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Staatssekretär für Kultur lässt Häftlinge für sich arbeiten

23. Juni 2012

Derzeit geht durch die ungarische Presse, dass die Gemeindeverwaltung Gyöngyöspata 1,7 Mio HUF (ca. 5800 EUR) an Fördermitteln zurückzahlen muss, weil die Teilnehmer des „gemeinnützigen“ Beschäftigungsprogramms zwanzig Tage lang auf Privatgelände eingesetzt wurden, offenbar auch mehrere Tage auf dem Grundstück von Jobbik-Bürgermeister Oszkár Juhász. (168ora.hu)

(Zu den öffentlichen Beschäftigungsprogrammen siehe Pester Lloyd: Brigade zur „Schöneren Zukunft“. Stiefvater Staat: Beschäftigungsprogramme in Ungarn degradieren Bürger zu Untertanen, 22.6.2012.)

Es geht aber billiger: Der neue Staatssekretär für Kultur László L. Simon (Fidesz) lässt in den Weinbergen seines Unternehmens in Agárd am Velencer See Häftlinge arbeiten. Dies wird auf fidesz.hu im Zusammenhang mit einem aktuellen Privatbesuch Viktor Orbáns bei Simons Unternehmen erwähnt (s. auch hir24, klubradio).


László L. Simon

Laut Blog vastagbor ist Simon derzeit mit 57% Eigentümer und Geschäftsführer des Unternehmens Simon és Simon Kft (deutschsprachige Webseite der Weinkellerei und Pension Simon hier) und hat 2011 staatliche und EU-Fördermittel in Höhe von 20 Mio. HUF (ca. 69 000 EUR) erhalten.

Häftlinge arbeiten laut Gesetz für monatlich ein Drittel des Mindestlohnes, aktuell 26 267 HUF (ca. 90 EUR).

Die von Simon beschäftigten Häftlinge sind Insassen des 95 km entfernten Gefängnisses von Baracska.


Viktor Orbán auf Privatbesuch in Agárd – mit L. Simon (Mitte), dem Fidesz-Bürgermeister von Agárd István Tóth (Mitte links), und Häftlingen (linker und rechter Bildrand). Fidesz.hu, von vastagbor.blog.hu)

Update 24.6.:

Pester Lloyd: Neuer Kulturminister von Ungarn lässt Häftlinge für sich arbeiten

(…) Häftlingsarbeit ist in Ungarn (mehr oder weniger) obligatorisch, ungarische Gefängnisse betreiben eigene Werkstätten und Betriebe, verleihen aber die Gefängnisinsassen auch an Kommunen und Privatunternehmen aus. Simon scheint also gut zum Klub der Gutsherren zu passen, der sich unter Orbán etabliert hat.

6 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    24. Juni 2012 07:20

    Jetzt habe ich doch vor einem Tag geschrieben, dass mir kein Grund einfallen würde für ein Sklavenheere der Arbeit. Wie konnte ich nur so fantasielos sein? Sogar Orban scheint sich hier bei László L. Simon Anregungen zu suchen.
    Die Gemeindeverwaltung von Gyöngyöspata muss 1,7 Mio HUF Fördermitteln zurückzahlen damit hat sich Oszkár Juhász billigst Arbeiter besorgt. So etwas kann man getrost ein Sklavenheere der Arbeit nennen, lediglich das Banner Arbeit macht frei fehlt.

  2. Crixus permalink
    24. Juni 2012 10:26

    Ich finde es völlig in Ordnung das Häftlinge gegen geringes Entgeld arbeiten. Die Schweren-Jungs sind so zumindest sinnvoll beschäftigt und können sich auf diese Weise während ihrer Haftzeit ein bisschen etwas dazu verdienen. Arbeit macht frei – stimmt in diesem Sinne, das die Häftlinge zumindest in der Zeit in welcher sie Arbeiten dem Gefangenenalltag etwas entfliehen können / Tapetenwechsel also! Ansonsten kosten Gefangene dem Staat ja eh nur viel Geld.

    • pusztaranger permalink
      24. Juni 2012 12:51

      Die ungarischen Gefängnisse haben eigene Werkstätten, Bäckerei, Fleischerei, Tischlereien etc. und produzieren für den Eigenbedarf; seit 2011 sollen die Gefängnisse per Regierungserlass profitable Produktionsstätten werden, was 2012 bereits als Erfolgsgeschichte der Orbán-Regierung gehandelt wird (NOL). Dass die Gefängnisse sich wirtschaftlich selbst tragen und „die Häftlinge nur das Brot essen sollen, das sie selbst produziert haben“ (NOL) forderte Jobbik seit 2009.

      Im Fall L. Simon geht es nicht um gemeinnützige Tätigkeiten oder die Eigenversorgung staatlicher Institutionen, sondern hier profitiert ein hochrangiger Fidesz-Politiker als Unternehmer von Häftlingsarbeit, und durch den Medienauftritt mit Viktor Orbán entsteht der Eindruck, dass diese Praxis von ganz oben abgesegnet ist.

  3. Böss permalink
    25. Juni 2012 12:13

    Ich finde Häflingsarbeit völlig o.k. Wenn der Victor demnächst mit seinem ganzen Verbrecherclan in den Knast kommt, dann müssen die auch im Weinberg arbeiten.

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