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„Holocaustindustrie“ im Ungarischen Parlament

16. September 2011

Vorgeschichte zum Fall Képíró:

Am 12.9.2011 haben Jobbik den Fall Képíró im ungarischen Parlament noch einmal zur Sprache gebracht. Kurzzusammenfassung:

  • Képíró ist „zionistischem Amoklauf zum Opfer gefallen“
  • Efraim Zuroff und der Staatsanwalt sind für Képírós Tod verantwortlich
  • Laut Képírós (Jobbik)Anwalt war der Prozeß „Teil des gewerbsmäßigen Ethnobusiness“
  • Das Simon Wiesenthal Center ist „Teil der Holocaustindustrie“ (sic)

Wer glaubt, daß Jobbik-Vize Novák bei seiner fünfminütigen Wortmeldung vom Vorsitzenden unterbrochen und zurechtgewiesen wurde, oder daß sie irgendwelche Folgen für ihn hatte, täuscht sich – der ganz normale Wahnsinn eben.

Übrigens haben laut der aktuellen Umfrage des Fidesz-nahen Nézőpont vom September Jobbik die MSZP inzwischen überholt und sind zweitstärkste Partei (zumindest bei den sicheren Wählern).

Wortmeldung von Jobbik-Vize Előd Novák im Parlament am 12.9.2011

(Übersetzung Pusztaranger)


(Video vom Naziportal Kuruc.info)

Vorsitzender: „(…) es folgt die Wortmeldung des Herrn Abgeordneten Előd Novák mit dem Titel „Sándor Képíro ist zionistischem Amoklauf zum Opfer gefallen“. (Anm.: Er liest das tatsächlich so vor.) Ich erteile Ihnen das Wort, mit einem Zeitrahmen von 5 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.“

Előd Novák: “ (…) Geehrtes Parlament, Dr. Sándor Képíro, Hauptmann der  königlichen ungarischen Gendarmerie, ist im 98. Jahr seines Lebens am 3. September 2011 verstorben, und, wie Sie, Herr Vorsitzender, es auch schon gesagt haben, dem zionistischen Amoklauf zum Opfer gefallen. Das  Jerusalemer Simon Wiesenthal Center, das als Teil der Holocaustindustrie funktioniert, sucht sich zur Rechtfertigung seiner Betreibung  Ziele für seine Haßkampagnen, aber fand nur diesen unschuldigen, ehrenhaften Patrioten, gegen den es einen Schauprozeß einleitete.

(Edit 18.9.2011: Hier ist mir was Wichtiges entgangen, hiermit nachgeliefert, kursiv:)

Mein Fraktionskollege Ádám Mirkóczi hat bereits im Frühling in einer (…) Wortmeldung seine Stimme gegen den aufgrund fingierter Anklagen (koholt vád alapján) eingeleiteten Prozess erhoben, und nun müssen wir gegen Efraim Zuroffs pietätsverletzende, unmenschliche Äußerungen die Stimme erheben. Dieser gewerbsmäßige Jude (megélhetési zsidó), der sich selbst als letzten Nazijäger bezeichnet, (…) bezeichnete es als einen kleinen Sieg der Justiz und seinen einzigen Trost, daß der Prozeß zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes des ehemaligen Gendarmeriehauptmanns beigetragen haben dürfte. Die Äußerung, die allgemeine Empörung auslöste, hatte dennoch keine Distanzierungen von Personen des öffentlichen Lebens zur Folge. Denn viele befürchten den Vorwurf des Antisemitismus. (…) Den sogenannten Antifaschisten ist alles erlaubt, so konnten sie laut neuster Informationen die Turulstatue im XII. Bezirk mit WC-Papier schänden.* Die Polizei war vor Ort und verhinderte die Aktion, einen magyarenfeindlichen Landfriedensbruch, nicht.
Der Anwalt Sándor Képírós, Zsolt Zétényi, bezeichnete den erneuten Strafprozeß als Teil des gewerbsmäßigen Ethnobusiness. Er hat uns auch verraten, daß Efraim Zuroff bei der Staatsanwaltschaft aus- und eingeht, als wäre dort sein zweites Büro. Vertreter der Anklage war Staatsanwalt Zsolt Falvai, auch dieser ein Magyarenhasser, nach dessen Ansicht es keine Straftat ist, die Nationalhymne zu schänden, weshalb er auch Krisztina Morvais Anzeige abgewiesen hat, die bemängelte, daß die Polizei der orangenen Diktatur (Fidesz-KDNP) die Feier der Ungarischen Nationalen Garde am 15. März (Nationalfeiertag) auflöste, während die Nationalhymne gesungen wurde, unter dem Vorwand , daß die Gardisten in militärischer Formation standen.

