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Gute Nacht, Ungarn!

21. Oktober 2011

von Gregor Mayer ©, veröffentlicht auf der Facebook-Seite Aufmarsch – die rechte Gefahr aus Osteuropa, 17.10.2011.

Die FIDESZ-geführte Budapester Stadtverwaltung überlässt eines der bedeutenderen Theater der Hauptstadt den bekennenden Antisemiten und Rechtsextremisten István Csurka (ehemaliger Dramatiker) und György Dörner (Schauspieler).

István Csurka war vor der Wende einer der begabteren Theaterschriftsteller des Landes. Seine Stücke zeugten von einem gewissen urbanen Witz. Sie nahmen die Zustände im Realsozialismus auf die Schaufel, ohne die Tabu-Grenzen des Systems wirklich zu überschreiten. Nach dem Volksaufstand 1956 wurde Csurka als junger Mensch interniert, danach unter Druck für den kommunistischen Geheimdienst angeworben. Mehr oder weniger unabhängig davon pflegte der mit Preisen dekorierte Autor ein seltsam vertrautes Verhältnis zum Kultur-Papst der Kádár-Ära, György Aczél (1917-1991). Er war mit dabei, als noch vor der Wende mit tätiger Mithilfe national-kommunistischer Kreise (unter dem Schutzschirm des im Westen als „Reform-Kommunisten“ missverstandenen Imre Pozsgay) das national-konservative Ungarische Demokratische Forum (MDF) gegründet wurde. Unter dem eher moderaten József Antall (1932-1993) gewann das MDF 1990 die ersten freien Wahlen. Csurka vertrat darin den ultra-rechten Flügel, fiel zunehmend mit rechtsradikalen und offen antisemitischen Parolen auf und verließ 1993 das MDF, um bald darauf die Ungarische Gerechtigkeits- und Lebenspartei (MIÉP) zu gründen, die erste rechtsextreme Partei nach der Wende mit einem wahrnehmbaren Wählerpotenzial. Nach seinem Einstieg in die Politik schrieb Csurka keine Theaterstücke mehr, sondern nur mehr noch Polemiken, Hass-Tiraden und sonstiges Gegeifer für seine Partei-Publikationen. Er war der erste, der nach der Wende in einer breiten Öffentlichkeit neue Codes des Antisemitismus definierte („Tel Aviv-New York-Paris-Achse“) und Rassismus gegen die Roma predigte („unter denen die Strenge der natürlichen Auslese nicht funktioniert“). Von 1998 bis 2002 war seine MIÉP sogar im Parlament vertreten. Sie war nicht in die damalige, FIDESZ-geführte Regierungskoalition eingebunden, aber fallweise kooperierten FIDESZ und MIÉP bei der Beschädigung der Demokratie, so etwa bei der Gleichschaltung der öffentlich-rechtlichen Medien. Hier war bereits das Muster angelegt, wie Orbáns FIDESZ, ohne mit Rechtsextremisten eine formale Koalition zu bilden, sie in ihre machtpolitischen Kalküle einbindet und damit auch Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld zu einflussreichen Posten verhilft.

Bei der Wahl 2002 scheiterte die MIÉP an der Fünfprozent-Hürde. Während sich einige von Csurkas Führungsstil tief frustrierte Jungfunktionäre an der Gründung der – nach wenigen Jahren ungleich erfolgreicheren – Jobbik beteiligten, versank der ultra-rechte Patriarch in der politischen Bedeutungslosigkeit. Irgendwelche Geldquellen müssen ihm aber über die Jahre erhalten geblieben sein, denn bis heute veröffentlicht er sein Hetzblatt „Magyar Fórum“ (Ungarisches Forum). Aus dessen Beobachtung wissen wir, dass sich Csurka bündnismäßig langsam Orbáns FIDESZ herangearbeitet hat, ohne auch nur die geringsten Abstriche an seiner antisemitischen und rechtsextremen Diktion und Ideologie vorzunehmen. (Siehe dazu auch die Zusammenstellung des Bloggers „Pusztaranger“ unter den Quellen am Ende des Postings.)

Der Schauspieler György Dörner (57) verfügte in jungen Jahren über nicht unbeträchtliches komisches Talent. (Der Autor dieser Zeilen kann sich an eine geniale Aufführung von Raymond Quenaus „Stilübungen“ mit ihm erinnern, die als Abschlussarbeit der darin auftretenden Schauspielschul-Absolventen als Sensation gefeiert worden war und dann noch gut 15 Jahre oder noch länger in Budapest zu sehen war.) Nach der Wende schloss er sich Csurka an und vollzog auch für sich selbst die geistige Hinwendung zum Rechtsradikalismus. Die Demonstrationen und Aufmärsche der ungarischen Rechtsextremisten triefen stets von nationalistischem Kitsch, und zu dessen Darbietung braucht es Schauspieler wie Dörner, deren donnernde Bass-Stimme den entsprechend übertriebenen Pathos zu erzeugen vermag. So war es nur logisch, dass Dörner nach dem Aufstieg der Jobbik sein mächtiges Stimmorgan immer wieder auch den Jung-Extremisten lieh.

