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Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel gibt ungarischen Verdienstorden zurück

18. Juni 2012

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel hat den ihm 2004 verliehenen Verdienstorden der Republik Ungarn zurückgegeben.

Aus seinem Schreiben vom 7.6. an Parlamentspräsident László Kövér (englisches Original s.u.):

Mit tiefer Bestürzung und Empörung habe ich von Ihrer Teilnahme, gemeinsam mit dem ungarischen Staatssekretär für Kultur Géza Szôcs und dem Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Gábor Vona, an einer Zeremonie in Rumänien erfahren, in der József Nyírô geehrt wurde, ein Angehöriger des nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Parlaments. Ich fand es ungeheuerlich, dass der Vorsitzende des ungarischen Parlaments an einer Zeremonie teilnehmen konnte, in der ein ungarischer faschistischer Ideologe der Horthy- und Szálasi-Regimes geehrt wurde. Diese beunruhigenden Neuigkeiten folgten der wieder auflebenden Praxis, öffentliche Plätze nach (…) Miklós Horthy zu benennen und Albert Wass und andere Gestalten zu rehabilitieren, die stark mit dem ungarischen faschistischen Regime kollaborierten. Ich wurde auch darüber informiert, dass Werke rechtsextremer Intellektueller systematisch in den ungarischen Lehrplan aufgenommen werden.  (…)

(…) es ist zunehmend klar geworden, dass die ungarischen Behörden die Beschönigung tragischer und krimineller Episoden der Vergangenheit Ungarns ermutigen, insbesondere die der aktiven Rolle der (damaligen) (…) ungarischen Regierung  bei der Deportation und Ermordung Hunderttausender jüdischer Mitbürger.

Mit solchen Aktivitäten will ich nicht in Verbindung gebracht werden. Darum gebe ich hiermit den Verdienstorden der Republik Ungarn zurück, die mir am 24. Juni 2004 vom ungarischen Staatspräsidenten verliehen wurde.“

Kövérs Antwort wurde für Mittwoch angekündigt.
(Quelle: Magyar Narancs)

Update:

Presse:

9 Kommentare leave one →
  1. Alex Knisely permalink
    18. Juni 2012 17:43

    „Gebe ich zurueck“… i wo. Repudiate, „vor lauter Scham das Ding hinschmeisse“ eher.

  2. Judith B. permalink
    19. Juni 2012 09:02

    Gut so,E.W

  3. koehlergraupa@yahoo.de permalink
    19. Juni 2012 17:52

    Es ist mir ein Rätsel, warum Wiesel den Preis überhaupt angenommen hat. Über die Rolle von Horthy lässt sich streiten, immerhin hat er im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen auch etwas für die Juden Ungarns unternommen (obwohl er vielleicht auch eher hätte einschreiten können). Nicht streiten hingegen lässt sich über die Politik Ungarns nach der Wende. Anders als in (Ost-)Deutschland haben die ungarischen Juden keinerlei Vermögenswerte zurückbekommen. Das ist mir bis heute ein Rätsel

  4. galut permalink
    20. Juni 2012 04:45

    „Über die Rolle von Horthy lässt sich streiten“
    Oh ja,, war er ein Verbrecher oder ein Riesenverbrecher…

    • koehlergraupa@yahoo.de permalink
      20. Juni 2012 19:39

      Umso weniger verständlich ist es, dass Enteignungen (die wohl erst durch auf Horthy folgende Verbrecher stattgefunden haben) nicht rückgängig gemacht wurden und es diesbezüglich auch keinerlei Protest nach der Wende gab. Gab es dazu für Ungarn keinerlei moralischer Verpflichtung oder weiß man erst jetzt 20 Jahre nach der Wende, dass es sich um Unrecht handelte ?

  5. Karl Pfeifer permalink
    22. Juni 2012 11:57

    Ich glaube nicht, dass Orbán, Kövér & Co sich von Wiesel, oder von 48 USA Congressabgeordneten überzeugen lassen. Sie sind sehr selbstsicher, weil sie die Rückendeckung der CDU/CSU, ÖVP und Verband der Volksparteien haben. Doch wenn sie es so wild weitertreiben, dann kann es ihnen passieren, dass man sie fallen läßt wie einen heißen Kartoffel.
    Und es scheint, als ob sie unfähig wären zu bremsen.

  6. Fritz permalink
    24. Juni 2012 14:32

    respekt!

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