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Rechtsextremer Bürgermeister demonstriert mit Galgen gegen die Justiz

18. Juni 2014

Am 17.6.2014 standen vor dem Gericht und der Staatsanwaltschaft von Nyíregyháza zwei Galgen mit symbolisch gehängten Richtern und Staatsanwälten – eine Performance von Mihály Zoltán Orosz, dem rechtsextremen Bürgermeister von Érpatak. Hinter dem für seine schrillen Medienauftritte bekannten Jobbik-Verbündeten steht mittlerweile ein überregionales Netzwerk. 

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(Bilder: Nyiregyhaza.hu)

Am 17.6.2014 standen vor dem Gericht und der Staatsanwaltschaft von Nyíregyháza zwei Galgen, ein Richter und ein Staatsanwalt wurden dort von einem „Henker“ symbolisch gehängt.

Mit dieser Performance wollte der rechtsextreme Bürgermeister von Érpatak, Mihály Zoltán Orosz (unteres Bild links) gegen ein gegen ihn laufendes Verfahren demonstrieren.

Laut Ankündigung auf der Webseite „werden bei der Demonstration ein krimineller Richter und ein krimineller Staatsanwalt symbolisch gehängt, danach werden sie das Höllenfeuer zu kosten bekommen, das sie nach ihrem Tod wegen ihrer weltzerstörenden und nationsvernichtenden Aktivitäten erwartet.“

Vom Plan, die gehängten Puppen anzuzünden, wurde jedoch abgesehen.

Im Februar 2013 hatte der rechtsextreme Bürgermeister einen Reporter des Bürgerrechtsportals Commmunity.eu und einen Mitarbeiter der Bürgerrechtsdemonstration TASZ (mittlerweile auf der schwarzen NGO-Liste der ungarischen Regierung) durch die Polizei von der Neonazi-Gedenkveranstaltung seiner Gemeinde zum „Tag der Ehre“ entfernen lassen (der Vorlauf hier im Video). Am Abend war Orosz mit etwa 20-30 Neonazis vor dem Haus eines der Betroffenen aufmarschiert.

Sie hatten wegen Diskriminierung geklagt und von der Unabhängigen Beschwerdestelle der Polizei Recht bekommen. Bei der ersten Sitzung im November 2013 war der Prozeß auf gestern vertagt worden.

Mehr zu Orosz im hervorragenden SWR2 Feature „Das Modell von Érpatak. Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert“ von Keno Verseck (19.3.2014, s.u).

Aktuell engagiert Orosz sich „tatkräftig“ mit Jobbik für die Vertreibung der ca. 800 Bewohner eines Miskolcer Armenviertels, siehe Post Miskolc: Romaviertel soll Luxusstadion weichen, 15. Juni 2014.

Sein „Modell von Érpatak“ ist mittlerweile ein „landesweites Netzwerk“ mit  „Basen“ in insgesamt 13 Gemeinden, eine davon im VIII. Budapester Bezirk.

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Ob die Galgen-Performance für Orosz als Bürgermeister Folgen haben wird, ist nicht bekannt. Wegen der seit 2011 alljährlich in der Aula der Schule stattfindenden Neonazi-Gedenkveranstaltungen zum „Tag der Ehre“ mit Teilnehmern in Uniformen der rechtsextremen Paramiliz MNA und der Neuen Ungarischen Garde wird von den Behörden nicht ermittelt.

(Quellen: atv (mit Video), Galamus, Commmunity.eu, Szabolcs Online (mit Video), Szabolcs Online.)


(Orosz rechts, commmunity.eu 2013)

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(galamus.hu)

*

Zu Orosz und dem „Modell von Érpatak“:

SWR2 Feature Das Modell von Érpatak. Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert. Von Keno Verseck. Sendung vom Mittwoch, 19.3.

„Érpatak, ein winziges Dorf im äußersten Nordosten Ungarns, plattes Land, keine Sehenswürdigkeiten, war bis 2005 ziemlich bedeutungslos, bis Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister gewählt wurde, ein bekennender Rechtsextremer, Ordnungsfanatiker, Antisemit und Romahasser. Er führte im Dorf das „Modell von Érpatak“ ein und etablierte es als verbindliches Wertemodell, dessen Regeln lauten: Ordnung, Arbeits- und Gemeinschaftssinn, nationale Brauchtumspflege. Wer die Regeln einhält, gehört zu den „Erbauern“, alle anderen sind „Zerstörer“, ihnen droht Ausgrenzung, sogar Vertreibung aus dem Dorf. Mit dem Modell hat der Bürgermeister seither in Ungarn Geschichte gemacht: Viele Gemeinden setzen es als Instrument zur Disziplinierung vor allem von Roma ein. Auch die Regierung von Viktor Orbán ließ sich davon inspirieren, als sie die gesetzliche Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger einführte. Das Dorf wurde zu einem Ausgangspunkt für Ungarns autoritär-nationalistische Wende.“

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