Zugleich verlor er nicht aus den Augen, dass er kulturelle Machtpositionen nur mit der Unterstützung des FIDESZ würde erlangen können. So darf es nicht verwundern, dass er sich kurz vor dem – für die Rechtspopulisten triumphalen – Urnengang 2010 als FIDESZ-Wähler outete. Die Jobbik sei „eine andere Kategorie, diese Partei ist durch das allgemeine Bedürfnis nach nationalem Radikalismus geschaffen worden“. Und weiter: „Viele halten es für selbstverständlich, dass ich ein Jobbik-ler sei“, vertraute er der FIDESZ-Wochenzeitung „Heti Válasz“ an. „Aber sie irren sich. Ich wähle nach meiner besten Einsicht, ich ziehe ins Kalkül, dass, wenn der FIDESZ einen starken Wählerauftrag erhält, er auch allein in der Lage sein wird, die neue Verfassung zu billigen.“ So war es im April 2010 absehbar, und so kam es auch. Die neue Verfassung mit ihrer Berufung auf Gott, Revisionismus und heilige Stephanskrone enthält viele Inhalte, die Rechtsradikalen wie Dörner gefallen. Dennoch: „In der Tiefe meines Herzens wünsche ich mir aber, dass die MIÉP lebte und florierte; und wenn sie genügend Kraft für die Umsetzung eines national-radikalen Programms hätte, würde ich ihr stolz meine Stimme geben.“

Jemand mit dieser Geisteshaltung könnte theoretisch dazu fähig sein, eine Bühne von der Größe des „Új Szinház“ (Neues Theater) – Umsatz (2011): ca. 4 Mio. Euro, Subventionen (2011): ca. 1,5 Mio. Euro, 366 Sitzplätze – zu führen. Ihn oder sie damit zu betrauen, wäre eine eminent politische Entscheidung. Der Posten des Direktors (Intendanten) wurde öffentlich ausgeschrieben, außer dem bisherigen, langjährigen Leiter István Márta bewarb sich nur Dörner. Aus der Bewerbung Dörners geht klar und eindeutig hervor: dieser Mann ist nicht dazu fähig, ein Theater dieser Bedeutung zu führen. Wie eminent politisch war erst diese Entscheidung des FIDESZ-Oberbürgermeisters István Tarlós ?

Damit der geneigte Leser dies ansatzweise zu ermessen vermag, sei im folgenden der Abschnitt „Künstlerische Konzeption“ aus Dörners Bewerbung in vollständiger Übersetzung wiedergegeben, versehen mit ein paar Anmerkungen, die das Verständnis der spezifisch ungarischen Bezugnahmen erleichtern sollen . An sich hätten die Unterlagen geheim bleiben sollen, doch irgendjemand ließ sie dankenswerter Weise dem Internet-Portal „atlatszo.hu“ des ungarischen Aufdeckungsjournalisten Tamás Bodóky zukommen:

Im Einklang mit der Ausschreibung möchte ich das Új Színház (Neues Theater) als Arsenal der ungarischen Werte leiten. Das gegenwärtige Repertoire würde ich nur so lange im Spielplan halten, so lange dies für die Aufrechterhaltung der Kontinuität unbedingt erforderlich ist. Meine Bewerbung habe ich für das Új Színház eingereicht, denn auf dieses lautet die Ausschreibung, doch den Namen des Theaters würde ich ändern, weil er falsche Vorstellungen weckt. Er signalisiert, dass alles, was neu ist, deshalb auch schon einen Wert darstellt. Dem ist aber nicht so. Wenn etwas nur deshalb neu ist, damit es dies von sich verkünden kann, dann kann es sehr wohl auch, insbesondere unter der entarteten (sic!), krankhaften liberalen Hegemonie, retrograd sein, oder Tand. Mit Zustimmung des Trägers würde ich die Firma (sic!) in Hátország Színház (Hinterland-Theater) umbenennen. (Bald darauf erklärte Tarlós, dass er der Umbenennung nicht zustimme. Mal sehen. Die Rechten wird das gewiss nicht daran hindern, unter der Hand den von Csurka/Dörner kreierten nom-de-guerre zu verwenden, G.M.)

Das Hinterland symbolisiert das unter dem sozial-liberalen Joch schmachtende Ungartum. Es meldet den für die gesamte Nation lebenswichtigen Rückeroberungs-Anspruch an. Zum ersten, kleinen, aber nicht unbedeutenden Schlagabtausch dieser Rückeroberung kann dieses Theater beitragen. Das Ungartum startet die Rückeroberung vom Hinterland aus, mit seinen unterdrückten, in den Hintergrund gedrängten, verschwiegenen, weggeschobenen nationalen Werten, mit seinen Bornemisszas, Csokonais, aber auch mit László Németh und Gyula Illyés bis hinauf zu deren heutigen Nachfolgern. Diese Rückeroberung richtet sich gegen die von der liberalen, Budapester Witzwelle (die Stigmatisierung des „Pester Witzes“ ist klar antisemitisch konnotiert, G.M.), von der Geldmacherei und neuerdings vom liberalen Entertainment-Staat häufig auf das Niveau von Bordellen reduzierten Brückenköpfe.

