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Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller über Ungarn: Nationalismus isoliert

11. November 2012

Als Höhepunkt und Abschluss der Ausstellung „Der Teufelskreis der Wörter“ über Leben und Werk von Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller in Budapest las die Autorin dort am 9. November 2012 aus ihren Werken. (Goethe Institut)

Auf dem Pressegespräch am Freitag von der linken Népszava zu ihrer Meinung über die aktuellen politischen Verhältnisse in Ungarn befragt, sagte sie (Übersetzung PR):

„Von meinen Freunden höre ich erschreckende Nachrichten über Ungarn. Wie es scheint, stellt die jetzige ungarische Regierung ausschliesslich die nationalen Interessen in den Vordergrund und gerät so in Konflikt mit der EU und dem IWF.
Wir kannten Ungarn vor der Wende als einen der liberalsten Staaten der Region, wo die zivilen Gruppen immer stark waren, auch darum ist es traurig, von diesen Konflikten und negativen Tendenzen zu hören. Wenn ich heute in Budapest auf der Strasse gehe, sehe ich mir die Plakate an, man übersetzt mir die Texte, und es stellt sich heraus, dass viele davon nationalistischen Tonfalls sind; der Nationalismus kann jedoch zur Isolation führen. Wenn eine Regierung ausschließlich nationale Interessen berücksichtigt und den Rechtsextremen Raum gibt, ist sie auf dem Weg in Richtung Diktatur.

Besonders schmerzlich ist es, wenn von mir so hoch geschätzte Persönlichkeiten klagen wie der ebenfalls in Berlin lebende Imre Kertész, über den bei Ihnen viel Schlechtes gesagt wird, und der deshalb in die deutsche Hauptstadt zog, weil er, wie er sagt,  den Alltag in Ungarn nicht mehr erträgt.  Oder die auch in Amerika hoch geschätzte Ágnes Heller, die, soweit ich weiß, in ihrer Heimat ebenfalls nicht geschätzt wird. Ich verstehe nicht, was das Ziel dieser Konflikte ist, warum man Maßnahmen treffen muss, die die ungarische Bevölkerung spalten. (…)

Népszava: Der Nationalismus isoliert, 10.11.2012

(goethe.de)

Die ungarische Nachrichtenagentur MTI legt den Schwerpunkt des Berichts auf Herta Müllers Kritik an der problematischen Vergangenheitsbewältigung in Rumänien; ihre Kritik an den ungarischen Verhältnissen wird folgendermassen dargestellt:

(…) Auf Fragen von Journalisten ging die Literaturnobelpreisträgerin auch auf die politische Situation in Ungarn ein, wobei sie betonte, dass sie sich in erster Linie aus der Presse und von Freunden informiert. [lies: Sie informiert sich aus den falschen Quellen und hat eigentlich keine Ahnung.]

„Ich habe den Eindruck, dass die Dinge begonnen haben, sich in eine autoritäre Richtung zu entwickeln. Was ich über Ungarn höre, ist tatsächlich erschreckend“ – erklärte sie, und fügte hinzu, dass dies viele befremdlich finden, denn „sie haben Ungarn für ein liberales, offenes Land gehalten.“ Laut Herta Müller führt der Nationalismus immer zu Isolation und Provinzialismus.

Die Schriftstellerin kritisierte die „Stimmungsmache“ gegen den IWF und die EU, ihrer Meinung nach „spaltet die Regierung damit die Bevölkerung und isoliert das Land.“ Nachrichtenseite hirado.hu: Die Aufarbeitung der Vergangenheit kann noch Jahrzehnte dauern

Das regierungsnahe Magyar Hirlap bringt den MTI-Artikel mit der Überschrift „Herta Müller: Die Securitate-Leute kommen an die Macht zurück“; in den Kommentaren wird Herta Müller vorgeworfen, sich aus den falschen (linken) Quellen zu informieren (harsona, 9.11.,  17:23).

Die Magyar Nemzet hat bisher nicht berichtet.

3 Kommentare leave one →
  1. 11. November 2012 09:48

    blablablablablabla. daß die mietschreiber der regierung nicht müde werden? ich versteh das nicht. es muß doch jedem, der ein wenig hirn im kopf hat, mit der zeit übel werden vom immer gleichen mantra. sie haben ja nicht einmal neue, kreative einfälle. neuen wortwendungen und kodierte phrasen mit denen sie der mitteile, daß alle außer ihnen idioten sind… ich versteh das nicht. ist wirklich wie nachrichten aus dem tierreich…

  2. Don Kichote permalink
    15. November 2012 13:17

    Ob Nationalismus einen Staat isoliert stellt sich wann? Genauso destruktiver ist doch die Isolation im Staat. Welcher Bürger gehört zur Nation und welcher nicht? Wenn es in der Familie eine jüdische oder roma oder ausländische Großmutter gibt ist man draußen, wie viel Generationen müssen dabei bewiesen werden, 5, 10, 20? Dabei kann nur reine Willkür einen Nationalistischen Staat formen. Automatisch gibt es bei den Nazis Feinde die der eigenen Volksgruppe angehören und ausgeschieden werden sollen oder müssen, im extremen Fall durch Gewalt wie es im Nazi Deutschland war, je nach dem wie Hasserfüllt die Gehirne sind und dabei spielt das eigene Ego eine große Rolle.

    Wie ich gerade im Blogg von Clemens Prinz nachlesen konnte ist auch das Nichtverstehen Grund genug um Aggression und Ausgrenzung loszuwerden. Sein Kommentar ist der Beleg dafür.

Trackbacks

  1. Stoppt die Rechten » Ungarn: Jobbik für Judenzählung

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