Skip to content

Regierungspropaganda mit KZ-Fotos aus Dachau

30. Januar 2013

Die ungarische Regierung gibt für Propaganda durch die in den USA neu gegründete Stiftung „Friends of Hungary“ 15 Mio. USD aus; der lukrative Propaganda-Job bleibt in der Familie: Die Facebook-Seite „Friends of Hungary“ wird betrieben von Dávid Bencsik, dem Vorsitzenden des Regionalbüros der Stadt Budapest in Brüssel und Sohn von Friedensmarsch-Organisator András Bencsik, dem Chefredakteur der rechtsextremen regierungsnahen Wochenzeitung „Demokrata“, von dem auch die illustrierte Ausgabe der neuen ungarischen Verfassung produziert wurde. Am 21.1. postete „Friends of Hungary“ als „Dokumentation“ von „Titos Genozid an den Magyaren“ ein Foto von Leichen aus dem KZ Dachau – eine typische Freudsche Fehlleistung; beim Massaker von Novi Sad 1942 ermordeten ungarische Einheiten 1.246 einheimische Zivilisten, Serben und ungarische Juden und Roma, und warfen sie in die Donau.

Wie der Pester Lloyd heute berichtet, lässt die ungarische Regierung sich ihre internationale Propaganda durch die in den USA neu gegründete Stiftung „Friends of Hungary“ 15 Mio USD kosten:

„Ziel der Stiftung sei die „Stärkung der nationalen Identität und des Zusammenhaltes der in der Diaspora lebenden Ungarn.“ Dazu gehören Veranstaltungen, Informationsbroschüren, Stipendien sowie auch Werbekampagnen für die vereinfachte doppelte Staatsbürgerschaft, mit der sich die Regierungspartei einen Stimmenzuwachs bei den nächsten Wahlen ausrechnet. (…) die Höhe der Summe ist herausragend, wenn man bedenkt, dass – offiziell – ungarische Organisationen und Projekte im Siebenbürgen im Vorjahr mit rund 3-5 Mio. EUR  unterstützt wurden, wiewohl dort rund 1 Mio. ethnische Ungarn wohnen. (…) In den Ausführungen vom 7. Dezember auf der Webseite der Regierung heißt es weiter, dass man auch „das Image des Landes gegenüber politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern verbessern will“.

Die Opposition vermutet dahinter also nicht ganz zu Unrecht ein – für ungarische Verhältnisse – sündteures Lobby-Büro, um Einfluss auf die Bewertung der ungarischen Politik in den USA zu nehmen und Pöstchen und Aufträge unter Parteifreunden zu verteilen. (…)“

Friends of Hungary: International vernetzter Profi

Bislang ist „Friends of Hungary“ nur auf Facebook präsent; als Admin angegeben ist Dávid Bencsik, Új Társadalom Szalon (New Society Institute)“ – Institut für eine eine neue Gesellschaft.


Dávid Bencsik

Dieses Institut steht der Christlich-Demokratischen Volkspartei KDNP nahe, Gründungsmitglieder sind außer Bencsik Vizepremier Zsolt Semjén, der KDNP-Fraktionsvorsitzende Péter Harrach sowie der Medienmogul und Fidesz-Finanzier (wdr) Gábor Széles, Besitzer der rechtsextremen regierungsnahen Medien Magyar Hirlap und EchoTV, beides Plattform des Fidesz-Hetzjournalisten Zsolt Bayer (Post Fidesz-Hassprediger Zsolt Bayer: Roma sind Tiere, 6. Januar 2013).

Hauptberuflich ist Dávid Bencsik Vorsitzender des Regionalbüros der Stadt Budapest in Brüssel (Budapest Főváros Önkormányzatának Brüsszeli Képviselete) und in dieser Eigenschaft contact officer von Eurocities, einem informellen Netzwerk größerer europäischer Städte zur Zusammenarbeit und zum Informationsaustausch über Kommunalplanerische Angelegenheiten und zur Lobby-Arbeit gegenüber der Europäischen Union (wiki), in dem unter Anderem auch Berlin, Hamburg, Frankfurt, München Mitglied sind.

