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Orbán: „Die magyarische Rasse ist in Gefahr“

6. Dezember 2013

Viktor Orbán benutzt in der alltäglichen politischen Kommunikation zunehmend rechtsextreme Terminologie (vgl. Blut-und Boden-Rede 2012). Heute sagte er im staatlichen Kossuth Radio, „die magyarische Rasse sei in ernster Gefahr, wenn die Geburtenzahlen nicht steigen.“ (hvg) [Update beachten: Orbán: “Lebensinstinkt der bedrohten magyarischen Spezies”, 7. Dezember 2013. Die zitierten ungarischen Medien berichteten zuerst mit dem Wort „Rasse“ (faj) und änderten im Laufe des Tages zu „Spezies, Art“ (fajta), das, wenn auch weniger offensichtlich, ebenfalls das rechtsextreme Lager bedient (vgl. Jobbik-speak „magunkfajta“, arteigen) und in jüdischen/liberalen Kreisen entsprechend mit Irritation aufgenommen, von den „eigenen“ Leuten jedoch als völlig neutral empfunden wird. Hier wird bewusst mit unterschiedlichen Semantiken gearbeitet.] Die Regierung arbeite daran, die Gefahr abzuwenden, das Ziel sei die Geburt der geplanten Kinder.  „Wir bauen mit Volldampf Kinderkrippen, Kindergärten, es müssen gute Schulen her, Gehälter, ein gutes Steuersystem – im Großen und Ganzen sind diese Bausteine schon vorhanden, das Haus ist in Umrissen zu sehen, langsam können wir uns die Schlinge vom Hals nehmen.“ (Origo)

Die „magyarische Rasse“ gibt es als anthropologischen Begriff seit dem 19. Jahrhundert; in der Horthy-Ära bildete er sich zum politischen Programm heraus. So gab es 1924-28 – also schon vor den Pfeilkreuzlern (1939-45) – die rechtsoppositionelle „Rassenschutz-Partei“, gegründet u.A. von Gyula Gömbös, führender rechtsextremer Politiker des Horthy-Regimes und Ministerpräsident Ungarns (1932–1936). Unter seiner Regierung näherte sich Ungarn dem faschistischen Italien, dem austrofaschistischen Österreich und dem nationalsozialistischen Deutschland an. (wiki)

magyar_faj

(„a. Hund, b. Menschenaffe, c. Höhlenmensch, d. Afrikanischer Mohr, e. Nordische Rasse, f. Ostbaltisch, Magyarisch.“ Fundstück aus dem Internet, wohl aus einem Buch der Zwischenkriegszeit.)

Der „magyarische Rassenschutz“ war von Anfang an klar antisemitisch motiviert und nach 1920 an die „ungarische Erde“ gekoppelt.

Aus „Magyarische Erde, magyarische Rasse, Band 4: „Die Anthropologie des Magyarentums“, von 1936 („Magyar föld, magyar faj“, von Gyula Prinz, Jenő Cholnoky, Graf Pál Teleki und Lajos Bartucz, 4 Bd., Königliche Ungarische Universitätsdruckerei; Neuauflage Babits Verlag 1993. Graf Pál Teleki war 1920-21 Ministerpräsident, 1938/1939 Kultusminister und 1939-1941 erneut Ministerpräsident.)

„Die Pioniere des magyarischen Rassenschutzes“, 1942, von Zoltán Bosnyák, seit 1943 Leiter des „Instituts zur Erforschung der Judenfrage“ (vgl. Seite Der Holocaust in Ungarn). Neuauflage durch den Neonazi-Verlag „Gebrüder Gede“, die auch „Mein Kampf“ und andere Naziliteratur herausgeben.

[Update 6.12., 17.00 Uhr: Inzwischen haben die großen Portale in ihren Berichten den Begiff „Rasse“ (faj) durch „Art, Spezies“ (fajta) ersetzt, ohne die Änderung auszuweisen:

„Die Magyaren sind eine „bedrohte Spezies“ (veszélyeztetett fajta), wegen dem Bevölkerungsrückgang sind wir zusammen in „ernster Lebensgefahr“. (Origo)

„Die Magyaren sind eine bedrohte Spezies, die in ernster Lebensgefahr ist, wenn die Geburtenzahlen nicht steigen.“ (hvg)

Auf der Facebook-Seite von hvg steht es noch in der alten Version.

Orbán sprach demnach von den Magyaren als „bedrohter „Spezies“ quasi im Sinne des Naturschutzes. Ein Unterschied in der politischen Rhetorik, aber kein inhaltlicher.
Der Begriff „fajta“, „Art, Spezies“, wird zoologisch, botanisch und anthropologisch benutzt, vgl. Ungarische Elektronische Bibliothek: „Menschenrassen“. Dort finden sich (ohne Quellenangabe, als allgemeines Bildungsgut) die drei geographischen „Großrassen“ und ihre Untertypen (nordisch, dinarisch, turanisch etc.) nach Egon von Eickstedt,  einem der führenden Rassentheoretiker im Nationalsozialismus.

