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Orbán: „Lebensinstinkt der bedrohten magyarischen Spezies“

7. Dezember 2013

Das gestrige Zitat im Wortlaut. Update zum Post Orbán: “Die magyarische Rasse ist in Gefahr”, 6. Dezember 2013

Viktor Orbán gestern im staatlichen Kossuth Rádió, zitiert nach  Galamus:

„(…) Die Magyaren sind eine fleißige Spezies. Es gibt Völker, wo das nicht so eindeutig ist (…) (es folgen Ausführungen zur Arbeitsmoral der Magyaren) Ich denke, das ist der Motor des Wirtschaftswachstums in Ungarn, dieser allgemeine Geist, dieses allgemeine Denken (közszellem, közgondolkodás – impliziert eine semantische Kopplung von Öffentlichkeit und Gemeinschaft), dieser Lebensinstinkt, der magyarische Lebensinstinkt.
(…)
Wir sind eine bedrohte Spezies, werden ständig weniger, es gibt mehr Beerdigungen als Taufen (die „Spezies der Magyaren“ wird somit semantisch mit „Christentum“ gekoppelt und  „Ungläubige“ und „Andersgläubige“, Juden, Muslime etc. aus der „Spezies“ hinausdefiniert.)
Solange sich das nicht ändert, solange wir diese Tendenz nicht umkehren, können wir noch so gut leben,  in Wirklichkeit ist die ungarische Nation, sowohl ihre einzelnen Individuen wie auch zusammen, gemeinsam, solange sind wir nicht in Sicherheit, wir sind sogar in ernster Lebensgefahr.“


(Staatliche Nachrichtenseite, dort auch die Sendung zum Nachhören)

Der von Orbán benutzte Begriff „fajta“, „Art, Spezies“, wird zoologisch, botanisch und anthropologisch benutzt. In der Ungarischen Elektronischen Bibliothek finden sich unter „Menschenrassen“ (ohne Quellenangabe, als allgemeines Bildungsgut) die drei geographischen „Großrassen“ und ihre Untertypen (nordisch, dinarisch, turanisch etc.) nach Egon von Eickstedt,  einem der führenden Rassentheoretiker im Nationalsozialismus.

Die Rechtsextremen verwenden „fajta“ zudem seit Jahren zur Abgrenzung von „arteigen“ (magunkfajta) vs. „artfremd“, als Synonyme für „magyarisch“ vs. „fremdherzig“, „jüdisch“.  Orbán selbst verwendete den Begriff „arteigen“ bereits in seiner Rede zur Lage der Nation 2008, worauf die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky 2009 hinwies, vgl. Post.

*

Und wieder ist Google nicht auf dem neusten Stand. Gibt man das Orbán-Zitat „Die Magyaren sind eine fleißige Spezies“ (A magyar egy szorgalmas fajta) in die Bildersuche ein, findet sich ganz oben ein Puli, ein ungarischer Rassehund.
magyar_fajta
Züchterseite

8 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    7. Dezember 2013 12:03

    Google ist nie auf dem neuesten Stand und ich auch nicht. Ungaren sind eine eigene Spezies, man lernt nie aus. Das ist wissenschaftlicher Humbug und im Kontext eindeutig rassistisch. Mit welchen Schmerzen müssen die anständigen Ungaren aufwachen wenn Sie so etwas hören und wenn sie denn aufwachen. Überrascht bin ich nicht über solche Töne gehören sie doch zu den Taten Orbáns gerade mit seinen Lippenbekenntnissen und marschierender schwarzer Garde. Köver und Bayer wird es gefreut haben zu hören viele andere eher nicht, hoffe ich.

  2. Palóc permalink
    8. Dezember 2013 10:10

    Eigentlich habe ich kein Interesse auf Pusztaranger zu posten, weil ich nicht poste, weil ich esgeil finde mich über irgendjemanden oder -etwas aufzuregen. Außerdem erwarte ich auch nicht mehr von Ihnen als beispielsweise von Kulturkrampf auf Hungarian Voice. Insofern macht es keinen Sinn hier meine Zeit zu verschwenden.

    Nichtsdestotrotz möchte ich mal zu protokoll geben, dass es von Unfähigkeit nur so strotzt, wenn man

    „A magyar egy szorgalmas fajta.“

    mit

    “Die Magyaren sind eine fleißige Spezies.“

    übersetzt. Die korrekte Übersetzung von „Spezies“ lautet „faj“, „fajta“ wiederum lässt sich zwar auch mit „Art“ übersetzen, allerdings im Sinne von „Sorte“. Selbst der Google-Übersetzer beherrscht dies. Wenn Sie mir nicht glauben, überzeugen Sie sich doch auf der ungarischen Wikipedia-Seite zur Spezies und suchen Sie nach „fajta“. Sie werden eine Aufstellung finden, die „fajta“ und „faj“ korrekt in Beziehung setzen und dann werden Sie auch sehen, weshalb man im Falle von Hunderassen von „fajta“ spricht. Und da hätten Sie immernoch genügend Raum für Ihre Paranoia gehabt. Man kann den Schweiß daran riechen…

