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Europawahl 2014: Fidesz stellt Ungarn aus Nicht-EU-Staaten auf

10. April 2014

Fidesz stellt Auslandsungarn auch aus Nicht-EU-Staaten zur Europawahl auf; derweil fordert ein Jobbik-Abgeordneter im Europarat die Karpatenukraine zurück.

Wen repräsentiert Fidesz? Gerade macht ein Video von der Fidesz-Veranstaltung zum Abschluss des Wahlkampfs in Debrecen im Netz die Runde (s.u.). Der Debrecener Schauspieler und Fidesz-Gemeinderat Zsolt Dánielfy, im März mit dem ungarischen Verdienstkreuz ausgezeichnet, deklamierte unmittelbar vor Viktor Orbáns großem Auftritt das Gedicht „Wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!“, das 2005 von Rudolf Kóczián anlässlich der gescheiterten Volksabstimmung zur doppelten Staatsbürgerschaft für die Auslandsungarn verfasst wurde. Den Gegnern der damaligen Volksabstimmung – und heute den Nicht-Fidesz-Wählern –  wird mit dramatischem Gestus jede gesellschaftliche Solidarität aufgekündigt: „Denn wer sein Volk vergisst, wer es verleugnet, der tötet seine blutsverwandten Geschwister (…), für den kann es keine Entschuldigung geben!“ Anschließend betrat  Viktor Orbán unter Jubel die Bühne.

Fidesz präsentiert sich hier im Wahlkampf als alleinige legitime politische Vertretung einer blutmäßigen magyarischen Abstammungsgemeinschaft in den tausendjährigen Grenzen; dies programmatisch auch bei der Europawahl.

Fidesz stellt Auslandsungarn für Europawahlen auf

Auf der Fidesz-Liste für die Europawahlen finden sich Kandidaten aus den Nachbarländern mit ungarischer Minderheit, auch aus den Nicht-EU-Staaten Ukraine und Serbien: Nr.3 ist László Tőkés, Orbán-Trabant aus Siebenbürgen, bislang rumänischer Europaabgeordneter – im Sommer 2013 forderte er Viktor Orban auf, Siebenbürgen nach dem Muster Südtirols als “Protektorat” Ungarns zu behandeln; Nr. 9. Karpatenukraine – der Kandidat steht noch nicht fest; 10. Vojvodina/Serbien, der Kandidat steht noch nicht fest; Nr. 21. “Oberungarn”, das mehrheitlich von Ungarn bewohnte Gebiet der Slowakei – der Kandidat steht ebenfalls noch nicht fest. (Origo)

Bei den noch zu benennenden Listenkandidaten aus der Ukraine und Serbien ist natürlich davon auszugehen, dass sie in den letzten Jahren die ungarische Staatsbürgerschaft bekommen haben.

Auf der Fidesz-Seite heißt es:

Die Zusammensetzung der nationalen Liste steht für den Zusammenhalt der Magyaren, in dem Sinn, dass Ungarns Interessen im EU-Parlament geschützt werden müssen, so die Fidesz-Europaabgeordneten Ildikó Pelczné Gáll und József Szájer auf der heutigen Pressekonferenz.

Auf der nationalen Liste seien auch die Teile der Nation jenseits der Grenzen – Karpatenukraine, Siebenbürgen, Vojvodina, Slowakei – und auch die Diaspora (durch György Schöpflin) vertreten. “Wir haben uns auch im letzten Zyklus bemüht, die ungarischen Interessen in Brüssel zu vertreten; wir betrachten die EU-Kommission nicht als Regierung Ungarns, weshalb wir keinerlei Diktat akzeptieren können – betonte sie. (…)

József Szájer zufolge wird die Hauptaufgabe der EU-Abgeordneten darin bestehen, klar zu machen, dass Ungarn keine Kolonie ist, sondern ein eigenständiges Land, das stolz ist auf seine eigenen Taten und Traditionen, doch gleichzeitig seine mit der EU-Mitgliedschaft einhergehenden Verpflichtungen erfüllt. Er erinnerte daran, dass sie unsere Heimat immer vor Angriffen verteidigt haben (…), und fügte hinzu: Wir sagen Nein zu denen, die das Land diskreditieren (lies: Linke), und auch zu denen, die die Interessen unseres Landes, unsere EU-Fördermittel gefährden und den EU-Austritt fordern (gemeint ist Jobbik). Wir bitten die Wähler, denjenigen ihre Stimme zu geben, die für EU-Mittel und Ungarns Integration und seine Netzwerke in Europa stehen. (…)

Die Gelder aus Brüssel sind demnach das große, entscheidende Fidesz-Argument gegen Jobbik für die Europawahl.

