magyar Hírlap: Politische Instrumentalisierung der Tragödie durch Extremisten ist nicht zulässig, aber Breivik hat eigentlich Recht

Die linke Presse spricht von einem rechtsradikalen, xenophoben Täter. Die andere Seite, die Rechtsextremen, sprechen hingegen von einem islamfeindlichen, freimaurerischen, zionistischen Mörder. Und beide Seiten sehen ihre eigene fixe Idee (…) durch Breiviks Massenmord bewiesen. (…) Als ob es nicht völlig egal wäre, ob jemand wegen seiner Rassen- oder seiner Klassenzugehörigkeit ermordet wird. (…) Wer tot ist, ist tot – ob er in Auschwitz oder in (…) (sowjetischen Gulags) ermordet wurde. (…) (Breiviks Manifest) beinthaltet allerdings grobe Wahrheiten. Denn Europa ist in der Tat krank. (…) Europa hat ein Experiment begonnen, bei dem es im Wesentlichen um die zukünftige Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa geht, die Abschaffung der Nationen – und um einen Ansturm von Flüchtlingen auf diesen Erdteil. Dabei tut das politische Establishment so, als ob alles in Ordnung wäre. (…) Früher oder später müssen wir über das Wesentliche reden. Wir müssen uns der Tatsache stellen, daß Europas Seele krank ist und der Neoliberalismus, die Weltordnung des Kapitals und der Multikulturalismus unhaltbar sind. Denn irgendwo, an vielen Orten, schießen viele kleine Breiviks der Zukunft bereits mit ihren Steinschleudern auf Vögel…

… schreibt hier der Fäkal-Antisemit und Orbán-Freund Zsolt Bayer in einem Versuch, als Mann der Mitte ausgewogen den Extremen entgegenzuwirken. (Den vollständigen Artikel siehe unten.)

Regierungsnahe Wochenzeitung Magyar Demokrata: Breivik als nützlicher Idiot von CIA und Mossad

Bei Eurotopics wird Magyar Demokrata als „regierungsnahe rechtskonservative Wochenzeitung“ geführt. Laut Budapost.eu handelt es sich um

a right wing weekly (…) often harshly critical of the West and Israel and therefore situated by experts to the right of the now governing Fidesz party but usually backing Prime Minister Viktor Orbán’s policies.

Der Spiegel:

„Viktor Orbán ist unser Lieblingspolitiker, und wir sind sein Lieblingsblatt“, sagt András Bencsik, Chefredakteur der Wochenzeitung „Magyar Demokrata“. (…) Er zählte zu den Vätern der paramilitärischen Ungarischen Garde, die 2008 gerichtlich verboten und dann als Neue Ungarische Garde wiedergegründet wurde. Ob die schwarze Uniform der Jobbik-Truppe nicht an die SS erinnere, an die Pfeilkreuzler gar? „Ein Witz“, sagt Bencsik: „Auch Schornsteinfeger tragen Schwarz.“ Dass Orbán, Vizevorsitzender der christdemokratischen Europäischen Volkspartei, die Nähe von Männern wie Bencsik nicht scheut, irritiert auch wertkonservative Ungarn.
(Der Spiegel: Der Seiltänzer von Budapest 03.04.2010)

Laut Gregor Mayer/Residenzverlag gehört der Magyar Demokrata zusammen mit Magyar Hírlap und EchoTV zum „unappetitlichen rechtsextremen und antisemitischen“ Fidesz-Vorhof.

2009 weckte internationales Medieninteresse, daß im Magyar Demokrata dazu aufgerufen wurde, die Werke jüdischer Autoren aus den Bibliotheken zu stehlen und zu vernichten, siehe

In der ganzseitigen Kolumne „Norwegen im Visier der Spannungsstrategen“ von István Gazdag (Norvégia a feszültségstratégák központjában. Demokrata XV. evf. 32 szám, 2011 Aug. 10, S. 40) wird der „deklariert Israel-freundliche, christlich-zionistische Breivik“ als „nützlicher Idiot“ bezeichnet, der nur für Andere „die Drecksarbeit erledigt“. Seit Norwegen letztes Jahr aus politischen Gründen große Investitionen aus Israel abgezogen hat, beständen zwischen Oslo und Tel Aviv „schwere diplomatische Spannungen“, ist da zu lesen.

