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Ethik-Vortrag von Ágnes Heller an staatlicher Schule verboten

31. Mai 2013

Im Rahmen einer Vortragsreise an Schulen sollte die Philosophin Ágnes Heller im renommierten zweisprachigen Gymnasium von Balatonalmádi eine Ethikstunde auf Englisch halten. Die Veranstaltung wurde von der Schulleiterin „nach Rücksprache mit Eltern“ untersagt, so das regionale Portal veol.hu und hvg.

Ágnes Heller (veol.hu)

Es handelt sich um Tünde Gránásiné Bácsi, dieselbe Schulleiterin, die letztes Jahr bei den Schülerprotesten für Schlagzeilen sorgte, weil sie die Oberstufenschüler und Lehrer einzeln zu ihrer politischen Einstellung befragte und die Protokolle an die Regierung weitergab (vgl. Pester Lloyd: Gesinnungsschnüffelei: Direktorin in Ungarn meldet Regierung „Meinung“ der Schüler)

Im Januar 2013 wurde das Gymnasium deswegen zu einer Geldstrafe von 300 000 HUF verurteilt („widerrechtliche Datenerhebung“). Die Rektorin sagte zur Entschuldigung, vom Schulträger Anweisung  bekommen zu haben, die Schule nach „verbotenen politischen Aktivitäten“ zu überprüfen, aber sie habe dabei die falsche Methode angewandt. Der Schulträger ist das Regierungsbüro des Komitats.

Auf ihrer Facebook-Seite präsentiert sich die Rektorin als Fan von Viktor Orbán.

Die sieben verhörten Lehrer forderten letzten Dezember in einem offenen Brief an die damalige Staatssekretärin für Bildung Rózsa Hoffmann die Absetzung der Schulleiterin (hvg), jedoch ohne Resonanz. Ob sie noch dort arbeiten, ist nicht bekannnt.

Politische Gründe

Warum die regierungstreue Rektorin die Veranstaltung absagte,  erschließt sich aus dem Kommentar einer Organisatorin des Vortrags zum Artikel auf Veol.hu: Aus politischen Gründen. Beáta Mezriczky schreibt, die Rektorin habe ihr  auf ihre Anfrage im Vorfeld geantwortet, Ágnes Heller sei „einem politischen Lager zuzuordnen“,  und sie werde sich erkundigen (!), ob diese Veranstaltung an ihrer Schule möglich sei. Demnach fällt ein Ethik-Vortrag von Ágnes Heller als „politische“ Veranstaltung nicht unter die Entscheidungsbefugnis der Rektorin, sondern muss vom Schulträger – dem Regierungsbüro – abgesegnet werden. Als Mezriczky lange keine Antwort erhielt, schrieb sie der Rektorin, dass sie mangels gegenteiligem Bescheid nun mit der Organisation der Veranstaltung beginnen würde. Innerhalb von zwei Stunden kam die Absage, „und auch die Lehrer waren nicht zu überzeugen“. Schließlich wurde die Veranstaltung in Veszprém und einer Privatschule in Várpalota abgehalten.

Kommentar eines Jobbik-Sympathisanten zum Verbot der Veranstaltung auf veol.hu:

Kovács Attila: Sehr richtig, über Ethik und Moral soll uns kein kommunistischer Spitzel Vorträge halten!

Kommentare zum Veol-Bericht zu Hellers Vortrag in Várpalota:

Kovács Attila · Woher nimmt dieses kommunistische Spitzelwesen den Mut, andere belehren zu wollen?????

Szentendrei Devizahiteles Árfolyamgátat NE : Welche Ethik, Ágnes? Die der Juden, oder die universelle?

Bíbor Dália Varga: Alte Diebin, jüdische Schlampe. Natürlich sind auch diejenigen nicht anders, die sie eingeladen haben. Wegen der allmählich 100 Jahre – latent oder dominant- vorhandenen jüdisch-kommunistischen Diebes-„Ethik“ stehen wir da, wo wir heute sind.

(Zum – lange entkräfteten – „Diebes“-Vorwurf gegen Ágnes Heller vgl. Pusztaranger: Chronik eines Schauprozesses, 3. Februar 2011, und Folgeposts.)

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4 Kommentare leave one →
  1. Karl Pfeifer permalink
    31. Mai 2013 13:56

    Nun das zeigt was FideszJobbik als „christlich“ und „national“ betrachtet.
    Interessant, wenn da einer dieser nazionalen Eseln fragt, ob Heller jüdische Ethik vortragen möchte. Der Ignorant ist sicher überzeugt, dass Jesus ein Ungar war.
    Da fällt mir ein, vor einigen Jahren als die Rechten und Rechtsextremen vereint Hit Gyülekezete als Sekte geschmäht haben, wurde von den Gegnern von Hit Gyülekezete eine Podiumsdiskussion veranstaltet, die von einem katholischen Pfarrer moderiert wurde.
    Die Mutter eines „Sektenangehörigen“ beschwerte sich über ihren Sohn, der in der theologischen Akademie von Hit Hebräisch lerne. Der Pfarrer erklärte, dass die Bibel doch Hebräisch geschrieben sei, worauf diese Ungarin heftig protestierte: „Nein, die ist Ungarisch geschrieben“.
    Wenn all das nicht so fürchterlich traurig wäre, könnte man lachen.
    Ob dieser Spuk noch nach 2014 weitere vier Jahre dauern wird?

    • peter permalink
      31. Mai 2013 19:11

      http://nol.hu/lap/forum/20130529-politika_es_toltott_kaposzta

      „A társadalomban élő emberek gondolatai, érzései, érdekei, hitei, tévhitei eltűnnek ez alatt a politikai lepedék alatt. Más szóval: az agyonpolitizált országban eltűnnek az autonóm társadalmi szereplők; a politikai fertőzéstől mentes autonóm hangok, gondolatok.

      Mert hát nem képtelenség-e az, hogy a televíziós műsorokba behívott mondjuk öt filozófus közül négy nem az emberi lét fontos kérdéseiről beszél (amire nagyon nagy szükség volna ebben a szellemileg kiszikkadt országban), hanem mondjuk az egészségügy valamely épp aktuális dilemmájáról (amiről persze beszélni kell). Vagy az, hogy mondjuk a behívott színházkritikusok nem O’Neill vagy Stoppard épp bemutatott darabját elemzik, hanem a színház-igazgatói kinevezések körüli botrányban harciaskodnak (ahol persze nagyon is szükség van a bátor kiállásokra). De politikai műsorrá torzulnak (gyakrabban, mint ami indokolt volna) a napraforgótermésről, az óvodákról, autóbuszokról, szociális kérdésekről, a házak szigeteléséről vagy éppen Euró páról szóló műsorok is. A kevés politikamentes, üde folt közé tartoznak a sportműsorok, vagy igazán talán csak a (nem véletlenül) egyre népszerűbbé váló főzőcskéző műsorok. A pártok, úgy látszik, még nem vették észre az erdélyi töltött káposztában vagy a (nem ősmagyar) sztrapacskában rejlő lehetőségeket.

  2. Don Kichote permalink
    31. Mai 2013 15:21

    Sehr intelligente Kommentare, dass ist also das Schulwesen in Ungarn. Da wundert mich gar-nichts mehr.

    • Dirk permalink
      3. September 2013 07:10

      In meinen Augen ist HIT GYÜLEKEZETE eine „Sekte“! Schlimm das diese Glaubens-Gemeinde Schulen in Ungarn übernehmen können bzw. aufziehen dürfen. Schlimm das diese überhaupt „anerkannt“ wurde und schlimm das diese auch politisch soviel Einfluss im Land hat.

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