    Darüber, dass Sie „magyar“ – wie so typisch für die Anhänger Ihres politischen Weltbildes – mal eben ganz locker und mit einer unglaublichen Selbstsicherheit mit „magyarisch“ übersetzen Reden wir gar nicht. Sind Sie sich eigentlich im klaren darüber, dass „magyar“ schlicht die Eigenbezeichnung des Ungarn ist? Es gibt im Ungarischen keine Unterscheidung zwischen „Ungar“ und „Magyar“. Selbst in Deutschand sind diese Begriffe nicht immer klar zu trennen, z.B. wenn es um Ethnien geht. Was erwarten Sie eigentlich wie sich Orbán da ausdrücken soll? Ihre Übersetzung von „magyar“ ist daher nichts weiter als Ihre persönliche Interpretation dessen was Orbán vielleicht gemeint haben könnte.

    Erschreckend, dass ich – der zugibt nicht perfekt Ungarisch zu sprechen – Sie belehren muss über einfachste Übersetzungsfehler… Ich finde, das sagt eine Menge über die Qualität Ihres Blogs aus.

    • pusztaranger permalink
      9. Dezember 2013 08:09

      Er hätte sich anders ausdrücken können. Im ungarischen Internet gab es jede Menge Irritation über den Ausdruck „fajta“.
      Hungarian Spectrum hat es gut auf den Punkt gebracht:

      „The word is “fajta.” “Faj” means race or species and “fajta” is a subgroup within it. But it can also mean “kind” or “sort.” So, for example, you might ask at the farmers’ market “what kind of apples” the farmer is selling. Or, you might be curious about the kind of dogs the Obamas have. Some dictionaries also translate the word as “race.” You could also translate the word as “stock,” meaning blood relations or inherited characteristics. In any case, Orbán talked about the Hungarian “fajta” twice during his interview.

      Pusztaranger, the foremost German-language blog on Hungarian politics, devoted two posts to the question. In the first article, the blogger used the word “Rasse” which later was changed to “Spezies.” [Die zitierten ungarischen Medien berichteten zuerst über „faj“ und änderten es dann zu „fajta“.] In either case, as we can see, “race” and “species” can in certain instances be interchangeable, and Viktor Orbán is a master of this kind of double talk. On the one hand, using a word with an ambiguous meaning allows him to claim total innocence of the charge of racist motives while, on the other hand, he can please his right-wing followers by pointing out the special, superior attributes of Hungarians that distinguish them from the rest of mankind.“

      • Palóc permalink
        9. Dezember 2013 16:41

        Genauso gut lässt sich Orbáns Spruch übersetzen mit:

        „Der Ungar ist von einem fleißigen Schlag.“

        Völlig unspektakulär und völlig frei von jeglicher Konotation. Aber Sie müssen ihm ja einen Strick draus drehen…

      • pusztaranger permalink
        9. Dezember 2013 18:40

        Zu ungarischen Reaktionen auf Orbáns Verwendung des Begriffes „fajta“ vgl. den Kommentar auf hvg („A „magyar fajta” felbukkanása azt mutatja, hogy Orbán szövegírói valami oknál fogva (tudatlanság? jobbra kacsintás? habitus?) immár teljesen lementek ebbe a kvázinyilas minthanyelv-beszédmódba.“) Ausserdem Lesetip: NZZ: Die Enteignung der ungarischen Sprache, von Wilhelm Droste.

  3. Don Kichote permalink
    9. Dezember 2013 12:29

    Er hätte sagen können die Ungaren sind ein fleißiges Volk. Natürlich für Orbán musste der nachfolgende Satz kommen „Es gibt Völker, wo das nicht so ist“ bedeutet es doch eine (und hier) Art Überlegenheit. Also sind die Ungaren nach Orbáns Theorien eine überlegene (von mir aus) Art oder Sorte. Also ist es völlig wurscht ob man in diesem Zusammenhang Rasse Art oder Sorte einfügt der Sinn bleibt der selbe. Die Realität ist eine andere. Aber auf HV bespricht man eben lieber wie die einzelnen Worte übersetzt werden müssen damit man den Kontext fast schon krankhaft in eine Richtung biegen kann. Der Mann auf der Straße hat Orbán schon lange verstanden da ist HV noch am diskutieren. Ich weiß nicht ob Sie´s verstanden haben vielleicht fragen Sie mal Kulturkrampf.

Trackbacks

  1. Viktor Orbán and the magnificence of Hungarians | Hungarian Spectrum
  2. Orbán: “Die magyarische Rasse ist in Gefahr” | Pusztaranger

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