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Median-Umfrage: Bündnis „Gemeinsam für 2014“ größte oppositionelle Kraft

8. November 2012

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Medián für das Wochenmagazin HVG ist das am 23. Oktober gegründete oppositionelle Bündnis „Gemeinsam für 2014“ (Együtt 2014) derzeit mit 14% größte oppositionelle Kraft; durch sein Auftreten summieren sich die Kräfte der demokratischen Opposition auf insgesamt fast 30 %, in der Gruppe der sicheren Wähler auf 44%. Angesichts dieser Zahlen denkt die LMP jetzt doch über Kooperationsgespräche nach.

[Update 9.11.: Wiener Zeitung: In Ungarn formiert sich Widerstand – „Gemeinsam 2014“ könnte Premier gefährlich werden – Orbán-Gegner ballen Fäuste, von Kathrin Lauer.]

APA: Ungarn – „Gemeinsam für 2014“ auf spektakulärem Vormarsch:

Die ungarische Plattform des Ex-Premiers Gordon Bajnai „Gemeinsam für 2014“ ist auf dem Vormarsch. Der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Median zufolge ist die vor zwei Wochen gegründete Bewegung bereits zur stärksten Oppositionskraft in Ungarn geworden. Wären heute Wahlen, würden die rechtskonservative Regierungspartei Fidesz-MPSZ 22 Prozent, die Plattform „Gemeinsam für 2014“ 14 Prozent, die oppositionellen Sozialisten (MSZP) und die rechtsradikale Jobbik-Partei jeweils 10 Prozent erhalten. Die Grünen LMP würden auf drei und die Demokratische Koalition (DK) auf ein Prozent kommen.
Im Kreise der Parteiwähler, jener Stimmbürger, die sicher wissen, für welche Partei sie optieren, liegt Fidesz-MPSZ bei 38 Prozent, „Gemeinsam für 2014“ bei 22 Prozent, Jobbik bei 15 Prozent, die MSZP bei 14 Prozent, LMP bei vier und die DK bei drei Prozent.
Die Anhänger der neuen Vereinigung stammen zum überwiegenden Teil aus zwei Quellen. Es sind zum einen Sympathisanten der MSZP, zum anderen unentschlossene Wählern, die bisher für keine Partei stimmten. 61 Prozent der Befragten hatten Kenntnis von der Gründung der neuen Plattform, während 53 Prozent wussten, dass Ex-Premier Gordon Bajnai (2009-2010) zu den Gründern gehört. (…)“

Angesichts dieser Zahlen beginnt man in der LMP doch über Kooperationsverhandlungen nachzudenken. Der Vorschlag kam am 7.11. vom LMP-Fraktionsvorsitzenden Benedek Jávor, es entscheidet der Parteikongress im November. (hvg)

Am 24. 10. hatte Jávor noch den Standpunkt vertreten,

seine Partei müsse abwägen, ob es möglich sei,  gemeinsam mit Regierungspolitikern der Periode vor 2010 glaubwürdig ein Programm zu erarbeiten, das unter anderem auch die Kritik dieser Periode formuliert. (MTI)

Der frühere LMP-Fraktionsvorsitzende András Schiffer, dessen Standpunkt bislang tonangebend war, sagte noch am 1.10.2012 in einem Interview mit HVG, „er könne sich die LMP weder in einer Orbán-, noch in einer Bajnai-Regierung vorstellen“, denn seine Partei „könne nicht Teil eines Regierungsbündnisses sein, das von einem Ministerpräsidenten der letzten zwanzig Jahre angeführt wird.“ (hvg)

Die LMP habe sich 2009 in Opposition zur Bajnai-Regierung gegründet, so der LMP-Vizefraktionsvorsitzende Gergely Karácsony am 25.10. 2012 (hvg).

Siehe ausführlicher bei Hungarian Spectrum: Brussels’ pressure is off for a while, but there might be political dangers facing the Orbán government

Update 8.11.: Együtt 2014 begrüßt Jávors Äußerung und wird der LMP als erster im Parlament vertretenen Partei noch vor dem Parteikongress nächste Woche ein Kooperationsangebot machen. (hvg)

*

Grafiken: HVG

Wie die Umfrageteilnehmer sich selbst auf der politischen Links-Rechts-Skala einordnen:

Auffallend: Die Fidesz-Wähler positionieren sich rechts von Jobbik, bzw. die Jobbik-Wähler sich links von Fidesz. Ein solches Ergebnis ist durchaus schlüssig, wenn nicht politische Begriffe („Sind Sie links?“), sondern Positionen (z.B. „Wie wichtig ist Ihnen soziale Gerechtigkeit?“) abgefragt werden; während Fidesz den parteinahen Mittelstand überproportional fördert, präsentiert sich Jobbik als Partei der sozial Schwachen („ausgebeutetes ungarisches Volk“) gegen die Orbán-Regierung und die Fidesz-Oligarchen (vgl. Deutschlandradio: „Fidesz-AG“), siehe auch Post
Feudalismus 2.0: Fidesz profitiert von Land Grabbing und Häftlingsarbeit, 5. November 2012.

Nach Staatspräsident Ader ist Gordon Bajnai zweitbeliebtester Politiker, Orbán nur auf Platz 9.

2 Kommentare leave one →
  1. Minusio permalink
    8. November 2012 12:11

    Nach der Änderung des Wahlgesetzes würde Fidesz immer noch gewinnen, es sei denn, die gesamte Opposition träte von Anfang an als eine Partei auf. Angesichts der Lagermentalität in Ungarn ist das äusserst unwahrscheinlich.

    Ich bin immer noch davon überzeugt, dass Orbán auf demokratische Weise nicht mehr loszuwerden ist. Wenn’s für ihn heikel wird, wird er 14 Tage vor der Wahl das Gesetz nochmals ändern, oder auch die Wählerregistration. Vielleicht hat er sich bis dann auch in eine wirtschaftliche Notlage maneuvriert und wird sagen, die Wahlen fallen aus, wir haben Wichtigeres zu tun, weil wir einen „nationalen Notstand“ haben. Alles möglich bei einem megalomanen Psychopathen.

    Dennoch möchte ich sagen, dass es ermutigend ist, dass sich doch eine spürbare Opposition bemerkbar macht. Aber wo noch, ausser in Budapest? Budapest hat weniger als 2 Millionen Einwohner. die restlichen 7-8 Millionen wohnen auf dem Land oder in Kleinstädten, fernab der Hauptstadt. Meistens können sie sich noch nicht einmal richtig informieren, weil Klubradio und ATV nur via Internet (noch) zu empfangen ist.

  2. Anatol permalink
    8. November 2012 15:12

    Für den Anfang erfreuliche Umfragewerte! LMP soll ein Zeichen setzen und im Interesse der Sache dem Bündnis 2014 beitreten – ihre Berührungsängste nerven zunehmend.

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