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Verbotene Ungarische Garde marschiert legal auf dem Heldenplatz auf

27. August 2012

Am 25.8.2012 beging die verbotene Ungarische Garde ihr fünfjähriges Bestehen mit einem Aufmarsch von mehreren hundert Gardisten und Sympathisanten auf der Budapester Andrássy út mit Kundgebung auf dem Budapester Heldenplatz. Die Veranstaltung war ursprünglich von der Polizei wegen „Verkehrsbehinderung“ verboten worden; ein Gericht setzte das Verbot am Freitag außer Kraft. Die Parallele zum diesjährigen Budapest Pride ist nicht zu übersehen und wird in den regierungsnahen Medien auch klar gezogen: „Wenn die Schwulen marschieren dürfen, darf die Garde das auch“, titelt das Regierungsorgan Magyar Nemzet (gefunden bei Blog Kettôs Mérce). So argumentiert Jobbik seit Jahren und kann hier einen Erfolg verbuchen.

Die rechtsextremen „Wächter der Karpatenheimat“, die im Juli eine Solidaritätskundgebung für den Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry veranstalteten (Video), hatten zur „Nationalen Truppenschau“ geladen; der Einladung folgten Jobbik und die diversen Nachfolgeorganisationen der Ungarischen Garde, so die „Ungarische Nationale Garde„, die Jobbik- „Bürgerwehr für eine Schönere Zukunft“ – erst im Juli vom Gericht von Gyula als „unpolitische, gemeinnützige, zivile Organisation zum Schutz der öffentlichen Sicherheit“ legitimiert und gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft nicht aufgelöst (siehe Post) – die Jugendbewegung 64 Burgkomitate (HVIM), Betyársereg, Nemzeti Őrsereg und diverse rechtsextreme Motorraddivisionen.

Etwa tausend Mitglieder dieser Organisationen waren am 5.8. in Devecser aufmarschiert, hatten zum Rassenkrieg aufgerufen und Steine auf von Roma bewohnte Häuser geworfen, geduldet von der Polizei, siehe ausführlich bei Blog The Contrarian Hungarian: “We Attacked the Gypsies, And We Are Proud of It”, und Kleine Zeitung: „Jetzt habe ich erst richtig Angst“ ; die Angriffe hier im Video (ab 6:30); am 19.8. wiederholte sich dasselbe Szenario in Cegléd, vgl. Hungarian Spectrum.

Die Gardeveranstaltung auf der Andrássy út und dem Heldenplatz wurde von der Polizei geschützt; mehrere Gegendemonstranten wurden festgenommen, darunter drei junge Ausländerinnen. Sie hatten in Pussy Riot-Strumpfhosenmasken demonstriert und damit gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

(hvg; auf dem Transparent eine zielgruppengerechte Version von „Fuck you“.)

[Update 28.8.: Auf dem folgenden Video von Adám Csillag ist der Anfang der Demonstration zu sehen, die Gegendemonstranten an der Marschroute bei 4:00-8:00,  die Verhaftung der Gegendemonstrantinnen bei 5:00; dies erfolgt klar auf Initiative eines rechtsextremen Ordners („Führen Sie die ab, sie verstoßen gegen das Vermummungsverbot“, ab 5:13.). Ab ca. 10:00 die zwischenfallsfreie Ankunft am Heldenplatz. Der Bericht der ungarischen Presseagentur MTI suggeriert einen Zusammenstoß von 100  Gegendemonstranten und 130 (!) Gardisten (politics.hu); angesichts dieser Bilder eine klare Fehlinformation:

Update Ende.]

Teilnehmerzitate aus dem Bericht von atv (ab 1:20):

„Magyare sein ist Berufung.“
„Magyare ist, wer, wenn die Zeit kommt, zehn dreckige Liberale umbringt.“

(Ab 1:45 und am Ende sind die Gegendemonstranten zu sehen, zumeist ältere Jahrgänge. Ab 4:44 behindert die Garde-Anwältin Andrea Borbély vom Jobbik-Rechtshilfedienst die Aufnahme.)

Auf den folgenden Fotos ist die Gemengelage auf dem Heldenplatz gut zu erkennen: Mehrere hundert GardistInnen und SympathisantInnen auf dem Platz; am Zebrastreifen davor schützen Polizisten die Veranstaltung vor den friedlichen Gegendemonstranten (rot markiert: etwa 15 Personen im Schatten der Tanne vor dem Museum der Schönen Künste.) Laut Augenzeugen bedachten die Rechtsextremen sie mit Kommentaren wie  „Ich geb euch einen Spaten, grabt Eure Gräber“, „Verschwindet, ihr dreckigen Juden und Zigeuner“,  und „Tod den Zigeunern!“.

(Fotos, soweit nicht anders angegeben, von N.N., PR dankt.)

(Index.hu)

Links (wird ergänzt):

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