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Zivile Massenproteste in Budapest am 23. Oktober: Im Kessel zwischen Fidesz und Jobbik?

8. Oktober 2011

Der Nationalfeiertag am 23. Oktober 2011 ist ein symbolisch hochbrisantes Datum – es ist der 55. Jahrestag des Ungarnaufstands von 1956, sowie der 5. Jahrestag der Krawalle von 2006. Derzeit sind in Budapester Innenstadt auf engstem Raum drei parallele Großdemonstrationen angemeldet – Zwischenfälle vorprogrammiert.

Demo 1: Massenprotest gegen die Regierung

Die Facebook-Gruppe „Eine Million für die Pressefreiheit“ (Egymillióan a magyar sajtószabadságért, EMS) konnte dieses Jahr die bislang größten zivilen Proteste seit der Wende mobilisieren (dazu siehe auch Pester Lloyd: Die Republik der Bürger), und rechnet für ihre bereits im Juli angemeldete Demonstration am 23.10. mit etwa 100 000 Teilnehmern.

Demo 2: Fidesz blockiert den Protest mit eigener Veranstaltung

Am 4. Oktober meldete Fidesz direkt daneben eine Großveranstaltung an, „um der Opfer der Polizeigewalt von 2006 zu gedenken.“ (Karte s.u.)

Für zeitgleich am selben Ort angemeldete Veranstaltungen gibt es kein Vorrecht nach Anmeldedatum, und Fidesz bestand aus „Gründen der Tradition“ auf diesem Ort der Fidesz-Großveranstaltung von 2006 – hier soll klar an die Geschehnisse von 2006 angeknüpft werden, die Fidesz-Veranstaltungen 2010 und 2009 fanden anderswo statt.

Am Donnerstag wollten die Veranstalter der EMS-Demo auf einem Mediationstermin im Polizeipräsidium die Verlegung der Fidesz-Veranstaltung von der Astoria-Kreuzung um zwanzig Meter in die Rákóczi út erreichen, um die Zugangs- und Fluchtwege für die EMS-Veranstaltung (Múzeum krt und Károly krt) freizuhalten.

Dem kam Fidesz nicht nach, und sieht auch keine Sicherheitsprobleme.

EMS bezeichnen dies als verantwortungslos und lebensgefährlich.

Update: EMS-Organisator Péter Juhász zur Blockade durch die Fidesz-Großveranstaltung, mit englischen Untertiteln (cc unten rechts anklicken).

Polizei entscheidet

Jetzt ist es Sache der Polizei, zu prüfen, inwiefern die beiden Veranstaltungen parallel abgehalten werden können.  Wenn die beiden Seiten sich nicht einigen können, wird die Polizei das betroffene Gebiet gegebenenfalls räumen.

(Index, hvg, atv-Interview mit EMS-Organisator Péter Juhász; siehe auch: Blog The Contrarian Hungarian: Hungarian Government to Block Opposition Protest on October 23 With Protest of Its Own

Und als ob das nicht schon genug wäre:

Demo 3: Jobbik-Großversammlung

Parallel hat Jobbik inzwischen eine eigene Großveranstaltung am József Nádor tér angekündigt. Die Ankündigung findet sich in der ersten Ausgabe des neuen Gratis-Parteiblatts „Hazai Pálya“, das derzeit mit einer Auflage von 1,2 Milionen (!) über die Partei und als Postwurfsendung unters Volk gebracht wird. In derselben Ausgabe fordern Jobbik lautstark Neuwahlen. Der Jobbik-Protest richtet sich sowohl gegen die Regierung als auch traditionell gegen die „Kommunisten und Linksliberalen“, wie sie bei EMS vermutet werden.

Die drei Veranstaltungen auf der Karte:

A. Jobbik-Demo
B. EMS-Demo, vom Brückenkopf bis Astoria (C).
Die Kreuzung C ist durch die Fidesz-Demo blockiert; die Menge kann sich nur durch kleine Seitenstraßen und am Donauufer zerstreuen, dort fährt aber weiter der Verkehr.
C. Fidesz-Demo bis Blaha Lujza tér (D)

Wenn das so stattfinden kann, dürften sich die Teilnehmer der EMS-Demo nach dem Ende der Veranstaltung zwischen Fidesz und Rechtsextremen eingekesselt finden. Gewalttätige Zusammenstöße sind vorprogrammiert.