(War auch so, siehe hier und hier im Video)

Derselbe Zsolt Falvai war der leitende Staatsanwalt zur Zeit der Gyurcsány-Regierung, er veranlaßte die unbegründete Untersuchungshaft von etwa zweihundert Demonstranten im Herbst 2006.  Und er ist immer noch im Amt, nach dem Freispruch  Sándor Képírós ging er in Berufung, weil der Freispruch seiner Ansicht nach ungerechtfertigt war. Efraim Zuroff und Zsolt Falvai haben den Hauptmann der Gendarmerie zu Tode gehetzt (hajszolták halálba), der sich vor seinem Schauprozeß noch bester Gesundheit erfreute. (…) Jobbik Bewegung für ein Besseres Ungarn vertraut darauf, daß möglichst viele Sándor Képíró die letzte Ehre erweisen. Jetzt, wo kein einziger Abgeordneter in den Reihen der Regierungsparteien geblieben ist, und am Sitzungsende auch keine Mitglieder der Regierung mehr anwesend sind,  möchte ich sie wenigstens auf dem Wege des Protokolls darauf aufmerksam machen, daß der Gottesdienst zu Ehren Sándor Képíros am Sonntag, den 18.9. um 16.00 in der reformierten „Kirche der Heimkehr“ am Freiheitsplatz des  V. Budapester Bezirks stattfindet (Anm.: Der Gemeinde des antisemitischen Hetzers und Jobbik-Pastors Lóránt Hegedüs), seine Beerdigung am (Datum, Ort.)
(…) Wir haben genug von dem Doppelstandard, die wahren kommunistischen Mörder leben immer noch mitten unter uns. (…) Wir bleiben nicht auf halbem Weg stehen.“

*

*) So geschehen diese Woche.

Warum die so sauer werden, wenn man ihren Nazibroiler „schändet“, siehe Magdalena Marsovszky: „Heiliger Turul, steh uns bei!“ Ungarns völkische Wende und die Sakralisierung der Nation.

Update 18.9.2011:

Die Facebook-Gruppe „Vessünk véget a Horthy-korszak dicsőítésének“ („Machen wir der Glorifizierung der Horthy-Ära ein Ende“) hat LMP und MSZP um Stellungnahme zu Nováks Wortmeldung gebeten, die ihrer Ansicht nach den Straftatsbestand der Holocaustleugnung erfüllt. Morgen müßten die ersten Reaktionen kommen. Der betreffende Satz (Képíró-Prozess aufgrund „fingierter Anklagen“) war mir zuerst entgangen, ist jetzt aber drin.

Und die „Turulschänder“ (Facebook-Gruppe Joggal a Jobbik ellen – Auf dem Rechtsweg gegen Jobbik) werden von Jobbik angezeigt. Die Polizei des XII. Bezirks hat ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet, so Barikad.hu. Hier geht es wieder um Jobbiks Steckenpferd, die Anwendung des Minderheitenparagraphen zum Schutz der bedrohten, beleidigten und terrorisierten Magyaren.

Fortsetzung folgt.

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8 Kommentare leave one →
  1. Saki permalink
    17. September 2011 01:46

    Wir sind dabei es zu bekämpfen sei es seite von neonazi Partei „Jobbik“ oder aber auch Staatspartei „Fidesz“ (letztendlich sind die beide ähnlich faschistoid und ideologisch verbunden). Bitte um hilfe und auch internationale Unterstützung und solidalität!
    Vielen Dank!

  2. Patriot permalink
    17. September 2011 16:43

    Schade, dass die Rede so brutal umfrisiert wurde.

    • pusztaranger permalink
      17. September 2011 17:28

      Du kannst uns gerne eine wortgetreue, vollständige Übersetzung machen.