Die Rechtsextremen verwenden „fajta“ zudem seit Jahren zur Abgrenzung von „arteigen“ (magunkfajta) vs. „artfremd“, als Synonyme für „magyarisch“ vs. „fremdherzig“, „jüdisch“.  Orbán selbst verwendete den Begriff „arteigen“ bereits in seiner Rede zur Lage der Nation   2008, worauf die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky 2009 hinwies.

Update Ende.]

*

Google ist noch nicht auf dem neusten Stand. Gibt man die Suchbegriffe „magyarisch, Rasse, Mutter“ (magyar faj anya) in die Bildersuche ein, findet sich oben eine „ungarische Rassesau“.

magyar_faj2

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7 Kommentare leave one →
  1. Minusio permalink
    6. Dezember 2013 11:17

    Es geht alles in die vorausgesagte Richtung. Davon ist nur die „Rassesau“ appetitlich…

    • 10. Dezember 2013 18:56

      Da Ungarn und das Karpaten-Becken ist eine begehrte Gebiet, viele, besonders die Deutsche versuchen sait eine Jahrtausend es unter ihren finger zu kriegen. Aber solche LeuteRegime werden ziemlich schnell in der Grass beißen

  2. 10. Dezember 2013 09:17

    [Anm. PR: Bleibt zur Illustration unzensiert stehen, wird aber nicht kommentiert.]

    Meisten der hier ausgeführte „Erklärung“ für den Wort „Faj“ in der Zeit nach den 1. Weltkrieg ist falsch, deshalb der Angriff gegen Orban ist dumm. Nämlich damals war dazu benutzt den Ungarische Nation, Kultur, Tradizionen zu bedeuten. Das Wort „Nemzet“ (Nation) könnte nicht man benutzten, weil es beinhaltete alle Minderheiten auch.
    In jeden Europäischen Land gehen die Geburtszahlen der Urbewohner zurück und die werden durch Einwanderer ersetzt, die dann mehr Kinder haben als die „Eingeborene“. Die Politiker jedes Landes machen sorgen wegen diese Trend.
    In England, Frankreich, Deutschland(?) sind die Einwanderer Mohamedaner. Unter dessen gibt islamistische Extremisten, die sich eingeschworen den Kultur und Gesetze der Gastgeberland zu vernichten und die Scharia einzuführen.
    Wenn die Orban Regierung rassistisch ist, dann weil die jüdische Opfer der von Deutschen durchgezwungen „Holocaust“ werden für jeden Kleinigkeit entschädigt, während die Ungarn gehen leer aus. Bis 1944 Juden aus den Ungarn benachbarten Länder flüchteten nach Ungarn und bis Unserer Land in März 1944 von den 3. Reich besetzt wurde, war ihren Leben nicht bedroht. Sogar eine Jüdische Zeitung (Mult és Jövő) erschien regelmässig bid der Besetzung.
    Die Bevölkerungsrückgang macht Orban natürlich sorge. Und jeden Ungar is auch besorgt. Besonders wiel die Roma vermehren sich wie kaninchen um von Kindergeld zu leben.
    Aber dieses Geld muss kommen von irgendwo, von der arbeitende Ungarn. So lang, daß es beim ein tragbare Proportion bleibt, geht es noch. David Cameron hat Schiß wegen ein paar Tausend einwanderer Zigeuner. Die Bevölkerung Englands ist 6 × so gross als Ungarns wo nicht nur ein paar tausend, sondern paar hundertausend Zigeuner leben auf den Kosten der Mehrheit. Es wäre gerecht, wenn die Länder die Ungarn kritizieren finanziel auch ein Beitrag leisten würden.

  3. 10. Dezember 2013 18:52

    Faj: Sprache + Kultur+ gemeinsamen Geschichte + Tradizion and hat n dieseKontext nichts mit biologosche Rasse/spezies zu tun. Daß sagen nur die die Ungarn und die Ungarische Menschen nicht kennen, oder rechts-extremisten und Orbán is kein extremist.
    Die Ungarn möchten ihren rechte auf ihren eigenen Sprache und úralte Kultur & Taradizionen behalten, trotz Jahrhunderte alte Deutsche Versuche uns zu vernichten.

  4. Minusio permalink
    10. Dezember 2013 22:11

    „… trotz Jahrhunderte alte Deutsche Versuche uns zu vernichten.“

    Da schreibt offenbar jemand mit viel Herzblut. Warum nicht? Aber mir war bisher nicht bekannt, dass die Deutschen seit Jahrhunderten versuchen, die Ungarn zu vernichten. Habe ich was verpasst? Und weshalb sollten sie? In der EU ist Deutschland ein Nettozahler, Ungarn ein Netto-Empfänger. Darüber habe ich noch keine grosse Kritik aus Deutschland gehört. Über andere Dinge allerdings schon.

    • pusztaranger permalink
      11. Dezember 2013 11:07

      Die Habsburger haben Sie vergessen. Stimmt’s, István?

Trackbacks

  1. Orbán: “Lebensinstinkt der bedrohten magyarischen Spezies” | Pusztaranger

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