In dieser Funktion ist Bencsik Ehrenvorsitzender der Lobbyorganisation Budapest Business Region; einer ihrer  Medienpartner ist die Budapester Zeitung, für die Bencsik 2012 auch einen Gastkommentar verfasste.

Alles in der Familie

Dávid Bencsik ist der Sohn von András Bencsik, einem der Väter der verbotenen Ungarischen Garde und Chefredakteur der rechtsextremen regierungsnahen Wochenzeitung „Demokrata“; gemeinsam mit Zsolt Bayer und Gábor Széles organisierte András Bencsik die Friedensmärsche für Viktor Orbán, vgl. Budapester Zeitung:

„Nimmer nach links!“ Budapest erlebte größte Demonstration seit der Wende, 27.1.2012

„Eingeladen hatten zu der Großveranstaltung mehrere konservative Persönlichkeiten, darunter Zsolt Bayer (Publizist bei der konservativen Tageszeitung Magyar Hírlap), András Bencsik (Chefredakteur der konservativen Wochenzeitung Demokrata), László Csiz­madia (Sprecher des Forums für zivilen Zusam­menhalt), István Stefka (Chefredakteur von Magyar Hírlap) und der Großindustrielle und Eigentümer von Magyar Hírlap, Gábor Széles.“

Die illustrierte Ausgabe der neuen ungarischen Verfassung wurde konzipiert von András Bencsiks Bruder Gábor, dem kaufmännischen Leiter des Demokrata, und von der hauseigenen Grafikabteilung produziert, siehe Post.

„Heldentod“ der ungarischen Hilfstruppen Nazideutschlands und „Genozid an den Magyaren“ mit KZ-Fotos aus Dachau

Anfang Januar wurde auf der Facebook-Seite von Friends of Hungary mit Foto an den „Heldentod“ der ungarischen Hilfstruppen Nazideutschlands, der 2. Ungarischen Armee 1942/43 am Don erinnert  (gefunden hier; vgl. Pester Lloyd: „das Stalingrad von Ungarn“, 2010). Als Eric Beckett Weaver, ein britischer Dozent der Universität Debrecen mit seinem Kommentar „So let me see if I’ve got this right: You think Americans and Brits and other English speakers will be impressed and pleased by the fact that some guys are commemorating soldiers who fought alongside Germany in WWII? You think this will improve Hungary’s image?“ eine Flut von erbosten Kommentaren auslöste, reagierte Bencsik mit einem neuen Post: „We deeply condemn the facebook comment of Eric Beckett Weaver, associate professor of the University of Debrecen, Hungary. Such statements are capable of arousing tension between Hungarians and foreigners. We hope that the young associate professor made that statement (…) only because he has not enough experience in the field of intercultural dialogue, otherwise he would have known, that a statement like this can insult a whole nation.“

Zum aktuellen Heldenkult der ungarischen Regierung siehe:

Am 21.1 erinnerten Friends of Hungary an „Titos Genozid an den Magyaren“ in der Vojvodina:

„Being Hungarian in itself was a sin.“ The Yugoslav partisans committed a genocide, an ethnic cleansing against Hungarians between 1944 and 1945, one of the greatest tragedies of our history [Anm.: Relativierung des ungarischen Holocaust], something you probably have never heard about. The Croatian, German and Hungarian population was seen as public enemy by Yugoslav partisans. Nearly forty thousand Hungarian civilians, elderly, fathers, mothers, children and also soldiers were the victims of Tito around this time. Mihaly Kamaras, a Franciscan monk remembers in his diary „Being Hungarian in itself was a sin.“

Wie hvg gestern nachweisen konnte, zeigt das zur Dokumentation gepostete Foto Leichen aus dem KZ Dachau (Original hier):

(hvg; der Facebook-Eintrag wurde inzwischen gelöscht.)