  3. 18. September 2011 07:29

    Ich bin gespannt auf die Übersetzung des Patrioten. Der Abschnitt über die Luxusrentner ist zwar auch ganz nett, hat aber mit Képíró eher weniger zu tun.
    Was nur am Ende in der Rede anklingt und von Pusztaranger auch übersetzt wurde, ist die Tatsache, dass das Parlament praktisch bereits leergefegt war, als diese Flachfeile endlich reden durfte. Er meint, die Regierungsbank sei leer. Aber ich habe den Eindruck, auch seine Chefs hatten bereits Besseres zu tun, Vona sehe ich in der ersten Reihe jedenfalls nicht.

    • pusztaranger permalink
      18. September 2011 13:01

      Die Flachfeile spricht hier in erster Linie für das Nazi-Portal Kuruc.info, seinen heißen Draht aus dem Parlament ins Internet. Er ist einer der Leute hinter Kuruc.info, und jeder Furz, den Jobbik im Parlament tun, wird von kuruc.info sofort auf youtube eingestellt und erreicht das ganze rechtsextreme Spektrum, und darum geht es Jobbik mit solchen Auftritten. In diesem Fall haben Jobbik erreicht und dokumentiert, daß im ungarischen Parlament Worte wie „Holocaustindustrie“, „zionistischer Amoklauf“, „gewerbsmäßige Juden“ etc. gefallen sind und daß dort zu einem Gedenkgottesdienst für einen Naziverbrecher aufgerufen wurde, und das alles dokumentiert im Parlamentsprotokoll nnd im Netz. Kehren die anderen Fraktionen ihnen im Parlament einen Augenblick den Rücken zu, scheißen sie auf den Teppich und kommen damit durch.

      Derzeit schießt kuruc.info sich (wieder) auf Zsolt Falvai, den Staatsanwalt im Képíró-Prozess ein. Die Leser werden aufgefordert, ihnen seine privaten Kontaktinformationen zu besorgen (7.9.). Die dürften bald im Netz stehen, und dann kann der aufrechte ungarische Patriot politischen Druck von Unten auf den magyarenfeindlichen Judenfreund ausüben. Das hatte kuruc.info schon nach den Krawallen von 2006 gemacht – private Kontaktinformationen von Richtern und Staatsanwälten ins Netz gestellt; den Prozeß, den es 2009 deswegen gab, haben sie 2011 aus Mangel an Beweisen in erster Instanz gewonnen, und offenbar geht das jetzt in die nächste Runde, mit Morvai-Gaudi & Co im Rücken.
      Als ich das letzte Mal bei webaudit.hu nachgeschaut habe, hatte kuruc.info höhere Zugriffszahlen als das Regierungsorgan Magyar Nemzet.

  4. Karl Pfeifer permalink
    23. September 2011 09:16

    Nun gibt es schon zwei weitere Skandale. Budapest hat dem linken Schriftsteller Ákos Kertész die Ehrenbürgerschaft der Stadt,mit den Stimmen der völkisch-klerikalen Fidesz-KDNP und der rassistischen, antisemitischen und homophoben Jobbik, aberkannt.
    Der Oberrabbiner i.R. József Schweitzer sollte einen Kulturpreis bekommen. Er konnte sich einen Laudator wählen und dieser – Univ.Prof. Dr. Géza Komoróczy – wurde aufgefordert die Rede der Preiskommission zu zeigen. Die Kommission wollte den Hinweis auf den aktuellen Antisemitismus in Ungarn zensurieren. Doch Komoróczy willigte nicht ein und so hat Schweitzer in Solidarität mit seinem alten Freund Komoróczy den Preis abgelehnt.

  5. 1. Oktober 2011 18:08

    Herr Karl Pfeiffer, es ist höchst bewundernswert, wie Sie laufend Skandalen im Ungarnlande auf der Spur sind und solche selbst- und kompromisslos aufdecken. Wenn all dies sich in Dänemark zutragen hätte, müsste ich sagen, es stinke bis zum Himmel im Staate Dänemark. Doch die Dänen sind auch in diesen Fällen absolut unschuldig.

