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Denkmal der Deutschen Besetzung in Budapest

19. Januar 2014

Staatskunst ist auch Kunst: Der heilige Volkskörper hat die Augen geschlossen und sich passiv in ewige Unschuld weggebeamt, die Opfer der deutschen Besatzung bleiben abstakt und gesichtslos.

Update zum Post Ungarische Regierung plant Denkmal der Deutschen Besetzung 1944, 2. Januar 2014; vgl. Süddeutsche Zeitung: Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn 1944 Fast wie Kameraden , 15.1.2014

Laut Beschluss der ungarischen Regierung wird zum 70. Jahrestag der deutschen Besetzung am 19.März 2014 ein Denkmal auf dem Budapester Freiheitsplatz errichtet. Inzwischen ist die Dokumentation im Netz einzusehen: Den Zuschlag der nichtöffentlichen Ausschreibung bekam der Bildhauer Péter Párkányi. [Korrektur 20.1.2014: Es war keine Ausschreibung, sondern ein Auftrag des Büros des Ministerpräsidenten an den Künstler, abgesegnet von einem mit Regierungsleuten besetzten Gremium; die beiden künstlerischen Gutacher Miklós Melocco und György Benedek, Mitglieder der Nationalen Kunstakademie MMA, sind mit Párkányi befreundet,  s. Magyar Narancs.]

Seine Komposition besteht aus einem aggressiv herabstoßenden deutschen Reichsadler (schwarze Bronze) und dem Erzengel Gabriel mit gebrochenem Flügel in christusähnlicher Opferpose, der Ungarn verkörpert (helle Bronze). Im Hintergrund 13 Säulen, ein Zitat des Denkmals auf dem Budapester Heldenplatz. Die Aufschrift im Giebel: „Deutsche Besatzung Ungarns 19. März 1944“. Auf einer Säule (also nicht als Hauptthema, sondern unter ferner liefen): „Zur Erinnerung an alle Opfer.“

besatzung

Durch seinen Standort auf dem Freiheitsplatz ist das Denkmal klar als Gegengewicht zum Sowjetischen Ehrenmal konzipiert. Dieses Denkmal-Ensemble der beiden Besatzungsmächte symbolisiert somit den Zeitraum März 1944-Mai 1990, für den laut der neuen Orbán-Verfassung der ungarische Staat mangels “Rechtskontinuität” nicht verantwortlich zu machen ist; alles in diesem Zeitraum Geschehene fällt nicht in die Verantwortung des ungarischen Staates und der ungarischen Nation. Des goldenen Engels eben.

Aus der Beschreibung des Künstlers:

„Die Komposition stellt diesen dramatischen historischen Vorfall nicht mit zeitgenössischen Figuren und Personen dar, sondern bedient sich kunsthistorischer Mittel, zitiert mit seinen allegorischen Gestalten Figuren der Kulturgeschichte. Unterdrücker und Unterdrückter, Besatzer und Besetzter werden dargestellt. Die Skulptur ist dramatisch, ohne dass Blutlachen, Waffen und Tote auf dem Platz erscheinen. Zwei Kulturen werden dargestellt: Die eine, die sich für stärker hält (aber auf jeden Fall aggressiver ist), (…) stürzt sich auf die andere, ruhigere Figur mit den weicheren Linien, die Ungarn verkörpernde Figur des Erzengels Gabriel, der in der Kulturgeschichte und Religionsgeschichte Mann Gottes ist, Gottes Stärke ist die göttliche Kraft.  (…)
Die Figur des Erzengels Gabriel ist schön und ruhig. Sein Körper ist perfekt, sein Blick zeigt keinen Schrecken. Sein Gesicht ist ruhig, die Augen geschlossen. Wir wissen nicht, ob er schläft oder träumt (…). Die Komposition erklärt, dass sein Traum ein Alptraum sein wird. Seine Körperhaltung verrät den Besiegten. Seine ausgebreiteten Arme lassen an drei Bewegungen denken: Kapitulation, Kreuzigung, aber auch (…) Segensgeste, die eine letzte Botschaft und gleichzeitig ein neuer Anfang sein kann.“

Identifikationsfigur ist der „schöne, perfekte, ruhige“ goldene Engel in heller Bronze, das positive, strahlende nationale Selbstbild; der heilige Volkskörper hat die Augen geschlossen und sich passiv in ewige Unschuld weggebeamt. Die Opfer der deutschen Besatzung hingegen werden durch verstümmelte Säulen und Säulenfragmente dargestellt – abstakt, gesichts- und schmerzlos.

6 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    20. Januar 2014 08:41

    Ein Text dazu, von Orban unterschrieben.
    http://tinyurl.com/nekwfme
    Was meint Orbán mit „Ungarn nimmt Anteil am Gedenken“?

  2. Minusio permalink
    20. Januar 2014 17:42

    Vielleicht sagt Gabriel aber auch: „Wahnsinn!“ (Obwohl er Wahnwitz sagen wollte)

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