Der Entertainment-Staat ist das Produkt des im Globalismus aufgegangenen liberalen Staats des 20. Jahrhunderts, ein spezifisch amerikanisches Produkt. Der Entertainment-Staat ist gleichermaßen ein geschäftlicher wie ein politischer Trick. Der Staat bietet den Massen dünne, leere Freizeit-Gestaltung, die Unterhaltung als solche ist staatliche Aufgabe – die freilich von Privatfirmen erledigt wird -, Menschenrecht und zugleich Konsum. Sie ist eine eigene Form der Gehirnwäsche. Sie schaltet den Massenmenschen aus dem öffentlichen Leben und der Kultur aus und macht ihn ungeheuer beeinflussbar. Der Mensch, der unterhalten wird, ist nicht Teilnehmer, nicht Teil des kulturellen Feldes, des Geschehens, sondern passiver Betrachter. Seine Aktivität kommt bestenfalls in seiner Verschaukelung zum Ausdruck, wenn ihm sein Star im Drogenrausch vorgeführt wird. Die Macht des Entertainments hat sich natürlich auch im Theater ausgebreitet. Auch in Ungarn ist das offenkundig. Das Theater der gesamten Demszky-Ära (Gábor Demszky, liberaler Oberbürgermeister von Budapest in der Zeit 1990-2010, G.M.) war in den Dienst des Unterhaltungs-Business gestellt. Dieser liberalen, unterhaltungsindustriellen Anspruchslosigkeit möchte das Hinterland-Theater den Krieg erklären, da es ein Theater des ungarischen Dramas ist, was die Rückkehr zum griechischen Schicksalstheater bedeutet. Die Rückkehr zum Theater des Aischylos und des Sophokles, zum Theater Shakespeares, das zu jeder Zeit die aktuellesten nationalen und dynastischen politischen Fragen, die Existenzfragen aufwirft, und zu jenen ungarischen Theater-Traditionen, die der „Banus Bánk“ (Tragödie von József Katona, 1791-1830, G.M.) und die „Witwe Karnyó“ (Komödie von Miháy Csokonai Vitéz, 1773-1805, G.M.) verkörpern – die zur Erbauung dienten und in das ungarische Schicksal hineinriefen. Ich bestreite nicht – warum sollte ich es auch tun ? -, dass der Gedankengang nicht ganz der meinige ist, dass ich ihn mir nur zueigen gemacht habe, weil ich mich mit ihm identifiziere. Dieser Gedankengang ist von István Csurka, von meinem väterlichen Freund, der zu diesem wiederum durch das Studium der Schriften von Tamás Molnár (auch: Thomas Steven Molnar, 1921-2010, Vordenker der Neuen Rechten und Verehrer des Antisemiten und Vichy-Kollaboranten Charles Maurras, 1868-1952, G.M.), des größten ungarischen katholischen Philosophen, gelangt ist. Der Gedanke, dieses Theater zu der dem ungarischen Drama geweihten und den Kampf aufnehmenden Werkstatt zu machen, stammt von ihm (István Csurka, G.M.). Es hat ihn tief verletzt, als er sah, dass das ungarische Drama zwischen die Wände der kleinen Studiobühnen gezwängt wird, während der angelsächsische oder New Yorker Boulevard, mit oder ohne Musik, in den unterhaltungsindustriellen Großbetrieben der Großtheater herumprotzt. Das ist ein unhaltbarer Zustand, wie auch immer und wie sehr auch immer er verteidigt und propagiert wird. Eine gesunde Nation kann nicht ohne eigene Theaterkultur existieren. Es muss sein, dass die die ungarischen Schicksalsfragen verhandelnden Werke entstehen, dass die die politischen und historischen Fragen im Einklang mit den ungarischen Interessen darstellenden Werke geschrieben werden, nötig wie ein Brocken Brot sind die Revelationen, die erlittenen (sic!) schriftstellerischen und theatralischen Schöpfungen. Es wird also, wenn wir so weit kommen, ein Theater des Mitredens sein, mit vielen Feinden und einer nur langsam wachsenden Zahl von Freunden und Kampfgenossen, weil es die erste Aufgabe dieses Theaters sein wird, ein Publikum für sich zu gewinnen. Dieses Theater ist nur vorstellbar als eines, das zusammen mit seinem Publikum schöpferisch tätig ist. Seine Zuseher muss es sich aus dem gesamten ungarischen Hinterland rekrutieren, aus den ungarischen Menschen, die sich den Gedanken des Nationalstaates zueigen gemacht haben. Wir könnten es auch das „Theater der Schimmernde Winde“ nennen („Fényes szelek“ – sogenannte „Generation der schimmernden Winde“, die erste, aus Arbeiter- und Bauerfamilien stammende Intellektuellen-Generation, die sich nach 1945 begeistert an den Aufbau des Sozialismus machte und dann von der stalinistischen Praxis enttäuscht wurde, auch der Film „Die Konfrontation“ von Miklós Jáncsó aus 1969 hat dies zum Thema, G.M.), wenn das kommunistische Gewürm diese Bewegung nicht desavouiert und gegen sich selbst aufgebracht hätte. Eine gerechte Bodenverteilung ist auch heute aktuell, eine gerechte Theater-Verteilung ebenso. Das muss man verstehen.

Nachdem es in Budapest im Wesentlichen kein Nationaltheater gibt, muss einen Teil der Aufgaben das Új Színház übernehmen. Deshalb muss es dieses Theater tun, weil es in der Hauptstadt derzeit keine Kulturpolitik gibt, die danach streben würde. Die Arbeit des Nationaltheaters besteht aus drei Komponenten: es pflegt die klassischen Werte des nationalen Dramas, es stellt die neuen, zeitgenössischen Strömungen vor, und es bezeugt mit der Darbietung der klassischen Stücke den gegenwärtigen Stand des nationalen Schauspiels. Insofern sich diese theatralische Kraft und Begabung im Falle klassischer ungarischer Draman ausdrückt, ist dies eine besondere Freude und hervorgehobene Aufgabe. Als klassischen ungarischen Wert betrachte ich die ständige Pflege von solchen Stücken im Repertoire, die für ganze Generationen wichtig sind, damit sie ein Bild von der Dramenliteratur gewinnen. József Katona, Gergely Csiky, Vörösmarty (die großen ungarische Klassiker, G.M.) oder auch die ganzen weniger bekannten Autoren der zeitgenössischen ungarischen Dramenliteratur verdienen, dass sie in werkzentrischer Regie auf die Bühne gebracht werden. Das ist so zu verstehen, dass wir uns das gegebene Werk nicht als Experimentierfeld des Regisseurs vorstellen, sondern dass wir, unter Berücksichtigung der Erwartungen des zeitgenössischen, modernen Theaters, eine werknahe Darstellung für vorrangig halten. (Anhand des Stückes „Mann und Frau“ von Madách (Imre Madách, 1823-1864, außerhalb Ungarns eventuell durch seine „Tragödie des Menschen“ bekannt, G.M.) soll der Zuseher nicht das Talent oder die Talentlosigkeit des Regisseurs erkennen, sondern die Geistigkeit, die Aussage, den Schmerz des gegebenen Werkes.)

