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Nacht-und-Nebel-Aktion: Denkmal der deutschen Besatzung errichtet

20. Juli 2014
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Die ungarische Regierung wählte ausgerechnet den 70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler, um in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Denkmal der deutschen Besatzung auf dem Budapester Freiheitsplatz fertigzustellen, gegen das seit 104 Tagen kontinuierlich protestiert wird. Etwa 200 Menschen protestierten am Sonntag.

[Update 21.7.2014: Die hebräische Inschrift „Zum Gedenken an die Opfer“ ist falsch übersetzt.]


(Pester Lloyd/Index)

Das Denkmal von Bildhauer Péter Párkányi-Raab im neuen Fidesz-Monumentalstil (s.u.) zeigt den deutschen Reichsadler, der sich auf den Ungarn symbolisierenden Erzengel Gabriel stürzt.

Im Vergleich zum Entwurf gibt es mehrere Neuerungen: Auf dem Tympanon befindet sich eine Aufschrift („Denkmal der Opfer der deutschen Besatzung“); der Reichsadler trägt einen Ring mit der Aufschrift „1944“ am Fuss; der Engel hält einen Reichsapfel mit apostolischem Doppelkreuz und verweist somit auf das „tausendjährige christliche Ungarn“.

Eben dieser „christliche“ ungarische Staat hatte seine jüdische Bevölkerung seit 1920 zunehmend diskriminiert, entrechtet, enteignet, 1941 Tausende und 1944 Hunderttausende deportiert und an die Nazis ausgeliefert. Unter anderem dieses Denkmals wegen boykottieren die ungarischen jüdischen Gemeinden das Holocaust-Gedenkjahr der Regierung.

[Update 21.7.2014:

Rabbi Zoltán Radnóti konstatiert in seinem Blog („Der Gipfel von Schlamperei und Zynismus„) einen Übersetzungsfehler bei der hebräischen Inschrift „Zum Gedenken an die Opfer“. Das hier für „Opfer“ verwendete Wort (Korban) bedeutet nicht Opfer von Gewalt, sondern ist dem jüdischen Ritus entnommen und bedeutet „Opfergabe“. Für die Opfer des Holocaust gibt es im Hebräischen einen eigenen Begriff, so Radnóti. Offenbar wurde ein Übersetzungsprogramm benutzt.

Demnach lautet diese Inschrift „Zum Gedenken an die Opfergaben“ bzw. „Zum Gedenken an die Tieropfer“.

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Foto: Zoltán Radnóti. Update Ende.]

In der Nacht zum Sonntag waren die beiden Bronzestatuen auf den großräumig abgesperrten Platz angeliefert und montiert worden, bewacht von einer Hundertschaft der Polizei.

Am Sonntag Vormittag protestierten etwa 200 Menschen vor dem Denkmal, Eier flogen.

Die offizielle Einweihung ist für den 21.7. angekündigt.

Presse:

Die Vorgeschichte auf diesem Blog: Proteste gegen Nazi-Denkmal, 3. Woche: Polizei räumt, 30. April 2014, bzw. hier.

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(Bilder: Béla B. Molnár, Facebook)

Eier flogen:

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(Kanadai Magyar Hirlap)

Reichsapfel mit apostolischem Doppelkreuz, dem herabstoßenden Adler praktisch dargereicht:

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(Népszabadság Online)

Wem ähnelt der Engel? Auf Facebook kursiert das:

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(Facebook)

Nacht-und-Nebel-Aktion (Bilder von hier):

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Fidesz-Staatskunst

Der Bildhauer Péter Párkányi-Raab kann mittlerweile als einer der Hauptrepräsentanten des neuen Fidesz-Monumentalstils bezeichnet werden, er schuf etliche  Denkmäler und Plastiken im öffentlichen Raum, so u.A. die Skulpturen am Nationaltheater, den  Ister-Brunnen von Esztergom (2007), das Albert-Wass-Denkmal in Mátészalka (2009), das Trianon-Denkmal in Kaposvár (2010),  und die Statue des Stammesführers Lehel in Jászbérény (2014).

(Magyar Narancs)

Ister-Brunnen, Esztergom 2007 (Fidesz-Bürgermeister). Quelle

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Statue des Stammesführers Lehel in Jászbérény (Ähnlichkeit mit Parlamentspräsidenten László Kövér beachten); gemeinsames Werk mit Miklós Melocco, 2014 (MTI). Melocco verfasste auch das künstlerische Gutachten für Párkányis Besatzungsdenkmal.

4 Kommentare leave one →
  1. 21. Juli 2014 13:13

    ungarische Debatte zum Thema: https://www.academia.edu/6782717/German_Occupation_or_Hungarian_Responsibility_A_Hungarian_Debate_on_March_19_1944

  2. Klaus permalink
    21. Juli 2014 20:44

    Auch die englische Übersetzung ist falsch: „In memory of the victims“

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