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Regierung verordnet Kinderhymne zum Trianon-Gedenktag

3. Juni 2013

Kinder sind „nicht dazu da, um sie politischer Gehirnwäsche auszusetzen“, sagte Viktor Orbán anlässlich der Kontroverse um den kritischen Kinderkanal-Beitrag zu Ungarn im März.

Zum diesjährigen Trianon-Gedenktag ruft das ungarische Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Justiz in einem Schreiben an die Schulleiter und Pädagogen „alle Kinder in und außerhalb Ungarns“ (gemeint ist das Gebiet des historischen Großungarn bis 1920 bzw. Ungarn weltweit) sowie alle Altersgruppen zum gemeinsamen Absingen des eigens komponierten „Liedes des Zusammenhalts“ (s.u.) am 4. Juni um 18.00 Uhr auf, „als Ausdruck der gemeinsamen Geschichte, Kultur, Traditionen und Zukunft der Völker des Karpatenbeckens, also zum Ausdruck der Zusammengehörigkeit.“ Wohlgemerkt gibt es keine internationale Version, die auch die anderen „Völker des Karpatenbeckens“ – Rumänen, Ukrainer, Slowaken, Serben etc. – mitsingen könnten, es handelt sich um eine rein großmagyarische Aktion, um den Zusammenhalt der Magyaren in Mutterland, den 1920 abgetrennten Gebieten und weltweit zu beschwören.

„Das Lied kann überall gesungen werden, zu Hause, im Freundeskreis, in der Schule, organisiert oder unorganisiert, das Wichtigste ist, dass es so viele wie möglich singen!“


(hvg)

Das Ministerium ruft dazu auf, das gemeinsame Singen per Video zu dokumentieren und auf Youtube und Facebook einzustellen, „damit an diesem Tag das Lied über alle Grenzen hinweg erklingt.“ Die besten Beiträge werden ab dem 10. Juni auf der Regierungsseite eingestellt.

So klingt das Lied in der offiziellen Version:

„Die Musik ist ein nonverbales Kommunikationsmittel“, heißt es auf der Regierungsseite; „Wohin die Worte nicht mehr hinreichen, dorthin führt der Weg über die Musik.“

Fragt sich, wozu sie dann überhaupt diesen Text brauchten. Er lautet folgendermassen (literarisch getreue Übersetzung PR):

Lied des Zusammenhalts

Ich habe geträumt von einem Pfirsichbaum*, unter dem alle tanzen.
Ich stand mit Dir in einem riesigen Kreis, im weichen Gras, auf einer taufeuchten Wiese.
Unsere Hände berühren sich, unsere Fußsohlen treten aufeinander (sic)
In unseren Augen strahlt das Licht des Glücks.
Stell auch Du dich in den Kreis! Tanze, wie dein Blut dich treibt (sic),
spüre, dass das Herz der Erde mit dir schlägt, denn wir alle sind Eins.
/: Schon reift der Pfirsich, die Frucht der gesegneten Erde.:/

(*Barack kann Pfirsich und Aprikose sein, im Netz scheint man zu Pfirsich zu tendieren. Der amerikanische Präsident ist definitiv nicht gemeint. Wer morgen mitsingen möchte,  Noten hier.)

Singen, Tanzen, Aufgehen in der Volksgemeinschaft – das hatten wir doch schonmal.

(BDM-Gruppe beim Reigentanz, dradio.de)

*

Um sich die Bedeutung  und Dimension des Trianon-Gedenktages zu vergegenwärtigen, hier eine kleine Google-Auswahl an Trianon-Denkmälern in Ungarn, wie sie seit 2010 jede Kommune hat, und an denen morgen landesweit die lokalen Gedenkfeierlichkeiten stattfinden werden.

csakvar

Csákvár

dunakeszi

Dunakeszi

Érpatak

Érpatak

etyek

Etyek

Kecel

maglód

Maglód

pecel

Pecel

Pusztarangers Favorit: Großungarn unter der Guillotine. Man spürt das nationale Trauma schon beim Hinsehen.

békéscsaba

Békéscsaba

6 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    3. Juni 2013 13:57

    „unsere Fußsohlen treten aufeinander“ buaar, ist das nun eine Feststellung den es ist auch ohne Tanzen so oder eine Drohung für eine Militärische Zukunft an die Nachbarn oder schulische Fehlleistung weil man nicht weiß was man singt?

    „Tanze, wie dein Blut dich treib“ Andere unter deine Fußsohlen, ha, die werden uns schon kennenlernen. Mit dem göttlichen Licht werden wir erstrahlen und der Baum mit der verbotenen Frucht wächst schon in unserem Garten Eden. Dieses Lied sollte man überall lernen, überirdische pädagogische Leistung.

    • pusztaranger permalink
      3. Juni 2013 14:19

      Eine mainstreamige Lalala-Version von Blut und Boden, und dazu noch mies gemacht. Die Fußsohlen sollen allerdings m.E. nicht böse Feinde treten, sondern als Ausdruck der innigen Verbundenheit der großmagyarischen Volksgemeinschaft funktionieren. Trianon-Joga.

      • Maria permalink
        3. Juni 2013 20:38

        Ich hätte gedacht, die Fußsohlen treten auf die Fußabdrücke der seit tausend Jahren auf dieser heiligen Erde tanzenden Ungarn, auf die Art ist „Fußsohle auf Fußsohle“ ohne allzu großen akrobatischen Aufwand vorstellbar. Ist aber eigentlich auch unwesentlich, das magyarische Blut wird ohnehin ausdrücklich beschworen.

  2. Rock permalink
    4. Juni 2013 07:40

    Das Bild unten mit der Werbung für „Goodgame Empire, Jetzt spielen“ finde ich Klasse!

  3. 4. Juni 2013 12:06

    linke scheisse

  4. 12. Juli 2013 08:38

    Was noch fehlt ist die Strophe mit dem Barackpalinka, der dann auch die restlichen Kneipengänger vereint. Zumindest für einen Abend oder Tag sollte das machbar sein.

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