Für äußerst wichtig halte ich es – wir sind im letzten Augenblick -, dass die ungarischen Autoren der 1960er-, 1970er-, 1980er-Jahre auf würdige Weise gespielt werden. Die theatralischen Werke von László Németh (1901-1975, der heutigen ungarischen Rechten als Vertreter des geistigen Antisemitismus der 1930er-Jahre wichtig, G.M.), Sarkadi (Imre Sarkadi, 1921-1961, behandelte in seinen Dramen häufig das Schicksal der Landbevölkerung im Realsozialismus, G.M.) , Gyurkovics (Tibor Gyurkovics, 1931-2008, „contributed lyrically grotesque pieces in the tradition of the Budapest comedy“, heißt es in der „Columbia Encyclopedia of Modern Drama“, G.M.) müssen eine ständige Spielstätte erhalten, in würdiger Umsetzung. In den letzten 20 Jahren hat man diese Schriftsteller und ihre Werke aus den Köpfen von Generationen getilgt. Dieser Prozess ist vielleicht noch umkehrbar. Notwendig ist ein den Traditionen dieser Meister entwachsendes neues ungarisches Drama. Das unter meiner Leitung stehende Theater wird seine hervorgehobene Aufmerksamkeit darauf richten, dass es mit jenen jungen Schriftstellern Kontakt hält und den Kontakt zu ihnen sucht, die sich zu diesen Werten und Traditionen mit ihren eigenen heutigen und modernen Mitteln bekennen und sie weiterentwickeln können. Auch die Werke der großen Gestalten des zeitgenössischen Dramas und die des vorigen Jahhrunderts, die aus den ehemals ungarischen Gebieten jenseits der heutigen Grenzen stammen, fallen langsam der Vergessenheit anheim. Die Dramen von Sütö (András Sütö, 1927-2006, ungarischer Schrifsteller aus Siebenbürgen, der immer wieder die Volksgruppen-Frage thematisierte und dem bei anti-ungarischen Ausschreitungen im März 1990 in Tirgu Mures ein Auge ausgeschlagen wurde, G.M.), Páskándi (Géza Páskándi, 1933-1995, ungarischer nationalistischer Schriftsteller aus Siebenbürgen, in Rumänien politisch verfolgt, ab 1974 in Budapest lebend, G.M.), Sándor Tomcsa (1897-1963, ungarischer Komödienautor aus dem Széklerland, G.M.) und anderen werden nicht einmal mehr von den ungarischen Theatern jenseits der Grenzen gespielt (möglicherweise interessieren sich die Ungarn in diesen Ländern nach 20 Jahren Demokratie nicht mehr so sehr für sie, G.M.) Das Új Színház ist deshalb dazu geeignet, und die Ausschreibung entspricht dem auch deshalb, weil, wenn neben diesen ungarischen Werken auch die klassischen oder zeitgenössischen Werte der Weltliteratur vertreten sind, die beiden Komponenten einander verstärken. Das Új Színház betont und zeigt, wo neben den klassischen europäischen oder amerikanischen Werken der Platz des nationalen ungarischen Dramas ist. Das Wesen der künstlerischen Konzeption besteht also darin, dass in jedem Fall, sei es, dass wir das in den Vordergrund gestellte nationale ungarische Drama, sei es, dass wir die klassischen europäischen Werte aufzeigen, das Drama vorrangig ist, sein Gehalt – und dafür, zur Entfaltung dessen, bedarf es der Regiearbeit und nicht umgekehrt. Und was wesentlich ist: im Mittelpunkt steht der Schauspieler, für den wir die Rollen aus dem Reservoir der von uns für maßgeblich erachteten Werke aussuchen. Die Reihenfolge ist nämlich die folgende: vom Ensemble ausgehend suche ich das gegebene Werk, das am besten zum Entwicklungsstadium des Ensemble-Mitglieds passt, und erst danach suche ich mir den Regisseur, der dazu fähig ist, den Wert des Stückes und der schauspielerischen Arbeit hervortreten zu lassen.

In Ungarn gibt es nur wenig von dem, was hier abfällig als „Regietheater“ abgetan wird. Dem Duo Csurka/Dörner geht es um etwas anderes: sie wollen das Theater mit nationalistischem, revisionistischem und klerikalem Inhalt und Pathos aufladen.

Das geht auch aus den „Konkreten Vorstellungen in Hinblick auf die kommende Saison“ hervor, die ebenfalls Teil der abstrusen Bewerbung sind und hier gleichfalls in vollständiger Übersetzung wiedergegeben seien:

– Ich möchte jene Werke aus dem gegenwärtigen Repertoire auf dem Spielplan behalten, die in meine Komzeption passen und die vom Publikum eindeutig unterstützt werden. Diese möchte ich so lange spielen, so lange Interesse für sie besteht.