Update 11.10.2011: Aufruf von EMS auf Facebook:

We are asking all of you to participate in our email campaign!

von One Million for the Freedom of Press in Hungary, Dienstag, 11. Oktober 2011 um 09:46

Although the negotiations with Fidesz re policing the 23 October demo reached no result, but EMS still believes in the power of democratic discussion, so we are asking everybody to write protest letters to Fidesz at fidesz@fidesz.hu , and to send a copy to us at szamizdat2010@gmail.com.

Fidesz wants to hold its event at Astoria immediately before the „Dont like the system?! Demonstrate!” which we announced several months ago for Szabad sajtó út on 23 October. Due to the proximity of the two sites, and the expected size of the crowds we find it hard to imagine that the two demos can be held at the same time without difficulties.

Although the negotiations with Fidesz re policing the 23 October demo reached no result, but EMS still believes in the power of democratic discussion, so we are asking everybody to write protest letters to Fidesz at fidesz@fidesz.hu , and to send a copy to us at szamizdat2010@gmail.com, so we can share them on our ever-growing blog site.

 

Update 20.10.2011: Fidesz hat die Massendemo abgesagt, weil Viktor Orbán am Nationalfeiertag in Brüssel ist, und ohne Orbán keine Fidesz-Massendemo. Siehe ausführlich bei Hungarian Spectrum: Why isn’t Fidesz holding a rally on October 23?

(…) An opinion piece that appeared in Index pretty well claims that Fidesz was afraid of the anti-government demonstration and its own power to attract enough people. Thus, in fact, Orbán’s required attendance at the summit on the national holiday came as a blessing. They were most likely relieved that the rally could be cancelled.

There are signs of a growing fear that Fidesz can no longer draw such large crowds. (…)

 

 

4 Kommentare leave one →
  1. 8. Oktober 2011 13:15

    Ich wage zu bezweifeln, dass irgendjemand in der Verwaltung den Mumm haben wird, die Fidesz-Veranstaltung noch verlegen zu lassen. Wenn es offiziell keinen Vorrang wegen frühen Anmeldens gibt, wird sich auch niemand finden, der sich von einem Gefühl der Fairness bewegen lässt. Bleibt den Demokraten nur, sich absolut friedlich zu verhalten und sich nicht provozieren zu lassen. Oder die eigene Veranstaltung zu verlegen. Die Szabad sajtó út ist natürlich ein symbolischer Ort, wegen des Namens. Aber es gäbe ja noch Alternativen. Wichtig ist, dass die Veranstaltung stattfindet und nicht wo. Und hier nachzugeben würde von gesundem Menschenverstand zeugen, der bei Fidesz offensichtlich fehlt. Ich würde ja den Orbán tér in Buda vorschlagen, wo Orbánhegyi und Istenhegyi út zusammentreffen…

  2. Viviane Takács permalink
    9. Oktober 2011 08:02

    raise your voices

  3. Peter Kataona permalink
    10. Oktober 2011 05:50

    Ganz prominent mit Anküdngiung aus der Jauch-Sendung heraus kam gestern in der ARD ein Bericht über die Stimmung in Ungarn:
    http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,5vuwj9ekx2a4t55m~cm.asp

    „Raise your voice“ – lassen wir die mutigen Ugnarn nicht allen: Wir sollten alle unsere EU-Abgeordneten anschreiben und sie auffordern, für die Meinungs- und Medienfreiheit in Ungarn einzutreten und Orban in die Schranken zu weisen.

    • pusztaranger permalink
      11. Oktober 2011 08:09

      Aufruf von EMS auf Facebook:

      We are asking all of you to participate in our email campaign!
      von One Million for the Freedom of Press in Hungary, Dienstag, 11. Oktober 2011 um 09:46

      Although the negotiations with Fidesz re policing the 23 October demo reached no result, but EMS still believes in the power of democratic discussion, so we are asking everybody to write protest letters to Fidesz at fidesz@fidesz.hu , and to send a copy to us at szamizdat2010@gmail.com.

      Fidesz wants to hold its event at Astoria immediately before the „Dont like the system?! Demonstrate!” which we announced several months ago for Szabad sajtó út on 23 October. Due to the proximity of the two sites, and the expected size of the crowds we find it hard to imagine that the two demos can be held at the same time without difficulties.

      Although the negotiations with Fidesz re policing the 23 October demo reached no result, but EMS still believes in the power of democratic discussion, so we are asking everybody to write protest letters to Fidesz at fidesz@fidesz.hu , and to send a copy to us at szamizdat2010@gmail.com, so we can share them on our ever-growing blog site.

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