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Kältewelle in Ungarn: Obdachlosenhilfe in Budapest

4. Februar 2012

Pester Lloyd: Frost, Schnee & Sturm: Unwetterwarnung für Ungarn

Das staatliche Wetteramt in Ungarn hat für das Wochenende eine Unwetterwarnung ausgegeben. Von Freitag bis Sonntag gilt landesweit Warnstufe gelb-orange, für den gesamten Süden und Osten des Landes Warnstufe rot. Neben extrem eisigen Temperaturen von bis zu -21C, wird heftiger Schneefall (…) verbunden mit starken Verwehungen und Schneeorkanen befürchtet.

Die Regierung hat ein Notlagezentrum eingerichtet und fordert „alle Organisationen, Institutionen und Kirchen auf, alle verfügbaren Räume“ für Obdachlose zur Verfügung zu stellen. (…). Die Obdachlosenheime in Budapest sind randvoll, teilweise wurden bereits Schulturnhallen für Bedürftige geöffnet.

(…) Unabhängige NGOs gehen von ca. 400 Kältetoten seit Oktober aus, die offizielle Statistik spricht von knapp über 200, 52 seit Dezember.

(Bild: Pester Lloyd)

Praktischer Hinweis für Budapest: 24h-Hotline

von Elisabeth Katalin Grabow, Budapester Zeitung, Pusztaranger dankt:

Jede Nacht bleiben in Budapest etwa 1.200 Menschen auf der Straße. Die Budapester Obdachlosenunterkünfte haben mittlerweile ihre Auslastungsgrenze erreicht, aber niemand wird zurück in die Kälte geschickt. Falls Sie einen Obdachlosen auf der Straße sehen, rufen Sie den Dispatcher-Dienst an. Dieser schickt einen Wagen zum angegebenen Ort und verbringt den Hilfsbedürftigen in die nächste Unterkunft.

24h-Dispatcher- Hotline der Menhely-Stiftung:

06-1-338-41-86, Durchwahl 2

(Wenn Sie kein Ungarisch sprechen, versuchen Sie es auf Deutsch oder Englisch.)

Wichtige Informationen für den Dispatcher:

  • WER (männlich / weiblich)
  • WAS (in was für einem Zustand befindet sich die Person?)
  • WIE (ausreichend vor Kälte geschützt?)
  • WO (möglichst genaue Angaben erleichtern das Auffinden).

Sollte die Leitung belegt sein, lohnt ein erneuter Versuch wenige Minuten später.

Spenden können u.a. an folgenden Adressen abgegeben werden (insbesondere Decken, warme Kleidung, Schuhe, haltbare Nahrungsmittel):

Foto: Budapester Zeitung, mit freundlicher Erlaubnis.

Obdachlosigkeit ist in Ungarn kriminalisiert. Was passiert mit Obdachlosen, die man dem Dispatcher meldet?

Momentaner Stand: In den Notunterkünften werden Name und Geburtsdatum aufgenommen, aber es erfolgt keine Auswertung. Ab März muss dann für einen Testlauf auch die Sozialversicherungsnummer angegeben werden, so wird überprüfbar, wer wo untergebracht ist. Haftstrafen drohen Obdachlosen bislang nur wegen einer bestimmten Zahl nicht bezahlter Bussgeld-Bescheide, ähnlich wie bei Strafzetteln. „Von daher droht (noch!) niemandem Gefahr, wenn er in eine Notunterkunft kommt“ – so Elisabeth Katalin Grabow auf Anfrage.

In diesem Video der Népszabadság wird ein Krisenauto des Malteser Hilfsdienstes begleitet. Die von den Sozialarbeitern angetroffenen Obdachlosen werden gefragt, ob sie in eine Notunterkunft wollen, die Meisten verneinen („Ich lebe 22 Jahre auf der Straße, ich erfriere nicht“ – vor allem Sicherheitsgründe werden genannt, und ein Paar, das seit 16 Jahren zusammen auf der Straße lebt, will in der Notunterkunft nicht getrennt werden). Sie bekommen heißen Tee und Decken.

Menhely-Stiftung:

(Die) Stiftung Menhely („Obdach“) (beschäftigt) sich seit 1989 mit den Problemen der Obdachlosen (…). „Wir sind die älteste säkulare Organisation in Ungarn, die sich um diese Problematik kümmert. Unsere Sozialarbeiter versuchen, das Leben der Straßenmenschen erträglicher zu machen und ihnen eine Stimme zu geben“, sagt der Menhely-Vorstandsvorsitzende Péter Györi. Die Stiftung betreibt eine Tagesstätte für Obdachlose, sie bietet Abstellräume für ihre persönlichen Sachen, Waschräume, Rechtsberatung. (Quelle)

Spendenkonto (Quelle):

Innerhalb Ungarns: ING Bank 13700016-01950018 (Menhely Alapítvány)

Aus dem Ausland: IBAN: INGBHUHB, SWIFT: HU77137000160195001800000000

Links:

evangelisch.de: Budapest ist keine „Stadt für alle“ mehr (1.2.2012 – einge Einzelheiten nicht mehr ganz up to date, aber generell guter Artikel. Gekürzt bei: vorwaerts.de: Bürger gegen Aufräumaktionen der Regierung – Ungarns kriminalisierte Obdachlose (30.01.2012)

Zu arm für Rechte. Jungle World v. 15.12.2011, bei Hagalil.com.

Pusztaranger: Volksentscheid gegen Obdachlose, 24. September 2011

Pusztaranger: Proteste gegen Obdachlosenpolitik (…) (Presseschau 11.10.-11.11.2011), 11. November 2011

Ungarisch:

Siehe ausführlich bei „Die Stadt gehört allen“ (A város mindenkié). Übernommen von 168ora: Mit tehetünk az utcán fagyoskodókért?

(Die Budapester Initiative „Eine Stadt für alle“, auf Ungarisch „A város mindenkié“ oder kurz AVM, wurde 2009 gemeinsam von Obdachlosen und Sozialarbeitern gegründet, um gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierungen zu kämpfen, und die Möglichkeit eines würdigen Lebens für die Straßenmenschen zu schaffen. „In dem osteuropäischen Kontext einer schwachen und oft vom Staat abhängigen Zivilgesellschaft ist eine solche Organisation einmalig“(…) (vorwaerts.de)

Facebook-Gruppe „Unterkünfte statt Knast“ (Börtön helyett lakhatást) („Wir organisieren unsere Events vor allem über Facebook, weil wir dort angefangen haben (…) Wir möchten aber mehr als eine Internet-Gruppe sein. Wir möchten zeigen, dass viele Bürger Ungarns mit diesem Politikstil nicht einverstanden sind.“ (vorwaerts.de)

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2 Kommentare leave one →
  1. Magdalena Marsovszky permalink
    7. Februar 2012 09:53

    Ich wollte kurz, in Eile zum Ausdruck bringen, wie angetan ich von solchen Berichten bin.
    Vielen Dank für diese Empathie!
    Und gratuliere zum Blog.

    M.M.

Trackbacks

  1. Spendenaufruf: Transportkosten ÖBB-Spende für Obdachlose nach Budapest | Pusztaranger

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