– Nachdem der neue Direktor ab dem 1. Februar (2012, G.M.) arbeiten wird, plane ich für den Rest der Saison zwei Premieren: die des Dramas „Gregor der Siebte“ von László Németh über den Märtyrer-Papst, und die eines Lustspiels, das ein ungarischer Autor unter Pseudonym geschrieben hat, mit dem Titel „Weil’s so für die Mama gut ist“.

– In der Saison 2012/13 sind, neben den noch im Repertoire befindlichen Werken, Premieren von Werken aus der folgenden Aufstellung geplant:

auf der Hauptbühne:

  • István Csurka: Kampf der Schriftstellerverbände (dieses und der „Sechste Sarg“ wären Csurkas erste Dramen seit mehr als 30 Jahren, G.M.)
  • József Nyírö: Der Jesus-Schnitzer
  • (József Nyírö, 1889-1953, siebenbürgischer Pfarrer, Schriftsteller und Redakteur der unter dem Horthy-Regime herausgegebenen Propaganda-Illustrierten „Magyar Erö“ /Ungarische Kraft/, G.M.)
  • Vörösmarty: Zaláns Flucht
  • Gyula Illyés: Die Nadelmacher (eine Komödie aus dem ländlichen Raum, G.M.)
  • Ibsen: Die Frau vom Meer
  • Csokonai: Die Witwe Karnyó
  • István Csurka: Der sechste Sarg
  • Ein neues ungarisches Drama, nach entsprechender Ausschreibung, wenn es bis dahin fertig ist

auf der Studiobühne:

  • Sándor Tomcsa: Die Operation
  • András Sütö: Kain und Abel

Für die Saison 2013/14 Premieren von Werken aus folgender Aufstellung:

  • Áron Tamási: Singvogel
  • Gyula Hernádi: Der Dolmetscher
  • Magda Szabó: Dieser schöne, strahlende Tag
  • József Ratkó: Hilf dem König!
  • Schiller: Die Räuber
  • Sándor Petöfi: Tiger und Hyäne
  • Tibor Gyurkovics: Chefvisite
  • Sándor Márai: Die Glut

auf der Studiobühne:

  • Sarkadi: Simeon auf der Säule
  • Károly Szakonyi: Wenn du noch bliebest
  • James Joyce: Vebannte
  • István Sárospataky: Tanz-Pest

Dörner listet auch noch die Regisseure und Theater in den ungarischen Volksgruppen-Gebieten auf, mit denen er bereits über eine Zusammenarbeit verhandle – ein reiner Bluff, denn die erwähnten Theaterleute und Bühnen wussten gar nichts von ihrem zweifelhaften Glück. Jiri Menzel, der Altmeister des tschechischen Films und Theaters, der in der Vergangenheit oft mit Márta kooperiert hatte, teilte in einem Brief mit, dass er von Dörner nie kontaktiert worden sei und mit ihm auch nicht zusammenarbeiten werde. Im Falle des – gleichfalls überrumpelten – siebenbürgischen Regisseurs László Bocsárdi war der Bewerber um den Direktorsposten nicht einmal in der Lage, dessen Vornamen richtig anzugeben. Aus László wurde Miklós – so viel zu der stets gebetsmühlenartig vorgebrachten Hochschätzung für die ungarischen „Nationsbrüder“ aus den vor-Trianon’schen ungarischen Ländereien.

Die Bewerbungen Dörners und Mártas wurden von einem Fachausschuss der Gemeinde beurteilt, in dem sechs Experten aus der Theaterszene und zwei von der (FIDESZ-)Politik delegierte Mitglieder saßen. Die Experten sprachen sich geschlossen gegen Dörner und für Márta aus, der zwar vor 13 Jahren sein Mandat von der damaligen links-liberalen Stadtverwaltung erhielt, aber inzwischen auch – was recht selten ist – für das andere Lager akzeptabel gewesen wäre. Einer der beiden Polit-Delegierten stimmte für beide (!) Kandidaten, einer nur für Dörner. Das Votum des Ausschusses hatte keine bindende Wirkung. Oberbürgermeister Tarlós, der auf einem FIDESZ-Ticket in das Amt gewählt worden war und deshalb in entscheidenden Fragen den Willen Viktor Orbáns vollstrecken muss, entschied sich für Dörner.

Die bizarre Personalie löste einen Sturm der Entrüstung aus. Über Facebook organisierten sich Theaterleute, Szenefreunde und andere schockierte Bürger, um vor dem Új Színház gegen die skandalöse Ernennung zu demonstrieren. Online zirkuliert eine Protest-Petition unter dem Titel „Az nem lehet“ (Das kann doch nicht sein) gegen die Schaffung von „Ungarns erstem Neo-Pfeilkreuzler-Theater“ – siehe Links am Ende des Postings. Tamás Ascher, einer der sechs Experten des besagten Ausschusses und selbst einer der profundesten Regisseure des Landes, stellte im Gespräch mit dem Theater-Portal „szinhaz.hu“ fest: „Im ungarischen Theaterleben ist es mehrfach vorgekommen, dass bei der Ernennung von Direktoren die Politik – das gilt für beide Lager – nachhalf. Diese Theaterleiter verrichteten dann ihre Sache gut oder schlecht, doch noch nie kam es vor, dass sie die ihnen übertragene Theaterstätte zum Sprachrohr politischer Propaganda umorganisiert hätten.“

