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Katholischer Erzbischof zur Kritik an Orbán und dem neuen Kirchengesetz

3. März 2012

Am 17. Januar wandte sich der amerikanische Professor der Texas Lutheran University für Theologie und Philosophie David Baer in einem offenen Brief „an meine Freunde in den ungarischen Kirchen, und an alle, die bisher Viktor Orbán unterstützt haben“. Darin kritisiert er die Orbán-Regierung und das neue Kirchengesetz. Der Brief wurde unter dem Titel „Offener Brief aus dem Westen an die ungarischen Kirchen – Wir Christen verstehen die Religionsfreiheit anders“ auf der Seite evangelikus.hu veröffentlicht. Laut Anmerkung der Redaktion gibt er nicht die Meinung der Redaktion oder der ungarischen Evangelischen Kirche wieder, wird aber im Interesse einer sachlichen, kultivierten Diskussion veröffentlicht.

Am 27.1. reagierte Gyula Márfi, Erzbischof von Veszprém, (Wiki) auf der Seite des Erzbistums auf Baers Brief (siehe auch Hungarian Spectrum). Im Folgenden die wichtigsten Punkte seiner Antwort, zusammengefasst von Galamus.hu, Übersetzung N.N., Pusztaranger dankt.

Update 4.3.2012: Márfis Brief hat offenbar Viktor Orbáns Gefallen gefunden, auch er spricht jetzt von einem “verborgenen christlichen Europa”. Siehe ntv, Hervorhebungen Pusztaranger:

“Internationale Linke” gegen Ungarn – Orban spricht von Verschwörung:

Die teils scharfe Kritik an der neuen ungarischen Verfassung weist Regierungschef Orban zurück. Vielmehr vermutet er gezielte Angriffe einer “internationalen Linken” gegen seine Regierung, die vom Ausland gesteuert sei. Zugleich spricht er von einem “verborgenen oder geheimen Europa”, das die wahren Werte bewahre.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat scharfe Kritik an den Angriffen der “internationalen Linken” auf sein Land geäußert. Da die Linke in Ungarn in Trümmern liege, starte sie ihre Angriffe nun “von außen, nicht nur von Europa aus, sondern auch von Amerika”, sagte Orban der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. (…)

(Update Ende)

 *

Wir bevorzugen diejenigen Kirchen, die während der blutigen Geschichte zum Überleben des Landes beigetragen haben

Laut Erzbischof Márfi herrscht in Ungarn volle Religionsfreiheit, „die Anerkennung und Registrierung der einzelnen Kirchen ist ausschließlich aus dem Gesichtspunkt der staatlichen Förderung von Bedeutung. Hier bevorzugt der ungarische Staat verständlicherweise die Gemeinschaften, „die während der blutigen Gewitter der Geschichte unserer Heimat in bedeutendem Maß zum Überleben des Landes beigetragen haben, bzw. deren Tätigkeit aus gesellschaftlicher Sicht besonders nützlich sind, die z.B. Schulen, medizinische Institutionen betreiben, und karitativ tätig sind“.

(Anm.: Siehe dazu den Post von gestern: “Die Anerkennung zur Kirche ist kein Recht, sondern eine Gnade”)

Die Gerichte sind nicht vertrauenswürdig: auch heute arbeiten dort noch die beflissenen Diener der kommunistischen Diktatur

Zur Beanstandung, warum das Parlament die Registrierung der Kirchen vornimmt: „Sie kennen die ungarische Situation nicht zur Genüge. In der unabhängigen ungarischen Justiz arbeiten noch heute viele Menschen, die zur Zeit des Kommunismus die beflissenen Diener der kommunistischen Diktatur und aktiv an den kirchenfeindlichen sogenannten Schauprozessen beteiligt waren“.

Über Gábor Iványi: Viel mehr ein lauter Politiker als ein Prediger

Eine Reihe der Kirchen, denen durch das neue Gesetz der Kirchenstatus aberkannt wurde, hat in Ungarn keine Basis. „Trotzdem waren (…) gleich drei methodistische Kirchen registriert. Es ist überhaupt nicht einfach zu entscheiden, ob alle drei religiöse Gemeinschaften oder nur sogenannte Business-Kirchen sind. Den Pastor Gábor Iványi kennt bei uns jeder, in erster Linie als lauten Politiker denn als Prediger.“

(Anm. PR: So begründete auch der zuständige Ausschussvorsitzende die Aberkennung des Kirchenstatus für Iványis Gemeinde damit, dass Iványi sich entweder für Politik oder den Glauben entscheiden sollte, siehe Post von gestern.)