    Ob dieser neuesten skandalösen Entwicklung, die die Welt nun von Ihnen erfährt, bin ich bass erstaunt. Die Frage aller Fragen ist nun: Wie hat man dem ehrenwerten dem Herrn Oberrab-biner Schweitzer diesen Bären, den Dr. Komoróczy, als Laudator aufbinden können?

    Komoróczy hat 1997 in einem Interview (HAVI FIKSZ 1997. 8. szám) folgendes erzählt: Anlässlich eines Fluges nach Jerusalem wurde ihm nach dem Einstieg ins Flugzeug eine Zeitung in hebräischer Sprache in die Hand gedrückt(wohl die Yedioth Aharonoth), in der Naftali Krausz einen längeren Artikel über die Lage der Juden in Ungarn veröffentlicht hatte. Darin behauptete er, dass Komoróczy der Verderber der ungarischen Juden sei, der oberste Paskan (hebräisch: der Entscheidungsträger in Religionsfragen, decisor), mit einem Bart wie die frommen jüdischen Ahnen. Er bestimme, was in den jüdischen Lehren gelte, und dabei hätte er sich diese Ehre zu unrecht angeeignet, denn er sei ein Goj (d.i. die gängige jüdische Bezeichnung für alle Nichtjuden).

    Der weltberühmte Journalist, Schriftsellet und Philosoph Naftali Krausz – für Sie bestimmt auch kein Unbekannter -, ist in Ungarn geboren und kann wie Sie ausgezeichnet ungarisch. Er ist mittlerweile zwar etwas bejahrt, doch rüstig genug, um – wie Sie geehrter Herr Karl Pfeiffer – die Welt auf etwaiges Unheil, das aus Ungarn droht, zeitig aufmerksam zu machen.

    Herr Naftali Kraus hat also den Dr. Komoroczy als unerwünsch-ten Streber, als Kukcksei im jüdischen Nest, bereits vor Jah-ren entlarvt. Angesichts dieser unleugbaren, geschichtlichen Tatsachen stellt sich für einen die Frage, wie gelang es die-sem durchtriebenem Orban Viktor mit seiner FIDESZ den Herrn Oberrabiner so zu verblenden, dass er einen solchen Typ als Laudator akzeptiert?

    Für einen unvoreingenommenen doch logisch denkenden Beobachter muss die Ähnlichket von FIKSZ und FIDESZ sofort mehr als ver-dächtig vorkommen. Demzufolge wäre es recht naheliegend, dass Komoroczy – ein Undercoveragent von Orban und seiner konserva-tiv-nationalen Landsleuten? – für den etwaigen Bedarfsfall, wie zB. als Laudator für den Herrn Oberrabiner Schweitzer, von langer Hand präpariert und vorbereitet worden sei.

    Sie, Herr Karl Pfeiffer, als profunder Kenner der ungarischen Szene, kommen in diesem, für andere undurdringlichen Dickicht offensichtlich ausgezeichnet zurecht, sehen viel klarer als die gewöhlichen, unbedarften Nachrichtenkonsumenten. Auf die Gefahr hin, dass Sie mir hierin prinzipiell nicht folgen kön-nen oder dürfen, frage ich Sie: Könnte es an meiner Vermutung nicht doch etwas wahres daran sein, dass diesmal Viktor Orban, die ungarische Regierung, oder die FIDESZ nicht als Allein-täter, sondern auch die sog. ungarischen linksliberalen Oppo-sitionellen als Mittäter die Hand im Spiel haben dürften? Denn dieser Herr Dr. Géza Komoróczy wurde in den Jahren, als die linksliberale Koalition von MSZP-SZDS an der Macht war, nach Israel eingelschleust.

    Wäre es diesen teuflischen Ungarn (Um der ahnungslosen Welt Sand in die Augen zu streuen!) nicht sogar auch solch ein verwerflich-arglistiges Zusammenspiel, quasi ein gesamtunga-risches Schauspiel, zuzutrauen?

    Wenn man bedenkt, was man so alles in der letzten Zeit über die nationalistisch verseuchten, völkisch-klerikalen, rassi-stischen, antisemitischen und homophoben Ungarn erfährt und von sachlich-kompetenter Seite zu lesen bekommt…?

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