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Verdienstkreuz an rechtsextremen Rocker war „Verwechslung“

6. Juni 2013

Warum hat der Minister für Humanressourcen Zoltán Balog dem Sänger der rechtsextremen Band Kárpátia im März ein Verdienstkreuz verliehen? Weil man die Band im Ministerium mit einer lange aufgelösten Folkgruppe gleichen Namens verwechselt haben will, die traditionelle Tanzhaus-Musik der moldawischen Csángós spielte und für kulturelle Vielfalt warb. So weit so peinlich, aber es geht noch schlimmer: Zoltán Balogs Ministerium ist u.A. für Romaintegration zuständig. Die Sängerin der Folkgruppe Kárpátia ist Romni und inzwischen international gefeierter Weltmusik-Star.

Dem von Zoltán Balog geführten Ministerium für Humanressouren ist ein kolossaler Fehler unterlaufen, schreibt heute hvg unter Berufung auf 444.hu.

Im März hatte Balog dem Sänger der rechtsextremen Band Kárpátia ein Verdienstkreuz verliehen.

Die Formation gilt als die „Hausband“ der rechtsextremen Parlamentspartei Jobbik. Sie schuf auch den Marsch für die inzwischen verbotene, von der Jobbik ins Leben gerufenen paramilitärischen Ungarische Garde. Die Band besingt in ihren Texten die „unbefleckte Nation“ und ruft zu gewaltsamen Veränderungen der Grenzen Ungarns auf. (Deutsche Welle)

Ein Leser von 444.hu hatte die zuständige Abteilung im Büro des Ministerpräsidenten um die Begründung für diese  Auszeichnung gebeten, diese leitete ihm nun die offizielle Begründung des Ministeriums für Humanressourcen weiter. Daraus geht hervor, dass man die  rechtsextreme Band im Ministerium für eine mittlerweile aufgelöste Folkgruppe gleichen Namens hält, die für traditionelle Tanzhaus-Musik der moldawischen Csángós und  Weltmusik bekannt war. Ihre Sängerin war der Weltmusik-Star Bea Palya;  die Gruppe hatte sich vor Jahren wegen dem Namenskonflikt mit der rechtsextremen Band aufgelöst.

Folkgruppe Kárpátia, das Original. Musikbeispiele hier. (444.hu)

Kárpátia, Jobbik-Hausband mit Verdienstkreuz (hvg)

In der Begründung des Ministeriums werden Kárpátias „Verdienste um die Popularisierung der Tanzhaus-Bewegung“ und die „kulturelle Vielfalt“ gewürdigt, Dinge, für die Hardrocker János Petrás nicht bekannt ist, für rassistische und homophobe Ausfälle umso mehr.


444.hu

János Petrás selbst hatte seinerzeit offenbar nicht den Eindruck einer Verwechslung. Aus einem Interview mit dem Jobbik-Nachrichtenportal Alfahír (ehemals Barikad):

– Was stand in der Begründung für Deine Auszeichnung?
– Der Grund war konkret meine Arbeit als Komponist und Texter, in der ich ungarische nationale Motive mit Rockmusik verschmelze. Aber ich will betonen: Ich schreibe umsonst gute Texte und gute Lieder, wenn ich kein Publikum habe, das mit dieser Werteordnung einverstanden ist.  Als ich das zu Minister Zoltán Balogh gesagt habe, hat er mir Recht gegeben.

Die Regierung wollte sich im März zur Kritik an Petrás‘ Auszeichnung nicht äußern. Minister Zoltán Balog sagte hvg, er habe zu der Angelegenheit schon alles gesagt und wolle nicht weiter darüber sprechen.

Zoltán Balog hatte im März drei Rechtsextreme ausgezeichnet. Deutsche Presse vom März:

Nach internationalen Protesten bat Balog schliesslich einen der drei ausgezeichneten Rechtsextremen, den Publizisten Ferenc Szaniszló, um die Rückgabe seines Preises, die auch erfolgte; Balog sagte, seine antisemitischen Äußerungen seien ihm nicht bekannt gewesen. Die beiden anderen Ausgezeichneten, János Petrás und Kornél Bakay, durften ihre Preise jedoch bislang behalten. (Tagesschau)

Die erstaunliche Inkompetenz in Balogs Ministerium zeigte sich schon letztes Jahr bei  einer ähnlichen Panne: Staatssekretär János Halász hatte in einem offiziellen Schreiben eine Romanfigur des Pfeilkreuzler-Schriftstellers József Nyírô (Uz Bence, dt. Titel „Der Uz“, 1934)  als einen weiteren  vom Ministerium in den Nationalen Rahmenlehrplan aufgenommenen Schriftsteller bezeichnet. (hvg)

*

Update: Das Ministerium gab noch am selben Abend als Reaktion auf die Medienberichte eine Erklärung heraus: Selbstverständlich habe der für Auszeichnungen zuständige Ausschuss gewusst, welcher Band János Petrás angehört, als er ihn für das Verdienstkreuz vorschlug, und bei der zitierten Erklärung handle es sich um einen „administrativen Fehler“. (444.hu)

*

Bea Palya tritt am 16.6. im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen in Wien auf.

7 Kommentare leave one →
  1. Elisabeth BG permalink
    6. Juni 2013 18:45

    Balogh ist nur noch peinlich

    • pusztaranger permalink
      6. Juni 2013 21:14

      Oder im Fidesz-Sprech: Zoltán Balog – Problem oder Chance?

  2. Don Kichote permalink
    7. Juni 2013 05:52

    Die Verleihung des Verdienstkreuz, an die rechtsextreme Band, passt auf zur Segregation der Romakinder. Nun sind drei Monate vergangen und ein „kolossaler Fehler“ ist entdeckt worden. Balog ist noch viel dümmer als ich ihn einschätzte, wenn er glaubt, er ist ja ein Pfaffe, dass man das abnimmt. Das ist nicht nur peinlich, das ist dummdreist.

  3. István Jung permalink
    7. Juni 2013 18:09

    Bitte;

    http://www.kormany.hu/hu/emberi-eroforrasok-miniszteriuma/hirek/a-kituntetesi-bizottsag-tudta-kit-javasol

    Also es ist jetzt Absicht, oder haben Sie vergessen zu recherchieren ?

    • pusztaranger permalink
      8. Juni 2013 09:27

      Können Sie nicht lesen, das Update vom 6. steht dick dran: Keine Verwechslung, lautet derzeit der offizielle Standpunkt. Der rechtsextreme Rocker wurde mit Absicht ausgezeichnet.

      Hier ein Kárpátia-Konzertmitschnitt vom Neonazi-Festival Magyar Sziget in Verőce 2011 mit Gaststar, der Fidesz-Abgeordneten Mária Wittner. Im Lied „Ich will Namen hören“ geht es um die Vergeltung an den „Mördern und Verrätern“ von 1956; das Publikum begrüsst Wittner frenetisch mit „Dreckige Juden!“

  4. Karl Pfeifer permalink
    8. Juni 2013 06:50

    Es gibt anscheinend keine Gemeinheit und Dummheit, die diesen Leuten nicht abgenommen wird. Segregation in Schulen? Ist doch zum Vorteil der Roma behaupten die Orbanistanpropagandisten. Das akzeptiert die EU als „Roma-Strategie“ und will nicht merken, dass mit diesem dummdreisten Argument auch die damalige südafrikanische Apartheid-Regierung hausieren ging.

    • Don Kichote permalink
      8. Juni 2013 11:01

      Ja Herr Pfeifer, das akzeptiert sogar unser möchtegern Humanist und Pfaffe, Bundespräsident Joachim Gauck.

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