(…)

Europa ist geteilt: In ein verborgenes katholisches Europa, und ein dezidiert christenfeindliches, ultraliberales Europa; die überdosierte Freiheit vergiftet

„Die Kenntnisse des Herrn Professor zu Europa sind einseitig und mangelhaft.“ Das heutige Europa ist geteilt, nicht nur entlang der wirtschaftlichen Interessen, sondern auch ideologisch. Es existiert auch noch ein christliches Europa, das sich verbirgt, aber es gibt auch ein viel lauteres, scharf antichristliches, ultraliberales Europa, das den größten Teil der Medien und der Macht in der Hand hält. – Das den Großen Baumeister noch anerkennt, aber den Gott von Jesus Christus und der Zehn Gebote verneint. Sie sind es, die für Europa die Freiheit überdosieren, und diese, wie die überdosierten Medikamente, heilt nicht, sondern vergiftet“.

Das Europäertum des liberalen Europa: Abtreibung, freie Liebe, Lesben

„Für sie ist Europäertum gleichbedeutend mit der Zulassung von Abtreibungen, mit der freien Liebe, mit der Anerkennung der Ehe zwischen Lesben bzw. Homosexuellen, der Verkündung der Gender-Ideologie und mit dem wildkapitalistischen Wettbewerb, der zu den Extraprofiten der Kapitalisten, zur Pleite der kleinen und mittelständischen Unternehmen und zur vollständigen Verelendung der kleinen Leute führt.“

Das Europa derer, die von Kommunisten zu Kapitalisten geworden sind, der Lügner im großen Stil

„Dieses sich als linksgerichtet und modern feiernde Europa ist in Wirklichkeit:

  • Das Europa derer, die von Kommunisten zu Kapitalisten geworden sind,
  • der Diktatoren, die zu ‚Freiheitskämpfern’ geworden sind, und der sich ‚um die Demokratie sorgenden’ Diktatoren,
  • der ‚Modernen’, die eine Moral verkünden, die bereits vor 2000 Jahren veraltetet und lebensunfähig war,
  • der „um die Freiheit der Kirchen besorgten’ Verfolger der Kirche,
  • die einzig und allein in einer Sache beständig sind: Im betriebsmässigen Lügen und im Pharisäertum, mit dem sie viele in die Irre führen.

Ich wollte Orbán nie heilig sprechen, aber….

„Wenn sie behaupten, daß die Orbán-Regierung autokratisch, europafeindlich ist, daß sie in die Vergangenheit blickt und die Religionsfreiheit nicht respektiert, geißeln sie ihre eigenen Fehler, aber nicht in sich selbst, sondern in anderen. Ich wollte Viktor Orbán nie heilig sprechen. Ich weiß, daß er ein genauso fehlbarer Mensch ist wie wir alle, auch er hat Schwächen und fehlerhafte Entscheidungen getroffen. Zu den obigen Beschuldigungen fällt mir trotzdem das ungarische Sprichwort ein, ein Esel schimpft den anderen Langohr.“ (Bagoly mondja verébnek, hogy nagyfejű).

(Bild: evangelikus.hu)

Ein allseits bekannter Pädophiler gegen einen Familienvater, dessen alle fünf Kinder von ein und derselben Frau sind: der einzige Europäer

Die Anhörung in Straßburg war eine Farce, „die zum Zweck der öffentlichen Belehrung und Erniedrigung von Viktor Orbán veranstaltet wurde“. „Mir ist aufgefallen, daß hier die Anhänger von Mao Tse Tung, dem größten Diktator der Welt, den Demokratieunterricht erteilten, und Viktor Orbán von einem bekannten Pädophilen (Anm.: Gemeint ist Daniel Cohn-Bendit) Mores gelehrt wurde – ein Familienvater von fünf Kindern, alle von ein und derselben Frau, seiner Ehefrau.“ „Bei dieser Anhörung war er (Orbán) am ehesten Europäer, mit leichter Übertreibung der einzige Europäer“.