Selbst Attila Vidnyánszky, der vielleicht einzige profilierte Regisseur des Landes mit offen eingestandener FIDESZ-Bindung, haderte mit der Entscheidung der FIDESZ-Politik: „Es ist dies nicht der erste Fall, dass die Hauptstadt ohne konkrete Vision und klare Vorstellung entscheidet. Auch hinter dieser Entscheidung erblicke ich Improvisation und Ungeschicklichkeit.“ Neun Budapester Theaterdirektoren schrieben an Tarlós: Dörners Bewerbung sei „kein fachlich begründetes Konzept, sondern ein radikales Manifest, dessen empörender Inhalt im Europa des Jahres 2011 inakzeptabel ist“. Tarlós blieb unbewegt. Er halte es für „inakzeptabel, dass selbst die kleinste Veränderung bei den Theaterdirektoren eine derart aggressive Haltung auslöst“, ließ er über eine Sprecherin ausrichten. Die Causa sei für ihn abgeschlossen.

Denn Viktor Orbán ist, wie es in Budapest die Spatzen von den Dächern pfeifen, schon seit längerem der Ansicht, dass György Dörner ein reputierliches Theater erhalten müsse. Zugleich ordnet der autoritär angewandelte Regierungschef alle seine politischen Handlungen einem einzigen Ziel unter: der Einzementierung seiner persönlichen Macht. Er glaubt, dass er dazu auch eine starke Ideologie benötigt, eine Ideologie des Bruchs mit dem, was vor ihm war, das heißt, mit allem, was links, liberal, konsensuell ist, was im weiteren Sinne dem Gang und der Logik der modernen repräsentativen Demokratie mit ihren Balancen und Kontrollmechanismen folgt. Zur Rechtfertigung der Demontage dieses „Systems“ stützt er sich auf populistische Herrschaftslegitimationen, auf den Kult der „starken Nation“, auf Ideologeme von Theoretikern der „Konservativen Revolution“ und der an sie anknüpfenden Neuen Rechten, auf den Antikommunismus des Mitteleuropas der Zwischenkriegszeit, der immer zugleich auch ein Antisemitismus ist, was im Schlagwort von der „Judeo-Kommune“ zum Ausdruck kommt. Hierzu passt die von Dörner in seiner Bewerbung angekündigte „Rückeroberung“ des nationalen Kulturraumes aus dem geistig neu aufgerüsteten „Hinterland“ heraus wie die Faust aufs Auge.

Als Vorsitzender einer Partei, die dem Verbund der Europäischen Volksparteien (EVP) angehört, vermeidet es Orbán freilich, diese Ideologie selbst allzu prägnant zu vertreten. Das tun andere für ihn. Das Medien-Imperium der FIDESZ-nahen Geschäftsleute, darunter die Tageszeitung „Magyar Hírlap“ und der Fernsehsender Echo TV, bietet jede Menge Plattformen für die Verbreitung dieser Ideen. Darüber hinaus werden echte Rechtsradikale in entsprechende Schlüsselpositionen gehievt. Das Duo Csurka/Dörner ist kein Einzelfall. Es sei hier nur an den Fall des Medienmanns Dániel Papp erinnert, der aus der Jobbik kommt, als Redakteur beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen den Bericht über eine Budapester Pressekonferenz des europäischen Grünen-Politikers Daniel Cohn-Bendit fälschte und dann zum Chef der neuen, bei der staatlichen Agentur MTI angesiedelten, gleichgeschalteten Nachrichtenredaktion für die Gesamtheit der Öffentlich-Rechtlichen gemacht wurde.

Orbán, Csurka und die Jobbik treffen sich in dem Ansinnen, die vermeintliche Hegemonie der Links-Liberalen – für die Rechts-Rechten sind das immer auch die „Juden“ – im ungarischen Kulturleben bzw. in der gesamten ungarischen Geistessphäre zu zerschlagen. Die Rechtsausläufer des FIDESZ und die Jobbik-Leute betrachten die „Rückeroberung“ der unter dem „sozial-liberalen Joch schmachtenden“ (O-Ton Dörner-Bewerbung) Besitzstände des „Ungartums“ als Selbstzweck, denn sie glauben ernsthaft daran, dass die Welt am ungarischen Wesen zu genesen hat. Für Orbán und seine Clique ist es eher ein Vorwand, um Bestehendes zu vernichten, die frei gewordenen Positionen mit den eigene Mamelucken zu besetzen und damit die eigene Macht bis zum St. Nimmerleinstag zu festigen.