Diese ganze Geschichte stinkt von vorne bis hinten. Man kann schon von Weitem den „Stich“ von CIA, Mossad und ihren Subunternehmern spüren. (…) Angesichts dessen, daß sich das der Welt von der westlichen Finanzoligarchie (lies: Jüdische Weltverschwörung) mit Gewalt aufgezwungene System im Endstadium befindet und ein gewalttätiger Wandel aufzieht, der die ganze Welt ergreifen wird, vervielfacht sich der Druck in der Schattenzone, wie es auch die letzten Vorfälle in Norwegen beweisen. Wir leben in einer gefährlichen Welt, und das Schlimmste steht uns noch bevor. Für die globalen Spannungsstrategen ist es umso besser, je schlechter die Lage für den Rest der Welt ist, und in diesem Interesse schrecken sie von nichts zurück. Wie wir es im Lauf der Geschichte schon von ihnen gewohnt sind.

Der Autor veröffentlicht auch auf dem rechtsextremen, pardon, nationalanarchistischen Blog Ellenkultúra (Gegenkultur) Beiträge wie „Dr. Strauss und Mr. Kahn, oder das Mimikry eines sozionistischen Bankers“, „Es gibt keinen besseren Business als den Shoah-Business“ sowie einen „kritischen“ Beitrag zur Negierung der menschlichen Rassen durch eine voreingenommene Wissenschaft, mit dieser Illustration.

(In dieser Ausgabe des Magyar Demokrata findet sich auch sonst allerhand: In einem anderen Artikel wird als Beispiel für Familientragödien, bei denen Eltern ihre Kinder „aus Liebe töten, um ihnen Leiden zu ersparen“, ausgerechnet die Familie Goebbels herangezogen (S.38); außerdem bietet die Redaktion die Leserreise „Vom Adlerhorst bis München“ zum Oktoberfest an (S. 61).)

Das kranke Europa kurz vor dem apokalyptischen Zusammenbruchist ein Topos, der sich auch in Viktor Orbáns Rede in Baile Tusnad / Tusnádfürdő vom 24.7.2011 findet (Deutsche Übersetzung Adam Majorosi, Blog Stargarten).

*

Zsolt Bayers Kolumne vom 26.7.2011 im Magyar Hírlap, Übersetzung Pusztaranger:

Sechsundsiebzig

76 Tote hat Breivik, der norwegische Farmer, hinterlassen.

Und hinter diesem unaussprechlichen Entsetzen scheint sofort schon der nächste Schrecken hervor: Die Diskussion darüber, im Namen welcher Ideologie er seine schreckliche Tat begangen hat.

Die linke Presse spricht von einem rechtsradikalen, xenophoben Täter. Die andere Seite, die Rechtsextremen, sprechen hingegen von einem islamfeindlichen, freimaurerischen, zionistischen Mörder.

Und beide Seiten sehen ihre eigene fixe Idee (…) durch Breiviks Massenmord bewiesen.

Herrgott… als ob das nicht egal wäre!

Und als wäre das nicht immer egal gewesen.

Als ob es nicht völlig egal, ob jemand wegen seiner Rassen- oder seiner Klassenzugehörigkeit  ermordet wird, im Interesse einer schöneren Zukunft (Anm.: Anspielung auf Jobbik).

Wer tot ist, ist tot – ob er in Auschwitz oder in (…) (sowjetischen Gulags) ermordet wurde. Die Parallelen treffen sich schon viel eher, nicht etwa im Unendlichen, das beste Beispiel dafür ist Stalin und Hitler, und alles, was sie zusammen und jeder für sich verbrochen haben.

Breivik, der norwegische Farmer, hat 76 Menschen umgebracht. Zumindest soweit wir bis jetzt wissen. Und wie jeder Massenmörder hat auch er seine Tat ideologisiert. Breivik auf 1500 Seiten.

