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Norddeutsche Wurstfabrik beutet ungarische Arbeitskräfte aus

2. Mai 2014
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Nur ein Fall von vielen, aber hier konkret erwischt: Laut Recherchen des NDR beschäftigt die Wurstfirma Schwarz Cranz aus Neu Wulmstorf ausländische Arbeitskräfte unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Vor einem Jahr kam Spiegel TV zu ähnlichen Ergebnissen: Moderne Lohnsklaverei: Dubiose Arbeitsvermittler in der Fleischindustrie. Seither arbeitet Schwarz Cranz mit einem anderen Personaldienstleister (Birgroup) zusammen.

Die im NDR-Bericht (und auch 2013 bei Spiegel TV) zitierten Arbeiter sind allesamt Ungarn.

Ebenfalls um UngarInnen geht es in diesem hervorragenden Dossier „Ausbeutung in der Wurstfabrik. Ein norddeutscher Recherchekrimi“ (9 Seiten, pdf). Die Geschichte des Arbeiters Béla (anonymisiert) ist völlig identisch mit der des Arbeiters József aus dem NDR-Bericht. Obwohl der Name des Unternehmens hier nicht genannt wird, ist anzunehmen, dass es sich auch hier um die Firma Schwarz Cranz handelt.

Eine der AutorInnen, die Journalistin Gabriella Balassa, arbeitet ebenfalls beim NDR.

Die Machenschaften der Firma werden hier ausführlicher geschildert als im NDR-Bericht, und es wird auch deutlicher, was sie für die Betroffenen bedeuten. Nach der Lektüre hat man auf Produkte dieser Firma definitiv keinen Appetit mehr.

Solche Nachrichten finden in Ungarn vor Allem bei den Rechtsextremen Resonanz. Jobbik präsentiert sich als Vertreter der hart arbeitenden UngarInnen, die sich gutgläubig auf die Verheißungen der EU eingelassen haben und vom Westen als EU-Bürger 2. Klasse skrupellos  ausgebeutet werden (z.B. hier).

Mit dem Kauf von Schwarz Cranz-Produkten bei Lidl und Kaufland – bei Aldi heißen sie Nordland – unterstützt man nicht nur moderne Sklaverei, man gibt Jobbik & Co auch konkrete Argumente in die Hand.

Wuerste

(Quelle)

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  1. Minusio permalink
    13. Mai 2014 23:20

    Schon vor Jahren habe ich einen Beitrag über die zunehmende Ansiedlung fleischverarbeitender Betriebe um Oldenburg (nicht weit von Neu Wulmstorf) gesehen oder gelesen. Weil Deutschland keine Mindestlöhne hat und viel mit Teilzeit- und Leiharbeitern wirtschaftet, haben in Dänemark 6000 Metzger ihren Job verloren. Die dort geschlachteten Schweinehälften werden nach Oldenburg gekarrt, dort von polnischen, rumänischen, ungarischen Metzgern im Akkord unter Tarif zerlegt und wieder zurückgekarrt.

    Das geschieht in vielen Branchen (Amazon), aber keiner schämt sich.

    Es ist, wie Helmut Schmidt sagte: Die deutschen Überschüsse sind die Schulden der anderen.

    Unter Merkel ist Deutschland zu einem schlechten und unsolidarischen Europäer verkommen. Die SPD-Hartz-Reformen waren notwendig, aber man hätte ihre Exzesse schon lange mildern können. Und Herr Schäuble macht weiter Schulden, obwohl er jedes Jahr mehr einnimmt als selbst er erwartet hat. Trotzdem verrottet die westdeutsche Infrakstruktur und die Gemeinden sind pleite. Wo bleibt das Geld? Was ist mit einer gerechten Besteuerung?

    Das ändert nichts daran, dass die Polen, Rumanen, Ungarn gern bei sich zuhause arbeiten würden, wenn sie denn Arbeit hätten, die vielleicht auch noch auskömmlich bezahlt würde.

    Eine Anekdote zum Schluss: In Tromsoe (Nordnorwegen) arbeiten 15 Busfahrer aus Pécs. Sie haben sich zusammen eine kleine Bleibe gemietet, verdienen je ca. 2000 Euro im Monat und können so ihre Familien in Ungarn unterhalten, obwohl die norwegischen Lebenshaltungskosten ziemlich hoch sind.

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