Jobbik betrachtet sich ebenfalls als politische Vertretung der magyarischen Abstammungsgesellschaft in den tausendjährigen Grenzen, im Gegensatz zu Fidesz jedoch radikal und konsequent. Der Jobbik-Abgeordnete Tamás Gaudi-Nagy forderte auf der heutigen parlamentarischen Versammlung des Europarates die Karpatenukraine zurück. In einem T-Shirt mit der Aufschrift “Crimea legally belongs to Russia! Transcarpathia legally belongs to Hungary!” sagte er, die Ukraine sei ein künstlicher Staat, ein Teil davon habe tausend Jahre zu Ungarn gehört, und die ungarische Minderheit in der Karpatenukraine müsse das Recht auf eine Volksabstimmung bekommen. Zum Schluss sagte er, “Transcarpathia will be returned to Hungary.” (hvg, Video)

gaudi_transcarpathia

***

Fidesz-Wahlkampf in Debrecen: „Wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!“

(Im Anschluss an das Gedicht und Orbáns Auftritt hat das oppositionelle Internetradio Pacsirta Rádió bei 2:50 die geleakte Aufnahme des Parteidirektors Gábor Kubatov montiert, der 2009 erklärt hatte, alle Nicht-Fidesz-Wähler in Pécs („Kommunisten“) seien Fidesz namentlich bekannt, vgl. Post “Die Strategie des Sieges”: Fidesz-Wahlsieg dank illegaler Wählerlisten, 16. Dezember 2012.)

Das Gedicht (Quelle, in Debrecen ohne den *markierten Teil. Übersetzung N.N., PR dankt):

Wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!
So soll man dir JA oder NEIN sagen!
So soll man dir die helfende Hand reichen!
So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!
So soll man dich aus dem lodernden Haus retten, dich aus der wilden, tobenden Flut herausziehen!
So sollst du Brot an der Schwelle zum Hungertod bekommen!
So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!

Genau so treu soll deine Ehefrau dir sein, so soll dein Sohn dich ehren oder ablehnen, so soll dein Name gesegnet oder verflucht werden!
So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!
[*Hast du JA gesagt, sei der Herr mit dir!
Hast du NEIN gesagt, soll auch er dir nicht vergeben!
Sollst du das Himmelreich nicht sehen, soll in der Hölle dein Platz sein!
So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!]
Denn wer sein Volk vergisst, wer es verleugnet, der tötet seine blutsverwandten Geschwister, der kann niederträchtiger nicht sein! Für den kann es keine Entschuldigung geben!
So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!

So erklang mein Gedicht bis zum Karfreitag, dem blutigen, großen Opfer Christi. Doch da auch er am Kreuz vergeben hat, verfluche auch ich die Söhne meines Volkes nicht. Dummheit hat deine garstigen Missetaten geboren, am Tage des Jüngsten Gerichtes sollen sie dir vergeben werden!
Doch solang du auf der Erde lebst – nur, damit du es nicht vergisst: So wie du gewählt hast, so soll man dich behandeln!

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, jetzt folgt der Ministerpräsident Ungarns, Viktor Orbán! (Jubel)

3 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    11. April 2014 07:44

    Wer sind denn nun die richtigen, echten Ungarn? Nazis hat Fidesz und Jobbik ja genug. Doch ist mir nicht ganz klar wer nach der ethnischen Säuberung noch da sein wird. Bei dem Haufen an „Friedensstiftern“ fragt man sich nicht ob es losgeht, sondern wann es losgeht. Wer zündelt, möchte etwas brennen sehen.

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