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Jobbik und der Derrick-Skandal

2. Juni 2013

Wer hätte zu Horst Tapperts Lebzeiten gedacht, dass sein Gesicht einst ungarische Neonazis zieren würde, und Jobbik sich jeden Abend Derrick wünscht wie im Iran.

Der deutsche TV-Exportschlager Derrick war auch in Ungarn sehr beliebt. Die Meldung, dass das ZDF sowie Fernsehsender in den Niederlanden, Belgien und Frankreich ihn aus dem Programm genommen haben, weil Horst Tappert Mitglied der Waffen-SS war, sorgte in der rechtsextremen ungarischen Weltnetzgemeinde für Empörung – mal wieder ist die jüdische Weltverschwörung am Werk, und verunglimpft posthum einen ausgezeichneten Schauspieler, „der als Held sein Land gegen die anrückende zionliberale (sic) bzw. bolschewistische Gefahr verteidigte.“ (alfahir, szentkoronaradio)

Umso mehr freute man sich bei Jobbik an der Reaktion des Iran auf den Derrick-Skandal im Westen: Mit dem triumphierenden Titel „Jetzt erst recht“ meldete das Jobbik-Nachrichtenportal Alfahír (ehemals Barikad) im Mai in Berufung auf eine italienische Zeitung, dass das iranische Staatsfernsehen als „solidarische“ Reaktion ab Juli alle 281 Episoden (!) der „nicht koscheren Krimiserie“ im Vorabendprogramm ausstrahlen wird. Der iranische Kulturminister wird folgendermaßen zitiert: „Das ist eine würdige Öffnung zur westlichen Welt, und eine angemesse Antwort an diejenigen, die unser Land als rückschrittlich angeprangert haben.“

Mehr zu den hervorragenden Beziehungen von Jobbik und dem Iran auf diesem Blog:

Ungarischer Neonazi-Modetrend 2013: Horst-Tappert-T-Shirts

Wo heute bei ungarischen Neonazis Horst Tappert drauf ist, ist Verherrlichung der Waffen-SS drin. Anfang Mai rief das Neonaziportal Blood & Honour Hungaria selbstgemachte Derrick-T-Shirts zum Sommer-Modetrend 2013 aus: „Damit ist alles gesagt: Kommissar Derrick kämpfte immer gegen das Böse!“

Derrick

Dem Aufruf gefolgt ist ein Jobbik-Politiker, Csanád Ábel Kőszeghy,  der Vorsitzende des Jobbik-Ortsverbandes Debrecen und Debrecener Gemeinderat; hier die Tage auf einer Jobbik-Pressekonferenz mit dem Jobbik-Landespressechef Gábor Pál (l.) und dem Jobbik-Abgeordneten Gergely Kulcsár (m.) in Debrecen. (Quelle: vagy.hu)

Jobbik öffentlich als neonazistisch zu bezeichnen, wurde in Ungarn im März per Gerichtsbeschluss verboten, siehe Pester Lloyd, 22.03.2013.

Debrecen_derrick

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3 Kommentare leave one →
  1. Hunor permalink
    3. Juni 2013 00:23

    Einen Derrick-Skandal sehe ich lediglich in Frankreich, Belgien, Holland, wo man Derrick-Filme verbannen will wegen Derrick’s WK-2-Vergangenheit. Einfach lachhaft, wegen so einer Petitesse die Serie abzusetzen. Derrick war halt Patriot und hat in einer Elite-Einheit gedient, so what-the-f**ck?? Und da pissen sich die Programm-Verantwortlichen in die Hose, ja wie jämmerlich ist das denn?? Derrick war ein guter TV-Kommissar. Jetzt so zu tun, als wäre er ein Vergewaltiger, Kinderschänder, Raubmörder usw ist aber sowas von fadenscheinig und kleingeistig, da wird mir kotzübel.

    • pusztaranger permalink
      3. Juni 2013 11:58

      Und auch Hunor trägt schon Horst Tappert. T-Shirt oder gar Tattoo?

  2. Hunor permalink
    3. Juni 2013 14:44

    Nööö, Pusztaranger, für solch lächerliche T-Shirt-Demos habe ich nichts übrig. Allerdings habe ich auch nichts dagegen, wenn irgendjemand seine Meinung zum Thema auf seinem T-Shirt kundtut. Und mit Tattoos habe ich erst recht nichts am Hut, sowas überlasse ich den Prolls. Überhaupt ist mir die ganze künstliche Medienaufregung um Horst Tappert absolut zuwider. Genauso wie damals die verlogene, künstlich aufgeblasene Medienaufregung um Günther Grass und dessen Waffen-SS-Vergangenheit. Selbst die ehemaligen Gegner Deutschlands haben viel mehr Respekt für die Männer der Waffen-SS übrig, als die rückgratlosen Nachäffer der Siegerjustiz. Wenn man pauschal die Waffen-SS verurteilt, dann kann man getrost auch die Fremdenlegion oder sonst irgendeine Elitetruppe verurteilen. Das war eben Krieg, und dem Gegner wird da im Allgemeinen nicht zuvor sein Grundrecht vorgelesen und gefragt, welches Menue er denn zum Mittagessen haben möchte. Die Männer waren halt hart zu sich selbst, wie sie es auch zum Gegner waren, getreu ihrem Motto, welches ich wohl nicht extra nennen muß.
    Mit Sicherheit haben 99,999 % der Fernsehzuschauer rein gar nichts daran rumzumäkeln, dass Tappert als Jüngling bei der Waffen-SS war. Das ist etwa so albern, als wenn ich mein Messer zum Butter-aufs-Brot-streichen in den Müll werfe, bloß weil in der Nachbarschaft jemand seine Ehefrau mit einem solchen Messer erstochen hat. Ja geht‘ noch?? Wen die Vergangenheit Tapperts stört, muss ja seine Filme nicht anschauen. Aber die TV-Bevormunder müssen ja unbedingt den Zuschauer wie ein unmündiges Kind behandeln . Kopfschüttel-Kopfschüttel!!

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