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Neuer Chefredakteur bei Magyar Nemzet Online

6. April 2012

Eine aktuelle Personalie aus den Fidesz-Medien.

Der Fall von Nachrichtenfälschung beim staatlichen ungarischen Fernsehen ging im Dezember 2011 auch international durch die Medien: Der ehemalige Präsident des Obersten Gerichts Zoltán Lomnici wurde wie ein Krimineller aus den Fernsehnachrichten herausretuschiert, denn er steht auf einer Liste von Personen, die in den öffentlich-rechtlichen ungarischen Medien nicht mehr gezeigt werden dürfen. Darauf begannen die TV-Journalisten Balázs Nagy-Navarro, Aranka Szávuly und Kollegen ihren Hungerstreik gegen Nachrichtenfälschung in den öffentlich-rechtlichen Medien. Vgl. verdi.de: Hungerstreik gegen Zensur.

Als erste Konsequenz der Lomnici-Affäre wurde am 15.12.2011 der Chef des MTI-Nachrichtenzentrums, Gábor Élő entlassen, er war 19 Monate im Amt. Die Pressemitteilung der MTVA:

PRESSEMITTEILUNG

Aufgrund in einem Nachrichtenbeitrag des ungarischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks am 3. Dezember 2011 begangenes schweren Fachfehlers, der das Persönlichkeitsrecht von Zoltán Lomnici (der frühere Präsident des Obersten Gerichtshofs) schwer verletzt hatte, wurde das Arbeitsverhältnis von Gábor Élő, Direktor des MTI Nachrichtenzentrums (…) mit der Begründung des Vertrauensbruchs heute mit sofortiger Wirkung gelöst.

Die öffentlichen Medien spielen eine herausgehobene Rolle in der glaubwürdigen Berichterstattung. Für diesen schweren fachlichen Verstoss ist der oberste Leiter des Arbeitsbereichs verantwortlich, weshalb die strengste arbeitgeberische Massnahme, nämlich die sofortige Kündigung des Arbeitsverhältnisses des betroffenenen Leiters, gerechtfertigt ist. (…) (Weiterlesen beim Pester Lloyd.)

Der andere Verantwortliche, Dániel Papp, Chefredakteur der Nachrichten und Hintergrundprogramme des MTVA (international bekannt geworden durch seinen gefälschten Beitrag über Orbán-Kritiker Daniel Cohn-Bendit), wurde wegen der Lomnici-Affäre zwar entlassen, behielt aber seinen Posten als Chefredakteur für gesellschaftspolitische Sendungen.

Der Protest vor dem Fernsehgebäude dauert mittlerweile 119 Tage.


(Bild: Facebook-Gruppe Éhségsztrájk a tisztességes közmédiáért.)

Inzwischen ist man bei Fidesz offenbar der Ansicht, dass genug Gras über die Sache gewachsen ist, um Gábor Élő den nächsten wichtigen Posten in der Fidesz-Mediengruppe zu geben: Wie ATV heute berichtet, ist er der neue Online-Chefredakteur der Magyar Nemzet (Impressum hier).

Die Magyar Nemzet („Ungarische Nation“) ist die wichtigste konservative Tageszeitung Ungarns, sie gilt als Sprachrohr der Regierung.

Sie spielte eine wesentliche Rolle bei den Philosophenprozessen und der Kampagne gegen Orbán-Kritiker Daniel Cohn-Bendit.

Die Affäre Lomnici :

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2 Kommentare leave one →
  1. echinops permalink
    7. April 2012 11:09

    Schon diese Tatsache das es eine Fidesz-Mediengruppe gibt ist alarmierend. Herr Gábor Élő wurde am 15.12.2011 aus seinem Amt, als Chef des MTI-Nachrichtenzentrums entlassen. Zunächst sah es so aus als sei er nur ein Bauernopfer. Dass er nun Online-Chefredakteur der Magyar Nemzet ist, beweist doch, dass er ein Akteur und damit aktiv bei Fälschung von Nachrichten, im Interesse der Fidesz, dabei war/ist oder diese sogar inspiriert. Ich hoffe, dass hier regelmäßig gemäht wird sodass kein Gras über diese Sache wachsen kann.

    • pusztaranger permalink
      8. April 2012 06:49

      Zur Fidesz-Mediengruppe empfohlen dieser Artikel von Magyar Narancs (2011, Ungarisch).

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