Sodom-Komform“, „Nahost-Komform“ – das fehlt ihnen an Orbán

„Ansonsten ähnelt die gegen ihn hervorgebrachte Hauptanschuldigung derjenigen, die vor nahezu 4000 Jahren gegen Lot und seine Familie vorgebracht wurde: ihr Verhalten war nicht ‚Sodom-komform’(wörtlich Sodom-komfort). Aber das war auch mit den Propheten das Problem: in ihren Lehren fehlte der Nahost-Komfort, wie auch die Christen der ersten drei Jahrhunderte nicht gelernt haben, sich nach der Etikette des dekadenten Roms zu verhalten.“

Orbán hat ein Problem mit dem internationalen Großkapital, wir nennen es einfach Amerika

Zur Sache Orbán: „Wenn Sie glauben, es ginge hier um eine innere Angelegenheit Europas, irren Sie sich gewaltig. Viktor Orbán hat ein Problem nicht in erster Linie mit der Europäischen Union, sondern mit dem internationalen Großkapital, dessen Besitzer wir irgendwo an der New Yorker Wall Street vermuten und sie deshalb einfach ‚Amerika’“ nennen. Diese Benennung ist natürlich irrtümlich: Der Dollar, so wie auch seine Herren und Diener, haben keine Heimat und keine Nationalität.“ (Anm. PR: Antisemitischer Code)

Als Demokratie-Import dargestellte Kriege, zu Steuerzahlern kolonisierte Länder

Die „Vaterlandslosen“, die „Bürger des Kosmos“ (Anm.: Antisemitischer Code) „geben sich nicht zufrieden mit den von ihnen entfachten Kriegen, die verlogen als „Demokratie-Import“ dargestellt werden“, sondern wollen auch die einzelnen Staaten zu Steuer(Zins)zahlern machen. Um das zu erreichen, versuchen sie, die freien Wahlen zu beeinflussen, bzw. die einzelnen Regierungen zu kaufen.“

Die Augen ausschießende Gyurcsány-Regierung

In den Augen der „Vaterlandslosen“, der „Kosmopoliten“ (wörtlich: Bürger des Kosmos) ist also diejenige eine gute Regierung, die bereit ist, auch nachteilige Kredite aufzunehmen, diese dann schnell verprasst und ihre Heimat dadurch für ewig zur steuerzahlenden Kolonie macht. Eine solche Regierung muß nicht befürchten, als Diktatur bezeichnet zu werden: sie kann ganz ruhig die Augen von Demonstranten ausschiessen lassen, ihr eigenes Volk von ihren Feiern aussperren, kann Zäune um das Parlamentsgebäude bauen, kann sogar die offiziellen Daten verfälschen, und wird dennoch ‚europäisch’ und ‚demokratisch’ bleiben.

Orbán hat vergebens jüdische Freunde

Dem gegenüber ist die „schlechte Regierung“ diejenige, die versucht, aus der Schuldenfalle auszubrechen. Sie wird herabgestuft, auch wenn das mit dem Defizit des Staatshaushaltes nicht begründet werden kann; ihr Ministerpräsident wird mit Hitler und Stalin verglichen, es wird von ihm behauptet, Zigeuner und dann auch ein Zigeunerhasser zu sein, obwohl gerade er die mit zigeunerfeindlichen Aktionen bekannt gewordenen Vereine auflöste, oder er die erste Zigeunerin in das Europäische Parlament schickt. Und er vergebens fördert er die jüdischen Kirchen (sic), hat vergebens jüdische Freunde, selbstverständlich kann ihm gegenüber die Beschuldigung nicht ausbleiben, ‚Antisemit’ zu sein.“

Das umfassende Manöver gegen Orbán wird aus Amerika gelenkt

„Deshalb wurde das umfassende Manöver organisiert, dessen Zeugen wir auch heute sind. Ich möchte wiederholt betonen, daß diese Aktionsserie aus Amerika gelenkt wird, von Geldmenschen, die nicht als Amerikaner bezeichnet werden können“. (Anm.PR: Antisemitischer Code)

Die amerikanischen „Schauspieler“: Hillary Clinton, Charles Gati, George Soros

„…neben den amerikanischen ‚Schauspielern’ (Hillary Clinton, Charles Gati, George Soros) sind scheinbar die europäischen Darsteller in der Mehrzahl. Das Großkapital nutzt die Geteiltheit Europas geschickt aus, benutzt die Würdenträger der Europäischen Kommission (der Regierung der Union) und des Europäischen Parlaments, besonders diejenigen, die ideologische Gegner von Viktor Orbán sind. Selbstverständlich nutzt es auch die Vertreter der ungarischen Opposition, denen die parlamentarische Zweidrittelmehrheit der Rechten unheimlich auf die Nerven geht.“

Europa geht auf die Zusammenarbeit aus materiellen Interessen, Angst, oder ideologischen Gründen ein

„Die Lage ist bei weitem nicht unbekannt: so tat sich vor 2000 Jahren der Hauptrat mit dem verhaßten Pontius Pilatus zusammen. Pilatus wird auch heute von allen Schriftkundigen und Pharisäern beklatscht…“

Der doppelte Maßstab der ultraliberalen europäischen Welt und bolschewistische Methoden

„Die Anwendung des doppelten Maßes ist in der ultraliberalen Welt alltägliche Praxis. Aber auch die bolschewistischen Methoden fehlen nicht – worauf ich bereits hinwies: ‚Wenn du stehlen willst, schrei Dieb!’“

Die ungarischen Besitztümer des IWF – was ist es sonst, wenn nicht gemeine Diktatur

„Bei uns ist auch heute ein Vertrag gültig, den der IWF der ungarischen kommunistischen Regierung aufgezwungen hat, die an Devisenmangel litt und unter sowjetischer Aufsicht stand (in 1982), und laut dem die in Ungarn befindlichen Besitztümer des Internationalen Währungsfonds über jeglicher Kontrolle und Regelung stehen.“ „Was ist das, wenn nicht gemeine Diktatur? Teil einer über den Nationen stehenden, ultrakapitalistischen Gewaltherrschaft.“

Gyurcsány, Barroso, Cohn-Bendit: Von Anhängern der roten Diktatur zu Dienern der ultrakapitalistischen Diktatur

„…Die Kommunisten sind zu den reichsten Kapitalisten geworden, und sie sind es, die sich am lautesten um die ungarische Demokratie sorgen: Ferenc Gyurcsány, László Kovács, José Manuel Barroso, Daniel Cohn-Bendit: sie alle waren Anhänger der roten Diktatur, und heute sind sie als Diener der ultrakapitalistischen Diktatur am lautesten „um die Demokratie besorgt’.“

Hitler, Stalin und die „Diktatur des dritten Typs“

„Adolf Hitler wollte die Deutschen der Welt zusammenfassen, um die Weltherrschaft zu erlangen. – ‚Proletarier der Welt, vereint Euch’, lautete die Parole Stalins, der ebenfalls von der Weltherrschaft träumte. ‚Großkapitalisten der Welt, vereint Euch in Kartellen!’ – das ist die Parole der Herren des unehrlich zusammengetragenen internationalen Großkapitals.“ „Die Mittel sind unterschiedlich, aber das Ziel und der geistige Inhalt sind dieselben. Keine Diktatur toleriert Kritik, und schon gar nicht, daß jemand aus der Reihe tanzt. Aber sie alle fallen irgendwann. … Wenn wir die die irreführende Propaganda der Diktatur ahnungslos übernehmen, werden wir selbst zum Glied in der Kette, werden wir selbst zur Willkürherrschaft.“ (Dieser Absatz nicht bei Galamus, sondern im Original.)

Der heilige Geist bewahre uns davor

„…der heilige Geist, der allein fähig ist, die Welt und darin unser geliebtes Europa vor der ultraliberalen, ultrakapitalistischen Diktatur zu retten und das heute noch unter einer dicken Ascheschicht verborgene christliche Europa an die Oberfläche zu bringen, soll uns bewahren.“

Mit Hochachtung und Liebe, Dr. Gyula Márfi, Erzbischof von Veszprém.

Bild: Magyar Kurir

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2 Kommentare leave one →
  1. 3. März 2012 04:52

    “Keine Diktatur toleriert Kritik, und schon gar nicht, daß jemand aus der Reihe tanzt. Aber sie alle fallen irgendwann. … Wenn wir die die irreführende Propaganda der Diktatur ahnungslos übernehmen, werden wir selbst zum Glied in der Kette, werden wir selbst zur Willkürherrschaft.“ – Spürt er die Ironie nicht, die unfreiwillige Selbstkritik? Wahrscheinlich nicht…

  2. Szarvasi Permalink
    5. März 2012 13:38

    In dem Absatz: Europa ist geteilt: In ein verborgenes katholisches Europa, und ein dezidiert christenfeindliches, ultraliberales Europa; die überdosierte Freiheit vergiftet

    findet man den Satz:

    “Das den Großen Baumeister noch anerkennt, aber den Gott von Jesus Christus und der Zehn Gebote verneint.”

    Der heilige Mann läßt aber auch keine Klischees aus, denn der “Große Baumeister” ist nichts anderes als der Ahnherr der freimaurerischen Logen. Damit wird auf die “jüdisch-freimaurerisch-bolschewistischen” Verschwörungstheorie angespielt.

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