An den Theatern außerhalb von Budapest lässt sich das schon seit längerem beobachten, wie Mária Vásárhelyi bereits 2008 in der Wochenzeitung „Élet és irodalom“ schrieb. Denn dort fand die Wachablöse schon 2006 statt, als die Linke unter dem Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány die Parlamentswahl noch zu gewinnen vermochte, aber bei den Kommunalwahlen im unmittelbar darauffolgenden Herbst – nach Gyurcsánys erstem Sparpaket, nach dem Bekanntwerden seiner berüchtigten „Lügenrede“ und nach den anschließenden, von der Jobbik initiierten Straßenschlachten in Budapest – grausam abstürzte. Die Theaterdirektoren werden von den Gemeinden ernannt, doch seit dem FIDESZ-Sieg im Herbst 2006 entscheidet in dieser Hinsicht die Partei-Zentrale und insbesondere der langjährige Orbán-Vertraute László Kövér, heute Parlamentspräsident. Auch in der Provinz gab es bis dahin einige ausgezeichnete Theater mit anspruchsvollen Leitern und Regisseuren und auch einem Publikum, das sie schätzte. An erster Stelle stand das Theater von Kaposvár, das vor der Wende mit seinen bahnbrechenden, innovativen, mutigen, oft an der Kippe zu Absetzung und Verbot durch die Zensur wandelnden Aufführungen ungarische Theatergeschichte schrieb (etwa mit dem unglaublichen, das Tabu der Revolution von 1956 evozierenden „Marat/Sade“ von Peter Weiß) und das auch nach dem Ende des Kommunismus gesellschaftspolitisch engagiertes, kontroverses und spannendes Theater machte (z.B. die auch nach Berlin eingeladenen Roma-Revue „Nur ein Nagel“ der Brüder Mohácsi). Zu beachten waren aber auch die Theater in Szolnok, Györ, Kecskemet und Eger. Praktisch überall wurden die Leiter durch dritt- und viertklassige Regisseure und Schauspieler ersetzt, deren einziges hervorstechendes Merkmal ihre bedingungslose Loyalität zu Viktor Orbán ist. Ihre Tätigkeit erschöpft sich darin, die Hinterlassenschaft ihrer Vorgänger zu vernichten und durch seichte, beliebige, als „volksnah“ etikettierte Theaterei zu ersetzen.

Die Direktoren-Bestellungen in den Provinztheatern, schrieb Vásárhely 2008 – und diese Linie setzt sich jetzt, nachdem auch Budapest eine FIDESZ-gelenkte Verwaltung hat, auch in der Hauptstadt fort -, „handelt nicht bloß davon – was übrigens auch der politischen Praxis der gegenwärtigen (2008: sozial-liberalen) Regierung nicht fernsteht -, dass, unter Missachtung der fachlichen Gesichtspunkte die eigenen Leute zum Zug kommen, sondern dass Tradition, Werte, Interessen und Wünsche von zivilen Gemeinschaften nichts zählen. Nur eines zählt: das politische Interesse und die Demonstration von Stärke.“ Die Soziologin erwähnt außerdem, dass sie einige Jahre zuvor mit ihren Mitarbeitern eine Erhebung über die Theatergewohnheiten der erwachsenen Bevölkerung durchgeführt hatte. „Die Forschungsergebnisse bestätigten unsere alltägliche Erfahrung, dass das Theater nach der Wende die einzige kulturelle Institution blieb, die ihre Fähigkeit, ein Publikum anzuziehen, bewahrt hat – in den Theatern laufen die meisten Vorstellungen auch heute noch vor vollem Haus.“ Eine der wenigen kulturellen Wohltaten des kommunistischen Kádár-Systems sei es gewesen, dass es die Menschen zu Theatergehern gemacht hat. „Die Gemeinschaft der Theaterbesucher bleibt dieser Gewohnheit auch heute mit überraschender Hartnäckigkeit treu.“

Den Kreuzzug gegen diese gewachsenen Inseln der Civitas führen Orbán und seine Getreuen auch in anderen Bereichen. Die Staatssekretärin für das Unterrichtswesen, Rózsa Hoffmann, eine klerikale Feindin aller pädagogischer Ideen, die nach 1900 aufkamen, arbeitet derzeit an einer monumentalen Schul(anti)reform. Dieser liegt eine beispiellose Zentralisierung zugrunde, mit einer seit der Wende nie gesehenen Vereinheitlichung der Lehrpläne und Schulbücher. Nicht, dass alles ideal wäre im ungarischen Schulwesen – aber nach dem Ende des Kommunismus hat sich ein buntes, plurales Nebeneinander von Schultypen, Methodiken und Schwerpunkt-Ausrichtungen herausgebildet, das die Pluralität der ungarischen Gesellschaft recht treffend reflektiert und den Eltern eine anständige Palette von Wahlmöglichkeiten einräumt. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Lehrer, Eltern und heranwachsenden Kinder sollen gefälligst kuschen. Das von Frau Hoffmann propagierte preußische Erziehungsideal des 19. Jahrhunderts soll aus dem Nachwuchs gehorsame Patrioten und Untertanen formen. Der Publizist László Seres wies im Portal „hvg.hu“ darauf hin, dass Hoffmann & Co. nicht mehr von der Bildungspolitik (közöktatás), sondern von der „Erziehungspolitik“ (köznevelés) sprechen. Angestrebt werde die „Verstaatlichung der Kinder“, meinte Seres.

Zur Durchsetzung dieser Projekte – und Theater und Schulwesen sind nur zwei Beispiele für die Felder einer als total gedachten (Konter-)Revolutionierung der Gesellschaft – stützt sich das Orbán-System auf zwei Typen von Erfüllungsgehilfen: den speichelleckerischen Karrieristen, der durch die FIDESZ-Partei und die von ihr verteilten Posten und Privilegien bei der Stange gehalten und diszipliniert wird; und den ideologischen Überzeugungstäter, der aber häufig nur unter den Rechtsradikalen vorzufinden ist, dann aber in das FIDESZ-System kooptiert und mehr oder weniger erfolgreich integriert wird.