Was hier mit dem „Gedenken“ an „Titos Genozid an den Magyaren“ relativiert und verdrängt werden soll, ist das Massaker von Novi Sad,

ein Kriegsverbrechen der zu den Achsenmächte gehörenden ungarischen Besatzer gegen die Bevölkerung von Novi Sad im Zweiten Weltkrieg. 1.246 einheimische Zivilisten (meist Serben und Juden) wurden zwischen dem 21. und 23. Januar 1942 von ungarischen Einheiten unter General Ferenc Feketehalmy-Czeydner ermordet. Die Leichen wurden anschließend in die Donau geworfen. (freitag.de, mehr beim Pester Lloyd.)


(Pester Lloyd: „Deutsche und ungarische Einheiten nach “getaner Arbeit” in Novi Sad.“)

Der obige Text auf „Friends of Hungary“ zitiert einen Artikel der regierungsnahen Magyar Nemzet über den Franziskaner Mihály Kamaras („Kamerad der Märtyrer“) vom Juni 2012,  in dem das Massaker von Novi Sad lediglich als „die von ungarischen Soldaten verübten tragischen Vorkommnisse vom Januar 1942 “ Erwähnung findet.

5 Kommentare leave one →
  1. peter permalink
    31. Januar 2013 08:33

    Beim Massaker von Novi Sad sind wesentlich mehr Leute umgekommen, als im Artikel erwähnt wird. Ich glaube allerdings, dass die Deutschen nicht beteiligt waren, weil Novi Sad 1942 schon zu Ungarn gehörte. Interessant ist aber, dass das Massaker gegen allerlei Widerstände in Ungarn vor Gericht gebracht wurde (angeblich sogar durch Horthy, der vom Ministerpräsidenten dazu gedrängt wurde) und in der Sache 1943 sogar Todesurteile verhängt wurden (,die aber nicht vollstreckt wurden). Ein großer Unterschied zu Deutschland !

    • Don Kichote permalink
      2. Februar 2013 08:24

      Herr Peter, Sie schreiben „Beim Massaker von Novi Sad sind wesentlich mehr Leute umgekommen, als im Artikel erwähnt wird.“ (1.246), ich konnte keine Quelle finden die Ihre Aussage bestätigt. Würden Sie Ihre Quelle nennen? Grüße Don

      • peter permalink
        3. Februar 2013 08:11

        Unter
        http://viszavzsodor.blogspot.de/2012/07/i-t-e-l-e-t-e-t.html
        finden Sie ein Urteil des Gerichtes Budapest aus dem Jahre 2011 in Sachen Kepiro Sandor. Darin wird aus dem Urteil des Militärgerichtes vom 24.1.1944 zitiert: „…3309 zivile Opfer, darunter 141 Kinder und 196 Greise…“
        Diese Zahl aus dem Urteil findet sich deshalb auch in vielen Büchern: hier z.B. (the past in present times, the yugoslav saga, Lajco Klajn, Seite 124: http://url9.de/wMo

  2. Karl Pfeifer permalink
    31. Januar 2013 18:16

    Man muss bei der geschichtlichen Wahrheit bleiben. Die ungarischen Pfeilkreuzler und diejenigen Ungarn, die was am Kerbholz hatten, flüchteten mit den abziehenden ungarischen und deutschen Truppen aus der Vojvodina (Vajdaság)
    Tatsächlich haben Tito-Partisanen nach der Befreiung Greueltaten gegen ethnische Ungarn begangen. Dass die rechtsextreme Bagage das mit Bildern aus Dachau illustriert ist ein Skandal.

  3. Othmar Frey permalink
    2. Februar 2013 08:47

    Besten Dank für die Recherche. Othmar Frey…..

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: