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Plagiatsaffäre Schmitt: Kommissionsmitglied bekommt zeitgleich Posten im Ungarischen Olympischen Komittee

27. März 2012

Kurzversion: Laut Untersuchungskommission ist die Doktorarbeit von Staatspräsident Pál Schmitt definitiv ein Plagiat, allerdings ist das ein Fehler der Universität und nicht von Pál Schmitt. Ein Mitglied der Untersuchungskommission wurde parallel zum Vizepräsident des Ungarischen Olympischen Komitees ernannt, dessen Präsident Pál Schmitt 1989-2010 war und dessen Ehrenvorsitzender er nach wie vor ist. Und für Fidesz ist der Fall damit abgeschlossen. Folgen für Schmitt? Vorerst offenbar keine. Update 28.3.: Schmitt sagt, er fühlt sich durch die Stellungnahme der Kommission bestätigt und wird weiter im Amt bleiben.

Welt: Ungarns Präsident hat Doktorarbeit abgeschrieben:

Prominenter Plagiatsfall in Ungarn: Staatspräsident Pal Schmitt hat sich für seine Doktorarbeit beim Werk eines Sportwissenschaftlers bedient. 180 von 250 Seiten weisen Übereinstimmungen auf.

Ungarns Staatspräsident Pal Schmitt hat weite Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Zu diesem Schluss kommt eine Kommission der Budapester Semmelweis-Universität für Medizinwissenschaften, die Plagiatsvorwürfe gegen den konservativen Politiker untersucht hat.

Verantwortlich dafür sei er aber nicht selbst: Die Hochschule, bei der Schmitt 1992 seine Doktorarbeit über die Olympischen Spiele in der Neuzeit eingereicht hatte, habe ihn nicht rechtzeitig auf die Mängel aufmerksam gemacht. Der am Dienstag vorgelegte Bericht vermeidet den Begriff „Plagiat“.

Er enthält auch keine direkte Empfehlung, Schmitt den Doktortitel zu belassen oder abzuerkennen.

Das Wochenmagazin „HVG“ hatte Anfang des Jahres aufgedeckt, dass der ehemalige Olympia-Fechter und IOC-Funktionär seine Dissertation größtenteils aus einem Werk des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew abgeschrieben haben soll. Die Kommission stellt dazu fest: „Die Arbeit beruht in ungewöhnlich großem Umfang auf textidentischen Übersetzungen.“

180 der 250 Seiten wiesen „detaillierte Übereinstimmung“ mit dem Werk Georgijews auf.

Für weitere 17 Seiten lasse sich „völlige Textgleichheit“ mit Passagen aus einem Buch des Hamburger Soziologen Klaus Heinemann nachweisen. Zugleich habe Schmitt in seiner Arbeit keinerlei Zitate ausgewiesen und auch nicht mit Fußnoten auf die von ihm verwendeten Quellen verwiesen. Die damalige Universität für Körperkultur habe einen „fachlichen Fehler“ begangen, als sie die Textgleichheiten im Zulassungsverfahren nicht rechtzeitig zur Sprache gebracht habe.

Der Spiegel: Ungarns Präsident schrieb Doktorarbeit ab:

Der Präsident gilt als Vertrauensmann des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Kritiker des Präsidenten vermuten, dass Schmitt reingewaschen werden soll. Sie dürften sich in ihrer Vermutung bestätigt fühlen, jetzt, wo die Kommission die Verantwortung vom ehemaligen Doktoranden Schmitt auf die Betreuer und die Uni abwälzt.

Siehe auch:

Die Stellungnahme der universitären Kommission hier (Pdf, 3 Seiten, Ungarisch).

Die Unterschriften: Miklós Tóth, Ákos Fluck, János Gombocz, Etele Kovács, Károly Rácz.


(Bild: Facebook)

Fidesz: „Angelegenheit abgeschlossen“

Nach Kenntnisnahme des Berichtes der Untersuchungskommission betrachtet Fidesz die Angelegenheit als abgeschlossen, so Fidesz-Sprecherin Gabriella Selmeczi heute auf Fidesz.hu.

Update 28.3.: Schmitt: „Ich trete nicht zurück“

Staatspräsident Schmitt, gerade in Seoul, sagte heute der ungarischen Nachrichtenagentur, er fühle sich durch die Stellungnahme der Kommission in seiner Entscheidung unterstützt und werde im Amt bleiben. (hvg)

Kommissionsmitglied bekommt zeitgleich Posten im Ungarischen Olympischen Komittee

Der Erstunterzeichner der Stellungnahme, Dr.Miklós Tóth, Dekan der Fakultät für Sportwissenschaften an der Semmelweis Universität, wurde noch während der laufenden Überprüfung zu einem der Vizevorsitzenden des Ungarischen Olympischen Komittees MOB ernannt – am 26.2., fast genau einen Monat, bevor die Kommission ihr Ergebnis bekannt gab. (Quellen: hvg, vg.hu, gepnarancs.)

Tóth als Dekan war es auch gewesen, der die Namen der Kommissionsmitglieder bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses mit der Begründung geheim gehalten hatte, so seien sie nicht beeinflussbar. (hvg)

Pál Schmitt war 1989-2010 Vorsitzender, seither Ehrenvorsitzender des Ungarischen Olympischen Komittees.

*

Flashmob protestiert

Heute um 19.00 Uhr protestiert ein Facebook-Flashmob auf dem Budapester Kossuth tér gegen die Stellungnahme der  Untersuchungskommission, der Titel der Veranstaltung („Csak úgy doktor úr ő, ahogyan én orvos!“) ein Zitat aus dem Titelsong der beliebten Zeichentrickserie „Kérem a következôt!“ („Der Nächste bitte“) aus den 70ern.

Im Unterschied zu Pál Schmitt, der die Plagiatsvorwürfe bisher entschieden zurückgewiesen hatte, machte Dr. Bubó Bubó nie ein Hehl aus der Fragwürdigkeit seines Titels, der ihm vom selbst äußerst dubiosen Rektor der Universität (0:05) verliehen wurde (0:53):

Die Vorgeschichte auf diesem Blog:

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