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Propalästinensische Demonstration in Budapest – Jobbik-Sympathisanten skandieren „dreckige Juden“

24. September 2011

Wie ungarische Rechtsextreme eine propalästinensische Demonstration dazu benutzten, um “dreckige Juden” zu skandieren, schildert Gergõ Plankó auf dem ungarischen Internetportal Index.

Übersetzt und redigiert von Karl Pfeifer.

Palästinenser und Jobbik-Sympathisanten haben eine Demonstration in Budapest vor dem ungarischen Parlament abgehalten, dabei Propagandalieder gesungen und Luftballons steigen lassen.

Die Palästinensisch-Ungarische Gemeinschaft demonstrierte für die Anerkennung eines unabhängigen Palästina. Die Veranstaltung wurde von einem palästinensisch-ungarischen Studenten mit einem Zitat von Nelson Mandela beendet: „Nur ein freier Mensch verhandelt, der Inhaftierte spricht nicht mit seinem Gefängniswärter“.

Die Demonstration ging vom Bemplatz über die Margitbrücke zum Parlament. Die ungefähr einhundert Teilnehmer waren gut zu unterscheiden. Es waren einerseits palästinensisch-ungarische Jugendliche und Palästinenser, die in Ungarn leben, die ihren charakteristischen Schal trugen und in gelöster Stimmung waren. Begeistert skandierten sie ihre Parolen über ein freies Palästina auf ungarisch und arabisch.

Die andere Hälfte der Demonstranten bestand aus Jobbik-Sympathisanten, beziehungsweise solchen, die kein Geheimnis daraus machten, dass sie hier gegen Juden demonstrieren.


(Bilder: index.hu)

Bereits am Bemplatz waren laute antisemitische Parolen zu hören. Charakteristisch war die Szene, als die Palästinenser skandierten, „ Jetzt, Jetzt“ (für die Anerkennung Palästinas), die hinter ihnen gehenden Ungarn das aber missverstanden und “dreckige Juden” schrieen.

Jobbik nahm nicht als Veranstalter teil, mehrere Palästinenser sagten, dass es keine offizielle Verbindung gab, nur ein paar einzelne Unterstützer waren gekommen. Von der Partei Jobbik waren die Abgeordneten Márton Gyöngyösi (Anm. PR: Vizevorsitzender des Auslandsausschusses des ungarischen Parlaments) und Gábor Staudt zugegen, am Kossuthplatz schloss sich auch der reformierte Pfarrer und antisemitische Hetzer Lóránt Hegedűs jun. (Anm.: und seine Frau, ebenfalls Jobbik-Abgeordnete) an.

Als der stellvertretende Botschafter Elian Keshwani am Kossuthplatz sprach, konnte man vorne kaum Palästinenser sehen, die Juden beschimpfenden Ungarn waren im Vordergrund. Eine Frau wurde von Keshwani aufgefordert, sich zu beruhigen.

Eine palästinensische Studentin bedankte sich für die Teilnahme der Jobbik-Abgeordneten.

Nachdem die Luftballons aufgestiegen waren, wurde die Veranstaltung friedlich beendet, die palästinensischen Jugendlichen verließen den Platz in guter Laune, einige andere beschimpften noch weiter die Juden. Wie in einer echten Weltstadt.

Quelle: Index.hu, Video.

Anmerkung Pusztaranger: Im Video ist zu sehen, wie die Studentin sich bei Jobbik für die Unterstützung bedankt (3:50). Sie sagt auch, sie seien nicht hergekommen, um Israel und die Juden zu beleidigen, sondern um für ein freies Palästina zu demonstrieren (4:00), was die Sache aber nicht besser macht. Eine Organisatorin sagt, es sei allgemein bekannt, daß Jobbik auf der Seite der Palästinenser sei (3:37).
Die Rechtsextremen haben diese Demo als Plattform für sich genutzt, und die Palästinenser hatten sichtlich nichts dagegen.

Zur Erinnerung:

Jobbik geht es nicht um die Araber per se, sondern um den Protest gegen die „jüdische Weltverschwörung“, die Ungarn „bedroht“. Sie symphatisieren mit den Palästinensern, weil sie direkte Parallelen zur Situation der patriotischen Magyaren im eigenen Land sehen – die Regierung („judeobolschewistische Diktatur“, damals MSZP, heute zunehmend Fidesz-KDNP) will „das ungarische Volk“ zu „Palästinensern im eigenen Land“ machen, wogegen es zu kämpfen gilt. So erscheinen Jobbik-PolitikerInnen bei öffentlichen Auftritten gern im Palästinensertuch.

2009 war Krisztina Morvai als Rednerin zu einer Konferenz des Palestinian Return Centre (PRC) in London eingeladen. Nach Protesten von anderen Teilnehmern (englischen Parlamentariern, aber auch dem Vizevorstand des Muslim Council of Britain) wurde sie wieder ausgeladen, siehe mein Post.

Der Haßprediger Lóránt Hegedűs junior gründete 2007 eine Initiative namens HAMASZ als „Rettungsmaßnahme für das von Israel bedrohte Ungarn“. HAMASZ sprach von der „Besetzung Ungarns durch Israel mit wirtschaftlichen Mitteln“ und forderte die Überprüfung aller israelischer Firmen und Privatpersonen in Ungarn  („und/oder solcher Firmen, die israelischen Interessen dienen“), darauf hin, ob ihre Investitionen in Ungarn legal getätigt worden seien. Die „hiesigen Verantwortlichen, die Politiker und Geschäftsleute, die zur Untergrabung unserer Souveränität beigetragen haben,“ sollten „exemplarisch bestraft“ werden, siehe mein Post. Darunter fallen für die ungarischen Rechtsextremen auch die aktuellen Ermittlungen gegen Ex-Premier Gyurcsány in der „Sukoro-Affäre“, an der eine israelisch dominierte Investorengruppe beteiligt war (siehe z.B. Der Standard).

Hegedűs‘ Frau, Enikő Kovács Hegedűs Lorántné, zeigte 2008 in einem Kellerkino den Film „Jud Süß“ mehrmals und mit großem Erfolg, siehe u.A. Süddeutsche.  Als Protokollführerin des Parlaments war sie Mitunterzeichnerin von Viktor Orbáns „Deklaration der nationalen Einheit“ (NENYI).

2010 beging Jobbik am 9. September demonstrativ den  „Tag der arabisch-ungarischen Freundschaft“, siehe mein Post.

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