Und diese 1500 Seiten, bzw. die Details, die wir bisher daraus kennengelernt haben, beinthalten allerdings grobe Wahrheiten. Genau darum ist das Ganze so schrecklich, wenn überhaupt etwas schrecklicher sein kann als 76 Tote.

Denn Europa ist in der Tat krank.

Und hier ist bei Weitem nicht von der Wirtschaft die Rede. (…) Europas Seele ist krank. Und wird jeden Tag kränker.

Mit den unzähligen überfüllten Flüchtlingsschiffen, Barken und Seelenverkäufern, die sich den Ufern Europas nähern, wird Europa krank. (…)

(…) Europa hat ein Experiment begonnen, bei dem es im Wesentlichen um die zukünftige  Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa geht, die Abschaffung der Nationen – und um einen Ansturm von Flüchtlingen auf diesen Erdteil. Dabei tut das politische Establishment so, als ob alles in Ordnung wäre, und sagt mit monotoner Stimme den dummen politisch korrekten Text auf wie der Grundschüler seine Lektion, daß Anderssein (másság, wörtlich Differenz, auch Umschreibung für Homosexualität) zu respektieren sei.

Und währenddessen schreibt Breivik, der norvegische Farmer, sein Lebenswerk auf 1500 Seiten auf und zieht zum Morden los.

Und ein europäischer Teenager von heute mit seiner unglaublichen, himmelschreienden Ungebildetheit (…) wird in Breiviks Text 1500mal mehr Wahrheit finden als in nichtssagendem (…)Politikergewäsch.

Das heißt, früher oder später müssen wir über das Wesentliche reden. Wir müssen uns der Tatsache stellen, daß Europas Seele krank ist und der Neoliberalismus, die Weltordnung des Kapitals und der Multikulturalismus unhaltbar sind.

Denn irgendwo, an vielen Orten, schießen viele kleine Breiviks der Zukunft bereits mit ihren Steinschleudern auf Vögel…

Kommentare (kleine Auswahl):
78. turanida
2011-07-26 10:32:14
Niederträchtiger Doppelstandard! >>>>>was ist der Unterschied zwischen  1X76 und 76X1??????<<<< Wenn die aufgestachelten ungarischen Zigeuner ein solches Waffenarsenal hätten wie dieser Typ es zur Hand hatte, würden sie bei jeder Gelegenheit 76 Magyaren jagen und abschießen, anstatt sie einzeln zu erschlagen, wie sie es einfach AUS SPASS tun, so wie auch dieses Wochenende.

37. másrészt
2011-07-26 08:25:48
Warum zählt nur als Terrorismus, wenn jemand mit Bomben mordet? Da gibt es auch die Wechselkurs-Terroristen, die Banken. Wie viele Menschen haben sie kaputt gemacht, auf die Straße gesetzt, wie viele Leute haben Selbstmord begangen, weil die Multis sie (…) rausgeschmissen haben und sie ihren Kredit nicht abzahlen konnten, oder die Raten auf das Doppelte angewachsen sind. Das ist der wahre Terrorismus. Aber die haben die Macht und produzieren solche Mißgeburten wie diesen Trottel. Die wahren Terroristen auf der Welt sind die J.u.d.e.n. Nur dürfen die alles, wegen dem Holocaust. Und du bist per se Faschist.

31. Bödön Ödön
2011-07-26 07:53:59
Man muß sich diese jungen norwegischen „Linken“ mal ansehen. Die sind nicht in Norwegen so braun geworden. Die europäische Linke ist die Hure des jüdischen Finanzkapitals, siehe den roten Kohn-Bendit (sic) und Co. So tief ist das von den Juden in jeder Hinsicht zerstörte „christliche“ Europa inzwischen gesunken. (…)

20. Taltosfia
2011-07-26 07:20:10
(…) So eine Explosion würde auch den Parteizentralen von MSZP-SZDSZ-MDF-Fidesz guttun…

Anmerkung: Wie das neue Mediengesetz bei solchen Leserkommentaren greift, siehe mein Post Antisemitismus unter dem ungarischen Mediengesetz: ver.di an ungarischen Botschafter.

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