Viktor Orbán, Unterrichts-Staatssekretärin Hoffmann, István Balsai, der FIDESZ-treueste unter den FIDESZ-treuen Verfassungsrichtern, Orbáns Busenfreund und Chef-Kommentator Zsolt Bayer (auch er wie Csurka ein bekennender Antisemit): sie alle sind von den Rechtsradikalen, mit denen sie sich immer wieder fallweise verbünden, ideologisch gar nicht mehr so weit entfernt. Gemeinsam mit ihnen ziehen sie das Projekt der Verleugnung der Moderne, der Verachtung für die Aufklärung, der Rückkehr zu vor-demokratischen Zuständen durch. Was wir derzeit sehen, sind erst die Anfänge. Gute Nacht, Ungarn!

Links:

mehrsprachig:

Protest-Petition gegen die Ernennung Dörners: www.aznemlehet.net

auf deutsch:

https://pusztaranger.wordpress.com/2011/10/07/rechtsextremer-theaterdirektor-in-budapest/

http://www.taz.de/Faschisten-uebernehmen-Theater-in-Ungarn/!79869/

auf französisch:

http://www.lemonde.fr/culture/article/2011/10/13/le-nouveau-theatre-de-budapest-offert-a-l-extreme-droite_1587172_3246.html

auf ungarisch:

Dörners Bewerbung bei „atlatszo.hu“:

http://atlatszo.hu/wp-content/uploads/2011/10/dorner.pdf

Dörner über seine FIDESZ-Präferenz (2010):

http://hetivalasz.hu/itthon/kitalal-a-szinesz-jobbikosnak-tartanak-de-tevednek-28504/

Ascher-Interview:

http://szinhaz.hu/interjuk/42312-ascher-tamas-az-uj-szinhaz-ugyerol

Jiri Menzels Brief:

http://szinhaz.hu/szinhazi-hirek/42385-uj-szinhaz-ugy-jiri-menzel-levele

Attila Vidnyánszkys Reaktion:

http://szinhaz.hu/szinhazi-hirek/42330-vidnyanszky-az-uj-szinhazrol-improvizaciot-latok

Brief der neun Budapester Theaterdirektoren:

http://szinhaz.hu/szinhazi-hirek/42328-a-budapesti-szinhazigazgatok-levele-tarlos-urnak

Antwort des Budapester Rathauses auf den Brief der Theaterdirektoren:

http://nol.hu/belfold/tarlos_nem_nyit_vitat__de_azt_is_lezartnak_tekinti

Mária Vásárhelyi zur Machtübernahme in den Provinztheatern (2008):

http://www.es.hu/vasarhelyi_maria;a_jovo_elkezdodott;2008-10-16.html

László Seres über die Schul(anti)reform:

http://hvg.hu/velemeny/20111012_gyerekek_oktatas_seres

*

Anm. PR: Siehe auch auf diesem Blog: Rechtsextremes Theater in Budapest: Fidesz und MIÉP als gemeinsame Front gegen Jobbik? vom 10.10.2011.

6 Kommentare leave one →
  1. galut permalink
    22. Oktober 2011 07:52

    „András Sütö, 1927-2006, ungarischer Schrifsteller aus Siebenbürgen, der immer wieder die Volksgruppen-Frage thematisierte und dem bei anti-ungarischen Ausschreitungen im März 1990 in Tirgu Mures ein Auge ausgeschlagen wurde, G.M.), Páskándi (Géza Páskándi, 1933-1995, ungarischer nationalistischer Schriftsteller aus Siebenbürgen“

    Da geht jemand so fahrlässig mit Begrifflichkeiten um, dass dies den Wert des ganzen Artikels in Frage stellt. Was heisst hier, Sütö habe die „Volksgruppen-Frage“ gestellt? „Volksgruppen“ und „Volksgruppenpolitik“ sind nazistisches Vokabular. Soll etwa Sütö in die Ecke gestellt werden? Nur weil er sich für die Rechte der ungarischen Minderheit (!) eingesetzt hat?

    Und was soll es heißen, Páskándi sei ein „nationalistischer“ Schriftsteller gewesen? Was heißt hier und allgemein „nationalistisch“? Das ist mal wieder so ein Omnibuswort, das einen Rattenschwanz an Erklärungen nach sich ziehen müsste, um zu zeigen, der Autor verwende hier nicht die bundesdeutsche Begrifflichkeit, die eben so ohne weiteres nicht auf ungarische Verhältnisse übertragbar ist.

    Schade.

    • pusztaranger permalink
      22. Oktober 2011 11:40

      Galut, der Autor verwendet definitiv nicht bundesdeutsche Begrifflichkeiten, sondern österreichische. „Volksgruppen“ siehe z.B. hier http://volksgruppen.orf.at/
      Mehr zu Gregor Mayer hier.

      Bin jetzt paar Tage offline, Freigabe von Kommentaren verzögert sich.

  2. Karl Pfeifer permalink
    26. Oktober 2011 12:41

    Die Erben von András Sütö und Károly Szakonyi haben die Aufführung der Stücke im „Neuen Theater“ verboten, Christoph von Dohnanyi kommt nicht nach Bpest, um die Oper zu dirigieren.

  3. szabo permalink
    30. Oktober 2011 21:41

    So viel bösartigen Schwachsinn, wie auf dieser Seite zu lesen ist, kommt einem selten vor die Augen.

    • pusztaranger permalink
      31. Oktober 2011 18:33

      Gehts noch etwas genauer?

    • nora g. farkas permalink
      3. November 2011 11:43

      Lieber Szabo,
      wenn es nicht allzuviel Mühe macht,wäre es schön,wenn Du den vermeintlich ausgemachten Schwachsinn präzisieren könntest.
      So stehengelassen,bleibt der Schwachsinn schlicht auf Dir selbst und Deinem Kommentar kleben.

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